Medikamente zur Behandlung von Depressionen

VonWilliam Coryell, MD, University of Iowa Carver College of Medicine
Überprüft vonMark Zimmerman, MD, South County Psychiatry
Überprüft/überarbeitet Geändert Jan. 2026
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Verschiedene Arten von Medikamenten können zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden.

Die Wahl der Medikamente kann vom früheren Ansprechen der Person auf ein bestimmtes Antidepressivum abhängen, aber selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind häufig die Medikamente der Wahl. Diese Antidepressiva werden häufig zusammen mit einer Psychotherapie eingesetzt.

Die meisten Antidepressiva müssen mindestens einige Wochen lang regelmäßig eingenommen werden, bevor ihre Wirkung einsetzt. Die meisten Menschen mit Depressionen müssen Antidepressiva über 6 bis 12 Monate lang einnehmen, um einen Rückfall zu vermeiden. Personen im Alter von über 50 Jahren müssen sie möglicherweise bis zu 2 Jahre lang einnehmen.

Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Art des Antidepressivums. Wenn die Behandlung mit einem einzigen Medikament die Depression nicht lindern kann, wird manchmal eine andere Art (Klasse) oder eine Kombination von antidepressiven Medikamenten eingesetzt.

Antidepressiva und Suizidrisiko

Das Suizidrisiko nach Beginn einer Therapie mit Antidepressiva ist ein potenzielles Problem. Einige wenige Patienten werden nach der ersten Einnahme eines Antidepressivums oder nach Erhöhung der Dosis aufgeregter, depressiver oder ängstlicher. Bei manchen Betroffenen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, besteht erhöhte Selbstmordgefahr, wenn diese Symptome nicht erkannt und rasch behandelt werden. Dieses Phänomen wurde zuerst in Zusammenhang mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) berichtet. Aber das Risiko ist wahrscheinlich bei allen Klassen von Antidepressiva ähnlich. Der Arzt des Patienten sollte verständigt werden, wenn die Symptome sich nach Beginn der Einnahme oder Erhöhung der Dosis von Antidepressiva (oder aus anderem Grund) verschlimmern. Da Selbstmordgedanken ebenfalls ein Symptom der Depression sind, könnten es für Ärzte schwierig sein, festzustellen, ob das Antidepressivum zu den Selbstmordgedanken und -verhalten beigetragen hat oder nicht. Einige Studien bezweifeln, dass ein Zusammenhang besteht.

Im Allgemeinen wird jedoch angenommen, dass das Suizidrisiko aufgrund einer unbehandelten Depression höher ist als ein vorübergehendes Risiko nach dem Beginn der Einnahme eines Antidepressivums. Daher sollte Patienten eine medikamentöse Behandlung aus diesem Grund nicht vorenthalten werden. Stattdessen sollten die Patienten, denen Antidepressiva verschrieben werden, in den ersten Wochen nach Beginn der Einnahme des Medikaments engmaschig überwacht werden.

Klassen von Antidepressiva

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

SSRI, zu denen Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin und Vilazodon gehören, sind heute die am häufigsten verwendete Klasse von Antidepressiva. SSRI sind wirksam bei der Behandlung von Depressionen sowie bei anderen psychischen Gesundheitsstörungen, die oft mit Depressionen einhergehen.

Obwohl SSRI Übelkeit, Durchfall, Zittern, Gewichtsabnahme und Kopfschmerzen hervorrufen können, fallen diese Nebenwirkungen gewöhnlich leicht aus oder verschwinden bei fortgesetzter Anwendung. Die meisten Patienten vertragen die Nebenwirkungen von SSRI besser als von heterozyklischen Antidepressiva. Bei SSRI ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich negativ auf das Herz auswirken, geringer als bei heterozyklischen Antidepressiva.

Manche Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, können in der ersten Woche nach Beginn der SSRI-Therapie, oder wenn die Dosis erhöht wird, zunehmend suizidgefährdet sein. (Siehe Antidepressiva und Suizidrisiko für weitere Informationen.)

