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Tetanus

(Kieferklemme)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;


Maria T. Vazquez-Pertejo

, MD, FCAP, Wellington Regional Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Feb 2018
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Quellen zum Thema

Tetanus stellt eine akute Intoxikation durch ein von Clostridium tetani gebildetes Neurotoxin dar. Es kommt zu Beschwerden wie intermittierenden tonischen Spasmen der Hilfsmuskulatur. Krämpfe des M. masseter führen zu der Bezeichnung Kieferklemme („lockjaw“). Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Therapie besteht aus menschlichem Tetanusimmunglobulin und intensivmedizinischen supportiven Maßnahmen.

Tetanusbakterien bilden dauerhafte Sporen, die in Erdreich und tierischem Kot vorkommen und über viele Jahre lebensfähig bleiben können.

Es wird geschätzt, dass Tetanus weltweit mehr als 200.000 Todesfälle pro Jahr verursacht, meist bei Neugeborenen und kleinen Kindern; die Krankheit wird jedoch so selten gemeldet, dass alle Zahlen nur grobe Schätzungen sind. In den USA wurden von 2001–2008 im Durchschnitt 29 Fälle/Jahr registriert und 197 Fälle von Tetanus und 16 Todesfälle wurden von 2009 bis 2015 gemeldet. Die Altersverteilung für Fälle betrug 25% bei Personen ≥ 65 Jahre, 63% bei Personen im Alter von 20 bis 64 Jahren und 12% bei Personen < 20 Jahre, einschließlich 2 Fällen von Tetanus neonatorum. Alle Tetanus-bedingten Todesfälle traten bei Menschen > 55 Jahre auf.

Die Häufigkeit der Krankheit steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Durchimpfungsgrad der Bevölkerung, was einen deutlichen Hinweis auf die Wirksamkeit der präventiven Bemühungen darstellt. In den USA ist das Immunitätsniveau bei älteren Altersgruppen tendenziell niedriger.

Patienten mit Verbrennungswunden, operativen Wunden oder anamnestischen Hinweisen auf i.v. Drogenabusus sind besonders anfällig für eine Tetanusinfektion. Trotzdem kann Tetanus auch als Folge von Bagatellverletzungen oder sogar inapparenten Wunden auftreten. Eine Infektion kann sich auch postpartal im Uterus (mütterlicher Tetanus) und im Bauchnabel des Neugeborenen (Tetanus neonatorum) durch unhygienische Entbindung und Nabelschnurpflege entwickeln. Diabetes und eine Vorgeschichte von Immunsuppression können Risikofaktoren für Tetanus sein.

Pathophysiologie

C. tetani-Sporen treten meist durch kontaminierte Wunden ein. Die Manifestationen eines Tetanus werden durch ein Exotoxin (Tetanospasmin) hervorgerufen, das produziert wird wenn Bakterien lysieren. Das Toxin tritt in die peripheren Nervenenden ein, bindet dort irreversibel, reist dann rückläufig entlang der Axone und Synapsen und tritt schließlich in das ZNS ein. Als Folge ist die Freisetzung inhibitorischer Transmittersubstanzen von den Nervenendigungen blockiert und führt hierdurch zu ungehinderter Muskelstimulation durch Acetylcholin und zu generalisierten tonisch-spastischen Krämpfen, meist mit überlagerten intermittierenden tonischen Anfällen. Die Enthemmung der autonomen Neuronen und Verlust der Kontrolle über die Katecholaminausschüttung der Nebennieren verursachen autonome Instabilität und einen hypersympathetischen Zustand. Einmal gebunden, kann das Toxin nicht neutralisiert werden.

Meistens verläuft Tetanus generalisiert und betrifft die Skelettmuskeln am ganzen Körper. Allerdings ist Tetanus manchmal auf Muskeln, die sich in der Nähe eines Wundeingangs befinden, lokalisiert.

Tipps und Risiken

  • Das Tetanustoxin bindet irreversibel an Nervenenden und wenn es einmal gebunden ist, kann es nicht neutralisiert werden.

Symptome und Beschwerden

Die Inkubationszeit reicht von 2–50 Tagen (im Mittel 5–10Tage). Zu den Symptomen zählen

  • Kiefersteife (am häufigsten)

  • Schluckbeschwerden

  • Unruhe

  • Reizbarkeit

  • Steifer Nacken, Arme oder Beine

  • Kopfschmerzen

  • Halsschmerzen

  • Tonische Spasmen

Später haben Patienten Schwierigkeiten ihren Kiefer zu öffnen (Trismus).

