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Strahlenpilzkrankheit (Aktinomykose)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2019| Inhalt zuletzt geändert Dez 2019
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Die Strahlenpilzkrankheit (Aktinomykose) ist eine chronische Infektion, die hauptsächlich durch das anaerobe Bakterium Actinomyces israelii verursacht wird. Diese Bakterienart lebt normalerweise in den Spalten zwischen Zähnen und Zahnfleisch, auf den Mandeln und auf den Schleimhäuten, die den Darm und die Scheide auskleiden.

  • Eine Infektion tritt nur ein, wenn Gewebe verletzt ist, wodurch die Bakterien in tiefere Gewebeschichten eindringen können.

  • Es bilden sich in verschiedenen Gegenden, beispielsweise im Darm oder im Gesicht, Abszesse, die Schmerzen, Fieber und andere Symptome hervorrufen.

  • Die aufgrund der Symptome vermutete Diagnose wird vom Arzt durch Bestimmung der Bakterien in einer Probe des infizierten Gewebes bestätigt.

  • Die Abszesse werden drainiert und es werden Antibiotika verabreicht.

  • Bei umgehender und geeigneter Behandlung werden die meisten Patienten vollständig gesund.

Actinomyces sind Bakterien, die zum Überleben keinen Sauerstoff benötigen. Das heißt, diese Bakterien sind Anaerobier.

Actinomyces-Bakterien rufen nur Infektionen hervor, wenn die Oberfläche des Gewebes, auf dem sie vorkommen, verletzt wird, wodurch sie in tiefere Schichten des Gewebes, in denen es keine Abwehrstoffe gibt, eindringen können. Wenn sich die Infektion ausbreitet, bilden sich im Gewebe Narben und abnorme Kanäle (Fisteln oder Gänge). Monate oder Jahre später erreichen die Fisteln schließlich die Haut, wodurch der Eiter abfließen kann. Eitertaschen (Abszesse) können sich im Brust- und Bauchraum, im Gesicht oder im Hals entwickeln.

Am häufigsten sind Männer betroffen, aber Aktinomykose tritt gelegentlich auch bei Frauen auf, die ein Intrauterinpessar (Spirale) zur Empfängnisverhütung tragen.

Symptome

Die Strahlenpilzkrankheit kann in mehreren Formen auftreten. Alle verursachen Abszesse, Narbengewebe und Fisteln.

Abdominale Aktinomykose

Actinomyces-Bakterien befallen den Darm, gewöhnlich die Gegend um den Blinddarm und die Schleimhaut der Bauchhöhle (Peritoneum).

Chronische Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und starker Gewichtsverlust sind häufige Symptome. Im Inneren des Bauchraumes können sich bis zur Haut darüber und zwischen Darm und anderen Organen Fisteln bilden.

Beckenaktinomykose

Die Bakterien greifen gewöhnlich von einer seit Jahren eingesetzten Spirale aus auf den Uterus (Gebärmutter) über. Abszesse und Narbengewebe können sich in den Eileitern, Eierstöcken und benachbarten Organen, wie Blase und Harnleiter, bilden. Zwischen diesen Organen können Fisteln entstehen.

Symptome sind chronische Bauch- oder Beckenschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust und vaginale Blutungen sowie Ausfluss.

Zervikofaziale Aktinomykose

Es entstehen kleine, harte Schwellungen im Mund, im Gesicht, Nacken oder in der Haut unterhalb des Kiefers (Lumpy Jaw). Diese Schwellungen können erweichen und es kommt zur Absonderung von Eiter, das kleine, runde, gelbliche Körnchen enthält.

Die Infektion kann sich dann über Wangen, Zunge, Rachen, Speicheldrüsen, Schädel- und Nackenknochen (Halswirbel) und Gesicht auf das Gehirn und die Hirnhäute ausbreiten.

Thorakale Aktinomykose

Diese Form der Erkrankung betrifft den Brustkorb (Thorax). Die Betroffenen haben Brustschmerzen und Fieber. Sie leiden unter Gewichtsverlust und Husten, manchmal auch mit Auswurf. Die Infektion geschieht mit großer Wahrscheinlichkeit durch das Einatmen kleinster Tröpfchen, die Bakterien enthalten, die normalerweise im Mund vorkommen.

