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Epididymitis

Von

Patrick J. Shenot

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Nov 2017
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Quellen zum Thema

Die Epididymitis ist die Entzündung des Epididymus (Nebenhoden), manchmal in Verbindung mit der Entzündung des Hodens (Epididymo-Orchitis). Skrotale Schmerzen und Schwellung treten gewöhnlich einseitig auf. Die Diagnose wird durch körperliche Untersuchung gestellt. Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika, Analgetika und der Hochlagerung des Hodens.

Ätiologie

Bakterielle Epididymitis

Die meisten Epididymitiden (und Epididymo-Orchitiden) werden durch Bakterien verursacht. Betrifft die Entzündung auch das Vas deferens, entsteht eine Vasitis. Wenn alle Strukturen des Samenleiters betroffen sind, lautet die Diagnose Funikulitis. Selten treten epididymale Abszesse, skrotale extraepididymale Abszesse, Pyocele (Ansammlung von Eiter in einem Hydrozele) oder testikuläre Infarzierung auf.

Epididymoorchitis
Epididymoorchitis
DR P. MARAZZI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Bei Männern < 35 Jahren werden die meisten Fälle durch sexuell übertragene Erreger verursacht, v. a. Neisseria gonorrhoeae oder Chlamydia trachomatis. Eine Infektion kann als Urethritis beginnen.

Bei Männern > 35 Jahren treten die meisten Fälle aufgrund von gramnegativen Coliformen auf und kommen typischerweise bei Patienten mit urologischen Anomalien, Verweilkathetern oder kurz zurückliegenden Eingriffen vor.

Eine tuberkulöse Nebenhodenentzündung und syphilitische Gumma kommen – außer bei immunsupprimierten Patienten (z. B. HIV-Infizierten) in den entwickelten Ländern mittlerweile nur noch selten vor.

Nichtbakterielle Epididymitis

Virale Ursachen (z. B. Zytomegalievirus-Infektion) und mykotische Ursachen (z. B. Aktinomykose, Blastomykose) von Epididymitis sind in den entwickelten Ländern selten, außer bei immunsupprimiertem Patienten. Epididymitiden und Epididymoorchitiden nichtinfektiöser Ätiologie können durch chemische Irritation infolge eines retrograden Einfließens von Urin in den Nebenhoden bedingt sein. Dazu kann es beim Valsalvamanöver (z. B. schweres Heben) oder nach lokalem Trauma kommen.

Symptome und Beschwerden

Schmerzen treten sowohl bei bakterieller als auch nichtbakterieller Epididymitis auf. Sie können stark sein und manchmal bis ins Abdomen ausstrahlen. Bei einer bakteriellen Epididymitis können Patienten Fieber haben, selten Erbrechen und häufig Harnwegsbefunde. Ein Harnröhrenausfluss kann bei Urethritis vorkommen. (Anm. d. Red.: Im Unterschied zur Hodentorsion beginnt die Schmerzsymptomatik bei der Epididymitis langsam. In aller Regel tritt keine Übelkeit mit Erbrechen auf, und das Prehn-Zeichen ist positiv [Besserung der Symptomatik nach Anheben des Hodens]. In der Farbduplexsonographie findet sich eine Mehr- bis Hyperperfusion des Nebenhodens.)

Die körperliche Untersuchung zeigt eine Schwellung, Verhärtung, Druckschmerzhaftigkeit und manchmal Erythem eines Teils oder des gesamten betroffenen Nebenhodens und manchmal auch des zugehörigen Hodens. Fieber, Tachykardie, Hypotonie und eine toxische Erscheinung lassen auf eine Sepsis schließen.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Manchmal Harnröhrenabstrich und Urinkultur

Die Diagnose von Epididymitis wird durch Schwellungen und Druckempfindlichkeit der Nebenhoden bestätigt. Wenn die Befunde jedoch nicht eindeutig für eine Epididymitis sprechen, muss besonders bei Patienten < 30 Jahren an eine Hodentorsion gedacht werden. Eine Farbdopplersonographie ist angezeigt, wenn die Ursache unbekannt ist und die Störung wiederholt auftritt. (Anm. d. Red.: Sie entscheidet aber nicht über die operative Freilegung, da eine Perfusion auch bei Torsion, insb. randständig, nachgewiesen werden kann.)

