Schizophrenie ist charakterisiert durch Psychose (Realitätsverlust); zu den Symptomen gehören Halluzinationen (falsche Wahrnehmungen), Wahnvorstellungen (falsche Überzeugungen), desorganisierte Sprache und motorisches Verhalten, negative Symptome (verflachter Affekt, eingeschränkte Emotionsbandbreite), kognitive Defizite (beeinträchtigtes Denken und Problemlösen) sowie berufliche und soziale Funktionsstörungen. Die Ursache ist unbekannt, aber der Nachweis für genetische und ökologische Komponenten ist stark. Die Symptome beginnen meist in der Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter. Für die Diagnosestellung müssen die Symptome einer oderer mehrerer Episoden ≥ 6 Monate anhalten. Die Behandlung besteht aus Antipsychotika, kognitiver Therapie und psychosozialer Rehabilitation. Eine frühe Diagnose und Behandlung verbessern die Ergebnisse.
Zu einer Psychose gehören Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, desorganisiertes Denken und Sprechen sowie bizarres und unangemessenes motorisches Verhalten, was einen Kontaktverlust mit der Realität aufzeigt.
Weltweit beträgt die Lebenszeitprävalenz von Schizophrenie etwa 0,7% (1, 2). Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen; dieses Verhältnis ist in allen Kulturen relativ konstant. Urbanes Leben, Armut, Kindheitstrauma, Vernachlässigung und vorgeburtliche Infektionen sind Risikofaktoren und es gibt eine genetische Veranlagung. Die Erkrankung beginnt in der späten Adoleszenz und dauert ein Leben lang, wobei die psychosoziale Funktion in der Regel schlecht ist.
Bei Frauen liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter in den mittleren bis späten Zwanzigern, mit einem zusätzlichen Diagnosegipfel in den Dreißigern (3, 4). Bei Männern liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter zwar in den frühen bis mittleren Zwanzigern, aber bis zu 40% haben ihre erste Episode vor dem 20. Lebensjahr. Die Störung beginnt sehr selten bereits im Kindesalter, sie kann auch in der frühen Adoleszenz oder im Alter (dann wird sie manchmal als Paraphrenie bezeichnet) einsetzen.
Literatur
1. McGrath J, Saha S, Chant D, Welham J. Schizophrenia: a concise overview of incidence, prevalence, and mortality. Epidemiol Rev. 2008;30:67-76. doi:10.1093/epirev/mxn001
2. Keepers GA, Fochtmann LJ, Anzia JM, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia. Am J Psychiatry. 2020;177(9):868-872. doi:10.1176/appi.ajp.2020.177901
3. van der Werf M, Hanssen M, Köhler S, et al. Systematic review and collaborative recalculation of 133,693 incident cases of schizophrenia. Psychol Med. 2014;44(1):9-16. doi:10.1017/S0033291712002796
4. Ballageer T, Malla A, Manchanda R, Takhar J, Haricharan R. Is adolescent-onset first-episode psychosis different from adult onset?. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2005;44(8):782-789. doi:10.1097/01.chi.0000164591.55942.ea
Ätiologie der Schizophrenie
Obwohl die spezifischen Ursachen und Mechanismen nicht bekannt sind, hat die Schizophrenie eine biologische Grundlage, wie folgende Faktoren belegen:
Veränderungen im Gehirn (z. B. erweiterte Hirnventrikel, Verdünnung des Kortex die Verkleinerung des anterioren Hippokampus und anderer Hirnregionen)
Veränderungen in der Neurochemie, insbesondere veränderte Aktivität bei Markern für die Übertragung von Dopamin und Glutamat.
Signifikante Erblichkeit (60 bis 80%), mit mehreren genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren (1, 2)
Einige Experten gehen davon aus, dass Schizophrenie mit neurodevelopmentalen Vulnerabilitäten assoziiert ist und dass Beginn, Remission und Rezidiv der Symptome das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen diesen anhaltenden Vulnerabilitäten und Umweltstressoren sind.
Entwicklung des Nervensystems und Vulnerabilität
Obwohl sich Schizophrenie selten in der frühen Kindheit manifestiert, beeinflussen kindliche Faktoren das Auftreten von Krankheiten im Erwachsenenalter. Zu diesen Faktoren gehören
Genetische Veranlagung
Intrauterine, Geburts- oder postnatale Komplikationen
Virale Infektionen des zentralen Nervensystems
Kindheitstrauma und Vernachlässigung
Obwohl viele Menschen mit Schizophrenie keine Familienanamnese der Erkrankung haben, sind genetische Faktoren stark impliziert. Personen, die einen Verwandten ersten Grades mit Schizophrenie haben, haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein 5- bis 11-fach erhöhtes Risiko, die Erkrankung zu entwickeln (3). Eineiige Zwillinge mit Schizophrenie weisen eine Konkordanz (das Risiko, dass auch der andere Zwilling die Krankheit hat) von 41 bis 79% auf (4). Genomweite Assoziationsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen mehreren exzitatorischen und inhibitorischen Genen, die vor allem in Neuronen exprimiert werden (2).
Mehrere familiäre, pränatale und perinatale Faktoren wurden mit einem erhöhten Schizophrenierisiko in Verbindung gebracht; Schutzfaktoren wurden ebenfalls festgestellt (5).