Krämpfe

Durch einen Spasmus der Gesichtsmuskulatur entsteht ein charakteristischer Gesichtsausdruck mit einem fixierten Grinsen und elevierten Augenbrauen (Risus sardonicus). Steifheit oder Spasmen der Bauch-, Hals- und Rückenmuskulatur und manchmal Opisthotonus-generalisierte Steifheit des Körpers mit Wölbung des Rückens und der Hals-können auftreten. Spastische Lähmungen der Sphinktermuskulatur können zu einem Harnverhalt oder Obstipation führen. Dysphagien können die Ernährung beeinträchtigen.

Bereits durch kleinere Reize wie Luftzug, Geräusche oder Bewegungen können charakteristische schmerzhafte, generalisierte tonische Spasmen mit ausgeprägtem Schwitzen ausgelöst werden. Der mentale Status ist meist nicht beeinträchtigt, wiederholte spastische Krämpfe können aber zu Koma führen. Während der generalisierten Krämpfe sind die Patienten aufgrund einer Rigidität der Thoraxwand oder spastischer Glottislähmung nicht in der Lage zu sprechen oder zu schreien. Selten entstehen die Frakturen durch dauerhafte Krämpfe.

Die Spasmen beeinträchtigen die Atmung und führen zu einer Zyanose oder tödlichen Asphyxie.

Autonome Instabilität

Die Körpertemperatur ist nur moderat erhöht, solange keine komplizierende Infektion hinzukommt, z. B. Pneumonie. Die Atemfrequenz und Pulsrate sind erhöht. Das Reflexniveau ist oft gesteigert. Ein Protrahierter Tetanusverlauf kann sich in Form eines sehr labilen und überaktiven sympathischen Nervensystems manifestiern, wobei es zu Perioden von Blutdrucksteigerung, Tachykardie und myokardialer Übererregbarkeit kommen kann.

Todesursachen

Die häufigste Todesursache ist Ateminsuffizienz. Spasmen der laryngealen Muskulatur sowie eine Rigidität und Spasmen der Bauchwand-, Zwerchfell- und Thoraxwandmuskulatur führen zu einer Asphyxie. Eine Hypoxämie kann auch zu einem Herzstillstand führen, und Kehlkopfkrämpfe bewirken eine Aspiration oraler Sekrete und hierdurch ggf. eine Aspirationspneumonie, die zu einer hypoxämischen Todesursache beiträgt. Eine Lungenembolie ist auch möglich. Jedoch muss die unmittelbare Todesursache nicht offensichtlich sein.

Lokalisiert auftretender Tetanus

Bei lokalisiert auftretendem Tetanus gibt es eine Spastizität der Muskulatur, die in der Nähe der Eintrittswunde liegt, aber keinen Trismus; die Spastizität kann Wochen andauern.

Kephaler Tetanus ist eine lokale Tetanusform, die die Hirnnerven betrifft. Diese Form ist häufiger bei Kindern, bei denen sie im Rahmen einer chronischen Otitis media vorkommen oder einer Kopfwunde folgen kann. Die Inzidenz ist am höchsten in Afrika und Indien. Alle Hirnnerven können involviert sein, insbesondere der VII. Hirnnerv. Kephaler Tetanus kann generalisieren.

Tetanus neonatorum

Tetanus bei einem Neugeborenen verläuft meist generalisiert und oft tödlich. Die Krankheit beginnt in inadäquat gereinigten Nabelschnurstümpfen neugeborener Kinder, deren Mütter unzureichend immunisiert wurden. Die Beschwerden während der ersten beiden Lebenswochen sind charakterisiert durch Rigidität, Spasmen und Trinkschwäche. Bei überlebenden Neugeborenen kann es zu einer beidseitigen Taubheit kommen.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

Tetanus sollte in Betracht gezogen werden, wenn Patienten plötzliche, ungeklärte Muskelsteifheit oder Krämpfe haben, insbesondere wenn sie kürzlich eine Wunde oder Risikofaktoren für Tetanus aufwiesen.

Tetanus kann mit einer bakteriell oder viral bedingten Meningoenzephalitis verwechselt werden, aber die folgende die Kombination weist auf Tetanus hin.

