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Übersicht über Vergiftungen

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Eine Vergiftung ist eine Schädigung, die dadurch entsteht, dass eine toxische Substanz verschluckt oder inhaliert wird oder mit Haut, Augen und Schleimhäuten, wie beispielsweise denen von Mund oder Nase, in Kontakt kommt.

  • Zu den möglichen giftigen Substanzen zählen verschreibungspflichtige und rezeptfreie Arzneimittel, illegale Drogen, Gase, Chemikalien, Vitamine, Nahrungsmittel, Pilze, Pflanzen und tierische Gifte.

  • Manche Gifte verursachen keine Schäden, während andere zu schweren Schäden oder zum Tod führen können.

  • Die Diagnose basiert auf Symptomen, auf Informationen, die von der vergifteten Person und umstehenden Personen eingeholt werden, und manchmal auf Blut- und Urintests.

  • Medikamente sollten immer in kindersicheren Originalbehältnissen und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.

  • Die Behandlung besteht darin, der Person zu helfen, eine weitere Aufnahme des Gifts zu verhindern und manchmal das Ausscheiden des Gifts zu beschleunigen.

Mehr als 2 Millionen Menschen erleiden in den Vereinigten Staaten jedes Jahr eine Vergiftung. Medikamente – rezeptpflichtige, frei verkäufliche und illegale – sind eine häufige Ursache für schwere Vergiftungen und Todesfälle durch Vergiftung (siehe Vergiftung mit Paracetamol und Aspirin-Vergiftung). Andere häufige Ursachen sind Gase (z. B. Kohlenmonoxid), Haushaltsmittel (siehe Vergiftung durch ätzende Stoffe), landwirtschaftliche Produkte, Pflanzen, Schwermetalle (z. B. Eisen und Blei), Vitamine, Tiergifte und Nahrungsmittel (insbesondere Pilze und Fische und Meeresfrüchte). Allerdings kann so gut wie jede Substanz, die in ausreichend hoher Menge eingenommen wird, giftig (toxisch) sein.

Unbeabsichtigte Vergiftung

Vergiftungen sind die häufigste Ursache für nicht tödliche Unfälle im Haus. Kleine Kinder sind wegen ihrer Neugier oder ihres Forschungsdrangs besonders anfällig für eine versehentliche Vergiftung zu Hause, wie auch ältere Leute, häufig wegen einer Medikamentenverwechslung. Da Kinder häufig gefundene Pillen und Substanzen gemeinsam einnehmen, können Geschwister und Spielkameraden ebenfalls vergiftet worden sein. Auch Menschen im Krankenhaus erleiden oft Vergiftungen (aufgrund von Medikationsfehlern), ebenso wie Industriearbeiter (durch Exposition gegenüber giftigen Chemikalien).

Absichtliche Vergiftung

Vergiftungen können auch ein vorsätzlicher Versuch sein, einen Mord oder Selbstmord zu begehen. Die meisten Erwachsenen, die einen Selbstmordversuch mit Gift unternehmen, nehmen mehr als ein Medikament und außerdem Alkohol zu sich. Personen können mit Gift kampfunfähig gemacht werden (z. B. um diese zu vergewaltigen oder auszurauben). In seltenen Fällen vergiften Eltern mit einer seltenen Geisteskrankheit ihre Kinder, damit diese krank werden und medizinisch behandelt werden müssen (diese Krankheit wird Münchhausen-Stellvertretersyndrom genannt).

Symptome

Wie viel Schaden eine Vergiftung anrichtet, hängt von dem Gift, der eingenommenen Menge und dem Alter und Gesundheitszustand der betreffenden Person ab. Manche Gifte sind schwach und verursachen nur dann Probleme, wenn sie über längere Zeit oder in wiederholt großen Mengen eingenommen werden. Andere Gifte sind so stark, dass ein einziger Tropfen auf der Haut ernsthafte Schäden verursachen kann.

