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Gedeihstörung

Von

Christopher P. Raab

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Kurzinformationen

Als Gedeihstörung werden ein verzögertes Längenwachstum sowie eine mangelnde Gewichtszunahme bezeichnet, die zu einer Entwicklungsverzögerung und Reifestörung führen können.

  • Organische Störungen und Mangelernährung sind Ursachen, die eine Gedeihstörung nach sich ziehen können.

  • Die Diagnose wird anhand der Größe des Kindes laut Wachstumstabelle im Vergleich zu Gleichaltrigen, einer körperlichen Untersuchung, seiner Krankengeschichte und seines Lebensumfelds gestellt.

  • Kinder, die in ihrem ersten Lebensjahr unterernährt sind, können Entwicklungsverzögerungen zeigen.

  • Die Behandlung umfasst eine nährstoffreiche Ernährung und die Behandlung der medizinischen Erkrankung.

Im ersten Lebensjahr des Säuglings werden Gewicht und Länge bei jeder Früherkennungsuntersuchung bestimmt und in eine Wachstumstabelle eingetragen, um zu kontrollieren, ob sich das Kind altersgerecht entwickelt (siehe Wachstum und Entwicklung bei Säuglingen und Kindern). Die Einteilung in Perzentilen ermöglicht den Vergleich zwischen gleichaltrigen Säuglingen desselben Geschlechts. Liegt das Körpergewicht eines Kindes auf der 10. Perzentile, so bedeutet dies, dass von 100 Babys desselben Alters und Geschlechts 90 mehr und 10 weniger wiegen. Obwohl manche Kinder kleiner und andere größer sind, bleiben die Kinder im Lauf der Zeit in der Regel ungefähr auf derselben Perzentile.

Von einer Gedeihstörung (Failure To Thrive, FTT) spricht man bei Kindern, die im Vergleich mit Kindern desselben Alters und Geschlechts durchgängig untergewichtig sind, im Normalfall unter der 3. bis 5. Perzentile. Der Verdacht auf eine Gedeihstörung besteht auch dann, wenn das prozentuale Gewicht eines Kindes stetig sinkt, obwohl das eigentliche Gewicht des Kindes nicht niedrig ist. Beispielsweise wäre es beunruhigend, wenn das Gewicht eines Kindes innerhalb kurzer Zeit von der 90. auf die 50. Perzentile (Durchschnittsgewicht) fällt. Es gibt viele verschiedene Ursachen.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen für eine Gedeihstörung gehören

  • Umgebungs- und soziale Faktoren

  • Erkrankungen

Unabhängig vom Grund der Mangelernährung kann diese das Wachstum des kindlichen Körpers und Gehirns beeinträchtigen.

Ökologische und soziale Faktoren sind die häufigsten Gründe, weswegen Kinder nicht die Nahrung bekommen, die sie brauchen.

Vernachlässigung oder Missbrauch durch die Eltern, psychische Gesundheitsstörungen der Eltern (z. B. Depression), Armut und chaotische Familienverhältnisse erhöhen das Risiko dafür, dass ein Kind keine regelmäßigen nahrhaften Mahlzeiten erhält. Solche Situationen können sich auch negativ auf den Appetit des Kindes auswirken und dazu führen, dass das Kind weniger Nahrung aufnimmt. In manchen Fällen bieten die Eltern dem Kind Nahrung, die nicht genügend Nährstoffe enthält. So erhält das Kind nicht, was es braucht, und nimmt nicht ausreichend an Gewicht zu. Eltern verstehen unter Umständen nicht vollständig, wie sie ihren Säugling ernähren müssen und bereiten die Babynahrung falsch zu. Wenn die Eltern nicht wissen, wie sie den Säugling richtig füttern oder das Baby schwer zu füttern ist, kann es zu einer Gedeihstörung kommen.

