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Ticstörungen und Tourette-Syndrom im Kindes- und Jugendalter

(Tourett-Syndrom)

Von

Margaret C. McBride

, MD, Northeast Ohio Medical University;


M. Cristina Victorio

, MD, Northeast Ohio Medical University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Tics werden als wiederholte, plötzliche, schnelle, nicht rhythmische Muskelbewegungen definiert, einschließlich Geräusche oder Laute. Das Tourette-Syndrom wird diagnostiziert, wenn Personen sowohl motorische als auch vokale Tics für > 1 Jahr haben. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Tics werden nur behandelt, wenn sie die Aktivitäten des Kindes oder dessen Selbstbild beeinträchtigen. Die Behandlung kann kognitive Verhaltenstherapie und Clonidin oder ein Antipsychotikum umfassen.

Tics variieren sehr in ihrem Schweregrad; sie treten bei etwa 20% der Kinder auf, von denen viele nicht evaluiert oder diagnostiziert wurden. Tourette-Syndrom, die schwerste Form, tritt bei 3 bis 8/1000 Kindern auf. Das Verhältnis Männer:Frauen liegt bei 3:1.

Die Tics beginnen vor dem Alter von 18 Jahren (in der Regel im Alter zwischen 4 und 6 Jahren); sie nehmen im Schweregrad bis zu einem Höhepunkt im Alter von etwa 10 bis 12 Jahren zu und nehmen während der Adoleszenz ab. Die meisten Tics verschwinden irgendwann spontan. Bei etwa 1% der Kinder bleiben die Tics jedoch bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Die Ätiologie ist nicht bekannt, aber Ticstörungen neigen dazu, familial zu sein. In einigen Familien treten sie mit einem dominanten Muster mit unvollständiger Penetranz auf.

Komorbiditäten

Komorbiditäten sind häufig.

Kinder mit Tics können eine oder mehrere der folgenden Störungen aufweisen:

Diese Störungen beeinträchtigen oft mehr die Entwicklung von Kindern und das Wohlbefinden als die Tics es tun ADHS ist die häufigste Komorbidität und manchmal treten die Tics zum ersten Mal auf, wenn Kinder mit ADHS mit einem Stimulanz behandelt werden; diese Kinder haben wahrscheinlich eine zugrunde liegende Neigung zu Tics.

Jugendliche (und Erwachsene) könnte nhaben

Klassifizierung

Ticstörungen werden vom Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Edition (DSM-5) in 3 Kategorien unterteilt:

  • Vorläufige Ticstörung: Einzelne oder mehrere motorische und/oder vokale Tics haben für > 1 Jahr vorgelegen.

  • Persistente Ticstörung (chronische Ticstörung): Einzelne oder mehrere motorische oder vokale Tics (aber nicht sowohl motorische als auch vokale) aben für > 1 Jahr vorgelegen.

  • Tourette-Syndrom (Gilles de la Tourette-Syndrom): Sowohl motorische als auch vokale Tics haben für > 1 Jahr vorgelegen.

Diese Kategorien bilden typischerweise ein Kontinuum, in dem die Patienten mit einer provisorischen Tic-Störung beginnen und manchmal zu einer persistierenden Tic-Störung oder dem Tourette-Syndrom führen. Bei allen Fällen muss das Anfangsalter < 18 Jahre sein und die Störung kann nicht aufgrund der physiologischen Wirkungen einer Substanz (z. B. Kokain) oder einer anderen Erkrankung (z. B. Huntington-Krankheit, postvirale Enzephalitis) vorliegen.

Symptome und Beschwerden

Patienten neigen dazu, zu einem bestimmten Zeitpunkt denselben Satz von Tics zu zeigen, obwohl die Tics dazu neigen, in Typ, Intensität und Frequenz über einen Zeitraum zu variieren. Sie können mehrmals in einer Stunde auftreten und dann abklingen oder für einen Zeitraum von ≥ 3 Monaten kaum auftreten. In der Regel treten Tics nicht während des Schlafes auf.

Tics können sein

  • Motorisch oder vokal

  • Einfache oder komplexe

(Siehe Tabelle Arten von Tics.)

Einfache Tics sind eine sehr kurze Bewegung oder Vokalisierung, in der Regel ohne soziale Bedeutung.

Komplexe Tics dauern länger und können eine Kombination von einfachen Tics umfassen. Komplexe Tics können scheinbar soziale Bedeutung haben (d. h. erkennbare Gesten oder Wörter sein) und damit beabsichtigt wirken. Obwohl einige Patienten ihre Tics jedoch für eine kurze Zeit (Sekunden bis Minuten) eigenständig unterdrücken können und einige einen warnenden Impuls spüren, den Tic auszuführen, sind Tics jedoch nicht absichtlich and stellen kein Fehlverhalten dar.

Stress und Müdigkeit können Tics verschlechtern, aber die Tics sind häufig am stärksten, wenn der Körper entspannt ist, wie etwa beim Fernsehen. Tics können sich verringern, wenn die Patienten mit Aufgaben beschäftigt sind (z. B. Schul- oder Arbeitsaktivitäten). Tics schränken die motorische Koordination selten ein. Leichte Tics verursachen selten Probleme, aber schwere Tics, insbesondere Koprolalie (die selten ist), sind körperlich und/oder sozial einschränkend.

Manchmal sind Tics explosiv in ihrem Einsetzen, erscheinen und werden konstant im Verlauf des Tages. Manchmal haben Kinder mit explosiven Tic-Ausbrüchen und/oder verwandter obsessiver Zwanghaftigkeit eine Streptokokken-Infektion; dies ist ein Phänomen, das manchmal als "pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with streptococcal infections" (PANDAS) bezeichnet wird. Viele Forscher glauben nicht, dass sich PANDAS vom Spektrum der Ticstörungen unterscheidet.