Zu den starken Risikofaktoren (Odds Ratio ≥ 2) gehören:
Jede mütterliche oder väterliche Psychopathologie (mütterliche Psychose ist der stärkste Faktor mit einer Odds Ratio > 7)
Mütterlicher Stress
Vorzeitiger Blasensprung
Polyhydramnion
Kongenitale Fehlbildungen
Zu den schwächeren, aber dennoch signifikanten Risikofaktoren (Odds Ratio > 1 aber < 2) gehören:
Mütterliches Alter < 20 oder 30 bis 34 Jahre
Väterliches Alter < 20 oder > 35 Jahre
Multiparität der Mutter (≥ 3 Schwangerschaften)
Mütterliche Hypertonie
Mütterliche Infektionen, einschließlich Herpes simplex 2
Suboptimale pränatale Versorgung
Hunger oder Unterernährung während der Schwangerschaft
Geburt im Winter oder frühen Frühling (auf der Nordhalbkugel)
Perinatale Hypoxie und andere geburtshilfliche Komplikationen
Geburtsgewicht < 3 kg, Geburtslänge < 49 cm oder zu klein für das Gestationsalter
Zu den Schutzfaktoren (Odds Ratio < 1) gehören:
Mütterliches Alter von 20 bis 24 Jahren oder 25 bis 29 Jahren
Mütterliche Nulliparität
Geburtsgewicht ≥ 3,5 kg
Neurobiologische und neuropsychiatrische Tests deuten darauf hin, dass abweichende Augenfolgebewegungen, kognitive und Aufmerksamkeitsdefizite sowie fehlerhaftes sensorisches Gating häufiger bei schizophrenen Patienten auftreten als in der Allgemeinbevölkerung (6). Diese Ergebnisse können auch bei Verwandten des ersten Grades von Menschen mit Schizophrenie und bei Patienten mit vielen anderen psychotischen Störungen auftreten und können eine erbliche Komponente der Verletzlichkeit darstellen. Die Gemeinsamkeit dieser Befunde bei psychotischen Störungen legt nahe, dass unsere konventionellen diagnostischen Kategorien die zugrunde liegenden biologischen Unterschiede zwischen Psychosen nicht widerspiegeln.
Umweltstressoren
Umweltstressoren können das erstmalige oder wiederholte Auftreten der Symptome bei vulnerablen Menschen auslösen. Die Stressoren können primär drogenbezogen sein (z. B. Substanzkonsum, insbesondere Cannabis) (7) oder sozialer Art (z. B. Arbeitslosigkeit oder Verarmung, Auszug von zu Hause, um zu studieren, Beenden einer Liebesbeziehung, Beginn des Militärdienstes). Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Umweltereignisse epigenetische Veränderungen auslösen können, die die Gentranskription und das Auftreten von Krankheiten beeinflussen können (8).
Zu den Schutzfaktoren, die den Einfluss von Stress auf die Symptombildung oder -verschlimmerung mildern können, gehören eine starke psychosoziale Unterstützung, gut entwickelte Bewältigungsfähigkeiten und Antipsychotika.
Literatur zur Ätiologie
1. Schizophrenia Working Group of the Psychiatric Genomics Consortium. Biological insights from 108 schizophrenia-associated genetic loci. Nature. 511(7510):421-427, 2014. doi: 10.1038/nature13595
2. Trubetskoy V, Pardiñas AF, Qi T, et al. Mapping genomic loci implicates genes and synaptic biology in schizophrenia. Nature. 2022;604(7906):502-508. doi:10.1038/s41586-022-04434-5
3. Huang J, Perlis RH, Lee PH, et al. Cross-disorder genomewide analysis of schizophrenia, bipolar disorder, and depression. Am J Psychiatry. 2010;167(10):1254-1263. doi:10.1176/appi.ajp.2010.09091335
4. Stern S, Zhang L, Wang M, et al. Monozygotic twins discordant for schizophrenia differ in maturation and synaptic transmission. Mol Psychiatry. 2024;29(10):3208-3222. doi:10.1038/s41380-024-02561-1
5. Davies C, Segre G, Estradé A, et al. Prenatal and perinatal risk and protective factors for psychosis: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2020 May;7(5):399-410. doi: 10.1016/S2215-0366(20)30057-2
6. Keshavan MS, Tandon R, Boutros NN, Nasrallah HA. Schizophrenia, "just the facts": what we know in 2008 Part 3: neurobiology. Schizophr Res. 2008;106(2-3):89-107. doi:10.1016/j.schres.2008.07.020
7. D'Souza DC, DiForti M, Ganesh S, et al. Consensus paper of the WFSBP task force on cannabis, cannabinoids and psychosis. World J Biol Psychiatry. 2022;23(10):719-742. doi:10.1080/15622975.2022.2038797
8. Smigielski L, Jagannath V, Rössler W, et al. Epigenetic mechanisms in schizophrenia and other psychotic disorders: a systematic review of empirical human findings. Mol Psychiatry. 2020;25(8):1718-1748. doi:10.1038/s41380-019-0601-3
Symptome und Anzeichen von Schizophrenie
Schizophrenie ist eine chronische Krankheit, die phasenweise verlaufen kann, wobei Dauer und Muster der Phasen variieren können. Patienten mit Schizophrenie haben häufig über Monate bis Jahre psychotische Symptome, bevor sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
Schizophrenie-Symptome beeinträchtigen typischerweise die Fähigkeit, komplexe und schwierige kognitive und motorische Funktionen auszuführen; daher beeinträchtigen Symptome oft deutlich die Arbeit, soziale Beziehungen und Selbstversorgung. Arbeitslosigkeit, Isolation, negative Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen und verminderte Lebensqualität sind häufige Folgen.
Phasen dert Schizophrenie
In der prämorbiden Phase zeigen die Einzelpersonen u. U. keinerlei Symptome, oder sie können Beeinträchtigungen der sozialen Kompetenz, leichte kognitive Desorganisiertheit oder Wahrnehmungsverzerrungen, eine verringerte Fähigkeit, Freude zu empfinden (Anhedonie), sowie andere allgemeine Bewältigungsdefizite aufweisen. Solche Merkmale können schwach ausgeprägt und nur retrospektiv zu erkennen sein oder stärker auffallen bei Beeinträchtigungen der sozialen, akademischen und beruflichen Funktionsfähigkeit.