  • Ein intaktes Sensorium

  • Normaler Liquor

  • Muskelkrämpfe

Trismus muss von einem peritonsillären oder retropharyngealen Abszess oder anderen lokalen Ursachen unterschieden werden. Phenothiazine können eine tetanusähnliche Steifigkeit induzieren (z. B. dystonische Reaktion, neuroleptisches malignes Syndrom).

C. tetani kann manchmal aus der Wunde kultiviert werden, aber die Kultur ist nicht sensitiv; nur 30% der Patienten mit Tetanus haben positive Kulturen. Außerdem können falsch-positive Kulturen bei Patienten ohne Tetanus auftreten.

Prognose

Tetanus hat eine Mortalitätsrate von

  • Weltweit: 50%

  • Bei unbehandelten Erwachsene: 15 bis 60%

  • Bei Neugeborenen, auch wenn behandelt: 80 bis 90%

Die Letalität ist bei sehr alten oder sehr jungen Patienten und bei Drogenmissbrauch am höchsten.

Die Prognose ist schlechter, wenn die Inkubationszeit nur kurz ist und die Symptome rasch voranschreiten oder die Therapie verzögert eingeleitet wird. Der Verlauf ist wohl etwas milder, wenn keine Hinweise auf zusätzlich bestehende Infektionen vorliegen.

Durch den Einsatz moderner unterstützender Versorgung erholen sich die meisten Patienten.

Therapie

  • Unterstützende Maßnahmen, insbesondere Unterstützung der Atmung

  • Wunddebridement

  • Tetanusantitoxin

  • Benzodiazepine bei Muskelkrämpfen

  • Metronidazol oder Penicillin

  • Manchmal Medikamente bei autonomer Dysfunktion

Die Behandlung von Tetanus erfordert eine adäquaten Ventilation. Zusätzliche Interventionen beinhalten eine frühzeitige und adäquate Anwendung von humanem Tetanusimmunglobulin (TIG) zur Neutralisation nicht gebundenen Toxins; die Prävention einer weiteren Toxinbildung; Sedierung; Kontrolle von Muskelspasmen, Hypertonie, Flüssigkeitshaushalt und auftretenden Infektionen sowie kontinuierliche pflegerische Maßnahmen. IV-Immunglobulin (IVIG), das Tetanus-Antitoxin enthält, kann verwendet werden, wenn TIG nicht verfügbar ist.

Generelle Prinzipien

Der Patient sollte in einem ruhigen Zimmer untergebracht werden. Drei Prinzipien sollten alle therapeutischen Maßnahmen führen:

  • Weiterer Toxinfreisetzung sollte durch Débridement der Wunde und Gabe eines Antibiotikums verhindert

  • Neutralisation von ungebundenem extrazerebralen Toxins durch humanes Tetanusimmunglobulin und Tetanustoxin (hierbei sollte darauf geachtet werden, dass in verschiedene Körperregionen injiziert wird, damit das Antitoxin nicht neutralisiert wird)

  • Minimieren Sie die Wirkung des Toxins bereits im ZNS

Wundversorgung

Da Schmutz und abgestorbenes Gewebe das Wachstum von C. tetani fördern, ist ein rasches und sorgfältiges Débridement, insbesondere von tiefen Stichwunden, wichtig. Antibiotika stellen keinen Ersatz für ein adäquates Débridement und eine Immunisierung dar.

Antitoxin

Der Nutzen humanen Antitoxins hängt davon ab, wie viel Tetanospasmin bereits an die synaptischen Membranen gebunden ist – nur freies Toxin wird neutralisiert. Bei Erwachsenen wird humanes TIG mit 3000 bis 6000 Einheiten i.m. einmalig gegeben; dieses große Volumen kann aufgeteilt und an verschiedenen Körperstellen um die Wunde herum verabreicht werden. Die Dosis kann bei 500–6000 Einheiten liegen, je nach Schwere der Wunde, aber manche Fachleute meinen, dass 500 Einheiten angemessen sind.

Antitoxine tierischen Ursprungs sind weitaus weniger vorzuziehen, weil der Antitoxinserumspiegel des Patienten nicht stabil bleibt und ein beträchtliches Risiko für eine Serumkrankheit besteht. Wenn jedoch Pferdeserum verwendet werden muss, beträgt die übliche Dosis 50.000 Einheiten i.m. oder i.v. (Warnung: Hauttest).

