Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Wurminfektionen des Gehirns

Von

John E. Greenlee

, MD, University of Utah School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Jan 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Parasitäre Würmer (Helminthen) infizieren das ZNS von Millionen von Menschen in Entwicklungsländern. Infizierte Menschen, die nichtendemische Gebiete besuchen oder dorthin einwandern, inkl. USA, können sich dort mit diesen Infektionen vorstellen. Die Würmer können Meningitis, Enzephalitis, zerebrale Raumforderungen, Hydrozephalus, Schlaganfall und Myelopathien hervorrufen.

Neurozystizerkose

Unter den etwa 20 Helminthen, die neurologische Störungen verursachen können, ist der Schweinebandwurm Taenia solium in der westlichen Hemisphäre bei Weitem für die meisten Fälle verantwortlich. Die zugehörige Krankheit ist die Neurozystizerkose. Nachdem eine Person mit Wurmeiern kontaminierte Nahrung aufgenommen hat, wandern die Larven in das Gewebe, inkl. Gehirn, Rückenmark und Liquorräume, und bilden dort Zysten. Die Zystendurchmesser überschreiten selten 1 cm im Nervenparenchym, im Liquorraum können sie allerdings größer als 5 cm sein.

Die Zysten im Hirnparenchym rufen so lange wenige Symptome hervor, bis das Absterben der Würmer eine lokale Entzündung, eine Gliose und ein Ödem auslöst, was wiederum Krampfanfälle (am häufigsten), kognitive oder fokale neurologische Defizite oder Persönlichkeitsveränderungen verursacht. Größere Zysten in den Liquorräumen können einen Verschlusshydrozephalus verursachen. Die Zysten können in den Liquorraum rupturieren und zu einer akuten oder subakuten eosinophilen Meningitis führen. Die Mortalitätsrate der symptomatischen Neurozystizerkose beträgt bis zu 50%.

Eine Neurozystizerkose wird bei Patienten angenommen, die in Entwicklungsländern leben oder aus diesen kommen und eine eosinophile Meningitis oder unklare Krampfanfälle, kognitive oder fokale Defizite oder Persönlichkeitsveränderungen aufweisen. Für die Diagnose sprechen viele verkalkte zystische Läsionen in CT oder MRT; Kontrastmittel kann die Läsionen deutlicher hervorheben. Die Diagnose erfordert serologische Untersuchen von Serum und Liquor und gelegentlich die Biopsie einer Zyste.

Albendazol (7,5 mg/kg p.o. alle 12 h über 8–30 Tage; Maximaldosis 800 mg/d) ist das Anthelminthikum der Wahl. Alternativ kann Praziquantel 20–33 mg/kg p.o. 3-mal/Tag über 30 Tage gegeben werden. Dexamethason 8 mg/Tag i.v. oder p.o. vom 2.–4. Tag kann die akute entzündliche Reaktion durch das Absterben der Würmer vermindern. Eine anthelminthische Therapie kann bei Patienten mit einer großen Anzahl von Zysten zu schwerer Morbidität führen und Patienten mit einer einzigen Zyste nicht helfen. Die Behandlung muss sorgfältig auf den Einzelfall abgestimmt werden.

Es kann eine kurz- oder langzeitige antikonvulsive Behandlung nötig sein. Auch eine chirurgische Exzision der Zysten und ventrikuläre Shunts können erforderlich sein.

Andere Helmintheninfektionen

Bei einer Schistosomiasis entwickeln sich nekrotisierende eosinophile Granulome im Gehirn, sie führen zu Krampfanfällen, erhöhen den intrakraniellen Druck und verursachen diffuse und fokale neurologische Defizite.

Große solitäre Echinokokkenzysten können fokale Defizite und gelegentlich Krampfanfälle hervorrufen.

Eine Coenurose, verursacht durch Bandwurmlarven, produziert meist traubenförmige Zysten, die den Liquorausfluss in den IV. Ventrikel verlegen. Die Symptome benötigen einige Jahre, um sich zu entwickeln und beinhalten, wenn eine Beteiligung des Gehirns vorliegt, einen erhöhten Hirndruck, Anfällen, Bewusstseinsstörungen und fokal-neurologischen Defiziten.

Gnathostomiasis, eine seltene Infektion mit Larven des Nematoden Gnathostoma sp., führt zu nekrotischen Bereichen, umgeben von einer Entzündung entlang den Nervenwurzeln, dem Rückenmark und dem Gehirn oder zu einer Subarachnoidalblutung, die leichtes Fieber, Nackensteifigkeit, Photophobie, Kopfschmerzen, wandernde neurologische Defizite (gelegentlich mit Beteiligung des VI. oder VII. Hirnnerven) und Lähmungen verursacht.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Lumbalpunktion
Video
Lumbalpunktion
3D-Modelle
Alle anzeigen
Hirnhaut
3D-Modell
Hirnhaut

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN