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Mastozytose

Von

Peter J. Delves

, PhD,

  • Professor of Immunology, Division of Infection & Immunity, Faculty of Medical Sciences
  • University College London, London, UK

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Die Mastozytose ist eine Mastzellinfiltration der Haut oder anderer Gewebe und Organe. Die Symptome sind hauptsächlich auf die Freisetzung von Mediatoren zurückzuführen und äußern sich als Pruritus, Flush und Dyspepsie aufgrund einer vermehrten Magensäuresekretion. Die Diagnosestellung erfolgt durch Haut- bzw. Knochenmarkbiopsien oder beides. Die Behandlung besteht in der Gabe von Antihistaminika und in der Kontrolle zugrunde liegender Krankheiten.

Die Mastozytose umfasst eine Gruppe von Krankheiten, die durch die Proliferation von Mastzellen und Infiltration der Haut sowie anderer Organe oder beides charakterisiert sind. Die Krankheiten sind hauptsächlich durch die Freisetzung von Mastzellmediatoren bedingt, zu denen Histamin, Heparin, Leukotriene und verschiedene inflammatorische Zytokine gehören. Für viele Symptome, darunter auch die Magensymptome, wird Histamin verantwortlich gemacht, doch auch andere Mediatoren tragen zur Symptomatik bei. Eine signifikante Organinfiltration kann zur Organdysfunktion führen. Die Freisetzung von Mediatoren kann durch körperliche Berührung, körperliche Belastung, Alkohol, NSAR, Opioide, Insektenstiche oder Nahrungsmittel ausgelöst werden.

Die Ätiologie umfasst bei vielen Patienten eine aktivierende Mutation (D816V) in dem Gen, das den Stammzell-Faktor-Rezeptor c-kit codiert, der auf Mastzellen zu finden ist. Das Ergebnis ist Autophosphorylierung des Rezeptors, was wiederum eine unkontrollierte Mastzellproliferation verursacht.

Klassifikation

Die Mastozytose kann kutan oder systemisch sein.

Kutane Mastozytose

Typischerweise erkranken Kinder an diesem Typ. Die meisten Patienten leiden an Urticaria pigmentosa, die durch lokal oder diffus verbreitete, kleine multiple Mastzellansammlungen in Form von lachsfarbenen oder braunen makulopapulösen Ausschlägen gekennzeichnet ist. Noduläre Läsionen und Plaques können sich ebenfalls entwickeln. Weniger häufig kommen vor: die diffuse kutane Mastozytose, eine Hautinfiltration ohne diskrete Läsionen, und das Mastozytom, eine große (1-5 cm) Ansammlung von Mastzellen.

Bilder von Urticaria Pigmentosa

Systemische Mastozytose

Dieser Typ entwickelt sich meistens bei Erwachsenen und ist durch multifokale Läsionen des Knochenmarks charakterisiert; häufig sind noch andere Organe betroffen (meistens Haut, Lymphknoten, Leber, Milz oder Gastrointestinaltrakt).

Systemische Mastozytose wird klassifiziert in

  • Indolente Mastozytose ohne Organversagen und mit guter Prognose

  • Mastozytose im Zusammenhang mit anderen hämatologischen Erkrankungen (z. B. myeloproliferativen Erkrankungen, Myelodysplasia, Lymphom)

  • Aggressive Mastozytose charakterisiert durch eine gestörte Organfunktion

  • Mastzellleukämie mit > 20% Mastzellen im Knochenmark, ohne Hautläsionen, Multiorganversagen und einer schlechten Prognose

Symptome und Beschwerden

Die Beteiligung der Haut geht häufig mit Juckreiz einher. Das Folgende kann den Juckreiz verstärken:

  • Änderungen der Temperatur

  • Kontakt mit Kleidung oder anderen Materialien

  • Verwendung einiger Medikamente (einschließlich NSAIDs)

  • Konsum von heißen Getränken, scharfem Essen oder Alkohol

  • Sportliche Aktivität

Streichen oder Reiben der Hautläsionen ruft Urtikaria im Läsionsbereich und Erytheme hervor (Darier-Zeichen); diese Reaktion unterscheidet sich von Dermatographismus, bei dem normale Haut betroffen ist.

Systemische Symptome können bei jeder Form der Mastozytose auftreten. Am häufigsten kommt es zu Flush; die dramatischste Reaktion ist eine Anaphylaxie-ähnliche und anaphylaktische Reaktion mit Synkopen und Schock.

Weitere Symptome sind epigastrische Schmerzen aufgrund peptischer Ulzera, Übelkeit, Erbrechen, chronische Diarrhoe, Arthralgien, Knochenschmerzen und neuropsychiatrische Veränderungen (z. B. Reizbarkeit, Depression, Stimmungsschwankungen). Die Infiltration von Leber und Milz kann zu Pfortaderhypertonie und in der Folge zu Aszites führen.

Diagnose

  • Klinische Bewertung

  • Biopsie der Hautveränderungen und manchmal Knochenmarkbiopsie

Das klinische Bild einer Mastozytose lässt die entsprechende Diagnose vermuten. Die Diagnose wird durch Biopsien von Hautläsionen und manchmal auch des Knochenmarks bestätigt. Multifokale, dichte Infiltrate von Mastzellen sind vorhanden.