Manche Gifte verursachen innerhalb von Sekunden Symptome, während andere erst nach Stunden, Tagen oder sogar Jahren Symptome hervorrufen. Manche Gifte führen zu wenigen sichtbaren Symptomen, es sei denn, dass sie lebenswichtige Organe geschädigt haben, wie etwa die Nieren oder die Leber, und diese permanent schädigen.

Konsumierte oder absorbierte Gifte sorgen in der Regel für Symptome am ganzen Körper, häufig deshalb, weil sie den Körperzellen Sauerstoff entziehen oder Enzyme und Rezeptoren aktivieren bzw. deaktivieren. Zu den Symptomen können Veränderungen im Bewusstsein, der Körpertemperatur, Herzfrequenz und Atmung sowie viele andere zählen, je nach betroffenem Organ.

Ätzende oder reizende Substanzen verletzen die Schleimhäute von Mund, Hals, Magendarmtrakt und Lungen und verursachen dadurch Schmerzen, Husten, Erbrechen und Kurzatmigkeit.

Hautkontakt mit Giften kann verschiedene Symptome hervorrufen, z. B. Ausschläge, Schmerzen und Blasenbildung. Längerer Hautkontakt kann zu Dermatitis führen.

Augenkontakt mit Giften kann das Auge verletzen, Schmerzen, Rötung und Verlust der Sehkraft hervorrufen.

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Nicht toxische Haushaltsprodukte*

  • Klebstoffe

  • Magensäuremittel

  • Badeöl†

  • Badewannenspielzeug (schwimmend)

  • Bleichmittel (weniger als sechs Prozent Natriumhypochlorid)

  • Körperpflegeprodukte

  • Schaumbäder (Reinigungsmittel)†

  • Kerzen

  • Carbowax (Polyethylenglykol)

  • Carboxymethylzellulose (ein Trockenmittel, das verpackten Filmen, Büchern und anderen Produkten beigelegt wird)

  • Rizinusöl

  • Cetylalkohol (auch Palmitinsäure, eine Substanz, die für manche Kosmetikprodukte wie Shampoos und Spülungen verwendet wird)

  • Kreide (Kalziumkarbonat)

  • Kölnisch Wasser

  • Verhütungsmittel

  • Kortikosteroide (auf die Haut aufgetragen)

  • Kosmetika

  • Wachsmalstifte

  • Deodorants

  • Deos, Spray und kühlend

  • Wundcremes und -öle

  • Trockenzellbatterie (alkalisch)

  • Weichspüler

  • Leuchtprodukte wie Leuchtstifte und Leuchthalsbänder

  • Glyzerin

  • Glyzerin-Monostearat

  • Grafit

  • Gummis (wie Akazie, Agar und Ghatti)

  • Handlotionen und -cremes

  • Wasserstoffperoxid (drei Prozent medizinisch)

  • Weihrauch

  • Marker-Stifte

  • Tinte (in einer Kugelstiftmenge)

  • Jodsalze

  • Kaolin

  • Lanolin

  • „Blei”-Stifte (die eigentlich aus Graphit bestehen)

  • Linolsäure

  • Leinsamenöl (nicht gekocht)

  • Filzstifte

  • Zündhölzer

  • Methylcellulose

  • Mineralöl†

  • Knetmasse

  • Zeitung

  • Malfarben (Wasserfarben oder auf Wasserbasis)

  • Parfums

  • Vaseline

  • Pflanzendünger (Haushalt)

  • Polyethylenglykole, z. B. PEG-Stearat

  • Polysorbat

  • Spachtelmasse

  • Duftkissen (ätherische Öle, Puder)

  • Räucherstäbchen Rasiercremes und Lotionen

  • Kieselsäure (als Siliziumdioxid)

  • Seifen und Seifenprodukte (auch Handseife)

  • Walrat

  • Stärke und Leim

  • Stearinsäure

  • Sonnenschutzcreme

  • Talkum (außer wenn es eingeatmet wird)

  • Titandioxid

  • Zahnpasta mit oder ohne Fluorid

  • Triacetin (Glyzerin-Triacetat)

  • Vitamine (Multivitamin für Kinder mit oder ohne Eisen)

  • Vitamine (Multivitamin ohne Eisen)

  • Wachs oder Paraffin

  • Zinkoxid

  • Zirkoniumoxid

* Fast jede Substanz kann giftig sein, wenn sie in ausreichender Menge aufgenommen wird.

