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Niazinmangel

(Pellagra)

Von

Larry E. Johnson

, MD, PhD, University of Arkansas for Medical Sciences

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2020| Inhalt zuletzt geändert Nov 2020
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Quellen zum Thema

In Industrieländern ist ein Mangel an Niazin (der Pellagra verursacht) sehr selten. Viele Menschen mit einem Mangel an Niazin leiden häufig auch unter einem Mangel an Eiweiß, Riboflavin und Vitamin B6.

  • Ein sich abzeichnender roter Ausschlag erscheint an Händen, Füßen, den Waden, am Hals und im Gesicht, die Zunge und der Mundraum färben sich dunkelrot.

  • Die Betroffenen leiden unter Verdauungsproblemen, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Apathie und später unter Verwirrung und Gedächtnisverlust.

  • Die Diagnose stützt sich auf die Vorgeschichte der Ernährung, Symptome und manchmal Urintests.

  • Der Mangel lässt sich mit oral eingenommenem Nikotinamid oder Nikotinsäure begleichen.

Niazin, ein B-Vitamin, ist für die Verarbeitung (Verstoffwechselung) von Kohlenhydraten, Fetten und vielen anderen Substanzen im Körper und für die normale Funktionsweise der Zellen unerlässlich.

Gute Quellen von Niazin sind Trockenhefe, Leber, rotes Fleisch, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte und Vollkorn- oder angereicherte Getreideprodukte und Brot. Nahrungsmittel wie Milchprodukte, die reichlich Tryptophan, eine Aminosäure, enthalten, können eine unzureichende Zufuhr von Niazin aus der Nahrung kompensieren, da der Körper Tryptophan in Niazin umwandeln kann.

Der Begriff „ Niazin“ wird in zweierlei Hinsicht verwendet: zum einen als Synonym für Nikotinsäure, zum anderen als weitgefassterer Begriff, der Nikotinamid und Nikotinsäure umfasst, zwei verschiedene Formen dieses B-Vitamins.

Ursachen

Eine Form des Niazinmangels entsteht durch einen Mangel an Niazin und Tryptophan (eine Aminosäure). Dieser Mangel verursacht eine als Pellagra bezeichnete Krankheit, die sich auf die Haut, den Verdauungstrakt und das Gehirn auswirkt. Pellagra entsteht nur, wenn die Ernährung nicht nur zu wenig Niazin, sondern auch zu wenig Tryptophan enthält, da der Körper Tryptophan in Niazin umwandeln kann. Menschen, deren Hauptnahrungsquelle Mais ist, haben ein hohes Risiko, an Pellagra zu erkranken, weil Mais nur wenig Niazin und Tryptophan enthält. Außerdem kann das Niazin aus Mais im Darm nicht verwertet werden, wenn das Getreide nicht vorher mit Alkali behandelt wird, was zum Beispiel bei der Zubereitung von Tortillas geschieht. Pellagra kann eine saisonale Krankheit sein, die im Frühjahr beginnt und den Sommer andauert, wenn die Nahrung hauptsächlich aus Maisprodukten besteht.

Pellagra entwickeln auch Menschen mit folgenden Merkmalen:

  • Hartnup-Krankheit, einer seltenen Erbkrankheit, bei der die Tryptophanaufnahme gestört ist

  • Karzinoidsyndrom, eine seltene Erkrankung, bei der Tryptophan nicht in Niazin umgewandelt wird

Folgendes kann zu einem Niacinmangel führen:

Symptome

Es kann ein symmetrischer dunkelroter Ausschlag auftreten, der einem Sonnenbrand ähnelt; er kann sich bei Aufenthalt im Sonnenlicht verschlimmern (eine Krankheit, die als Fotosensibilität bezeichnet wird). Der Ausschlag tritt an Stellen auf, die der Sonne ausgesetzt sind und sein Auftreten ist entsprechend charakterisiert:

  • An Armen und Händen (wie Handschuhe)

  • An Füßen und Unterschenkeln (wie Schuhe)

  • Um den Hals (wie eine Halskette)

  • Im Gesicht, wo er in Schmetterlingsform auftritt

Die Hautschäden sind bleibend, und die betroffenen Bereiche können braun und schuppig werden.

Der gesamte Verdauungstrakt ist betroffen. Zunge und Mund können sich entzünden und dunkelrot färben. Die Zunge kann anschwellen und der Mund brennen, wobei offene Wunden auftreten können. Auch der Rachen und die Speiseröhre können brennen. Die Speichelproduktion kann zunehmen. Weitere Pellagra-Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verstopfung und eventuell blutiger Durchfall.

Später entwickeln sich Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Apathie. Gewöhnlich folgen Funktionsstörungen des Gehirns (Enzephalopathie). Sie äußern sich in Benommenheit, Desorientiertheit, Halluzinationen und Gedächtnisverlust. Betroffene können aufgeregt, deprimiert, übermäßig beschwingt (manisch), fantasierend oder paranoid sein (denken, dass Menschen versuchen, ihm oder ihr etwas anzutun).

Diagnose

  • Körperliche Untersuchung

  • Urintests

  • Linderung von Symptomen bei Einnahme von Niazinpräparaten

Die Diagnose eines Niacinmangels wird auf der Grundlage der Ernährungsgeschichte und bestehender Symptome gestellt. Die Bestimmung eines Nebenprodukts von Niazin mittels Urintest kann die Diagnose festigen, doch steht dieser Test nicht immer zur Verfügung.

Die Diagnose wird bestätigt, wenn die Gabe von Niazin die Symptome lindert.

Behandlung

  • Niazinpräparate

  • Andere B-Vitaminpräparate

Es gibt zwei Arten von Niacin-Präparaten: Nikotinamid und Nikotinsäure. Pellagra wird mit einer täglichen oralen Einnahme von Niazin behandelt. Nikotinamid verursacht im Gegensatz zu Nikotinsäure keine Hitzewallungen, Juckreiz, Brennen oder Prickeln.

Da Betroffene neben dem Niazinmangel häufig noch andere Nährstoffdefizite aufweisen, ist eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Präparate mit anderen B-Vitaminen werden zusätzlich eingenommen.

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