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Hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie

(Osler-Weber-Rendu-Syndrom)

Von

David J. Kuter

, MD, DPhil, Harvard Medical School

Inhalt zuletzt geändert Jan 2017
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Quellen zum Thema

Die hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie ist eine autosomal-dominant vererbte Störung, die durch Gefäßfehlbildungen gekennzeichnet ist und sowohl Männer als auch Frauen betrifft.

Mehr als 80% der Patienten haben entweder Mutationen im Endoglin-(ENG-)Gen, das einen Rezeptor für den transformierenden Wachstumsfaktor beta-1 (TGF-β1) und TGF-β3 kodiert, oder im SMAD4-kodierenden MADH4-Gen, einem Protein des TGF-beta-Signalwegs.

Symptome und Beschwerden

Die charakteristischen Läsionen sind kleine rote bis violette Teleangiektasien im Gesicht, an den Lippen, den Schleimhäuten von Mund und Nase, den Fingerspitzen und den Zehen. Ähnliche Läsionen können in der Mukosa des gesamten Gastrointestinaltrakts vorhanden sein und zu rezidivierenden gastrointestinalen Blutungen führen. Es kann rezidivierend schweres Nasenbluten auftreten, und bei einigen Patienten findet man pulmonale arteriovenöse Missbildungen (AVM). Diese Fisteln können zu einem signifikanten Rechts-Links-Shunt führen, der Dyspnoe, Müdigkeit, Zyanose oder Polyglobulie zur Folge haben kann. Das erste Anzeichen für das Vorhandensein von Fisteln kann jedoch ein Hirnabszess sein, transiente ischämische Attacken (TIA), oder Schlaganfall als Folge von infizierten oder nicht infizierten Embolien. In manchen Familien treten zerebrale oder spinale arteriovenöse Malformationen auf, die zu Subarachnoidalblutung, Krampfanfällen oder Paraplegie führen können. Arteriovenöse Fehlbildungen in der Leber können zu Leberversagen und Herzinsuffizienz (high-output failure) führen.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

  • Gelegentlich Endoskopie oder Angiographie

  • Gelegentlich Gentests

Die Diagnose basiert auf dem Auffinden charakteristischer arteriovenöser Fehlbildungen im Gesicht, Mund, Nase, Ziffern und/oder inneren Organen im Rahmen der Epistaxis und Familiengeschichte von HHT bei Verwandten 1. Grades (Curaçao-Kriterien). In einigen Fällen kann eine Endoskopie oder Angiographie notwendig werden. Abgesehen von einer Eisenmangelanämie sind die Laborergebnisse bei vielen Patienten normal.

Tests auf ENG und MADH4 -Genmutationen können bei einigen Patienten mit atypischen Merkmalen oder zum Screening von asymptomatischen Familienmitgliedern sinnvoll sein.

Screeningverfahren

Wenn in der Familienanamnese pulmonale, hepatische oder zerebrale arteriovenöse Malformationen vorliegen, sollte in der Pubertät und gegen Ende der Adoleszenz ein Screening einschließlich Lungen-CT, Leber-CT oder Hirn-MRT durchgeführt werden.

Behandlung

  • Manchmal Laserablation, chirurgische Resektion, Embolisation von symptomatischen oder arteriovenöse Missbildungen

  • Eisensubstitutionstherapie

  • Möglicherweise Bluttransfusionen

  • Gelegentlich Antifibrinolytika (z. B. Aminocapronsäure, Tranexamsäure)

  • Manchmal Angiogenese-Hemmer (z. B. Bevacizumab, Pomalidomid, Thalidomid)

Die Mehrzahl der Patienten wird ausschließlich supportiv behandelt, jedoch kann bei erreichbaren Teleangiektasien (z. B. in der Nase oder endoskopisch im Gastrointestinaltrakt) auch eine Laserablation durchgeführt werden. Arteriovenöse Fisteln können chirurgisch reseziert oder embolisiert werden.

Da wiederholte Transfusionen notwendig sein können, ist eine Immunisierung mit einem Hepatitis-B-Impfstoff wichtig.

Viele Patienten benötigen eine kontinuierliche Eisentherapie, um die durch wiederholte Schleimhautblutungen bedingten Eisenverluste zu kompensieren (siehe Behandlung von Eisenmangelanämie). Bei vielen Patienten ist eine parenterale Eisen- und gelegentliche Erythropoetinsubstitution erforderlich (Eisenmangelanämie). Darüber hinaus kann auch die Behandlung mit Fibrinolysehemmern, wie z. B. Aminocapronsäure oder Tranexamsäure, hilfreich sein. Die Behandlung mit Arzneimitteln, die die Angiogenese hemmen, wie Bevacizumab, Pomalidomid oder Thalidomid, kann die Anzahl und Dichte des abnormalen Gefäßwachstums verringern. Darüber hinaus hat sich in jüngster Zeit gezeigt, dass Bevacizumab die Häufigkeit von Blutungen reduziert.

Wichtige Punkte

  • Teleangiektasien in der Nase oder im Gastrointestinaltrakt können zu starken Blutungen führen.

  • Vaskuläre Malformationen im zentralen Nervensystem, Lunge und Leber können bluten; durch hepatische und pulmonale Malformationen kann es zur Bildung von bedeutsamen Shunts kommen.

  • Erreichbare Teleangiektasien der Schleimhäute und arteriovenöse Fehlbildungen können mittels Laserablation behandelt und vaskuläre Malformationen embolisiert oder chirurgisch reseziert werden.

  • Aufgrund eines chronischen Blutverlusts benötigen zahlreiche Patienten parenteral eine Eisensubstitution.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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