† Mäßig visköse (dickflüssige) Substanzen wie Öle und Waschmittel sind nicht giftig, wenn sie verschluckt werden, können aber später zu Lungenschäden führen, wenn sie eingeatmet oder von den Lungen aufgenommen werden.

Erste Hilfe

Die erste Pflicht, wenn man einer Person mit einer Vergiftung helfen will, ist, dafür zu sorgen, dass die Umstehenden nicht auch noch vergiftet werden.

Menschen, die toxischen Gasen ausgesetzt sind, sollten schnell von der Quelle entfernt werden, vorzugsweise an die frische Luft. Rettungsversuche sollten aber nur von Fachleuten unternommen werden. Eine besondere Ausbildung und Vorsichtsmaßnahmen können bei Rettungsversuchen helfen, nicht von toxischen Gasen oder Chemikalien überwältigt zu werden. (Siehe auch Überblick über Verletzungen in Zusammenhang mit Massenvernichtungswaffen.)

Bei verschütteten Chemikalien sollten alle kontaminierten Kleidungsstücke, auch die Socken und Schuhe und die Schmuckstücke, sofort ausgezogen bzw. abgenommen werden. Die Haut sollte gründlich mit warmem Wasser und Seife gewaschen werden. Wenn die Augen betroffen sind, sollten sie gründlich mit Wasser oder Kochsalzlösung gespült werden. Die Rettungskräfte müssen sorgfältig vermeiden, selbst vergiftet zu werden.

Wirkt die Person krank, sollte der medizinische Notruf (in Deutschland 112) gerufen werden. Umstehende sollten bei Bedarf eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) vornehmen. Wirkt die Person unverletzt, können Umstehende die nächste Giftnotrufzentrale für weitere Hinweise anrufen. In Deutschland sind die bundesweit neun verfügbaren Giftnotrufzentralen unter der Ortsvorwahl + 19240 zu erreichen (Ausnahmen sind Erfurt: 0361 73073-0 und Nürnberg 0911 398-2451). Weitere Informationen gibt es beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf der Internetseite (http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/09_InfektionenIntoxikationen/02_Giftnotrufzentralen/lm_LMVergiftung_giftnotrufzentralen_node.html). Falls der Anrufer weiß oder feststellen kann, um welches Gift es sich handelt und wie viel davon eingenommen wurde, kann oft zu Hause mit der Behandlung begonnen werden, falls dies von der Giftnotrufzentrale empfohlen wird.

Es sollten alle Behälter mit dem Gift und alle Medikamente, die die vergiftete Person eventuell eingenommen hat (auch nicht verschreibungspflichtige Produkte), aufgehoben und dem Arzt oder Rettungspersonal ausgehändigt werden. Die Giftberatungsstelle empfiehlt möglicherweise, der vergifteten Person vor der Ankunft im Krankenhaus Aktivkohle ({blank} Die Aufnahme des Gifts verhindern) und, in seltenen Fällen, Brechwurzelsirup zu verabreichen, um das Erbrechen einzuleiten, besonders wenn die Person weit fahren muss, um ins Krankenhaus zu kommen. Wenn nicht spezifisch dazu angewiesen, sollten Kohle und Brechwurzelsirup nicht zu Hause oder von Ersthelfern (z. B. Notarzt) verabreicht werden. Brechwurzelsirup hat unvorhersehbare Wirkungen, verursacht oft längeres Erbrechen und kann eventuell nicht genügend Gift aus dem Magen entfernen.