In der Prodromalphase können subklinische Symptome auftreten; es handelt sich dabei um Rückzug oder Isolation, Reizbarkeit, Misstrauen, ungewöhnliche Gedanken, Wahrnehmungsverzerrungen und Desorganisiertheit (1). Offensichtlich schizophrene Symptome (Wahnvorstellungen und Halluzinationen) können plötzlich einsetzen (innerhalb von Tagen oder Wochen) oder sich langsam und schleichend entwickeln (über Jahre). Aber selbst in einer fortgeschrittenen prodromalen Phase entwickelt nur ein Teil der Personen mit subklinischen Symptomen (20 bis 40 %) eine voll ausgeprägte Schizophrenie (2, 3).
In der frühen Psychosephase sind Symptome aktiv und oft am schlimmsten.
In der mittleren Phase können symptomatische Perioden episodisch (mit feststellbaren Exazerbationen und Remissionen) oder kontinuierlich auftreten; funktionelle Defizite verschlechtern sich tendenziell.
In der späten Krankheitsphase kann sich das Krankheitsbild etablieren, aber es gibt erhebliche Variabilität; eine Behinderung kann sich stabilisieren, verschlechtern oder sogar verringern.
Symptomkategorien bei Schizophrenie
Im Allgemeinen werden die Symptome wie folgt kategorisiert:
Wahnvorstellungen
Halluzinationen
Desorganisierte Gedanken und Sprache
Unkoordiniertes motorisches Verhalten (einschließlich Katatonie)
Negativsymptome: Verminderung oder Ausfall der normalen Funktionen und Emotionen
Kognitive Beeinträchtigungen: Defizite im Gedächtnis, in der Informationsverarbeitung und im Problemlösen.
Wahnvorstellungen sind fehlerhafte Überzeugungen, die trotz eindeutiger widersprüchlich Beweise aufrecht erhalten werden. Es gibt mehrere Arten von Wahnvorstellungen:
Verfolgungswahn: Die Patienten glauben, dass sie gequält, verfolgt, bedroht oder ausspioniert würden.
Beziehungswahn: Die Patienten glauben, dass Passagen aus Büchern, Zeitungen, Liedtexten oder andere Hinweisreize aus der Umgebung an sie gerichtet seien.
Wahnhaften Vorstellungen von Gedankenentzug oder Gedankeneingebung: Die Patienten glauben, dass andere ihre Gedanken lesen könnten, dass ihre eigenen Gedanken auf andere übertragen oder dass Gedanken oder Impulse ihnen von äußeren Kräften aufgezwungen würden.
Wahnvorstellungen bei Schizophrenie neigen dazu, bizarr, d. h. eindeutig unglaubwürdig und nicht von den gewöhnlichen Lebenserfahrungen (z. B. zu glauben, dass jemand ihre inneren Organe ohne eine Narbe entfernt) abgeleitet zu sein.
Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen, die nicht von anderen wahrgenommen werden. Sie können akustisch, optisch, olfaktorisch, gustatorisch oder taktil sein; am häufigsten kommen jedoch akustische Halluzinationen vor. Die Patienten können Stimmen hören, die ihr Verhalten kommentieren, die sich miteinander unterhalten oder kritische und beleidigende Kommentare abgeben. Wahnvorstellungen und Halluzinationen können die Patienten stark belasten.
Desorganisiertes Denken beinhaltet wirres, nicht zielgerichtetes Sprechen, das von einem Thema zum anderen wechselt. Die Rede kann diskret zerfahren bis völlig zusammenhanglos und unverständlich sein.
Desorganisiertes Verhalten kann kindliche Albernheit, Unruhe sowie unangemessenes Erscheinungsbild, mangelnde Hygiene oder unangemessenes Verhalten umfassen. Katatonie ist eine extremes Beispiel von buzarrem Verhalten, zu dem entweder eine steife Körperhaltung gehört, die sich durch Bemühungen Außenstehender nicht lösen lässt, oder bei dem planlose und unvermittelte motorische Aktivität einsetzen.
Negative (Defizit) Symptome beinhalten
Affektverflachung: Das Gesicht des Patienten wirkt unbeweglich, mit schlechtem Blickkontakt und fehlender Ausdruckskraft.
Alogie (Sprachverarmung): Der Patient spricht wenig und gibt knappe Antworten, wodurch der Eindruck von innerer Leere entsteht.
Anhedonie: Mangelndes Interesse an Aktivitäten sowie in zunehmend ziellose Aktivitäten.
Sozialer Rückzug: Mangelndes Interesse an Beziehungen.
Avolition: Es besteht ein Mangel an Motivation und ein verringertes Verlangen nach zielgerichteten Aktivitäten.
Negativsymptome führen häufig zu Motivationsverlust, Ziellosigkeit und verringerter Zielstrebigkeit.
Kognitive Defizite umfassen Beeinträchtigung in den folgenden Punkten:
Aufmerksamkeit
Verarbeitungsgeschwindigkeit
Arbeitsspeicher und deklarativer Speicher
Abstraktes Denken
Problemlösung
Verstehen sozialer Interaktionen
Das Denken des Patienten kann unflexibel, die Fähigkeit zur Problemlösung, zum Verstehen der Ansichten anderer Menschen und zum Lernen aus Erfahrung verringert sein. Die Schwere der kognitiven Beeinträchtigung ist ein wesentlicher Faktor, um die Gesamtbehinderung zu beurteilen.
