Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Kategorien bedenklicher Arzneimittel bei Älteren

Von

J. Mark Ruscin

, PharmD, FCCP, BCPS, Southern Illinois University Edwardsville School of Pharmacy;


Sunny A. Linnebur

, PharmD, BCPS, BCGP, University of Colorado Anschutz Medical Campus

Inhalt zuletzt geändert Jun 2014
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Einige Arzneimittelkategorien (z. B. Analgetika, Antikoagulanzien, Antihypertensiva, Antiparkinson-Medikamente, Diuretika, blutzuckersnekende Arzneimittel, Psychopharmaka) bergen besondere Risiken für ältere Patienten. Einige Arzneimittel, die zwar sinnvoll bei jüngeren Erwachsenen eingesetzt werden, sind so risikoreich, dass sie für ältere Menschen als unangemessen angesehen werden sollten. Die Beers-Kriterien werden am häufigsten herangezogen, um solche unangemessen Medikamente zu identifizieren (s. Potenziell unangemessene Arzneimittel bei Älteren (nach American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update)). Die 2012 von der American Geriatrics Society aktualisierten Beers-Kriterien teilen die potenziell unangemessene Medikamente in 3 Gruppen ein:

Tabelle
icon

Potenziell unangemessene Arzneimittel bei Älteren (nach American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update)

Wirkstoff

Verschreibungsgrund/Empfehlungen

Anticholinergika*

Antihistaminika der ersten Generation als Einzelwirkstoff oder als Kombinationswirkstoff (Brompheniramin, Carbinoxamin, Chlorpheniramin, Clemastin, Cyproheptadin, Dexbrompheniramin, Dexchlorpheniramin, Diphenhydramin [oral], Doxylamin, Hydroxyzin, Promethazin, Triprolidin)

Stark anticholinerg; größeres Risiko für Verwirrtheit, trockener Mund, Verstopfung und andere anticholinerge Wirkungen und Toxizität

Mit fortgeschrittenem Alter verringert sich die Clearance; bei Anwendung als Hypnotika entwickelt sich Toleranz

Vermeiden, Verwendung von Diphenhydramin in bestimmten Situationen (z. B. schwere allergische Reaktion) kann jedoch geeignet sein

Antiparkinson-Medikamente (Benztropin [oral], Trihexyphenidyl)

Nicht empfohlen für die Prävention von extrapyramidalen Symptomen mit Antipsychotika; wirksamere Mittel zur Behandlung des M. Parkinson sind verfügbar

Spasmolytika (Belladonna-Alkaloide, Clidinium-Chlordiazepoxid, Dicyclomin, Hyoscyamin, Propanthelin, Scopolamin)

Stark anticholinerg, nicht gesicherte Wirksamkeit

Vermeiden, außer als kurzzeitiger Einsatz in der Palliativmedizin, um orale Sekretion zu verringern

Antiinfektiva

Nitrofurantoin

Kann pulmonale Toxizität verursachen; sicherere Alternativen stehen zur Verfügung; mangelnde Wirksamkeit bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 60 ml/min aufgrund unzureichender Wirkstoffkonzentration im Urin; nicht verwenden zur langfristigen Suppression oder bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance < 60 ml/min

Antithrombotika

Dipyridamol, oral kurzwirksam (nicht zutreffend für Retardkombination mit Aspirin)

Mögliche orthostatische Hypotonie; wirksame Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden, eine intravenöse Darreichung bei Herzbelastungstests ist jedoch akzeptabel

Ticlopidin

Sicherere wirksame Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden

Kardiovaskuläre Medikamente

Alpha-1-Blocker (Doxazosin, Prazosin, Terazosin)

Hohes Risiko für orthostatische Hypotonie; alternative Medikamente haben ein besseres Risiko-Nutzen-Verhältnis; Verwendung als Antihypertensivum vermeiden

Alpha-Agonisten, zentral (Clonidin, Guanabenz, Guanfacin, Methyldopa, Reserpin [> 0,1 mg/Tag])