Medizinische Erkrankungen können manchmal eine Gedeihstörung verursachen. Die dafür verantwortliche Erkrankung kann verhältnismäßig unbedeutend sein. So kann das Kind etwa Kau- oder Schluckbeschwerden haben (wie sie bei einer Lippenspalte oder Gaumenspalte auftreten). Auch medizinische Erkrankungen wie gastroösophagealer Reflux, eine Verengung der Speiseröhre oder intestinale Malabsorption können dazu führen, dass ein Kind Schwierigkeiten bei der Aufnahme sowie beim Behalten und Verdauen von Nahrung hat. Weitere gesundheitliche Ursachen für eine Gedeihstörung sind Infektionen, Tumoren, Hormon- und Stoffwechselstörungen (wie Diabetes und Mukoviszidose), Herz- und Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, genetische Störungen (z. B. das Down-Syndrom oder erbliche Stoffwechselstörungen) und eine Infektion mit dem humanen Immunschwächevirus (HIV). In seltenen Fällen produzieren die Mütter auch nicht genügend Muttermilch, oder noch seltener, Muttermilch mit geringerem Kaloriengehalt.

Diagnose

  • Überwachung von Gewicht und Größe

  • Fragen über die Still- oder Fütterungsgewohnheiten und die gesundheitliche, soziale und familiäre Vorgeschichte

  • Bei Bedarf Labortests

Der Arzt vermutet eine Gedeihstörung, wenn das Gewicht bzw. die Gewichtszunahme deutlich unter dem Wert liegt, der im Vergleich zu früheren Messungen oder Durchschnittswerten auf der Wachstumstabelle erwartet wird ({blank} Weight and Length Charts for Infants from Birth to 24 Months of Age). Wenn sich die Gedeihstörung stark auf das Gewicht eines Kindes auswirkt, können das Längen- und Kopf- bzw. Hirnwachstum ebenfalls beeinträchtigt sein.

Um feststellen zu können, warum ein Kind nicht gedeiht, stellen die Ärzte den Eltern bestimmte Fragen zu

  • Ernährung

  • Stuhlgewohnheiten

  • Sozialer, emotionaler und finanzieller Stabilität der Familie, was sich auf die Beschaffung von Nahrung für das Kind auswirken könnte

  • Krankheiten, die das Kind hatte oder die in der Familie vorkommen

Der Arzt untersucht das Kind auf Zeichen, die die schwache Gewichtszunahme des Kindes erklären können. Auf Grundlage dieser Untersuchung kann der Arzt Blut-, Stuhl- und Urintests sowie Röntgenaufnahmen anordnen. Umfassendere Untersuchungen werden nur durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Grunderkrankung besteht.

Prognose

Weil das erste Lebensjahr für die Entwicklung des kindlichen Gehirns wichtig ist, holen manche Kinder, deren Gedeihstörung in diese Zeit fällt, den Entwicklungsrückstand gegenüber ihren Altersgenossen auch dann nicht wieder auf, wenn sich ihr körperliches Wachstum verbessert hat. Etwa die Hälfte dieser Kinder ist geistig unterdurchschnittlich entwickelt, vor allem, was ihre sprachlichen Fähigkeiten anbelangt. Diese Kinder sind häufig verhaltensauffällig und haben soziale und emotionale Störungen.

Behandlung

  • Nährstoffreiche Mahlzeiten

  • Gezielte Behandlung der organischen Störungen

Die Behandlung der Gedeihstörung hängt von der Ursache ab. Wird eine medizinische Erkrankung gefunden, wird diese gezielt behandelt. Unabhängig von der Ursache erhalten alle Kinder mit Gedeihstörung eine nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Kalorien, damit sie schneller wachsen und an Gewicht zulegen.

Eine leichte bis mittelschwere Gedeihstörung wird behandelt, indem das Kind regelmäßig nährstoff- und kalorienreiche Mahlzeiten bekommt. Die Eltern können darüber beraten werden, welche Verhaltensweisen in der Familie ihrem Kind schaden, und welche finanziellen und sozialen Ressourcen für sie zur Verfügung stehen.

Eine Gedeihstörung wird im Krankenhaus behandelt, wo Sozialarbeiter, Ernährungsberater, Psychiater und andere Spezialisten zusammenarbeiten, um die wahrscheinlichste Ursache für die Gedeihstörung und die in dieser Situation beste Behandlung zu finden.

Kinder mit einer Gedeihstörung aufgrund von Missbrauch und Vernachlässigung werden in ein Pflegeheim gebracht. Wenn sie zu ihren biologischen Eltern zurückgebracht werden, wird die Entwicklung der Kinder überwacht.

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