Falls nötig, kann IVIG oder Antitoxin direkt in die Wunde injiziert werden, diese Injektion ist aber nicht so wichtig wie eine gute Wundbehandlung.

Behandlung von Muskelspasmen

Spasmen werden mit Medikamenten behandelt.

Benzodiazepine sind das Mittel der Wahl, um Muskelrigidität und Spasmen zu behandeln. Sie blockieren die Wiederaufnahme eines endogenen inhibierenden Neurotransmitters, Gamma-Aminobuttersäure (GABA), am GABAA -Rezeptor.

Diazepam kann zur Verminderung von Anfällen beitragen, der Muskelrigidität entgegenwirken und eine Sedierung induzieren. Die Dosierung variiert und erfordert eine genaue Titrierung und engmaschige Beobachtung. Die schwersten Fälle benötigen 10–20 mg i.v. alle 3 h (5 mg/kg nicht überschreiten). Weniger schwere Fälle können mit 5–10 mg p.o. alle 2–4 h behandelt werden. Die Dosierung ist altersabhängig:

  • Kinder > 30 Tage und < 5 Jahre: 1 bis 2 mg i. v. langsam verabreicht oder i. m., je nach Bedarf alle 3 bis 4 Stunden wiederholt.

  • Bei Kindern > 5 Jahre werden 5–10 mg i.v.oder i. m. alle 3–4 h gegeben.

  • Jugendliche: 5 mg i. v., nach Bedarf alle 2 bis 6 h wiederholt (hohe Dosen können erforderlich sein)

  • Erwachsene: 5 bis 10 mg i. v. alle 4 bis 6 h, bei Bedarf erhöht auf 40 mg/h i. v. Tropfen

Diazepam wurde am intensivsten verwendet, Midazolam (Erwachsene: 0,1–0,3 mg/kg/h i.v. als Infusion; Kinder: 0,06–0,15 mg/kg/h i.v. als Infusion) ist aber wasserlöslich und wird für eine prolongierte Therapie bevorzugt. Midazolam reduziert das Risiko einer Laktazidose durch Propylenglycol, das als Lösungsmittel für Diazepam und Lorazepam benötigt wird, und reduziert das von Metaboliten mit langer Halbwertszeit ausgehende Risiko für Akkumulation und Koma.

Benzodiazepine können reflektorische Spasmen nicht verhindern, daher können für eine wirksame Beatmung eine neuromuskuläre Blockade mit Vecuronium 0,1 mg/kg i.v. oder anderen paralysierenden Medikamente und eine mechanische Beatmung notwendig sein. Pancuronium wurde auch verwendet, kann jedoch eine Instabilität des vegetativen Nervensystems verschlechtern. Vecuronium weist keine kardiovaskulären Effekte auf, wirkt jedoch nur kurz. Länger wirksame Medikamente (z. B. Pipecuronium, Rocuronium) sind auch effektiv, bisher wurden jedoch noch keine randomisierten klinischen Vergleichsstudien durchgeführt.

Intrathekales Baclofen (ein GABAA-Agonist) ist auch wirksam, weist jedoch keinen klaren Vorteil gegenüber Benzodiazepinen auf. Es wird als Dauerinfusion verabreicht; effektive Dosierungen reichen von 20–2000 mcg/Tag. Zunächst wird eine Testdosis von 50 mcg verabreicht; wenn der Erfolg nicht adäquat ist, können 24 h später 75 mcg verabreicht werden und nach weiteren 24 h 100 mcg. Patienten, die auf 100 mcg nicht ansprechen, sind keine Kandidaten für eine Dauerinfusion. Mögliche Nebenwirkungen bestehen aus Koma und einer Atemsuppression, die unterstützende Maßnahmen erforderlich machen.

Dantrolen (Initialdosis 1,0–1,5 mg/kg i.v., gefolgt von einer Infusion mit 0,5–1,0 mg/kg alle 4–6 h für 25 Tage) reduziert die Muskelspastik. Dantrolen kann in oraler Form als Ersatz für eine Infusionstherapie bis zu 60 Tage lang angewendet werden. Hepatotoxizität und Kosten limitieren seine Anwendung.

Behandlung von Störungen des autonomen Nervensystems

Zur Kontrolle autonomer, insbesondere kardiovaskulärer Dysfunktionen kann alle 4–6 h Morphin gegeben werden; die Gesamtdosis beträgt 20–180 mg.