Diagnose

  • Feststellung der Art des Giftes

  • Manchmal Urin- und Bluttests

  • In seltenen Fällen Röntgenaufnahme der Brust

Zunächst muss festgestellt werden, um welches Gift es sich handelt. Anhand der Etiketten auf Flaschen und anderen Informationen von der Person selbst, den Familienmitgliedern oder Mitarbeitern kann der Arzt oder die Giftnotrufzentrale am besten das Gift identifizieren. Wenn keine Etiketten verfügbar sind, lassen sich Medikamente oft durch die Markierungen und Farben auf der Pille oder Kapsel identifizieren. Mit Labortests ist es sehr viel schwieriger, das Gift zu identifizieren, und manche Medikamente und Gifte lassen sich im Krankenhaus nicht ohne Weiteres identifizieren und messen. Manchmal können allerdings Urin- und Bluttests bei der Identifizierung helfen. Manchmal können Bluttests Auskunft über die Schwere der Vergiftung geben, aber nur bei einer kleinen Anzahl von Giften.

Ärzte untersuchen die Betroffenen auf Anzeichen, die für eine bestimmte Art von Substanz sprechen. Ärzte können z. B. nach Nadelstichen suchen, die darauf hindeuten, dass die Betroffenen sich Drogen injiziert haben (siehe Injektion von Drogen). Zudem suchen sie nach Symptomen, die charakteristisch für bestimmte Formen von Vergiftung sind. Die Ärzte sehen nach, ob sich auf der Haut der Betroffenen Spuren eines Medikaments oder einer Substanz befinden, oder verwenden einen Drogenschnelltest mit einem Pad, um über die Haut absorbierte Drogen, die in Hautfalten, dem Gaumendach oder der Zunge zu finden sein können, nachzuweisen.

Bei manchen Vergiftungen können Röntgenbilder des Bauchraums das Vorhandensein und die Position der eingenommenen Substanzen zeigen. Vergiftungen, die man auf Röntgenbildern sehen kann, sind unter anderem Eisen, Blei, Arsen, andere Metalle und große Kokainpakete oder andere illegale Drogen, die von sogenannten Bodypackern oder Drogenkurieren geschluckt werden (siehe Bodypacking (Drogenpackungen) und Bodystuffing). Batterien und Magnete können ebenfalls über Röntgenbilder sichtbar gemacht werden, sowie Giftzähne, Zähne, Rückgratknorpel und andere tierische Reste, die nach einem Angriff mit einem Tier oder einem Giftbiss abgebrochen sein könnten und sich im Körper eingenistet haben.

Drogentests

Tests zum Nachweis von Drogen im Urin sind jetzt frei zum Verkauf erhältlich. Die Genauigkeit dieses Tests kann erheblich schwanken. Daher sollten die Ergebnisse nicht als ein Beweis betrachtet werden, dass bestimmte Drogen eingenommen wurden oder nicht. Die Tests sollten am besten in Absprache mit einem Fachmann erfolgen. Wenn sie ohne einen Fachmann durchgeführt wurden, sollten die Ergebnisse mit einem Fachmann besprochen werden, der mit Drogentests vertraut ist. Der Arzt kann Eltern helfen, die Testergebnisse auszuwerten und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Vorbeugung

In den Vereinigten Staaten hat der weit verbreitete Einsatz von kindersicheren Behältnissen mit Sicherheitsverschlüssen die Anzahl von Todesfällen durch Vergiftung bei Kindern unter 5 Jahren beträchtlich reduziert. Um eine nicht gewollte Vergiftung zu verhindern, sollten Medikamente und andere potenziell gefährliche Substanzen in ihren Originalbehältern verwahrt werden. Toxische Substanzen wie Insektenmittel und Reinigungsmittel sollten nicht, auch nicht nur kurz, in Trinkflaschen oder –tassen gefüllt werden. Andere vorbeugende Maßnahmen sind unter anderem:

  • Haushaltsprodukte deutlich kennzeichnen

  • Medikamente (vor allem Opioide) und toxische Substanzen in abschließbaren Schränken und außer Reichweite von Kindern aufbewahren