Um Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome (z. B. Anaphylaxie, Phäochromozytom, Karzinoid-Syndrom, Zollinger-Ellison-Syndrom) verursachen, müssen Tests durchgeführt werden; diese Untersuchungen beinhalten Folgendes:

  • Serum-Gastrin-Spiegel, um das Zollinger-Ellison-Syndrom bei Patienten mit Ulcussymptomen auszuschließen

  • Renale Ausscheidung von 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIAA), um ein Karzinoid-Syndrom bei Patienten mit Hitzewallungen auszuschließen

  • Die Messung von plasmafreiem Metanephrin oder Metanephrin im Urin hilft eine Pheochromocytoma auszuschließen

Tipps und Risiken

  • Auszuschließen sind Störungen, die Mastozytose-ähnliche Symptome hervorrufen (z. B. Anaphylaxie, Karzinoid-Syndrom, Phäochromozytom, Zollinger-Ellison-Syndrom).

Bei unsicherer Diagnose, sollten die Spiegel der Mastzellmediatoren und deren Metabolite (z. B. Urin-N-Methylhistamine, N-Methylimidazol Essigsäure) im Plasma und Urin gemessen werden; erhöhte Spiegel unterstützen die Diagnose einer Mastozytose. Der Tryptase-Spiegel (ein Marker der Mastzelldegranulation) ist bei systemischer Mastozytose erhöht, typischerweise jedoch normal bei kutaner Mastozytose.

Ein Knochenscan, gastrointestinale Untersuchung und Identifizierung der D816V c-kit Mutation kann bei Fällen, bei denen eine Bestätigung der Diagnose notwendig ist, hilfreich sein.

Therapie

  • Bei der kutanen Mastozytose, H1-Blocker und ggf. Psoralen plus UV-Licht oder topische Kortikosteroide

  • Bei der systemischen Mastozytose, H1- und H2-Blocker und manchmal Cromolyn

  • Für aggressive Formen, Interferon alpha-2b, Kortikosteroide oder Splenektomie

Kutane Mastozytose

H1-Blocker sind zur Symptombehandlung wirksam. Bei Kindern mit kutanen Formen ist eine zusätzliche Behandlung nicht erforderlich, da sich die Symptome in den meisten Fällen spontan zurückbilden. Kutane Formen bei Erwachsenen können mit Psoralen und UV-Licht oder mit topisch anwendbaren Kortikosteroiden, ein- oder zweimal täglich aufgetragen, therapiert werden. Ein Mastozytom bildet sich normalerweise spontan zurück und erfordert keine Behandlung.

Anders als bei Erwachsenen entwickeln sich kutane Formen bei Kindern nur selten zu systemischen Krankheiten.

Systemische Mastozytose

Alle Patienten sollten mit H1- und H2-Blocker behandelt werden und eine Fertigspritze mit Adrenalin zur Selbsinjektion mit sich tragen. Azetylsalizylsäure kontrolliert das Auftreten von Flush, kann aber die Leukotrienproduktion erhöhen, womit es zu den Mastzell-verwandten Reaktionen beiträgt; wegen des Risikos, ein Reye-Syndrom zu entwickeln, sollte es Kindern nicht verabreicht werden.

Cromoglicinsäure 200 mg p.o. (100 mg viermal täglich für Kinder von 2 bis 12 Jahren; 40 mg/kg/Tag sollen nicht überschritten werden), kann die Degranulation der Mastzellen verhindern helfen. Die Wirksamkeit von Ketotifen, 2-4 mg p.o. zweimal täglich, ist unbeständig. Keine Behandlung kann die Zahl der Gewebemastzellen reduzieren.

Bei Patienten mit einer aggressiven Form, induziert Interferon alpha-2b 4 Millionen Einheiten s.c. einmal pro Woche bis maximal 3 Millionen Einheiten/Tag die Regression der Knochenläsionen. Kortikosteroide (z. B. Prednison, 40-60 mg, p.o. einmal täglich für 2-3 Wochen) können erforderlich werden. Eine Splenektomie kann lebenserhaltend sein.

Zytotoxische Arzneimittel (z. B. Daunomycin, Etoposid, 6-Mercaptopurin) können zur Behandlung von Mastzellleukämie indiziert sein, ihre Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Imatinib (ein Tyrosinkinase-Rezeptor-Hemmer) kann in einigen Fällen sinnvoll sein, ist aber bei Patienten mit der D816V c-kit-Mutation unwirksam. Midostaurin (ein Tyrosinkinase-Rezeptor-Inhibitor der 2. Generation) wird derzeit bei diesen Patienten in Studien untersucht.

Wichtige Punkte

  • Patienten mit kutaner Mastozytose sind meist Kinder, typischerweise mit einem diffusen lachsfarbenen oder braunen, oft juckenden makulopapulösen Ausschlag.

  • Systemische Mastozytose verursacht in der Regel bei Erwachsenen multifokale Knochenmarkläsionen, befällt aber häufig auch andere Organe.

  • Alle Typen können systemische Symptome verursachen (am häufigsten Flushs, aber manchmal anaphylaktoide Reaktionen).

  • Bei kutaner Mastozytose werden H1-Blocker zur Symptomlinderung eingesetzt und bei Erwachsenen sollte die Behandlung mit Psoralen plus ultraviolettem Licht oder topischen Kortikosteroiden in Betracht gezogen werden.

  • Bei systemischer Mastozytose werden H1- und H2-Blocker und manchmal Cromolyn eingesetzt und bei aggressiver Mastozytose kommen Interferon alpha-2b, systemische Kortikosteroide oder Splenektomie in Frage.

  • Stellen Sie sicher, dass alle Patienten mit Mastozytose eine abgefüllte Adrenalin-Spritze zur Selbstinjektion mit sich tragen.

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