Subtypen von Schizophrenie
Einige Experten unterteilen Schizophrenien in den defizitären und den nichtdefizitären Subtyp, je nach Ausprägung der Negativsymptomatik wie Affektverflachung, Motivationsmangel und verminderte Zielgerichtetheit (4).
Patienten mit defizitärem Subtyp zeigen hauptsächlich Negativsymptome, die sich durch andere Faktoren (z. B. Depression, Angst, stimulationsarme Umgebung, Nebenwirkungen psychotroper Substanzen) nicht erklären lassen.
Patienten mit nichtdefizitärem Subtyp können Wahn, Halluzinationen und Denkstörungen aufweisen, sie zeigen aber kaum Negativsymptome.
Die früher erfassten Subtypen der Schizophrenie (paranoide, unorganisiert, katatone, residuale, undifferenzierte) haben sich nicht als gültig oder zuverlässig erwiesen und werden nicht mehr verwendet.
Suizidrisiko
Etwa 4 bis 10% der Patienten mit Schizophrenie sterben durch Suizid (5), und etwa 35 % unternehmen einen Suizidversuch; deutlich mehr haben ausgeprägte Suizidgedanken (6). Suizid stellt die häufigste vorzeitige Todesursache bei Menschen mit Schizophrenie dar, was zumindest teilweise erklärt, warum die Störung die Lebenserwartung im Durchschnitt um etwa 15 Jahre reduziert (7).
Das Risiko kann vor allem bei junge Menschen mit Schizophrenie und einer Substanzgebrauchsstörung hoch sein. Das Risiko ist auch erhöht bei Patienten, die depressive Symptome oder Gefühle der Hoffnungslosigkeit haben, die arbeitslos sind, oder die gerade eine psychotische Episode hatten oder aus dem Krankenhaus entlassen wurden.
Patienten mit spätem Krankheitsbeginn sowie guter prämorbider Funktionsfähigkeit–also genau die Patienten mit der besten Prognose–haben auch das größte Suizidrisiko. Da bei diesen Patienten die Fähigkeit zu Trauer und seelischem Schmerz erhalten ist, können sie, weil sie die Folgen ihrer Erkrankung realistisch wahrnehmen, eher zu einer Verzweiflungstat neigen.
Risiko von Gewalttätigkeit
Schizophrenie stellt einen überraschend moderaten Risikofaktor für gewalttätiges Verhalten dar. Gewaltandrohungen und aggressive Durchbrüche sind bei häufiger als ernsthaft gefährliches Verhalten. In der Tat sind Menschen mit Schizophrenie insgesamt weniger gewalttätig als Menschen ohne Schizophrenie.
Patienten, die Substanzgebrauchsstörungen haben, unter Verfolgungswahn und Befehlshalluzinationen leiden, sowie Patienten, die die verschriebenen Medikamente nicht einnehmen, sind mit größerer Wahrscheinlichkeit ernsthaft gewaltbereit. Nur sehr selten attackiert oder ermordet ein schwer depressiver, vereinsamter, paranoider Patient jemanden, den er als einzige Ursache für seine Schwierigkeiten ansieht (z. B. eine Autoritätsperson, eine Berühmtheit oder den Partner).
Literatur zur Symptomatik
1. Tsuang MT, Van Os J, Tandon R, et al: Attenuated psychosis syndrome in DSM-5. Schizophr Res.150(1):31–35, 2013. doi: 10.1016/j.schres.2013.05.004
2. Brucato G, Masucci MD, Arndt LY, et al. Baseline demographics, clinical features and predictors of conversion among 200 individuals in a longitudinal prospective psychosis-risk cohort. Psychol Med. 2017;47(11):1923-1935. doi:10.1017/S0033291717000319
3. Raballo A, Poletti M, Preti A, et al. Clinical high risk for psychosis in children and adolescents: A meta-analysis of transition prevalences. Schizophr Res. 2022;243:254-261. doi:10.1016/j.schres.2020.03.063
4. Carpenter WT Jr, Heinrichs DW, Wagman AM. Deficit and nondeficit forms of schizophrenia: the concept. Am J Psychiatry. 1988;145(5):578-583. doi:10.1176/ajp.145.5.578
5. Keepers GA, Fochtmann LJ, Anzia JM, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia. Am J Psychiatry. 2020 Sep 1;177(9):868-872. doi: 10.1176/appi.ajp.2020.177901
6. Lieberman JA, First MB. Psychotic Disorders. N Engl J Med. 2018 Jul 19;379(3):270-280. doi: 10.1056/NEJMra1801490
7. Hjorthøj C, Stürup AE, McGrath JJ, et al. Years of potential life lost and life expectancy in schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2017 Apr;4(4):295-301. doi: 10.1016/S2215-0366(17)30078-0. Epub 2017 Feb 22. Erratum in: Lancet Psychiatry. 2017 Sep;4(9):e19. doi: 10.1016/S2215-0366(17)30326-7
Diagnose von Schizophrenie
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision [DSM-5-TR]) Kriterien (1)
Allgemeine medizinische Beurteilung zum Ausschluss anderer Ursachen
Je früher im Verlauf der Erkrankung die Diagnose gestellt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose (2).
Es gibt keinen eindeutigen Labor- oder bildgebenden Test für Schizophrenie. Die Diagnose basiert auf einer umfassenden Beurteilung von Anamnese, Symptomen und Zeichen. Häufig sind Informationen aus zusätzlichen Quellen wichtig, beispielsweise von Familienangehörigen, Freunden, Lehrern und Kollegen.