Schlaflosigkeit ist eine häufige unerwünschte Wirkung von SSRI, die der Arzt durch eine Reduzierung der Dosis, die Einnahme der Dosis am Morgen oder die Zugabe einer niedrigen Dosis eines anderen Medikaments (Trazodon) oder eines anderen sedierenden Antidepressivums vor dem Schlafengehen mindern kann.

Außerdem können SSRI bei längerer Einnahme zusätzliche Nebenwirkungen haben. Am häufigsten sind dabei Gewichtszunahme und sexuelle Funktionsstörungen. Einige SSRIs, wie Fluoxetin, verursachen Appetitverlust. Während der ersten Wochen nach Beginn der Einnahme von SSRIs können sich die Patienten tagsüber benommen führen. Dieses Gefühl ist aber nur vorübergehend.

Einige SSRI, einschließlich Fluoxetin, Paroxetin und Fluvoxamin, können dazu führen, dass andere Medikamente stärker wirken als gewöhnlich. Die Patienten sollten die vollständige Liste der Medikamente, die sie einnehmen, mit ihrem Arzt durchsprechen. Das abrupte Absetzen der SSRIs kann zu einem Entzugssyndrom führen, das Symptome wie Schwindel, Angstgefühle, Reizbarkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Schüttelfrost und Muskelschmerzen hervorruft.

Bei schwangeren Frauen wird ein Arzt Nutzen und Risiko einer Anwendung von SSRI mit ihr besprechen, wenn diese weiterhin erforderlich sind. Paroxetin sollte jedoch nicht angewendet werden, da es zu Herzfehlern führen kann.

Serotoninmodulatoren, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer

Die folgenden Klassen von Antidepressiva sind genauso wirksam und sicher wie SSRI und haben ähnliche Nebenwirkungen. Bupropion und Mirtazapin scheinen jedoch keine sexuelle Funktionsstörung zu verursachen:

  • Serotoninmodulatoren (wie beispielsweise Mirtazapin und Trazodon)

  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (wie Venlafaxin und Duloxetin)

  • Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (wie z. B. Bupropion)

Wie auch bei SSRI kann das Suizidrisiko kurzzeitig steigen, wenn mit der Einnahme dieser Medikamente begonnen wird, und ein abruptes Absetzen von Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern kann zu Angstgefühlen, Reizbarkeit, Übelkeit und grippeartigen Symptomen führen.

Andere Nebenwirkungen variieren je nach Medikament (siehe Tabelle ).

N-Methyl--Aspartat(NMDA)-Antagonist/Sigma-1-Agonist

Die Kombination aus Bupropion und Dextromethorphan ist eine eigene Arzneimittelklasse, die ihre antidepressiven Wirkungen durch einen anderen Wirkmechanismus erzielt.

Heterozyklische (einschließlich trizyklische) Antidepressiva

Heterozyklische Antidepressiva, einst die Standardbehandlung, werden mittlerweile selten angewendet, da sie mehr Nebenwirkungen haben als andere Antidepressiva. Oft verursachen sie Benommenheit und führen zur Gewichtszunahme. Sie können in stehender Position auch zu erhöhtem Puls und sinkendem Blutdruck führen (dies wird als orthostatische Hypotonie bezeichnet). Weitere Nebenwirkungen, die als anticholinerge Effekte bezeichnet werden, sind unter anderem verschwommene Sicht, Mundtrockenheit, Verwirrtheit, Verstopfung und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Anticholinerge Effekte wirken sich bei älteren Erwachsenen häufig schwerer aus.

Das abrupte Absetzen von heterozyklischen Antidepressiva wie SSRI kann zu einem Entzugssyndrom führen.