Es können sich in der Lunge Abszesse bilden, die schließlich auf die Membran zwischen Lunge und Brustwand (Brustfell) übergehen. Dort rufen die Abszesse eine Reizung (Pleuritis) hervor und es sammelt sich infektiöse Flüssigkeit (Empyem) an. Es können sich Fisteln bilden, wodurch sich die Infektion auf die Rippen, die Haut am Brustkorb und die Wirbelsäule ausweiten kann.

Die Infektion kann sich weit ausbreiten, bevor Symptome auftreten. Zu den Symptomen zählen Brustschmerzen, Fieber und Husten mit Auswurf.

Generalisierte Aktinomykose

In seltenen Fällen breiten sich die Bakterien im Blutkreislauf aus und infizieren andere Organe, wie Gehirn, Rückenmark, Lunge, Leber, Nieren und Herzklappen. Bei Frauen können die Fortpflanzungsorgane infiziert werden.

Die Symptome variieren je nach betroffenem Organ. Es können zum Beispiel Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Bauchschmerzen auftreten.

Diagnose

  • Untersuchung und Anzüchten einer Sputum-, Eiter- oder Gewebeprobe

  • Manchmal bildgebende Diagnostikverfahren

Vermutet wird eine Aktinomykose bei Betroffenen, die typische Symptome zeigen. Dann werden Sputum-, Eiter- oder Gewebeproben entnommen und auf verschiedene Arten von Actinomyces wie z. B. Actinomyces israelii untersucht. Oft wird hierbei eine Nadel durch die Haut eingeführt, mit der die Probe aus dem Abszess oder dem infizierten Gewebe entnommen wird. Manchmal kommen Computertomographie (CT) oder Ultraschall zum Einsatz, um die Nadel an der richtigen (infizierten) Stelle anzubringen. Manchmal bedarf es einer Operation, um die Probe zu entnehmen. Die Probe wird unter dem Mikroskop untersucht und ins Labor geschickt, wo Bakterienkulturen angelegt werden (sofern Bakterien vorhanden sind).

Bestätigt wird die Diagnose durch Feststellung der Bakterien in der Sputum-, Eiter- oder Gewebeprobe.

Mitunter werden Bildgebungstests (Röntgen oder CT) durchgeführt, um Anzahl, Größe und genaue Lage der Abszesse festzustellen.

Behandlung

  • Abszessdrainage

  • Antibiotika

Die Behandlung der Aktinomykose besteht aus Folgendem:

  • Drainage der Abszesse mit einer Nadel (normalerweise eingeführt durch die Haut) oder bei einem operativen Eingriff

  • Verabreichung hoher Antibiotikadosen

Antibiotika, wie etwa Penicillin oder Tetracyclin, müssen mindestens 2 Monate und unter Umständen länger als 12 Monate lang angewendet werden.

Möglicherweise kommen CT oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Anwendung, um zu bestimmen, ob die Abszesse im Begriff sind, sich aufzulösen. Insbesondere dann, wenn sich die Infektion in kritischen Bereichen wie der Wirbelsäule befindet, kann eine Operation notwendig sein.

Frauen mit einer Beckenaktinomykose wird die Spirale entfernt und Penicillin verabreicht. Bei einer ausgedehnten Beckeninfektion kann eine zusätzliche Drainage der Abszesse erforderlich sein. Manchmal müssen Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke entfernt werden.

Wenn die Strahlenpilzkrankheit (Aktinomykose) frühzeitig diagnostiziert und entsprechend behandelt wird, werden die meisten Patienten vollständig gesund. Die Genesung hängt davon ab, welche Körperteile betroffen sind. Sie verläuft am besten, wenn nur das Gesicht und die Halsregion betroffen sind, und am schlechtesten, wenn es sich um eine generalisierte Infektion handelt, insbesondere des Gehirns.

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