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Wasserlassen, Schmerzen oder Brennen beim

(Dysurie)

Von

Anuja P. Shah

, MD, David Geffen School of Medicine at UCLA

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2019| Inhalt zuletzt geändert Sep 2019
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Ein Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen können an der Harnröhrenöffnung empfunden werden und etwas seltener oberhalb der Blase (im Unterleib etwas oberhalb des Schambeins). Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen sind häufig auftretende Symptome bei Frauen; sie können jedoch auch Männer betreffen und in jedem Alter auftreten.

Ursachen

Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen werden typischerweise durch eine Entzündung der Harnröhre oder der Blase verursacht. Bei Frauen können Entzündungen in der Scheide oder in der Region um die Scheidenöffnung (Vulvovaginitis) sehr schmerzhaft sein, sobald dieser Bereich mit Urin in Kontakt kommt. Bei Entzündungen, die ein Brennen oder Schmerzen verursachen, handelt es sich meistens um eine Infektion; manchmal stecken aber auch nichtinfektiöse Ursachen dahinter.

Häufige Ursachen

Insgesamt sind die häufigsten Gründe für ein Brennen oder für Schmerzen beim Wasserlassen:

Beurteilung

Nicht jeder, bei dem Schmerzen oder ein Brennen beim Wasserlassen auftritt, muss sofort zum Arzt. Die folgenden Informationen können den Betroffenen bei der Entscheidung unterstützen, wie schnell eine ärztliche Untersuchung erforderlich ist und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Wenn Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen auftreten, können folgende Symptome und Umstände auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten. Hierzu gehören

  • Fieber

  • Rückenschmerzen oder Flankenschmerz

  • Wenn in der näheren Vergangenheit ein Blasenkatheter oder ein anderes Instrument eingeführt wurde

  • Erkrankungen des Immunsystems

  • Wiederholtes Auftreten dieser Symptome (einschließlich häufiger Infektionen während der Kindheit)

  • Eine bekannte Anomalie in den Harnwegen

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen mit Erkrankungen des Immunsystems und schwangere Frauen mit alarmierenden Anzeichen sollten noch am gleichen Tag einen Arzt aufsuchen (oder morgens, wenn die Symptome sich über Nacht entwickelt haben), da für diese Personengruppe durch eine Harnwegsinfektion ernstzunehmende Komplikationen entstehen können. Andere Personen mit alarmierenden oder besonders lästigen Symptomen sollten innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage zum Arzt gehen. Bei Menschen ohne alarmierende Anzeichen und mit leichten Symptomen stellt eine Wartezeit von 2 bis 3 Tagen kein Risiko dar.

Frauen mit häufigen Blaseninfektionen erkennen möglicherweise die typischen Symptome der Erkrankung.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten, bevor sie eine körperliche Untersuchung vornehmen. Basierend auf der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung stößt der Arzt häufig auf einen möglichen Grund für das Brennen oder die Schmerzen beim Wasserlassen und kann entscheiden, ob und welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind (siehe Tabelle Einige Ursachen und Merkmale für Schmerzen beim Wasserlassen).

Der Arzt fragt möglicherweise, ob bereits in der Vergangenheit ähnliche Symptome auftraten. Außerdem möchte er wissen, ob andere Symptome auftreten, die unter Umständen Rückschlüsse erlauben. Beispielsweise möchte der Arzt u. U. wissen, ob

  • Der Urin blutig oder trüb ist oder ob er faulig riecht

  • Ausfluss auftritt

  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfand

  • Mögliche reizende Stoffe auf die Genitalien aufgetragen wurden

  • In der näheren Vergangenheit ein Harnkatheter eingeführt wurde oder ein anderes Verfahren in den Harnwegen erfolgt ist

Frauen werden gefragt, ob sie schwanger sind.

Bei Frauen umfasst die körperliche Untersuchung in der Regel eine gynäkologische Untersuchung; außerdem wird etwas Zervix- und Scheidenflüssigkeit entnommen, um diese auf sexuell übertragbare Krankheiten zu testen. Bei Männern wird überprüft, ob ein Ausfluss aus dem Penis vorliegt und es erfolgt außerdem eine digital-rektale Untersuchung zur Überprüfung der Prostata.