  • Kohlenmonoxid-Detektoren verwenden

Abgelaufene Medikamente sollten bei Entsorgung mit Katzenstreu oder einer anderen, wenig verlockenden Substanz gemischt und dann in einem Müllbehälter entsorgt werden, der für Kinder nicht zugänglich ist. Die Betroffenen können auch eine Apotheke vor Ort um Rat fragen, wie die Medikamente ordnungsgemäß entsorgt werden sollten. Alle Etiketten sollte gelesen werden, bevor irgendwelche Medikamente eingenommen oder verabreicht oder Haushaltsprodukte verwendet werden.

Die Reduzierung verfügbarer, frei verkäuflicher Schmerzmittel in einem einzigen Schränkchen reduziert auch das Vergiftungsrisiko, besonders mit Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen. Die auf die Pillen und Kapseln aufgedruckten Identifizierungsmarken des Herstellers können helfen, Verwechslungen und Fehler seitens der Apotheker, medizinischen Fachkräften und Anderen zu vermeiden.

Wussten Sie ...

  • In Deutschland sind die bundesweit neun verfügbaren Giftnotrufzentralen unter der Ortsvorwahl + 19240 zu erreichen (Ausnahmen sind Erfurt: 0361 73073-0 und Nürnberg 0911 398-2451).

Behandlung

Manche Betroffene, die eine Vergiftung haben, müssen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Mit sofortiger ärztlicher Behandlung erholen sich die meisten vollständig.

Die Regeln bei der Behandlung aller Vergiftungen sind dieselben:

  • Lebenswichtige Funktionen unterstützen wie Atmung, Blutdruck, Körpertemperatur und Herzfrequenz

  • Die weitere Einnahme verhindern

  • Das Gift weiter eliminieren

  • Bestimmte Gegengifte verabreichen (Substanzen, die das Gift eliminieren, inaktiv machen oder seine Wirkung bekämpfen), wenn solche verfügbar sind

  • Eine neue Einnahme verhindern

Normalerweise ist das Ziel einer Behandlung im Krankenhaus, die Betroffenen am Leben zu halten, bis das Gift ausgeschieden oder vom Körper inaktiviert wurde. Die meisten Gifte werden in der Regel in der Leber deaktiviert oder im Urin ausgeschieden.

Unterstützende Behandlungsmaßnahmen ergreifen

Eine Vergiftung macht oft eine Behandlung, eine unterstützende Versorgung über eine bestimmte Zeit erforderlich, um das Herz, den Blutdruck und die Atmung zu stabilisieren, bis das Gift verschwunden oder deaktiviert ist. Ist das Vergiftungsopfer zum Beispiel stark benommen oder komatös, muss eventuell ein Beatmungstubus in die Luftröhre eingeführt werden. Der Schlauch wird dann mit einem Beatmungsgerät verbunden, das die Atmung des Patienten mechanisch unterstützt. Der Schlauch verhindert, dass das Erbrochene in die Lunge gelangt, und das Beatmungsgerät stellt eine korrekte Atmung sicher.

Auch eine Behandlung kann notwendig sein, um Krämpfe, Fieber oder Erbrechen zu verhindern. Wenn das Gift hohes Fieber verursacht, muss der Patient eventuell gekühlt werden, zum Beispiel mit einem kühlen Laken, oder manchmal durch Aufbringen von kühlem Wasser oder Eis auf die Haut.

Wenn die Nieren ihre Funktion einstellen, wird eine Blutwäsche, auch Hämodialyse genannt, nötig. Falls die Schädigung der Leber schwerwiegend ist, ist eventuell eine Behandlung wegen Leberversagens notwendig. Sind Leber oder Nieren dauerhaft beschädigt, muss eventuell eine Lebertransplantation oder Nierentransplantation vorgenommen werden.