Gemäß DSM-5-TR erfordert die Diagnose der Schizophrenie alle der Folgenden:
Charakteristische Symptome:≥ 2 charakteristische Symptome (Wahnvorstellungen, Halluzinationen, desorganisierte Sprache, desorganisiertes Verhalten, negative Symptome) über mindestens einen Zeitraum von 1 Monat (die Symptome müssen mindestens eines der folgenden beinhalten: Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder desorganisierte Sprache).
Soziale/berufliche Dysfunktion: Rückgang der Selbstfürsorge, der sozialen oder beruflichen Funktionsfähigkeit oder Selbstfürsorge deutlich unter dem Niveau vor Ausbruch der Erkrankung (oder Nichterreichen des erwarteten Funktionsniveaus).
Dauer: Kontinuierliche Anzeichen der Erkrankung über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten.
Differenzialdiagnosen
Eine Psychose aufgrund anderer medizinischer Erkrankungen oder aufgrund von Substanzgebrauchsstörungen muss durch Anamnese und Untersuchung, einschließlich Labortests und Neurobildgebung, ausgeschlossen werden (Medizinische Beurteilung des Patienten mit psychischen Symptomen). Einige Patienten mit Schizophrenie weisen in der Bildgebung zwar strukturelle Hirnanomalien auf, diese sind jedoch nicht spezifisch genug, um diagnostischen Wert zu haben.
Andere psychische Störungen mit ähnlichen Symptomen umfassen mehrere, die mit der Schizophrenie verwandt sind und sich hinsichtlich Ausprägung, zeitlichem Verlauf und begleitenden Symptomen unterscheiden:
Darüber hinaus können Stimmungsstörungen (d. h. Major Depression, bipolare Störung) und Störungen aus dem Autismus-Spektrum bei einigen Menschen mit Psychose einhergehen.
Neuropsychologische Tests, Bildgebung im Gehirn, Elektroenzephalogramm und andere Tests der Gehirnfunktion (z. B. Eye-Tracking) helfen nicht, zwischen psychotischen Störungen zu unterscheiden. Eine erste Forschung legt jedoch nahe (3), dass die Ergebnisse solcher Tests verwendet werden können, um Psychosepatienten in drei verschiedene Biotypen zu gruppieren, die nicht den aktuellen klinischen Diagnosekategorien entsprechen.
Bestimmte Persönlichkeitsstörungen (insbesondere die schizotype Persönlichkeitsstörung) verursachen Schizophrenie-ähnliche Symptome; allerdings sind diese in der Regel schwächer ausgeprägt und nicht psychotisch.
Literatur zur Diagnose
1. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th edition, Text Revision (DSM-5-TR). American Psychiatric Association Publishing, Washington, DC, 2022, pp pp 114-122.
2. Larsen TK, Melle I, Auestad B, Haahr U, Joa I, Johannessen JO, Opjordsmoen S, Rund BR, Rossberg JI, Simonsen E, Vaglum P, Friis S, McGlashan T. Early detection of psychosis: positive effects on 5-year outcome. Psychol Med. 2011 Jul;41(7):1461-9. doi: 10.1017/S0033291710002023
3. Clementz BA, Sweeney JA, Hamm JP, et al: Identification of distinct psychosis biotypes using brain-based biomarkers. Am J Psychiatry.173(4):373-384, 2016. doi: 10.1176/appi.ajp.2015.14091200
Behandlung von Schizophrenie
Rehabilitation, einschließlich kognitiver Wiederherstellung, gemeindebasiertem Training und Unterstützungsdiensten.
Psychotherapie, ausgerichtet auf Resilienztraining
Koordinierte Spezialversorgung
Die Zeit zwischen dem Einsetzen von psychotischen Symptomen und der ersten Behandlung korreliert damit, wie schnell und wie gut die initiale Therapie wirkt. Bei einer frühzeitigen Behandlung reagieren die Patienten schneller und vollständiger. Ohne die fortlaufende Einnahme von Antipsychotika nach einer ersten Episode erleiden 65 bis 80 % der Patienten innerhalb von 12 Monaten eine erneute Episode. Mit kontinuierlicher Antipsychotikagabe kann die 1-Jahres-Rezidivrate auf ca. 30% gesenkt werden oder niedriger mit lang wirksamen Medikamenten (1, 2). Medikamentöse Behandlung wird für mindestens 1 bis 2 Jahre nach einer ersten Episode fortgesetzt. Wenn Patienten länger krank waren, wird es für viele Jahren gegeben.
Die frühzeitige Erkennung und vielseitige Behandlung hat die Versorgung von Patienten mit psychotischen Störungen wie Schizophrenie verändert. Eine koordinierte fachliche Betreuung, die teambasierte Betreuung, Resilienztraining, persönliche und familiäre Therapie, die Behandlung kognitiver Dysfunktionen und unterstützte Beschäftigung umfasst, ist ein wichtiger Beitrag zur psychosozialen Genesung (3).
Allgemeine Ziele für Schizophrenie-Behandlung sind
Reduzieren Sie die Schwere der psychotische Symptome
Erhalten Sie die psychosoziale Funktion
Vermeiden Sie das Wiederauftreten von symptomatischen Episoden und damit verbundene Funktionseinschränkugnen
Reduzierung des Konsums von Freizeitdrogen
Die Hauptbestandteile der Behandlung sind Antipsychotika, Rehabilitation zusammen mit kommunalen Hilfsdiensten und Psychotherapie (3). Da es sich bei Schizophrenie um eine lang andauernde und häufig rezidivierende Krankheit handelt, besteht ein wichtiges generelles Ziel darin, den Patienten Fertigkeiten zum Selbstmanagement ihrer Erkrankung zu vermitteln. Die Bereitstellung von Informationen über die Erkrankung (Psychoedukation) an Eltern jüngerer Patienten kann die Rückfallrate reduzieren (4, 5). (Siehe auch the American Psychiatric Association’s Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia, 3rd Edition.)