Hohes Risiko für unerwünschtes ZNS-Effekte; kann Bradykardie und orthostatische Hypotonie verursachen; Clonidin als Erstlinienhypertensivum vermeiden; andere nicht empfohlen

Antiarrhythmika, Klassen Ia, Ic und III (Amiodaron, Dofetilid, Dronedaron, Flecainid, Ibutilid, Procainamid, Propafenon, Chinidin, Sotalol)

Frequenzkontrolle wird der Rhythmuskontrolle bevorzugt; zur Erstlinientherapie von Vorhofflimmern vermeiden

Bei Amiodaron erhöhtes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen, Lungenerkrankungen und QT-Intervall-Verlängerung

Disopyramid

Potent negativ inotrop (kann Herzversagen induzieren); stark anticholinergen; vermeiden, andere Antiarrhythmika werden bevorzugt

Dronedaron

Verschlechtert Zustand bei Patienten mit andauerndem Vorhofflimmern oder Herzversagen haben; vermeiden

Frequenzkontrolle wird der Rhythmuskontrolle bevorzugt bei Vorhofflimmern

Digoxin (> 0,125 mg/Tag)

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz und/oder niedriger Kreatinin-Clearance, höhere Dosierungen ohne zusätzlichen Nutzen und mit erhöhtem Toxizitätrisiko; vermeiden

Nifedipin, sofortige Freisetzung

Risiko für Hypotonie und myokardiale Ischämie; vermeiden

Spironolacton (> 25 mg/Tag)

Bei Patienten mit Herzinsuffizienz, Risiko für Hyperkaliämie inbesondere bei zusätzlicher Einnahme von NSAR, ACE-Hemmer, Angiotensinrezeptorblocker oder Kaliumsubstitution; vermeiden bei Herzinsuffizienz oder bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min

ZNS

Tertiäre TZA, allein oder in Kombination (Amitriptylin, Chlordiazepoxid-Amitriptylin, Clomipramin, Doxepin [> 6 mg/Tag], Imipramin, Perphenazin-Amitriptylin, Trimipramin)

Stark anticholinerg und sedierend und verursacht orthostatische Hypotonie; vermeiden

Antipsychotika, 1. (konventionelle) und 2. (atypische) Generation

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Mortalität bei Patienten mit Demenz

Vermeiden bei Patienten mit Demenz-assoziierten Verhaltensauffälligkeiten, außer bei unwirksamen nichtpharmakologischen Optionen und bei Patienten, die für sich und andere eine Bedrohung darstellen

Thioridazin

Mesoridazin

Stark anticholinerg; Risiko für QT-Intervall-Verlängerung; vermeiden

Barbiturate (Amobarbital, Butabarbital, Butalbital, Mephobarbital, Pentobarbital, Phenobarbital, Secobarbital)

Hohe körperliche Abhängigkeit und Toleranz; Risiko der Überdosierung bei niedrigen Dosierungen; vermeiden

Benzodiazepine, kurz und intermediär wirkend (Alprazolam, Estazolam, Lorazepam, Oxazepam, Temazepam, Triazolam)

Benzodiazepine, lang wirkend (Clorazepat, Chlordiazepoxid, Chlordiazepoxid-Amitriptylin, Clidinium-Chlordiazepoxid, Clonazepam, Diazepam, Flurazepam, Quazepam)

Erhöhtes Risiko für kognitive Störungen, Delirium, Stürze, Frakturen und Autounfälle

Kann angemessen sein bei Anfallsleiden, REM-Schlafstörungen, Benzodiazepinentzug, Ethanolentzug, schwere generalisierte Angststörung, periprozedurale Anästhesie, End-of-Life-Pflege

Anwendung bei Schlaflosigkeit, Unruhe oder Delirium vermeiden

Chloralhydrat

Kann nur bis zu 3-fachen der empfohlenen Dosis überdosiert werden; Toleranz tritt innerhalb von 10 Tagen auf; Risiken überwiegen Vorteile; vermeiden

Meprobamat

Hohe Rate an körperlicher Abhängigkeit; stark sedierend; vermeiden

Nonbenzodiazepin-Hypnotika (Eszopiclon, Zolpidem, Zaleplon)

Ähnlich wie Benzodiazepine (z. B. Delirium, Stürze, Frakturen); minimale Verbesserung der Schlaflatenz und -dauer

Nicht > 90 Tage anwenden

Ergot-Mesylate

Isoxsuprin

Mangel an Wirksamkeit; vermeiden

Endokrine Therapie

Androgene (Methyltestosteron, Testosteron)

Potentiell Herzprobleme; Exazerbation von Prostatakrebs

Vermeiden, außer bei moderatem bis starkem Hypogonadismus

Schilddrüsentrockenextrakt

Mögliche kardiologische Effekte; sicherere Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden

Östrogene mit oder ohne Gestagene

Mögliches karzinogenes Potenzial (Brust und Endometrium); fehlende kardioprotektive Wirkung und kognitiver Schutz bei älteren Frauen

Topische Vaginalcreme niedriger Dosis kann bei Dyspareunie, unteren Harnwegsinfekten und anderen vaginalen Symptomen angewendet werden; es gibt Hinweise, dass niedrige Dosen (Estradiol < 25 μg zweimal/Woche) bei Frauen mit Brustkrebs sicher sein können

Topisches Plaster und oral vermeiden

Wachstumshormone

Geringe Wirkung auf Körperzusammensetzung; assoziiert mit Ödem, Arthralgie, Karpaltunnelsyndrom, Gynäkomastie, eingeschränkter Glukosetoleranz

Vermeiden, außer bei Hormonersatztherapie nach Hypophysenentfernung

Insulin, gleitende Skala

Höheres Risiko für Hypoglykämie ohne Verbesserung der Blutzuckerkontrolle unabhängig des medizinischen Settings; vermeiden

Megestrol

Minimale Auswirkung auf Gewicht; erhöht das Risiko für thrombotische Ereignisse und möglicherweise das Sterberisiko; vermeiden

Sulfonylharnstoffe, lange Dauer (Chlorpropamid, Glibenclamid)

Chlorpropamid: verlängerte Halbwertszeit; kann verlängerte Hypoglykämie, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion hervorrufen; vermeiden

Glyburid: höheres Risiko für schwere verlängerte Hypoglykämien; vermeiden

Gastrointestinale Therapie

Metoclopramid

Kann extrapyramidale Wirkungen inkl. Spätdyskinesien hervorrufen; Risiko kann bei gebrechlichen Älteren größer sein; vermeiden, außer bei Gastroparese

Mineralöl, oral

Potenzial für Aspiration; sicherere Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden

Trimethobenzamid

Eines der am wenigsten wirksamen Antiemetika; kann extrapyramidale Nebenwirkungen haben; vermeiden

Schmerztherapie

Meperidin (Anmerkung der Redaktion: in Deutschland nicht zugelassen!)

Kein wirksames orales Analgetikum in gängigen Dosierungen; kann Neurotoxizität verursachen; sicherere Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden

Nicht-COX-selektive NSAR, oral (Aspirin [> 325 mg/Tag], Diclofenac, Diflunisal, Etodolac, Fenoprofen, Ibuprofen, Ketoprofen, Meclofenamat, Mefenaminsäure, Meloxicam, Nabumeton, Naproxen, Oxaprozin, Piroxicam, Sulindac, Tolmetin)

Erhöhtes Risiko für gastrointestinale Blutungen und Magengeschwüre in Hochrisikogruppen, einschließlich derjenigen im Alter > 75 Jahren oder unter Einnahme von oralen oder parenteralen Kortikosteroiden, Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern

Obere gastrointestinale Ulzera, schwere Blutungen oder Perforation treten bei etwa 1% der Patienten, die für 3–6 Monate behandelt wurden, und bei etwa 2-4% der Patienten, die für 1 Jahr behandelt wurden, auf; dieser Trend setzt sich mit längerer Anwendungsdauer fort

Vermeiden von regelmäßiger Anwendung, außer wenn andere Alternativen unwirksam und Patienten in der Lage sind, einen Protonenpumpenhemmer oder Misoprostol zu nehmen (was das Risiko reduziert, aber nicht beseitigt)

Indomethacin

Ketorolac, inkl. parenteral

Erhöht das Risiko für gastrointestinale Blutungen und Magengeschwüre bei Hochrisikogruppen (siehe oben Nicht-COX-selektive NSAR)

Unter allen NSAR hat Indomethacin die meisten unerwünschten Wirkungen; vermeiden

Pentazocin

Unerwünschte ZNS-Wirkungen, einschließlich Verwirrtheit und Halluzinationen, häufiger als bei anderen Opioiden; ist auch ein kombinierter Agonist und Antagonist; sicherere Alternativen stehen zur Verfügung; vermeiden

Skelettmuskelrelaxanzien (Carisoprodol, Chlorzoxazon, Cyclobenzaprin, Metaxalon, Methocarbamol, Orphenadrin)

Wegen der anticholinergen Wirkungen schlecht verträglich; Sedierung; Risiko für Frakturen; Wirksamkeit bei Dosierungen, die von Älteren toleriert werden, ist fraglich; vermeiden

* TZA sind nicht berücksichtigt.

Diese Arzneimittel werden unregelmäßig verwendet

TZA = Trizyklische Antidepressiva

Adaptiert nach The American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society updated Beers criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. Journal of the American Geriatrics Society 60: 616–631, 2012.

Tabelle
icon

Arzneimittel, die mit Vorsicht bei Älteren anzuwenden sind (nach American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update)

Wirkstoff

Grund zur Vorsicht

Aspirin zur Primärprävention kardialer Ereignisse

Mit Vorsicht bei Patienten ≥ 80 Jahre verwenden

Fehlender Nachweis in Bezug auf Nutzen vs. Risiko bei Patienten > 80 Jahre

Dabigatran

Mit Vorsicht bei Patienten ≥ 75 Jahre mit Creatinin-Clearance < 30 ml/min verwenden Größeres Blutungsrisiko als unter Warfarin bei Patienten ≥ 75 Jahre

Fehlender Nachweis in Bezug auf Wirksamkeit und Sicherheit bei Patienten mit Creatinin-Clearance < 30 ml/min

Prasugrel

Mit Vorsicht bei Patienten ≥ 75 Jahre verwenden Erhöhtes Blutungsrisiko; Nutzen kann das Risiko bei Älteren mit höchstem Risiko kompensieren (z. B. bei Patienten mit früherem Myokardinfarkt oder mit Diabetes mellitus)

Antipsychotika

Carbamazepin

Carboplatin

Cisplatin

Mirtazapin

Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer

SSRI

Trizyklische Antidepressiva

Vincristin

Kann Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion oder Hyponatriämie verschlimmern oder verursachen

Beim Beginn oder bei Änderung der Dosierungen Natriumspiegel eng überwachen

Vasodilatatoren

Kann Auftreten von Synkopen bei Patienten mit Synkopen in der Anamnese erhöhen

Adaptiert nach The American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update Expert Panel: American Geriatrics Society updated Beers criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. Journal of the American Geriatrics Society 60: 616–631, 2012.

Analgetika

NSAR werden von > 30% der Patienten im Alter zwischen 65 und 89 Jahren eingenommen, die Hälfte aller NSAR-Rezepte werden für > 60-Jährige ausgestellt. Verschiedene NSAR sind rezeptfrei erhältlich.

Ältere Menschen können anfälliger gegenüber unerwünschten Wirkungen dieser Medikamente sein, und diese Wirkungen können aus folgenden Gründen schwerer ausfallen:

  • NSAR sind sehr gut lipidlöslich, und da das Fettgewebe mit dem Alter zunimmt, ist die Distribution der Wirkstoffe umfangreich.

  • Das Plasmaprotein geht oft zurück, was zu höheren Spiegeln des ungebundenen Wirkstoffs und zu übersteigerten pharmakologischen Wirkungen führt.

  • Die Nierenfunktion ist bei vielen älteren Menschen reduziert, was zu einer verminderten renalen Clearance und zu höheren Wirkstoffspiegeln führt.

Schwerwiegende unerwünschte Wirkungen umfassen peptische Ulzera und Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt. Wenn die Dosis eines bereits angesetzten NSAR erhöht wird, ist dieses Risiko noch höher. Das Risiko von Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt steigt, wenn NSAR mit Warfarin, Aspirin oder anderen Thrombozytenaggregationshemmern gegeben werden (z. B. Clopidogrel). NSAR können das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen, eine Flüssigkeitsretention und, selten, eine Nephropathie verursachen.

NSAR können auch blutdrucksteigernd wirken; dieser Effekt kann möglicherweise nicht erkannt werden und zu einer Intensivierung der antihypertensiven Behandlung führen (Verschreibungskaskade– Interaktionen zwischen Arzneimitteln und Erkrankungen). Daher sollten die Ärzte diesen Effekt im Auge behalten, wenn der Blutdruck bei älteren Patienten steigt und sie nach der Einnahme insbesondere von freiverkäuflichen NSAR fragen.

Selektive COX-2(Cylooxygenase-2)-Hemmer (Coxibe) verursachen weniger gastrointestinale Reizungen und eine geringere Thrombozytenaggreagtionshemmung als andere NSAR. Gleichwohl bergen Coxibe noch ein Risiko gastrointestinaler Blutungen, insbesondere für Patienten, die Warfarin oder Aspirin (auch in geringen Dosen) einnehmen, und für Patienten mit bereits stattgehabten gastrointestinalen Blutungen. Die Klasse der Coxibe scheint das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu erhöhen, dieses kann jedoch je nach Arzneimittel variieren; Coxibe sollten mit Vorsicht eingesetzt werden. Coxibe haben renale Wirkungen, die vergleichbar mit denen anderer NSAR sind.

Es sollten nach Möglichkeit weniger risikoreiche Alternativen (z. B. Paracetamol) verwendet werden. Wenn NSAR bei älteren Patienten eingesetzt werden, sollte die niedrigste wirksame Dosis verwendet und der weitere Bedarf häufig überprüft werden. Bei Langzeitgebrauch von NSAR sollten Serum-Kreatinin und Blutdruck engmaschig überwacht werden, insbesondere bei Patienten mit anderen Risikofaktoren (z. B. Herzinsuffizienz, Nierenschädigung, Zirrhose mit Aszites, Flüssigkeitsentzug, Verwendung von Diuretika).

Antikoagulanzien

Mit dem Alter kann sich die Sensitivität gegenüber der gerinnungshemmenden Wirkung von Warfarin erhöhen. Vorsichtige Dosierung und Routineüberwachung können das erhöhte Blutungsrisiko bei älteren Patienten, die Warfarin einnehmen, weitgehend einschränken. Es ist auch deshalb eine stärkere Überwachung erforderlich, weil Interaktionen mit Warfarin häufig auftreten, wenn neue Medikamente an- oder alte abgesetzt werden; computerassistierte Programme zu Arzneimittelwechselwirkungen sollten hinzugezogen werden, wenn Patienten mehrere Medikamente einnehmen. Die Patienten sollten auch auf Warfarinwechselwirkungen mit Nahrungsbestandteilen, Alkohol und rezeptfreie Medikamente sowie Nahrungsergänzungsmittel überwacht werden. Die neueren Antikoagulanzien (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban) können einfacher zu dosieren sein, und sie haben weniger Arzneimittelinteraktionen und Lebensmittel-Arzneimittel-Wechselwirkungen als Warfarin, aber erhöhen immer noch das Risiko von Blutungen bei Älteren, insbesondere bei jenen mit eingeschränkter Nierenfunktion.

Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva sind wirksam, sollten aber bei Älteren nur selten eingesetzt werden. SSRI und kombinierte Wiederaufnahmehemmer, wie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), sind ebenso wirksam wie trizyklische Antidepressiva und verursachen weniger Toxizität; jedoch gibt es bzgl. einiger dieser Medikamente Bedenken:

  • Paroxetin: Dieser Wirkstoff ist stärker sedierend als andere SSRI, hat anticholinerge Wirkungen und kann, wie einige andere SSRI, die hepatische Cytochrom-P-450-2D6-Enzymaktivität hemmen, was möglicherweise den Metabolismus zahlreicher Arzneimittel, inkl. Tamoxifen, einiger Antipsychotika, Antiarrhythmika und trizyklischer Antidepressiva, stört.

  • Citalopram: Dosen bei Älteren sollten aufgrund der möglichen QT-Verlängerung auf maximal 20 mg/Tag begrenzt werden.

  • Venlafaxin: Dieses Arzneimittel kann den Blutdruck erhöhen.

  • Mirtazapin: Dieses Arzneimittel kann sedierend sein und den Appetit/Gewichtszunahme stimulieren.

Antidiabetika

Bei Patienten mit Diabetes mellitus sollten die Antidiabetikadosen vorsichtig titriert werden. Das Risiko einer Hypoglykämie durch Sulfonylharnstoff kann mit dem Alter ansteigen. Wie unter beschrieben siehe Tabelle: Potenziell unangemessene Arzneimittel bei Älteren (nach American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update), wird Chlorpropamid nicht bei Älteren aufgrund des erhöhten Risikos für Hypoglykämie und für Hyponatriämie aufgrund des Syndroms der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) empfohlen. Das Hypoglykämierisiko ist ebenso größer mit Glibenclamid als mit anderen oralen Antidiabetika, da die renale Clearance bei Älteren verringert ist.

Metformin, ein Biguanid, das über die Nieren ausgeschieden wird, erhöht die Sensitivität peripherer Gewebe gegenüber Insulin und kann allein oder zusammen mit Sulfonylharnstoff wirksam sein. Das Risiko einer Laktatazidose, einer seltenen, aber schwerwiegenden Komplikation, steigt mit dem Ausmaß einer Nierenschädigung und mit dem Patientenalter. Herzinsuffizienz ist eine Kontraindikation.

Antihypertensiva

Bei vielen älteren Patienten können geringere Initialdosen der Antihypertensiva notwendig sein, um das Risiko unerwünschter Wirkungen zu reduzieren; allerdings sind bei den meisten älteren Patienten mit Hypertonie zum Erreichen des Zielblutdrucks Standarddosen und eine Multi-Pharmakotherapie notwendig. Die initiale Behandlung der Hypertonie bei Älteren umfasst, abhängig von Begleiterkrankungen, in der Regel ein Diuretikum vom Thiazidtyp, ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorenblocker oder ein Kalziumantagonist vom Dihydropyridintyp. β-Blocker sollten für die Zweitlinientherapie reserviert bleiben. Kurz wirksame Dihydropyridine (z. B. Nifedipin) können das Mortalitätsrisiko erhöhen und sollten nicht verwendet werden. Der Blutdruck im Sitzen und im Stehen kann, v. a. beim EInsatz von mehreren Antihypertensiva, zur Überpüfung einer orthostatischen Hypotonie, die das Risiko für Stürze und Knochenbrüche erhöhen kann, überwacht werden.

