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Ödeme der unteren Extremität in der Spätschwangerschaft

Von

Geeta K. Swamy

, MD,

  • Duke University Medical Center
;


R. Phillip Heine

, MD,

  • Associate Professor and Director, Division of Maternal-Fetal Medicine, Department of Obstetrics and Gynecology
  • Duke University Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Ödeme kommen während der Spätschwangerschaft häufig vor. Sie treten in der Regel an den unteren Extremitäten auf, aber gelegentlich erscheinen sie als Schwellung oder Auftreibung im Gesicht oder an den Händen.

Ätiologie

Die meisten Ödeme in der Schwangerschaft sind

  • Physiologische Ödeme

Physiologische Ödeme sind die Folge einer Hormon-induzierten Na-Retention. Ödeme können entstehen, wenn der vergrößerte Uterus intermittierend im Liegen die Vena cava inferior komprimiert und dadurch den venösen Rückfluss aus beiden Femoralvenen verlegt.

Pathologische Ursachen von Ödemen sind weniger häufig, aber oft gefährlich. Diese umfassen:

TVT tritt während der Schwangerschaft häufiger auf, da die Schwangerschaft ein Zustand gesteigerter Gerinnbarkeit des Blutes ist und Schwangere sich wahrscheinlich weniger bewegen.

Präeklampsie entsteht durch schwangerschaftsinduzierte Hypertonie; allerdings entwickeln nicht alle Frauen mit Präeklampsie Ödeme.

Ausgedehnte Zellulitis, die in der Regel fokale Erytheme verursacht, kann allgemeinen Ödemen ähneln.

Tabelle
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Ursachen von Ödemen der unteren Extremität in der Spätschwangerschaft

Ursache

Verdachtsbefunde

Diagnostisches Vorgehen

Physiologische Ödeme

Symmetrisch, beidseitige Ödeme am Bein, die sich im Liegen bessern

Ausschlussdiagnose

TVT

Schmerzhafte einseitige Schwellung eines Beins oder einer Wade, Rötung und Überwärmung

Gelegentlich Vorliegen von Risikofaktoren für TVT

d-Dimer-Tests und/oder Duplex-Ultraschall mit niedrigerer Extrembelastung

Präeklampsie

Hypertonie und Proteinurie mit oder ohne nennenswerten unabhängigen Ödemen (z. B. im Gesicht oder an Händen), die, wenn vorhanden, nicht rot, überwärmt oder schmerzhaft sind

Gelegentlich Vorliegen von Risikofaktoren für Präeklampsie

Bei schwerer Präeklampsie ggf. zusätzlich Kopfschmerzen, Schmerzen im rechten oberen Quadranten und/oder Oberbauch und Sehstörungen

Ggf. Papillenödem, Gesichtsfelddefizite und pulmonale Rasselgeräusche (zusätzlich zu den Ödemen), während der körperlichen Untersuchung festgestellt

Blutdruckmessung

Eiweißbestimmung im Urin

Blutbild, Elektrolyte, Blut-Harnstoff-Stickstoff, Glukose, Kreatinin, Leberwerte

Zellulitis

Schwerzhafte einseitige Schwellung an einem Bein oder einer Wade, Rötung (asymmetrisch), Überwärmung und gelegentlich Fieber

Manifestationen oft umschriebener als bei TVT

Sonographie zum Ausschluss einer TVT, außer Schwellung ist klar lokalisiert

Untersuchung auf Infektionsquelle

TVT = tiefe Venenthrombose.

Abklärung

Die Diagnostik zielt auf den Ausschluss einer TVT und Präeklampsie. Physiologisches Ödem ist eine Ausschlussdiagnose.

Anamnese

Zur Anamnese der aktuellen Erkrankung sollten Beginn und Dauer des Symptoms, auslösende und lindernde Faktoren (ein physiologisches Ödem bessert sich durch Liegen in der linken Seitenlage) und Risikofaktoren für TVT und Präeklampsie gehören.

Risikofaktoren für DVT sind

  • Venöse Insuffizienz

  • Verletzungen

  • Hyperkoagulabilitätsstörung

  • Thrombotische Krankheiten

  • Zigarettenrauchen

  • Immobilität

  • Maligne Tumoren

Zu den Risikofaktoren für Präeklampsie gehören

Bei der Überprüfung der Symptome sollte nach Symptomen gesucht werden, die auf mögliche Ursachen hinweisen, einschließlich der Folgenden:

  • Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen und Gelbsucht: Präeklampsie

  • Schmerz, Rötung oder Wärme in einer Extremität: DVT oder Cellulitis

  • Dyspnoe: Lungenödem oder Präeklampsie

  • Plötzliche Gewichtszunahme oder Ödeme an Händen und Gesicht: Präeklampsie

  • Kopfschmerzen, Verwirrung, Veränderungen des psychischen Zustands, verschwommenes Sehen oder Anfälle: Präeklampsie

Die Anamnese sollte frühere TVT, Lungenembolie, Präeklampsie und Bluthochdruck berücksichtigen.

Körperliche Untersuchung

Die Untersuchung beginnt mit Überprüfung der Vitalfunktionen, insbesondere des Blutdrucks.