Antipsychotika werden nach ihrer spezifischen Affinität zu Neurotransmitterrezeptoren und ihrer Aktivität in Antipsychotika der ersten Generation und Antipsychotika der zweiten Generation unterteilt. Antipsychotika der zweiten Generation können gewisse Vorteile bieten, wie eine etwas bessere Wirksamkeit (obwohl neuere Anhaltspunkte an den Vorzügen der Antipsychotika der zweiten Generation als Klasse zweifeln lassen) und eine geringere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von unwillkürlichen Bewegungsstörungen und assoziierten unerwünschten Wirkungen. Allerdings ist das Risiko für ein metabolisches Syndrom (übermäßiges abdominales Fett, Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie) bei Antipsychotika der zweiten Generation größer als bei Antipsychotika der ersten Generation (oder konventionellen Antipsychotika). Mehrere Antipsychotika in beiden Klassen können zum Long-QT-Syndrom führen und letztlich das Risiko tödlicher Arrhythmien erhöhen; zu diesen Medikamenten gehören Thioridazin, Haloperidol, Olanzapin, Risperidon und Ziprasidon.
Die American Psychiatric Association empfiehlt Clozapin speziell für behandlungsresistente Schizophrenie oder für Patienten mit erhöhtem Suizid- und Aggressionsrisiko. Langwirksame injizierbare Formen sind für einige Patienten eine Option. Die Einnahme aller Antipsychotika sollte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Nebenwirkungen überwacht werden. Nebenwirkungen wie Dystonie, Parkinsonismus, Akathisie und signifikante tardive Dyskinesie können durch eine Änderung der Antipsychotika-Therapie oder in einigen Fällen durch Medikamente behandelt werden (6).
Rehabilitation und kommunale Hilfsdienste
Das Training psychosozialer Kompetenzen und berufliche Rehabilitationsprogramme verhelfen vielen Patienten dazu, arbeiten, einkaufen und für sich selbst sorgen zu können, einen Haushalt zu führen, mit anderen Menschen zurechtzukommen und mit Fachkräften aus psychosozialen Berufen zusammenzuarbeiten.
Unterstützte Arbeit, bei der die Patienten in einer wettbewerbsorientierten Arbeitsumgebung eingesetzt und durch einen persönlichen Betreuer vor Ort dabei gefördert werden, sich wieder dem Berufsleben anzupassen, kann besonders wertvoll sein. Mit der Zeit tritt der Betreuer nur noch als Helfer bei der Lösung von Problemen oder bei Gesprächen mit dem Arbeitgeber auf.
Hilfsdienste ermöglichen es vielen Patienten mit Schizophrenie, in Gemeinschaften zu wohnen. Obwohl die meisten selbstständig leben können, benötigen einige betreute Wohneinheiten, in denen ein Mitarbeiter anwesend ist, um die Therapieadhärenz sicherzustellen. Es gibt verschiedene Stufenprogramme zur Betreuung der einzelnen Wohnformen, die von 24-h-Unterstützung bis zu gelegentlichen Hausbesuchen reichen. Diese Programme fördern die Autonomie des Patienten und bieten gleichzeitig ausreichend Betreuung, um die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs und die Notwendigkeit einer stationären Behandlung zu minimieren. Bestimmte kommunale Programme bieten ihre Dienste in der Wohnung des Patienten oder an anderen Wohnorten an und zeichnen sich durch ein gutes Patienten-Betreuer-Verhältnis aus; Behandlungsteams bieten nahezu alle benötigten Dienstleistungen direkt an.
Bei schweren Rezidiven können stationäre Behandlungen oder Kriseninterventionen in der Klinik nötig werden; eine Unterbringung gegen den Willen des Patienten ist dann unumgänglich, wenn er für sich selbst oder andere eine Gefahr darstellt. Trotz bester Rehabilitationsprogramme und kommunaler Dienstleistungen ist ein geringer Prozentsatz der Betroffenen, v. a. Patienten mit schweren kognitiven Defiziten sowie solche, die auf eine Pharmakotherapie kaum ansprechen, langfristig auf die Unterbringung in einer Einrichtung oder auf andere unterstützende Pflege angewiesen (6).
Die Cognitive Remediation Therapy (CRT) hilft bei einigen Patienten. Diese Therapie ist so konzipiert, dass sie die neurokognitive Funktion verbessert (z. B. Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, exekutive Funktionen, soziale Kognition) und Patienten hilft, zu lernen oder wieder zu lernen, wie sie ihre Aufgaben erledigen können. Diese Therapie kann es dem Patienten ermöglichen, besser funktionsfähig zu sein
Substanzkonsum ist bei vielen Patienten mit Schizophrenie ein erhebliches Problem. Es gibt Hinweise darauf, dass die Verwendung von Cannabis oder Halluzinogenen für Patienten mit Schizophrenie sehr störend ist und daher dringend abgeraten und aggressiv behandelt werden sollte, falls vorhanden. Komorbider Substanzmissbrauch ist ein signifikanter Prädiktor für ein schlechteres Behandlungsergebnis und kann zu mangelnder Adhärenz, wiederholten Rezidiven, häufiger Rehospitalisierung, nachlassender Funktionsfähigkeit und Verlust der sozialen Unterstützung bis hin zur Obdachlosigkeit führen (7).
Psychotherapie
Das Ziel der Psychotherapie bei Schizophrenie ist der Aufbau einer kollaborativen Beziehung zwischen Patienten, Angehörigen und Arzt, damit die Patienten lernen können, ihre Krankheit zu beherrschen, ihre Medikamente vorschriftsmäßig einzunehmen und besser mit Stress umzugehen.