Antiparkinson-Medikamente

Die Levodopa-Clearance ist bei älteren Patienten vermindert, die außerdem anfälliger für die unerwünschten Arzneimittelwirkungen, insbesondere orthostatische Hypotonie und Verwirrtheit, sind. Daher sollten ältere Patienten eine geringere Initialdosis von Levodopa erhalten und sorgfältig hinsichtlich unerwünschter Wirkungen überwacht werden ( M. Parkinson : Levodopa). Patienten, die unter der Einnahme von Levodopa verwirrt werden, können möglicherweise Dopaminagonisten (z. B. Pramipexol, Ropinirol) ebenfalls nicht vertragen. Da ältere Patienten mit Parkinsonismus kognitiv beeinträchtigt sein können, sollten Arzneimittel mit anticholinergen Wirkungen vermieden werden.

Antipsychotika

Antipsychotika sollten der Therapie von Psychosen vorbehalten sein. Bei nichtpsychotischen, agitierten Patienten kontrollieren Antipsychotika die Symptome nur marginal besser als Plazebo, und sie können schwere unerwünschte Wirkungen entfalten. Studien haben gezeigt, dass bei Personen mit Demenz Antipsychotika die Mortalität und das Schlaganfallrisiko erhöhten, was die FDA veranlasste, eine Black-Box-Warnung auf die Verwendung bei solchen Patienten abzugeben. Antipsychotika wirken im Allgemeinen nicht bei Demenz-assoziierten Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Umherwandern, Schreien, unkooperatives Verhalten).

Wenn ein Antipsychotikum verwendet wird, sollte die Initaildosis ungefähr ein Viertel der üblichen Initialdosis für Erwachsene betragen und schrittweise erhöht werden mit regelmäßiger Überwachung der Therapieantwort und unerwünschter Wirkungen. Sobald der Patient reagiert, sollte die Dosis nach unten verringert werden, wenn möglich auf die niedrigste noch wirksame Dosis. Das Arzneimittel muss abgesetzt werden, wenn es unwirksam ist. Die Daten aus klinischen Studien, die sich auf Dosierung, Wirksamkeit und Sicherheit dieser Arzneimittel bei Älteren beziehen, sind begrenzt.

Antipsychotika können eine paranoide Störung reduzieren, eine Verwirrtheit dagegen verschlechtern ( Antipsychotika). Ältere Patienten, insbesondere Frauen, haben ein erhöhtes Risiko für Spätdysinesien, die häufig irreversibel sind. Bei bis zu 20% der älteren Patienten, die ein Antipsychotikum einnehmen, können Sedierung, orthostatische Hypotonie, anticholinerge Wirkung und Akathisie (subjektive motorische Ruhelosigkeit) auftreten, und ein arzneimittelinduzierter Parkinsoismus kann über 6–9 Monate nach Absetzen des Arzneimittels fortbestehen.

Bei Verwendung von Antipsychotika der 2. Generation (z. B. Olanzapin, Quetiapin, Risperidon) kann es sogar, insbesondere in höheren Dosen, zu extrapyramidalen Störungen kommen. Risiken und Vorteile der Verwendung eines Antipsychotikums sollten mit dem Patienten oder der für die Patientenversorgung verantwortlichen Person diskutiert werden. Antipsychotika sollten für Verhaltensauffälligkeiten in Betracht gezogen werden, wenn nichtpharmakologische Optionen unwirksam sind und bei Patienten, die für sich und andere eine Bedrohung darstellen

