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Lymphödem

Von

James D. Douketis

, MD, McMaster University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Das Lymphödem ist eine Ansammlung von Lymphe im Gewebe, die zu einer Schwellung führt.

  • Sind die Lymphgefäße verletzt oder blockiert, kann die Lymphflüssigkeit nicht abfließen und sammelt sich im Gewebe an, das anschwillt.

  • Kompressionsverbände oder pneumatische Kompressionsstrümpfe können die Schwellung reduzieren.

Lymphknoten sind winzige, bohnenförmige Organe, die die Lymphe filtern. Sie sind im gesamten Körper zu finden, dabei insbesondere unter der Haut am Hals, in den Achselhöhlen und der Leistengegend. Lymphknoten sind Teil des Lymphsystems, das eines der körpereigenen Abwehrsysteme gegen die Ausbreitung von Infektionen und Krebs darstellt.

Lymphe ist eine durchsichtige Flüssigkeit, die aus Wasser, weißen Blutkörperchen, Proteinen und Fetten besteht, welche aus den Blutgefäßen in die Zwischenräume zwischen den Zellen gefiltert wurden. Ein Teil der Flüssigkeit wird erneut von den Blutgefäßen aufgenommen. Der Rest tritt aber in die Lymphgefäße ein. Die Lymphe durchläuft dann die Lymphknoten, die als spezielle Sammelpunkte für die Filterung und Zerstörung von geschädigten Zellen, infektiösen Organismen und Krebszellen fungieren. Bei Vorhandensein vieler solcher Zellen schwellen die Lymphknoten an. Manchmal verursachen die Organismen eine Infektion der Lymphknoten.

Ursachen eines Lymphödems

Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphsystem die Lymphe nicht ausreichend aus dem Gewebe befördern kann. Lymphödeme werden folgendermaßen eingeteilt:

  • Primäres Lymphödem: Durch ein Unterentwicklung des Lymphsystems verursacht

  • Sekundäres Lymphödem: Durch einen Blockierung des Lymphsystems verursacht

Primäres Lymphödem

Primäre Lymphödeme entstehen, wenn zu wenige Lymphgefäße vorhanden sind, um die gesamte Lymphe aufzunehmen. Das Problem betrifft fast immer die Beine. Selten werden die Arme beeinträchtigt.

Mehrere Erbkrankheiten können ein primäres Lymphödem verursachen. Diese Krankheiten unterscheiden sich, je nachdem, in welchem Alter die Schwellung sichtbar wird.

Nur selten sind bereits nach der Geburt Schwellungen zu sehen, gewöhnlich reicht die Kapazität der Lymphgefäße für die kleine Menge Lymphe bei einem Baby noch aus. Schwellungen treten meist erst später im Leben auf, wenn es mehr Lymphe gibt und sie die wenigen Lymphgefäße überlastet.

Die Schwellung beginnt allmählich in einem oder in beiden Beinen. Das erste Anzeichen eines Lymphödems können Schwellungen des Fußes sein, sodass einem am Ende des Tages die Schuhe zu eng werden. Der Schuh kann einen Abdruck auf der Haut des Fußes hinterlassen. (Bei vielen Menschen, die kein Lymphödem haben, schwellen die Füße an, wenn sie lange gestanden sind. Nach dem Tragen von Knöchelsocken kann es bei ihnen zwar zu Druckstellen um die Knöchel kommen, aber die Markierungen sind viel weniger tief als die bei einem Lymphödem, und der umgebende Bereich ist nicht geschwollen.)

Im Frühstadium eines primären Lymphödems geht die Schwellung zurück, wenn das Bein hochgelagert wird. Mit der Zeit verschlimmert sich die Krankheit. Die Schwellung wird immer deutlicher und geht auch nach nächtlicher Ruhe nicht mehr vollständig zurück.

Tabelle
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Primäre Lymphödeme

Erkrankung

Alter bei Einsetzen der Symptome

Anmerkungen

Angeborenes Lymphödem

Vor dem 2. Lebensjahr

Nonne-Milroy-Meige-Syndrom, eine Unterform, die auch zu Gelbsucht (Gelbwerden der Haut) und Durchfall führt.

Lymphoedema praecox

2–35 Jahre

Tritt normalerweise bei Frauen zu Beginn der Monatsblutungen auf.