Tipps und Risiken

  • Bei Männern mit akuten skrotalen Schmerzen, muss eine Hodentorsion ausgeschlossen werden, sei denn die Befunde sind eindeutig auf die Nebenhoden begrenzt.

Urethritis spricht dafür, dass die Ursache der Epididymitis ein sexuell übertragener Erreger ist; daher sollte ein Harnröhrenabstrich zur Gonokokken- oder Chlamydienkultur oder für die PCR ans Labor gesandt werden. In anderen Fällen können die infizierenden Organismen gewöhnlich mittels Urinkultur identifiziert werden. Urinanalyse und Urinkultur sind bei nichtbakteriellen Ursachen unauffällig.

Therapie

  • Antibiotika

  • Supportive Maßnahmen

Die Behandlung von Epididymitis besteht in Bettruhe; Hochlagerung und Kühlung des Skrotums (z. B. in aufgerichteter Position mit einem "jockstrap"), um sich wiederholende kleine Stöße abzufangen; in entzündungshemmenden Analgetika sowie einem Breitspektrumantibiotikum wie z. B. Ciprofloxacin, 500 mg p.o. 2-mal täglich, oder Levofloxacin, 500 mg p.o. 1-mal täglich über 21–30 Tage. Alternativ kann Doxycyclin, 100 mg p.o. 2-mal täglich, oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol in doppelter Stärke (160/800 mg) p.o. 2-mal täglich gegeben werden.

Wenn eine Sepsis droht, kann ein Aminoglykosid wie z. B. Tobramycin (1 mg/kg i.v. alle 8 h) (Anm. d. Red.: verbreiteter ist Gentamicin) oder ein Cephalosporin der 3. Generation wie Ceftriaxon (1–2 g/Tag i.v.) hilfreich sein, bis der Infektionserreger und seine Empfindlichkeit bekannt sind.

Abszesse und eine Pyozele erfordern gewöhnlich die chirurgische Entlastung.

Rezidivierende bakterielle Epididymitiden infolge einer chronischen Urethritis oder Prostatitis können manchmal durch eine Vasektomie verhindert werden. Eine Epididymektomie, die gelegentlich wegen chronischer Epididymitis durchgeführt wird, kann allerdings zum Persistieren der Symptome führen.

Patienten, die einen Verweilkatheter tragen müssen, laufen Gefahr, eine rezidivierende Epididymitis und Epididymoorchitis zu entwickeln. In solchen Fällen kann das Platzieren einer suprapubischen Zystostomie oder das Anleiten zur Selbstkatheterisierung hilfreich sein.

Die Behandlung einer nichtbakteriellen Epididymitis entspricht den oben genannten allgemeinen Maßnahmen, eine antibiotische Therapie ist jedoch nicht notwendig. Die Nervenblockade der Samenstranggebilde mit einem Lokalanästhetikum kann die Symptome in schweren, persistierenden Fällen lindern.

Wichtige Punkte

  • Die häufigsten Ursachen von Epididymitis sind Bakterien: Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis bei jüngeren Männern und Jugendlichen und gramnegative koliforme Bakterien bei älteren Männer.

  • Empfindlichkeit betrifft die Nebenhoden und oft die Hoden.

  • Die Epididymitis wird klinisch diagnostiziert und eine Hodentorsion muss durch klinische Befunde oder, falls erforderlich, durch Farbdopplersonographie ausgeschlossen werden.

  • In den meisten Fällen werden Antibiotika gegeben (z. B. für ambulante Behandlung, ein Fluorchinolon, Doxycyclin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol) und die Schmerzen behandelt.

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