Skoliose

VonNora E. Renthal, MD, PhD, Harvard Medical School
Überprüft vonMichael SD Agus, MD, Harvard Medical School
Überprüft/überarbeitet Geändert Sept. 2025
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Kurzinformationen

Bei einer Skoliose ist die Wirbelsäule ungewöhnlich gekrümmt.

  • Skoliose kann angeboren sein oder sich im Jugendalter entwickeln.

  • Leichte Formen verursachen möglicherweise nur geringfügige Rückenschmerzen, schwere Formen können jedoch zu chronischen Schmerzen führen oder Auswirkungen auf die inneren Organe haben.

  • Die Diagnose basiert auf einer Untersuchung und Röntgenaufnahmen.

  • Nicht alle Formen von Skoliose verschlimmern sich. Wenn dies jedoch der Fall ist, muss sie so schnell wie möglich behandelt werden, um eine schwere Fehlbildung zu verhindern.

  • Zur Begradigung der Wirbelsäule kann ein Korsett oder eine Operation erforderlich sein.

(Siehe auch Übersicht zu Knochenerkrankungen bei Kindern.)

Skoliose ist relativ häufig und betrifft 1 bis 3 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 16 Jahren. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen. Bei Mädchen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Skoliose sich verschlimmert und ein Korsett getragen oder operiert werden muss, jedoch zehnmal so hoch.

Eine Skoliose kann vererbt sein, infolge eines Geburtsfehlers auftreten oder sich erst später, meist im frühen Jugendalter, entwickeln. Für gewöhnlich kann die Ursache nicht festgestellt werden (sogenannte idiopathische Skoliose).

Idiopathische Skoliose
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Dieses Foto zeigt ein Mädchen im Jugendalter mit schwerer Skoliose (Krümmung der Wirbelsäule).

MEDICAL PHOTO NHS LOTHIAN/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Symptome einer Skoliose

Eine leichte Skoliose kann bei einer routinemäßigen körperlichen Untersuchung festgestellt werden. Der Verdacht entsteht, wenn Eltern, Lehrer oder der Arzt bemerken, dass eine Schulter höher zu sein scheint als die andere, oder wenn die Kleidung nicht gerade hängt.

Eine leichte Skoliose verursacht meist keine Symptome. Wenn das Kind lange gesessen oder gestanden hat, kann der Rücken wehtun oder steif werden. Dem können schließlich mäßige bis starke Schmerzen folgen.

Die meisten Krümmungen verlaufen nach rechts im oberen Rückenbereich und nach links im Lendenwirbelbereich. Dadurch steht die rechte Schulter meist höher als die linke. Auch eine Hüfte kann höher stehen als die andere. Des Weiteren kann der Brustkorb asymmetrisch sein. Kinder mit Kyphose entwickeln häufig auch eine Skoliose. Diese Kombination heißt Kyphoskoliose.

Diagnose einer Skoliose

  • Röntgenaufnahmen

Um die Diagnose einer Skoliose stellen zu können, bittet der Arzt das Kind, sich nach vorne zu beugen, damit er die Wirbelsäule von hinten betrachten kann, weil die Wirbelsäulenverkrümmung in dieser Position am besten zu sehen ist.

Skoliose: Verbiegung der Wirbelsäule

Röntgenbilder zeigen den genauen Skoliose-Winkel. Die Krümmung der Wirbelsäule wird als Winkel zwischen 2 Linien definiert, die auf einer Röntgenaufnahme der Wirbelsäule gezogen werden. Der Winkel wird als Kobb-Winkel bezeichnet. Eine Linie erstreckt sich von oben nach unten zum oberen am meisten gekrümmten Wirbelkörper und die andere Linie von unten nach oben zum am meisten gekrümmten unteren Wirbelkörper.

Der Cobb-Winkel

Bei der Cobb-Methode werden auf einer Röntgenaufnahme der Wirbelsäule 2 Linien gezogen. Eine Linie erstreckt sich von oben nach unten zum oberen am meisten gekrümmten Wirbelkörper und die andere Linie von unten nach oben zum am meisten gekrümmten unteren Wirbelkörper. Der von diesen Linien gebildete Winkel ist der Cobb-Winkel. (Die konvexe Seite ist da, wo sich die Wirbelsäule nach außen krümmt. Die konkave Seite ist dort, wo sich die Wirbelsäule nach innen wölbt.)

Ist zu erwarten, dass die Skoliose weiter fortschreitet, kann es notwendig sein, das Kind mehrmals im Jahr ärztlich untersuchen zu lassen. Die Wirbelsäulenverkrümmung lässt sich mit speziellen Diagnoseinstrumenten noch genauer messen.

Behandlung einer Skoliose

  • Ein Korsett oder Physiotherapie

  • Manchmal operative Eingriffe

Eine Skoliose, die Symptome verursacht, weiter fortschreitet oder schwer ausgeprägt ist, muss behandelt werden. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser kann es gelingen, eine schwere Verformung zu verhindern.

Um die Wirbelsäule gerade zu halten, kann es nötig sein, dass der Jugendliche ein Stützkorsett oder ein Gerät zur Ruhigstellung der Wirbelsäule (Orthese) trägt. Des Weiteren erhalten Kinder Physiotherapie, um eine stärkere Verformung zu verhindern.

Bei Kindern mit mittelschwerer oder schwerer Skoliose müssen die Wirbel bei einem chirurgischen Eingriff, der Spinalfusion genannt wird, miteinander verbunden werden. Bei einer Operation kann eine Metallstange eingesetzt werden, um die Wirbelsäule gerade zu halten, bis sich die Rückenwirbel dauerhaft verbunden haben.

Skoliose und deren Behandlung beeinträchtigen häufig das Selbstbild und Selbstwertgefühl von Jugendlichen. Daher kann eine Beratung oder Psychotherapie erforderlich sein.

Prognose bei Skoliose

Die Schwere und Lage der Verkrümmung sowie das Alter des Kindes tragen dazu bei, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich eine Skoliose verschlechtert. Je schwerer die Verkrümmung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Skoliose verschlechtert. Das Risiko einer Verschlechterung der Verkrümmung ist höher, wenn die Skoliose in jüngerem Alter diagnostiziert wird, wenn die Knochen noch stark wachsen. Außerdem verschlechtert sich die Verkrümmung tendenziell in den frühen Stadien der Pubertät, wenn das Wachstum schneller voranschreitet. Die Wahrscheinlichkeit eines Fortschreitens ist auch höher, je mehr Symptome auftreten. Eine Verkrümmung im oberen Rücken (Brustwirbelsäule) verschlimmert sich eher als eine Verkrümmung im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule).

Eine fortschreitende Skoliose kann letztlich zu einer dauerhaften, deutlich sichtbaren Verformung und chronischen Schmerzen führen. Eine schwere Skoliose kann sogar Auswirkungen auf die inneren Organe haben. Beispielsweise kann die Verkrümmung die Lunge deformieren und schädigen.

Bei den meisten Kindern mit Skoliose verschlechtert sich die Verkrümmung nicht, sondern bleibt gering. Sie muss jedoch regelmäßig von einem Arzt kontrolliert werden.

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