Einzelpsychotherapie plus Pharmakotherapie ist zwar ein häufig gewählter Ansatz, es sind jedoch nur wenige empirische Richtlinien verfügbar. Eine Psychotherapie, die zunächst die sozialen Grundbedürfnisse des Patienten anspricht, ihm Unterstützung und Aufklärung zum Wesen seiner Krankheit bietet, seine Anpassungsleistungen fördert und die auf Empathie und einem guten dynamischen Verständnis der Schizophrenie beruht, ist wahrscheinlich am wirksamsten. Viele Patienten brauchen empathische psychologische Unterstützung, um sich an diese Krankheit anzupassen, die sie häufig ein Leben lang begleiten wird und ihre Funktionsfähigkeit drastisch einschränken kann.
Unter den Ansätzen der individuellen Psychotherapie hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bei Schizophrenie deutlich weiterentwickelt. Diese Therapie, durchgeführt im Einzel- oder Gruppensetting, kann sich darauf konzentrieren, wahnhafte Gedanken, Halluzinationen und negative Symptome zu verringern.
Bei Patienten, die in ihrer Familie leben, kann durch Psychoedukation der Familienmitglieder die Rezidivrate verringert werden. Selbsthilfe- und Interessensgruppen, wie die National Alliance on Mental Illness, sind für die Familien oft hilfreich.
Krankheitsverlauf
Im ersten Jahr nach der Diagnose steht die Prognose in engem Zusammenhang mit der Einhaltung der verschriebenen psychoaktiven Medikamente und der Vermeidung von illegalem Drogenkonsum.
Während der ersten 5 Jahre nach Einsetzen der Symptome kann sich die Funktionsfähigkeit verschlechtern, und soziale und berufliche Fertigkeiten können abnehmen, wobei die eigene Versorgung immer mehr vernachlässigt wird. Die Negativsymptome können stärker werden, die kognitiven Funktionen können abnehmen. Danach bleibt die Behinderung tendenziell stabil. Der Schweregrad der Erkrankung kann im späteren Leben abnehmen, besonders bei Frauen (8). Spontane Bewegungsstörungen können sich bei Patienten mit starker Negativsymptomatik und kognitiven Funktionseinschränkungen entwickeln, selbst wenn keine Antipsychotika eingesetzt werden.
Literatur zur Behandlung
1. Marder SR, Cannon TD. Schizophrenie. N Engl J Med. 2019 Oct 31;381(18):1753-1761. doi: 10.1056/NEJMra1808803
2. Zipursky RB, Menezes NM, Streiner DL. Risk of symptom recurrence with medication discontinuation in first-episode psychosis: a systematic review. Schizophr Res. 2014 Feb;152(2-3):408-14. doi: 10.1016/j.schres.2013.08.001
3. Keepers GA, Fochtmann LJ, Anzia JM, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia. Am J Psychiatry. 2020 Sep 1;177(9):868-872. doi: 10.1176/appi.ajp.2020.177901
4. Correll CU, Rubio JM, Inczedy-Farkas G, et al. Efficacy of 42 pharmacologic cotreatment strategies added to antipsychotic monotherapy in schizophrenia: Systematic overview and quality appraisal of the meta-analytic evidence. JAMA Psychiatry 74(7):675-684, 2017. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.0624
5. Wang SM, Han C, Lee SJ. Investigational dopamine antagonists for the treatment of schizophrenia. Expert Opin Investig Drugs 26(6):687-698, 2017. doi: 10.1080/13543784.2017.1323870
6. Uggerby P, Nielsen RE, Correll CU, et al. Characteristics and predictors of long-term institutionalization in patients with schizophrenia. Schizophr Res. 2011 Sep;131(1-3):120-6. doi: 10.1016/j.schres.2011.03.001
7. Patel R, Chan KMY, Palmer EOC, et al. Associations of comorbid substance use disorders with clinical outcomes in schizophrenia using electronic health record data. Schizophr Res. 2023 Oct;260:191-197. doi: 10.1016/j.schres.2023.08.023
8. Grossman LS, Harrow M, Rosen C, Faull R, Strauss GP. Sex differences in schizophrenia and other psychotic disorders: a 20-year longitudinal study of psychosis and recovery. Compr Psychiatry. 2008;49(6):523-529. doi:10.1016/j.comppsych.2008.03.004
Prognose der Schizophrenie
Einige Patienten mit Schizophrenie (15 bis 25%) erholen sich vollständig oder fast vollständig und können wieder alle Funktionen ausüben. Etwa ein Drittel zeigt eine gewisse Besserung, erleidet jedoch Rückfälle und/oder leidet unter bleibenden Behinderungen. Bis zu 40% haben eine schlechte langfristige Prognose. Ein Muster aus Rückfällen und Remissionen ist häufig. Bis zu 10% sterben durch Suizid, und die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt um etwa 15 Jahre (1–4). Eine umfassende Übersicht über die Prädiktoren für den Krankheitsverlauf bei Schizophrenie finden Sie bei Van Dee et al. (5).
Zu den Faktoren, die mit einer guten Prognose assoziiert sind, gehören die folgenden (5):
Gute prämorbide Funktionsfähigkeit (z. B. guter Schüler, solide berufliche Vorgeschichte)
Verspätetes und/oder plötzliches Einsetzen der Krankheit
Familienanamnese mit anderen psychischen Störungen als Schizophrenie
Leichte kognitive Beeinträchtigung
Wenige Negativsymptome
Kürzere Dauer der unbehandelten Psychose
Zu den Faktoren, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind, gehören:
Niedriges Alter bei Krankheitsbeginn
Schlechte prämorbide Funktionsfähigkeit
Familienanamnese mit Schizophrenie
Viele Negativsymptome
Längere Dauer der unbehandelten Psychose
Studien, die von der RAISE-Initiative (Erholung nach einer anfänglichen Schizophrenie-Episode) abgeleitet wurden, haben gezeigt, dass je früher die Behandlung begonnen wird und je intensiver sie ist, desto besser ist das Ergebnis (6).