Eine Ursache kann manchmal vermutet werden, basierend darauf, wo die Symptome am ausgeprägtesten sind. Wenn zum Beispiel die Symptome direkt oberhalb des Schambeins am ausgeprägtesten sind, kann eine Blaseninfektion als Ursache zugrunde liegen. Wenn die Symptome besonders stark an der Harnröhrenöffnung auftreten, könnte eine Entzündung der Harnröhre (Urethritis) vorliegen. Bei Männern mit Ausfluss aus dem Penis ist häufig eine Harnröhrenentzündung die Ursache. Wenn das Brennen vor allem in der Scheide auftritt und mit einem Ausfluss einhergeht, ist eine Scheidenentzündung recht wahrscheinlich. Ein Ausfluss aus dem Gebärmutterhals deutet auf eine Zervizitis hin.

Tabelle
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Einige Ursachen und Merkmale für Schmerzen beim Wasserlassen

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Infektionen†

Zystitis (Blaseninfektion)

Gewöhnlich bei Frauen und Mädchen

Ein häufiger und starker Harndrang

Nächtlicher Harndrang

Manchmal Blut im Urin oder faulig riechender Urin

Ärztliche Untersuchung

Für gewöhnlich Urinanalyse und Urinkultur

Epididymo-Orchitis (Entzündung von Nebenhoden und Hoden)

Schmerzempfindlichkeit und Schwellung eines Hodens

Möglicherweise häufiger Harndrang oder Ausfluss aus der Harnröhre

Manchmal Fieber oder Übelkeit

Ärztliche Untersuchung

Manchmal Urinanalyse

Manchmal Test auf STD

Prostatitis (Infektion der Prostata)

Schmerzempfindliche Prostata, bei einer digital-rektalen Untersuchung entdeckt

Häufig Fieber, verzögerter Beginn der Blasenentleerung, häufiger Harndrang, nächtlicher Harndrang sowie Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen

Manchmal Blut im Urin

Häufig auftretende Symptome einer seit langem bestehenden Obstruktion der Harnwege (wie schwacher Urinstrahl, Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Nachtröpfeln am Ende des Toilettengangs)

Urinuntersuchung und Urinkultur

Urethritis (Harnröhrenentzündung) typischerweise aufgrund einer STD

Im Allgemeinen ein sichtbarer Ausfluss aus der Harnröhre

Bei Frauen manchmal ein Ausfluss aus der Scheide

Bei Menschen, die in der jüngeren Vergangenheit ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten

Test auf sexuell übertragbare Krankheiten

Vulvovaginitis (Infektion der Vulva und der Scheide)

Ein Ausfluss aus der Scheide

Häufig Rötung des Genitalbereichs

Ärztliche Untersuchung, einschließlich mikroskopische Untersuchung des Ausflusses

Zervizitis (Infektion des Gebärmutterhalses)

Häufig ein Ausfluss aus dem Gebärmutterhals

Ungeschützter Geschlechtsverkehr in der Vergangenheit

Test auf sexuell übertragbare Krankheiten

Erkrankungen, die Entzündungen auslösen

Erkrankungen des Bindegewebes, die Entzündungen verursachen (wie reaktive Arthritis oder Behçet-Syndrom)‡

Allgemeine oder körperweite Symptome (einschließlich Körper- und Gelenkschmerzen), die bemerkt werden, bevor Schmerzen beim Wasserlassen auftreten.

Manchmal wunde Stellen auf Haut, Mund, Augen oder dem Genitalbereich, einschließlich Scheide

Test auf sexuell übertragbare Krankheiten

Manchmal Bluttest, zur Untersuchung auf diese Erkrankungen des Bindegewebes

Kontakt mit einer Substanz die eine Reizung dieses Bereichs oder eine allergische Reaktion auslöst (wie Spermizide, Gleitmittel oder Latexkondome)

Manchmal Rötung des Genitalbereichs

Bei Menschen, die mit einer Substanz Kontakt hatten, die eine Reizung oder eine allergische Reaktion verursachen könnte