Monoaminoxidase-Hemmer (MAOI)

Monoaminoxidase-Hemmer (Monoamine-Oxidase-Inhibitor, kurz MAOI) sind sehr wirksam, werden aber selten verschrieben, außer wenn andere Antidepressiva ohne Wirkung bleiben. Patienten, die MAOI einnehmen, müssen bei ihrer Ernährung einige Einschränkungen beachten und besondere Vorsicht walten lassen, um schwere Reaktionen wie einen plötzlichen heftigen Anstieg des Blutdrucks mit heftig pochenden Kopfschmerzen (hypertensive Krise) zu vermeiden. Diese Krise kann einen Schlaganfall hervorrufen. Die Vorsichtsmaßnahmen beinhalten

  • auf den Verzehr von tyraminreichen Speisen und Getränken, z. B. Bier vom Fass, Rotweine (auch Sherry), Liköre, überreife Nahrungsmittel, Salami, ausgereifte Käsesorten, Fava- oder Ackerbohnen, Hefeextrakte (Marmite), Feigen aus der Dose, Rosinen, Joghurt, Käse, saure Sahne, Salzhering, Kaviar, Leber, stark plattiertes Fleisch und Sojasoße zu verzichten

  • kein Pseudoephedrin, das in vielen rezeptfreien Husten- und Erkältungsmitteln enthalten ist, einzunehmen

  • kein Dextromethorphan (ein Hustenmittel), Reserpin (ein Antihypertensivum/blutdrucksenkendes Mittel) oder Pethidin/Meperidin (ein Analgetikum) einzunehmen

  • immer ein Antidot (Gegenmittel), z. B. Chlorpromazin, mitzuführen, für den Fall, dass heftig pochende Kopfschmerzen auftreten. In diesem Fall sollte man sofort das Antidot einnehmen und sich zur nächsten Notaufnahme begeben

Patienten, die MAOIs einnehmen, sollten auch die Einnahme anderer Arten der Antidepressiva vermeiden, einschließlich heterozyklischer Antidepressiva, SSRI, Bupropion, Serotoninmodulatoren und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Die Einnahme von MAOI mit einem weiteren Antidepressivum kann eine gefährlich hohe Körpertemperatur, Muskelabbau, Niereninsuffizienz und Anfälle zur Folge haben. Diese Nebenwirkungen, auch als malignes neuroleptisches Syndrom bezeichnet, können tödlich sein.

Das abrupte Absetzen von MAO-Hemmern, kann wie bei SSRI zu unangenehmen Symptomen führen.

Tabelle
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Melatonerge Antidepressiva

Agomelatin (nicht in den USA erhältlich) ist ein melatonerges Antidepressivum, das die Melatoninrezeptoren anregt und zur Behandlung schwerer depressiver Episoden eingesetzt wird. Es ist genauso wirksam wie andere Antidepressiva und hat mehrere Vorteile:

  • Es weist weniger Nebenwirkungen als die meisten anderen Antidepressiva auf.

  • Es verursacht keine Schläfrigkeit tagsüber, Schlaflosigkeit in der Nacht, sexuelle Nebenwirkungen oder Gewichtszunahme.

  • Es verursacht keine Entzugssymptome.

Agomelatin kann Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall verursachen. Es kann auch die Leberenzymwerte erhöhen, weshalb die Ärzte diese Werte vor Beginn der Behandlung und anschließend alle 6 Wochen messen. Patienten, die Probleme mit der Leber haben, sollten kein Agomelatin einnehmen.

Ketamin und Esketamin

Ketamin und Esketamin werden als Medikamente zur Behandlung einiger Patienten mit Depression eingesetzt, wenn andere Antidepressiva die Symptome nicht lindern (dies wird als „behandlungsresistente Depression“ bezeichnet).

Ketamin kann auch als Narkosemittel verabreicht werden. Außerhalb der medizinischen Anwendung wird es manchmal als Rauschmittel missbraucht.

Die Hirnmechanismen, die Ketamin und Esketamin beeinflussen, scheinen bei Depressionen eine Rolle zu spielen. Wenn diese Medikamente von einem qualifizierten Psychologen empfohlen werden, können sie zu einer raschen Verbesserung der Depressionssymptome führen. Die Aufrechterhaltung eines erfolgreichen Behandlungseffekts erfordert in der Regel wiederholte Dosen mehrmals pro Woche oder seltener.

Zur Behandlung von Depression wird Ketamin intravenös verabreicht.

Esketamin wird als Nasenspray verabreicht.

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