Meige-Syndrom, eine Unterform, bei der Betroffene ein zusätzliches Paar Wimpern, Gaumenspalte und Schwellungen in Armen, Beinen und Gesicht haben.

Lymphoedema tarda

Ab 35 Jahren

Einige (aber nicht alle) Betroffenen können Familienmitglieder mit dieser Krankheit haben.

Sekundäres Lymphödem

Ein sekundäres Lymphödem kommt häufiger vor als ein primäres. Üblicherweise tritt es nach großen Operationen auf, vor allem nach Krebsoperationen, bei denen Lymphknoten oder -gefäße entfernt oder mit Strahlen behandelt wurden. Beispielsweise neigt der Arm dazu, anzuschwellen, wenn krebsartige Brust- und Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt wurden.

Vernarbungen nach wiederholten Infektionen der Lymphgefäße können ebenfalls ein Lymphödem verursachen, aber das ist sehr selten außer bei Menschen, die an einer Infektion mit tropischen Parasiten, den Filarien, (Filariose) leiden.

Beim sekundären Lymphödem sieht die Haut zwar gesund aus, ist aber prall oder angeschwollen. Ein Fingerdruck hinterlässt keinen so deutlichen Abdruck wie bei einem Ödem, das auf unzureichender Durchblutung der Venen beruht. Selten, besonders bei Filariose, werden die geschwollenen Gliedmaßen extrem groß, die Haut wird dick und borkig, sodass sie beinahe wie Elefantenhaut aussieht. Diese Krankheit nennt man Elefantiasis.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Gelegentlich bildgebendes Verfahren

Die Diagnose eines Lymphödems basiert in der Regel auf den Symptomen des Betroffenen. Manchmal ist ein Bildgebungstest wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nötig, um die genaue Stelle der Blockade zu finden. In Gebieten, in der die Filariose verbreitet ist, könnte ein Test auf diesen Parasiten nötig sein.

Behandlung

  • Flüssigkeitsansammlung verringern

  • Manchmal Operation

Ein Lymphödem ist nicht heilbar.

Die Behandlung eines Lymphödems umfasst in der Regel Maßnahmen zur Verringerung der Lymphansammlung in einer Gliedmaße. Diese können Folgendes umfassen:

  • Manuelle Lymphdrainage

  • Bewegung der Gliedmaße

  • Kompressionsbandagen oder -strumpf

  • Massage der Gliedmaße mithilfe eines Kompressionsstrumpfes oder -ärmels mit intermittierender pneumatischer Kompression

Bei Patienten mit leichtem Lymphödem kann eine manuelle Lymphdrainage hilfreich sein. Dabei wird die betroffene Gliedmaße nach oben gelagert und mit der Hand massiert, um die Flüssigkeit abfließen zu lassen (Drainage). Besondere Übungen für die Gliedmaßen und Kompressionsstrümpfe an den Beinen oder -ärmel für die Arme können auch dabei helfen, die Schwellung zu vermindern. Schwerer beeinträchtigte Personen können jeden Tag mehrere Stunden, je nach Symptomschwere, intermittierend pneumatische Kompressionsstrümpfe tragen, um die Schwellung zu reduzieren. Ist sie etwas zurückgegangen, müssen die Betroffenen jeden Tag vom Aufstehen bis zum Schlafengehen graduierte Kompressionsstrümpfe bis zu den Knien oder den Oberschenkeln tragen. Diese Strümpfe üben Druck auf die Knöchel und weniger Druck weiter oben auf das Bein aus. Dadurch wird die Schwellung bis zu einem gewissen Grad kontrolliert. Bei Lymphödemen im Arm können jeden Tag pneumatische Kompressionsärmel (ähnlich den Strümpfen) getragen werden, um die Schwellung zu verringern. Es sind auch elastische Ärmel erhältlich.

Manchmal werden primäre und sekundäre Lymphödeme mit einer Operation behandelt, um das geschwollene Gewebe unter der Haut zu entfernen und neue Kanäle zur Lymphdrainage zu schaffen.

Lymphödem-Patienten können eine Verschlimmerung eventuell vermeiden, indem sie Wärme, starke körperliche Anstrengung und enge Kleidung um den betroffenen Arm oder das betroffene Bein meiden. Es muss besonders auf die Haut- und Nagelpflege geachtet werden. Ärzte versuchen, medizinische Verfahren am betroffenen Arm zu vermeiden, wie Impfungen, Blutentnahme und das Einsetzen intravenöser Geräte.

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