Tabelle
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Arten von Tics

Klassifizierung

Motorische Reaktion

Vokal

Einfach

Blinzeln

Grimassieren

Kopfrucken

Schulterzucken

Grunzen oder Bellen

Schniefen oder Schnauben

Räuspern

Komplex

Kombinationen von einfachen Tics (z. B. Kopfdrehen und Schulterzucken)

Kopropraxie: Verwendung sexueller oder obszöner Gesten

Echopraxie: Nachahmung der Bewegungen einer anderen Person

Koprolalie: Aussprechen sozial unangemesser Wörter (z. B. Obszönitäten, ethnische Beleidigungen)

Echolalie: Wiederholen eigener Wörter oder der Wörter einer anderen Person

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

Die Diagnose wird klinisch gestellt. Um ein Tourette-Syndrom von vorübergehenden Tics zu unterscheiden, muss der Patient über längere Zeit beobachtet werden. Das Tourette-Syndrom wird diagnostiziert, wenn Personen sowohl motorische als auch vokale Tics für > 1 Jahr haben.

Therapie

  • Kognitive Verhaltenstherapie

  • Manchmal Clonidin oder Antipsychotika

  • Behandlung von Komorbiditäten

Eine Behandlung zur Unterdrückung der Tics wird nur empfohlen, wenn sie die Aktivitäten oder das Selbstbild der Kinder erheblich beeinträchtigen. Die Behandlung verändert nicht den natürlichen Verlauf der Erkrankung. Oft kann die Behandlung vermieden werden, wenn Ärzte den Kindern und ihren Familien dabei helfen, die natürliche Anamnese der Tics zu verstehen, und wenn Schulpersonal dabei helfen kann, dass Klassenkameraden die Störung verstehen.

Manchmal erweckt das natürliche Zunehmen und Abnehmen von Tics den Anschein, dass die Tics auf eine bestimmte Behandlung angesprochen haben.

Eine Art von Verhaltenstherapie, umfassende Verhaltenstherapie für Tics (CBIT) genannt, könnte einigen älteren Kinder helfen, die Kontrolle oder die Anzahl oder Schwere ihrer Tics zu reduzieren. Sie umfasst kognitive Verhaltenstherapie wie Umkehr von Gewohnheiten (ein neues Verhalten lernen, um die Tic zu ersetzen), Aufklärung über Tics und Entspannungstechniken.

Arzneimittel

Bei manchen Patienten wirkt Clonidin 0,05–0,1 mg p.o. 1- bis 4-mal täglich. Nebenwirkungen wie Müdigkeit können die Erhöhung der Tagesdosierung limitieren. Hypotonie ist selten.

Antipsychotika können erforderlich sein— zum Beispiel:

  • Risperidon 0,25 bis 1,5 mg p. o. zweimal täglich

  • Haloperidol 0,5 bis 2 mg p. o. zweimal oder dreimal täglich

  • Pimozid 1 bis 2 mg p.o. zweimal täglich

  • Olanzapin 2,5 bis 5 mg p. o. einmal/Tag

Fluphenazin ist auch wirksam bei der Unterdrückung von Tics.

Es wird für jedes Medikament die niedrigste Dosierung gewählt, die die Tics erträglich macht. Die Medikamente werden ausgeschlichen, sobald die Tics verschwinden. Die Nebenwirkungen der Antipsychotika wie Dysphorie, Parkinson, Akathisie und verspätete Dyskinesien sind selten, begrenzen aber ihren Nutzen. Die Anwendung von niedrigen Tagesdosierungen und höheren Nachtdosierungen vermindert die Nebenwirkungen.

Behandlung von Komorbiditäten

Die Behandlung der Komorbiditäten ist wichtig.

ADHS kann manchmal erfolgreich mit niedrigen Dosen von Stimulanzien ohne Verschlimmerung der Tics behandelt werden, aber eine alternative Behandlung (z. B. Atomoxetin) kann bevorzugt werden.

Wenn die obsessiven oder zwanghaften Züge als störend empfunden werden, kann ein SSRI sinnvoll sein.

Kinder, die Tics und Probleme in der Schule haben, sollten auf Lernstörungen untersucht werden und je nach Bedarf mit Unterstützung versorgt werden.

Wichtige Punkte

  • Tics sind wiederholte, plötzliche, schnelle, nicht-rhythmische Muskelbewegungen oder Lautäußerungen, die sich bei Kindern < 18 Jahren entwickeln.

  • Tics sind häufig, aber die schwerste Manifestation von Tics, Koprolalie, ist selten.

  • Einfache Tics sind eine sehr kurze Bewegung oder Vokalisierung (z. B. Kopfzucken, Grunzen), in der Regel ohne soziale Bedeutung.

  • Komplexe Tics haben scheinbar eine soziale Bedeutung (d. h. erkennbare Gesten oder Wörter) und wirken damit vorsätzlich, sind es aber nicht.

  • Die Anwendung der kognitiven Verhaltenstherapie, die Anwendung von Clonidin oder Antipsychotika werden verwendet und können schwere oder lästige Tics verringern, die auch dazu neigen, mit der Zeit abzunehmen, obwohl einige bis ins Erwachsenenalter fortbestehen können.

  • Komorbiditäten (z. B. ADHS, Zwangsstörungen) sind häufig und müssen ebenfalls diagnostiziert und behandelt werden.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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