Nur ärztliche Untersuchung

Interstitielle Zystitis (Entzündung der Blase, ohne Anzeichen für eine Infektion)

Häufiger sind Frauen betroffen

Ein häufiger und starker Harndrang

Seit längerer Zeit bestehende Symptome

Urinuntersuchung und Urinkultur

Endoskopische Untersuchung des Blaseninneren mittels eines flexiblen Katheters, der durch die Harnröhre eingeführt wird (Zystoskopie), in der Regel in Verbindung mit der Entnahme einer Gewebeprobe (Blasenbiopsie)

Andere Erkrankungen

Atrophische Vaginitis oder Urethritis (Ausdünnung des Gewebes in der Scheide oder der Harnröhre)

Bei Frauen nach der Menopause

Scheidentrockenheit

Oft Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Ein Ausfluss aus der Scheide

Veränderungen in der Scheide (sie wird glatt und heller)

Nur ärztliche Untersuchung

Tumoren (gewöhnlich Blasen-, Prostata- oder Harnröhrenkrebs)

Seit langer Zeit bestehende Symptome, wie ein schwacher Urinstrahl oder verzögerter Beginn der Blasenentleerung

Gewöhnlich Blut im Urin

Wenn Blasenkrebs vermutet wird - Zystoskopie

Wenn Prostatakrebs vermutet wird - ein Bluttest, um den PSA-Spiegel zu testen

Bei erhöhtem PSA-Spiegel - Biopsie der Prostata

* Die Merkmale umfassen die Symptome und die Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

† Infektiöse Mikroorganismen, die häufig Schmerzen beim Wasserlassen auslösen, umfassen sexuell übertragbare Organismen (wie jene, die Gonorrhö, Chlamydien-Infektionen und Trichomoniasis verursachen) und Bakterien, die nicht sexuell übertragen werden, meistens Escherichia (E.) coli.

‡ Diese Ursache ist selten.

PSA = Prostata-spezifisches Antigen; STD = sexuell übertragbare Erkrankung.

Tests

Ärzte halten einen Test nicht immer für sinnvoll, wenn eine Blaseninfektion bei einer erwachsenen Frau vermutet wird. Einige Ärzte machen Urintests, wohingegen sich andere ohne vorherige Tests für eine Behandlung entscheiden. Wenn die Diagnose unklar ist, wird immer ein Test durchgeführt. Das erste Testverfahren ist meist die Urinanalyse. Häufig wird auch eine Bakterienkultur des Urins angelegt, um die für eine Infektion verantwortlichen Organismen zu bestimmen und somit wirksame Antibiotika zu wählen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter wird ein Schwangerschaftstest durchgeführt. Männer mit Ausfluss aus dem Penis und Frauen mit Scheidenausfluss werden häufig auf sexuell übertragbare Krankheit untersucht.

Um eventuelle anatomische Fehlbildungen oder andere Anomalien festzustellen, vor allem wenn die Antibiotika keine Wirkung zeigten, erfolgen Zystoskopie und ein bildgebendes Diagnostikverfahren. Männer, ältere Personen sowie Schwangere müssen genauer beobachtet und untersucht werden.

Behandlung

Die Ursache wird behandelt. Häufig ist eine Infektion für die Beschwerden verantwortlich, sodass die Antibiotika bereits innerhalb von ein bis zwei Tagen Linderung verschaffen. Bei starken Schmerzen kann zusätzlich für ein bis zwei Tage Phenazopyridin verordnet werden, um die Beschwerden zu lindern, bis die Antibiotika wirken. Phenazopyridin färbt den Urin rot-orange und kann die Unterwäsche verfärben.

Wichtigste Punkte

  • Wenngleich eine Blaseninfektion eine häufige Ursache für Schmerzen beim Wasserlassen darstellt, können auch andere Erkrankungen diese Beschwerden verursachen.

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen können ein Anzeichen für eine sexuell übertragbare Krankheit sein.

  • Möglicherweise entscheidet sich der Arzt direkt für eine Behandlung mit Antibiotika, ohne vorherige Tests durchzuführen, und überprüft nun, ob dadurch die Symptome nachlassen.

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