Die Aufnahme des Gifts verhindern

Eine Magenentleerung (Erbrechen einleiten oder den Magen auspumpen), die früher häufig vorgenommen wurde, wird inzwischen für gewöhnlich vermieden, weil damit nur ein kleiner Anteil des Gifts entfernt wird und es zu ernsthaften Komplikationen kommen kann. Das Entleeren des Magens verbessert den Zustand eines Patienten nur selten. In seltenen Fällen wird der Magen aber ausgepumpt, wenn es sich um ein ungewöhnlich gefährliches Gift handelt oder wenn der Patient sehr krank zu sein scheint.

Bei diesem Verfahren wird durch den Mund ein Tubus in den Magen geführt. In den Magen wird über den Tubus Wasser zugeführt und dann abgesaugt (Magenspülung). Dieses Verfahren wird mehrmals wiederholt. Falls die Betroffenen wegen des Gifts benommen sind, führen die Ärzte zunächst einen Atemtubus aus Kunststoff über den Mund bis in die Luftröhre ein (endotracheale Intubation). Eine endotracheale Intubation trägt dazu bei, zu verhindern, dass die Flüssigkeit der Magenspülung in die Lunge gelangt. Im Krankenhaus verabreichen die Ärzte keinen Brechwurzelsirup, um den Magen zu leeren, weil damit unterschiedliche Effekte erzielt werden.

Aktivkohle wird manchmal in der Notaufnahme an Patienten verabreicht, die Gift geschluckt haben. Aktivkohle, bindet das Gift im Verdauungstrakt und verhindert so seine Aufnahme ins Blut. Kohle wird in der Regel oral eingenommen, wenn der Patient wachsam und kooperativ ist. Die Einführung von Aktivkohle über einen Schlauch in die Nase oder den Mund bei Patienten, die entweder nicht kooperativ oder lethargisch sind, wird nicht empfohlen. Manchmal verabreichen die Ärzte alle 4 bis 6 Stunden Kohle, um dem Körper zu helfen, sich von dem Gift zu reinigen. Nicht alle Gifte werden durch Kohle desaktiviert. Zum Beispiel bindet Kohle Alkohol, Eisen oder viele Haushaltschemikalien nicht.

Das Ausscheiden von Gift beschleunigen

Wenn ein Gift trotz der Einnahme von Kohle und Gegengiften weiter lebensbedrohlich bleibt, sind kompliziertere Behandlungsmethoden notwendig, um das Gift zu entfernen. Meist wird mit einer Hämodialyse und einer Kohle-Hämoperfusion behandelt.

Bei einer Hämodialyse wird eine künstliche Niere (Dialysator) verwendet, um die Gifte aus dem Blutkreislauf herauszufiltern.

Bei der Kohle-Hämoperfusion wird Kohle verwendet, um die Gifte zu entfernen (siehe Tabelle Hämofiltration und Hämoperfusion: Andere Möglichkeiten zur Blutreinigung).

Bei jeder dieser Methoden werden kleine Sonden (Katheter) in die Blutbahnen eingeführt, eine, um das Blut aus der Arterie abzuleiten, und eine andere, um das Blut wieder einer Vene zuzuführen. Das Blut wird durch spezielle Filter geführt, die die toxische Substanz herausfiltern, bevor das Blut dem Körper wieder zugeführt wird.

Eine Spülung des gesamten Magen-Darmtrakts ist eine Behandlungsmethode, bei der das Gift aus dem Verdauungstrakt geschwemmt wird. Sie wird nur gelegentlich verwendet, zum Beispiel bei einer schweren Vergiftung, die durch Gifte verursacht wurde, die im Verdauungstrakt festsitzen oder physisch entfernt werden müssen (Päckchen mit versteckten geschmuggelten Drogen), oder durch Gifte, die langsam (wie etwa bestimmte Drogen) aufgenommen oder von Aktivkohle nicht absorbiert werden (wie etwa Eisen und Blei).