Es wird berichtet, dass Männer schlechtere Ergebnisse als Frauen haben (7), obwohl dies nicht in allen Studien konsistent ist; Frauen sprechen besser auf die Behandlung mit Antipsychotika an (8, 9).
Gleichzeitige psychiatrische Erkrankungen können mit einer schlechteren Prognose verbunden sein. Schizophrenie kann zusammen mit anderen psychischen Störungen auftreten. Bei ausgeprägter komorbider Zwangssymptomatik ist die Prognose ausgesprochen schlecht; zusammen mit Symptomen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die Prognose besser. Etwa 30 % der Menschen mit Schizophrenie machen zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens eine oder mehrere Episoden einer Major Depression durch (10).
Literatur zur Prognose
1. Molstrom IM, Nordgaard J, Urfer-Parnas A, Handest R, Berge J, Henriksen MG. The prognosis of schizophrenia: A systematic review and meta-analysis with meta-regression of 20-year follow-up studies. Schizophr Res. 2022 Dec;250:152-163. doi: 10.1016/j.schres.2022.11.010
2. Jääskeläinen E, Juola P, Hirvonen N, McGrath JJ, Saha S, Isohanni M, Veijola J, Miettunen J. A systematic review and meta-analysis of recovery in schizophrenia. Schizophr Bull. 2013 Nov;39(6):1296-306. doi: 10.1093/schbul/sbs130
3. Hjorthøj C, Stürup AE, McGrath JJ, Nordentoft M. Years of potential life lost and life expectancy in schizophrenia: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry. 2017 Apr;4(4):295-301. doi: 10.1016/S2215-0366(17)30078-0. Epub 2017 Feb 22. Erratum in: Lancet Psychiatry 2017 Sep;4(9):e19. doi: 10.1016/S2215-0366(17)30326-7
4. Keepers GA, Fochtmann LJ, Anzia JM, et al. The American Psychiatric Association Practice Guideline for the Treatment of Patients With Schizophrenia. Am J Psychiatry. 2020;177(9):868-872. doi:10.1176/appi.ajp.2020.177901
5. van Dee V, Schnack HG, Cahn W. Systematic review and meta-analysis on predictors of prognosis in patients with schizophrenia spectrum disorders: An overview of current evidence and a call for prospective research and open access to datasets. Schizophr Res. 2023;254:133-142. doi:10.1016/j.schres.2023.02.024
6. Kane JM, Robinson DG, Schooler NR, et al. Comprehensive Versus Usual Community Care for First-Episode Psychosis: 2-Year Outcomes From the NIMH RAISE Early Treatment Program. Am J Psychiatry. 2016;173(4):362-372. doi:10.1176/appi.ajp.2015.15050632
7. Ochoa S, Usall J, Cobo J, Labad X, Kulkarni J. Gender differences in schizophrenia and first-episode psychosis: a comprehensive literature review. Schizophr Res Treatment. 2012;2012:916198. doi:10.1155/2012/916198
8. Storosum BWC, Mattila T, Wohlfarth TD, Gispen-de Wied CC, Roes KCB, den Brink WV, de Haan L, Denys DAJP, Zantvoord JB. Gender differences in the response to antipsychotic medication in patients with schizophrenia: An individual patient data meta-analysis of placebo-controlled studies. Psychiatry Res. 2023 Feb;320:114997. doi: 10.1016/j.psychres.2022.114997
9. Giordano GM, Bucci P, Mucci A, Pezzella P, Galderisi S. Gender Differences in Clinical and Psychosocial Features Among Persons With Schizophrenia: A Mini Review. Front Psychiatry. 2021 Dec 22;12:789179. doi: 10.3389/fpsyt.2021.789179
10. Etchecopar-Etchart D, Korchia T, Loundou A, Llorca PM, Auquier P, Lançon C, Boyer L, Fond G. Comorbid Major Depressive Disorder in Schizophrenia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Schizophr Bull. 2021 Mar 16;47(2):298-308. doi: 10.1093/schbul/sbaa153
Wichtige Punkte
Schizophrenie ist charakterisiert durch Psychose, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, unorganisiertes Sprechen und Verhalten, Affektverflachung, kognitive Defizite sowie Funktionsstörungen im beruflichen und sozialen Leben.
Selbstmord ist eine häufige Ursache für einen frühzeitigen Tod.
Gewaltdrohungen und kleinere aggressive Ausbrüche sind häufiger als ernsthaft gefährliches Verhalten, aber ein solches Verhalten kann bei Menschen mit paranoider Psychose, die Drogen missbrauchen, häufiger auftreten.
Frühzeitige Behandlung mit Antipsychotika, deren Auswahl hauptsächlich auf dem Nebenwirkungsprofil, der erforderlichen Applikationsart und dem früheren Ansprechen des Patienten auf das Medikament basiert.
Eine Psychotherapie hilft den Patienten, ihre Krankheit zu verstehen und zu beherrschen, ihre Medikamente vorschriftsmäßig einzunehmen und besser mit Stress umzugehen.
Unter Behandlung erreichen bis zu ein Viertel der Patienten eine Remission; ein Drittel zeigt eine gewisse Besserung, jedoch mit intermittierenden Rückfällen und verbleibender Beeinträchtigung; und bis zu 40 % sind stark beeinträchtigt.