Eine Beta-Blockade wird verwendet, um Episoden von Bluthochdruck und Tachykardie zu kontrollieren, aber die Verwendung von lang wirksamen Medikamenten wie Propranolol wird nicht empfohlen. Plötzlicher Herztod ist ein Charakteristikum bei Tetanus, und eine Beta-Blockade kann das Risiko erhöhen; trotzdem wurde Esmolol, ein kurz wirksamer Beta-Blocker, erfolgreich angewendet. Atropin i. v. wurde in hohen Dosen eingesetzt; die Blockade des parasympathischen Nervensystems reduziert deutlich übermäßiges Schwitzen und Sekrete. Über eine niedrigere Letalität wurde bei Clonidin-behandelten als bei konventionell behandelten Patienten berichtet.

Magnesiumsulfat in Dosen, die den Serumspiegel zwischen 4 und 8 mEq/l halten (z.B. 4 g Bolus gefolgt von 2 bis 3 g/h bei kontinuierlicher Infusion), hat eine stabilisierende Wirkung und eliminiert die Katecholaminstimulation. Der Patellarsehnenreflex wird zur Beurteilung einer Überdosierung herangezogen. Das Atemzugvolumen kann beeinträchtigt werden, daher müssen Maßnahmen zur Atemunterstützung verfügbar sein.

Andere Medikamente, die nützlich sein können, umfassen

  • Pyridoxin (100 mg 1-mal täglich), was die Letalität bei Neugeborenen reduziert.

  • Natriumvalproat, das die GABA-Aminotransferase blockiert und den GABA-Katabolismus hemmt

  • ACE-Hemmer, die Angiotensin II hemmen und die Noradrenalinfreisetzung aus Nervenenden reduzieren

  • Dexmedetomidin (ein potenter alpha-2-adrenerger Agonist)

  • Adenosin, das die präsynaptische Norepinephrinfreisetzung reduziert und der inotropen Wirkung von Katecholaminen entgegenwirkt

KortiKosteroide haben keinen nachweislichen Nutzen; ihre Anwendung wird nicht empfohlen.

Antibiotika

Antibiotika haben eine im Vergleich zum Wunddebridement und allgemein supportiven Maßnahmen geringere Bedeutung. Verabreicht werden z. B. Penicillin G 6 Mio. Einheiten i.v. alle 6 h, Doxyzyklin 100 mg p.o. 2-mal täglich und Metronidazol 500 mg p.o. alle 6–8 h.

Unterstützende Behandlung

Bei mittelschweren oder schweren Fällen sollten der Patienten intubiert werden. Eine mechanische Beatmung ist notwendig, wenn eine neuromuskuläre Blockade zur Kontrolle von Muskelspasmen erforderlich ist, die die Atmung behindern.

Eine parenterale Ernährung verringert die Gefahr einer Aspiration aufgrund von Nahrungszufuhr über eine Magensonde. Da es häufig zu einer Obstipation kommt, sollte die Stuhlkonsistenz weich gehalten werden. Eine Darmsonde kann zur Vermeidung einer Überdehnung eingesetzt werden. Falls es zu einem Harnverhalt kommt, ist eine Blasenkatheterisierung erforderlich.

Zur Pneumonieprophylaxe sind Atemgymnastik, häufiges Drehen und forciertes Husten wichtig. Oft ist eine Analgesie mit Opioiden erforderlich.

Prävention

Eine primäre Reihe von Tetanusimpfungen gefolgt von regelmäßigen Boostern ist erforderlich. Kinder < 7 Jahre benötigen 5 Erstimpfungen und nicht immunisierte Patienten > 7 Jahre benötigen 3. Der Impfstoff kann Tetanustoxoid allein sein (TT), aber Toxoid wird typischerweise mit Diphtherie und/oder Pertussis kombiniert. Kinderimpfstoffe haben höhere Dosen der Diphtherie- und Pertussis-Komponenten (DTaP, DT) als Erwachsenen-Impfstoffe (Tdap, Td).

Kindern wird DTaP im Alter von 2, 4 und 6 Monaten sowie 15–18 Monaten und 4–6 Jahren gegeben; sie sollten einen Tdap-Booster im Alter von 11–12 Jahren und Td alle 10 Jahren danach bekommen (siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 0–6 Jahren und Empfohlener Impfplan für das Alter von 7–18 Jahre).