Manchmal wird eine Alkali-Diurese verwendet. Hierbei wird eine Lösung mit Natriumbikarbonat (die Chemikalie in Backpulver) über die Vene verabreicht, um den Urin alkalischer oder basischer (im Gegensatz zu saurer) zu machen. Das kann bei manchen Medikamenten (wie Aspirin oder Barbiturate) die im Urin ausgeschiedene Menge erhöhen.

Das Gift aus Augen und der Haut entfernen

Gifte in Augen und der Haut müssen durch häufiges Ausspülen (Irrigation) mit großen Mengen von Salzwasser (Kochsalz) oder Leitungswasser entfernt werden. Manchmal wird Seife und Wasser auf der Haut verwendet.

Gegenmittel

Zwar gibt es für die meisten Gifte und Drogen keine besonderen Gegenmittel (anders als es Fernsehen und Kino erscheinen lassen mögen), bei manchen aber schon. Zu den geläufigen Drogen, die spezifische Gegenmittel erforderlich machen, zählen Paracetamol (das Gegenmittel ist N-Acetylcystein) und Heroin (das Gegenmittel ist Naloxon). Auch gegen manche giftigen Bisse und Insektenstiche gibt es Gegenmittel (siehe Schlangenbisse). Nicht jeder, der Gift ausgesetzt war, benötigt ein Gegenmittel. Viele Menschen erholen sich von selbst wieder. Bei einer schweren Vergiftung können Gegenmittel aber lebensrettend sein.

Tabelle
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Geläufige spezifische Gegenmittel

Toxin

Gegenmittel

N-Acetylcystein

Anticholinergika

Physostigmin*

Frostschutzmittel (vom Typ Ethylenglykol)

Fomepizol

Ethanol

Apixaban

Koagulationsfaktor Xa [rekombinant], inaktiviert

Benzodiazepine (wie etwa Diazepam und Lorazepam)

Flumazenil*

Lactrodectus-Antiserum

Botulismus

Botulinum-Antitoxin

Zyanid

Hydroxocobalamin

Zyanid-Gegengiftset (mit Amylnitrat, Natriumnitrit und Natriumthiosulfat)

Dabigatran

Idarucizumab

Digitalis, einschließlich Medikamente (Digoxin) und Pflanzen (Oleander, Fingerhut)

Digoxin-spezifische Antikörper

Edoxaban

Koagulationsfaktor Xa [rekombinant], inaktiviert

Schwermetalle (wie Arsen, Kadmium, Blei, Merkur und Zink)

Medikamente, die Schwermetalle aus dem Körper lösen (chelatbildende Medikamente), wie etwa Dimercaprol, Natrium-Calcium-Edetat (EDTA), Penicillamin und Succimer

Heparin

Protamin

Eisen

Deferoxamin

Insektenmittel (viele Marken – die Zutaten sollten geprüft werden)

Atropin

Pralidoxim

Methanol (Holzalkohol)

Fomepizol

Ethanol

Opioide (wie Morphium und Heroin)

Naloxon

Rivaroxaban

Koagulationsfaktor Xa [rekombinant], inaktiviert

Skorpionstich (nur von der Spezies Centruroides)

Immunfraktionierte Centruroides-Antikörper

Schlangenbisse*† (Klapperschlangen und Kupferkopfschlangen in den USA)

Gegengift gegen Klapperschlangen (Crotalinae)

Warfarin

Vitamin K

Gefrorenes Frischplasma (GFP)

Prothrombinkomplex-Konzentrat (PPSB)

* Die Verwendung ist umstritten.

† Gegenmittel bei Schlangengiften hängen jeweils von der Schlangenart ab. Es gibt viele Gegengifte, aber Klapperschlangen und Kupferkopfschlangen verursachen die meisten giftigen Schlangenbisse in den Vereinigten Staaten.

‡ Die angegebenen Gegengifte sind gegen Carbamat und organophosphathaltige Insektizide.

Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands

Menschen, die einen Selbstmordversuch begehen, indem sie sich vergiften, benötigen eine psychische Untersuchung und entsprechende Behandlung.

Weitere Informationen

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