Die Regionen mit den Ödemen werden hinsichtlich Verteilung (d. h. beidseitig und symmetrisch oder einseitig) und Vorhandensein von Rötung, Überwärmung und Schmerzempfindlichkeit untersucht.

Die Allgemeinuntersuchung konzentriert sich auf Bereiche, die Befunde einer Präeklampsie aufweisen können. Die Untersuchung der Augen umfasst die Prüfung des Sehfeldes auf Defizite, und mithilfe einer Augenspiegelung wird auf ein Papillenödem untersucht.

Die Herz-Kreislauf-Untersuchung beinhaltet die Auskultation des Herzens und der Lunge auf Anzeichen einer Flüssigkeitsüberladung (z. B. hörbare S3- oder S4-Herztöne, Tachypnoe, Rasselgeräusche, Knistergeräusche) und Inspektion der Halsvenen auf jugularvenöse Erweiterung. Der Bauch sollte hinsichtlich Schmerzempfindlichkeit abgetastet werden, vor allem in der Magengegend oder im rechten oberen Quadranten. Während der neurologischen Untersuchung sollte der psychische Zustand hinsichtlich Verwirrung bewertet und auf fokale neurologische Defizite geachtet werden.

Warnzeichen

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Blutdruck 140/90 mmHg

  • Einseitige Überwärmung, Rötung oder Empfindlichkeit am Bein oder an der Wade mit oder ohne Fieber

  • Systemische Symptome oder Anzeichen einer Präeklampsie, vor allem Veränderungen des psychischen Zustandes

Interpretation der Befunde

Obwohl Ödeme während der Schwangerschaft häufig sind, sind die Berücksichtigung und der Ausschluss der gefährlichsten Ursachen (Präeklampsie und TVT) wichtig:

  • Bei einem Blutdruck > 140/90 mmHg sollte an Präeklampsie gedacht werden.

  • Tritt ein Ödem nur an einem Bein auf, insbesondere wenn Rötung, Überwärmung und Empfindlichkeit vorliegen, sollten TVT und Zellulitis in Betracht gezogen werden.

  • Beidseitige Beinödeme sind ein Hinweis auf einen physiologischen Prozess oder eine Präeklampsie als Ursache.

Klinische Befunde helfen bei Suche nach der Ursache (siehe Tabelle Ursachen von Ödemen der unteren Extremität in der Spätschwangerschaft). Weitere Befunde können auf Präeklampsie hinweisen (siehe Tabelle Auf Präeklampsie hinweisende Befunde).

Tabelle
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Auf Präeklampsie hinweisende Befunde

Organsystem oder Körperteil

Symptome

Klinische Befunde

Augen

Sehverschlechterung

Gesichtsfelddefizite, Papillenödem

Kardiovaskulär

Dyspnoe

Verstärkter S3- oder hörbarer S4-Herzton

Tachypnoe, Rasselgeräusche, Knistergeräusche

Gastrointestinal

Übelkeit, Erbrechen, Gelbsucht

Empfindlichkeit im Oberbauch oder rechten oberen Quadranten

Urogenital

Reduzierte Urinausscheidung

Oligurie

Neurologisch

Verwirrung, Kopfschmerzen

Anomaler mentaler Status

Extremitäten

Gewichtszunahme, plötzlich einsetzend und extrem

Ödeme an den Beinen, am Gesicht und an den Händen

Haut

Ausschlag

Petechien, Purpura

Tests

Bei Verdacht auf eine Präeklampsie werden die Eiweiße im Urin bestimmt; Hypertonie plus Proteinurie sind Hinweise auf Präeklampsie. In der Routine wird ein Urin-Streifentest benutzt; wenn die Diagnose aber unklar ist, ist die Bestimmung des Eiweißes im 24-h-Sammelurin sinnvoll. Viele Labors können schneller das Eiweiß beurteilen, in dem sie das Verhältnis von Eiweiß im Urin zu Kreatinin im Urin messen und berechnen.

Wenn eine TVT vermutet wird, wird ein Duplexultraschall an der unteren Extremität durchgeführt.

Behandlung

Spezifische Ursachen werden behandelt.

Das physiologische Ödem kann durch folgende Maßnahmen reduziert werden:

  • Zeitweise auf der linken Seite liegend (wodurch die Gebärmutter von der unteren Hohlvene entfernt wird)

  • Intermittierendes Anheben der unteren Extremitäten

  • Tragen von Kompressionsstrümpfen

  • Tragen von loser Kleidung, die den Blutfluss nicht behindert, insbesondere in den Beinen

Wichtige Punkte

  • Ödeme sind häufig und in der Regel gutartig (physiologisch) in der Spätschwangerschaft.

  • Das physiologische Ödem wird reduziert, indem man in der linken seitlichen Dekubitusposition liegt, die unteren Extremitäten anhebt, Kompressionsstrümpfe trägt und lose Kleidung trägt, die den Blutfluss nicht einschränkt.

  • Hypertonie und Proteinurie geben eine Präeklampsie zu erkennen.

  • Einseitige Rötung, Überwärmung und Schmerzempfindlichkeit eines Beins erfordern eine Abklärung auf eine TVT.

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