Immunisierten Erwachsenen wird initial Tdap gegeben, dann Td 4 Wochen und 6–12 Monate später und Td alle 10 Jahre danach. Erwachsene, die keinen Impfstoff, der Pertussis enthält, erhalten haben, sollte eine Einzeldosis von Tdap anstelle eines der Td Booster gegeben werden. Erwachsenen ≥ 65, die engen Kontakt mit einem Kind < 12 Monaten haben und die bisher nicht Tdap erhalten haben, sollte eine Einzeldosis von Tdap gegeben werden.

Schwangeren Frauen sollte Tdap während der 27.–36. Schwangerschaftswoche gegeben werden, unabhängig davon, wann sie zuletzt geimpft wurden; der Fetus kann zu diesem Zeitpunkt eine passive Immunität durch den Impfstoffen entwickeln.

Empfehlungen für routinemäßige Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis sowie Auffrischimpfungen, Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Impfstoff und Tetanus-Diphtherie-Impfstoff.

Nach einer Verletzung wird eine Tetanusimpfung je nach Wundart und Impfstatus durchgeführt; Tetanusimmunglobulin kann auch indiziert sein (siehe Tabelle: Tetanusprophylaxe bei Routinewundbehandlung). Patienten, die bisher nicht grundimmunisiert wurden, erhalten in einmonatigen Abständen eine 2. und 3.

Da eine Tetanusinfektion keine Immunität verleiht, sollten Patienten, die sich von klinischem Tetanus erholt haben, geimpft werden.

Tabelle
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Tetanusprophylaxe bei Routinewundbehandlung

Anamnese von adsorbiertem Tetanutoxoid

Saubere, Kleinere Wunden

Alle anderen Wunden*

Td

TIG

Td

TIG

Unbekannt oder < 3 Dosen

Ja

Keine

Ja

Ja

3 Dosen

Ja, wenn > 10 Jahre seit der letzten Dosis

Keine

Ja, wenn > 5 Jahre seit der letzten Dosis

Keine

* Wie (aber nicht beschränkt auf) Wunden, die mit Schmutz, Kot, Erde oder Speichel kontaminiert sind; Stichwunden, Quetschungen; Abrisse und Wunden aufgrund von Abschusswaffen, Verbrennungen oder Erfrierungen.

Bei Patienten ≥ 10 Jahre, die zuvor noch keine Dosis von Tdap erhalten haben, sollte eine Einzeldosis von Tdap gegeben werden, statt eines einzelnen Td-Boosters. Kinder <7 Jahre sollte DTaP oder, wenn Pertussis-Impfstoff kontraindiziert ist, DT. gegeben werden. Kinder im Alter von 7–9 Jahren sollten Td gegeben werden.

TIG 250–500 Einheiten i.m.

DT = Diphterie- und Tetanus-Toxoide (für Kinder); DTaP = Diphterie- und Tetanus-Toxoide, azelluläre Pertussis (für Kinder); Td = adsorbierteTetanus- und Diphtherietoxoide (für Erwachsene); Tdap = Tetanus- und Diphtherietoxoide, Pertussis (für Erwachsene); TIG = Tetanusimmunglobulin (menschliches).

Wichtige Punkte

  • Tetanus wird durch ein Toxin verursacht, das durch Clostridium tetani in kontaminierten Wunden produziert wird.

  • Tetanustoxin blockiert die Freisetzung von Neurotransmittern, wodurch es zu generalisierter Muskelsteifheit mit intermittierenden Spasmen kommt; Krämpfe und autonome Instabilität können auftreten.

  • Die Letalitätsrate beträgt 15–60%, bei nicht behandelten Erwachsenen und bei Neugeborenen, selbst mit Therapie, 80–90%.

  • Weiterer Toxinfreisetzung sollte durch Débridement der Wunde und Gabe eines Antibiotikums verhindert (z. B. Penicillin, Doxyzyklin) und das ungebundene Toxin mit menschlichen Tetanusimmunglobulin neutralisiert werden.

  • Gabe von IV Benzodiazepinen bei Muskelkrämpfen und Gebrauch von neuromuskulärer Blockade sowie mechanische Beatmung, wenn benötigt, bei respiratorischer Insuffizienz aufgrund von Muskelkrämpfen.

  • Tetanus sollte durch folgende Routineimpfempfehlungen verhindert werden.

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