Anxiolytika und Hypnotika

Vor der Anwendung von Hypnotika sollten behandelbare Ursachen von Schlaflosigkeit eruiert und entsprechend behandelt werden ( Untersuchung des Patienten mit Schlafstörungen oder Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus : Hypnotika). Nichtpharmaologische Maßnahmen, wie kognitive Verhaltenstherapie, und Schlafhygiene (z. B. Vermeidung von koffeinhaltigen Getränken, Einschränkung von Nickerchen am Tage, Modifikation der Schlafenszeit) sollten zunächst versucht werden. Sind sie unwirksam, sind Nichtbenzodiazepinhypnotika (z. B. Zolpidem, Eszopiclon, Zaleplon) Optionen für den kurzfristigen Einsatz. Diese Arzneimittel binden hauptsächlich an einen Benzodiazepinrezeptor-Subtyp und stören das Schlafmuster weniger als Benzodiazepine. Sie haben einen schnelleren Wirkungseintritt, weniger Rebound-Effekte, wenige Hangover-Effekte und ein geringes Abhängigkeitspotenzial. Wie in siehe Tabelle: Potenziell unangemessene Arzneimittel bei Älteren (nach American Geriatrics Society 2012 Beers Criteria Update) beschrieben sind kurz-, mittel- und langwirkende Benzodiazepine bei Älteren mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigung, Delirium, Stürze, Knochenbrüche und Autounfälle assoziiert und sollten in der Behandlung von Schlaflosigkeit vermieden werden. Benzodiazepine können für die Behandlung von Angstzuständen oder Panikattacken bei älteren Menschen geeignet sein.

Wenn möglich, sollte die Dauer einer anxiolytischen oder hypnotischen Therapie begrenzt sein, da es zu Toleranz und Abhängigkeit kommen kann; Absetzen kann zu erneuter Angst oder Schlaflosigkeit führen.

Antihistaminika (z. B. Diphenhydramin, Hydroxyzin) sind als Anxiolytika und Hypnotika nicht zu empfehlen, da sie anticholinerge Wirkungen haben und sich eine Toleranz gegenüber den sedativen Wirkungen schnell entwickelt.

Buspiron, ein partieller Serotoninagonist, kann bei generalisierter Angststörung wirksam sein, ältere Patienten tolerieren Dosen von bis zu 30 mg/Tag gut. Das langsame Einsetzen der anxiolytischen Wirkung (bis zu 2–3 Wochen) kann in dringenden Fällen von Nachteil sein.

Digoxin

Digoxin, ein Herzglykosid, wird verwendet, um die Kontraktionnskraft des Myokards zu erhöhen und supraventrikuläre Arrhythmien zu behandeln. Es muss bei älteren Patienten allerdings mit Vorsicht eingesetzt werden. Bei Männern mit Herzinsuffizienz und einer Linksherzejektionsfraktion 45% sind Serumdigoxinspiegel > 0,8 ng/ml mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden. Unerwünschte Wirkungen stehen in der Regel im Zusammenhang mit der engen therapeutischen Breite. Eine Studie hat ergeben, dass Digoxin bei Frauen vorteilhaft ist bei Serumspiegeln zwischen 0,5 und 0,9 ng/ml, aber möglicherweise schädlich bei Werten 1,2 ng/ml. Eine Reihe von Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Digoxintoxizität bei älteren Patienten. Nierenfunktionsstörungen, vorübergehende Dehydrierung und die Gebrauch von NSAR (alles bei älteren Menschen häufig) kann die renale Clearance von Digoxin reduzieren. Ferner nimmt die Digoxin-Clearance bei älteren Patienten mit normalen Serum-Kreatininspiegeln durchschnittlich um 50% ab. Auch wenn der Anteil der fettfreien Körpermasse beim Altern reduziert ist, wird das Verteilungsvolumen für Digoxin reduziert. Daher sollten die Initialdosen niedrig sein (0,125 mg/Tag) und gemäß Wirkung und Serumdigoxinspiegel (normaler Bereich zwischen 0,8 und 2,0 ng/ml) angepasst werden. Allerdings korreliert der Digoxin-Serumspiegel nicht immer mit der Wahrscheinlichkeit der Toxizität.

Diuretika

Geringere Dosen von Thiaziddiuretika (z. B. Hydrochlorothiazid oder Chlortalidon 12,5–25 mg) können bei älteren Patienten den Blutdruck wirkungsvoll kontrollieren und haben ein geringeres Hypokalämie- und Hyperglykämierisiko als andere Diuretika ( Medikamente gegen Hypertonie : Diuretika). Daher ist eine Kaliumsupplementierung seltener erforderlich.

Kaliumsparende Diuretika sollten bei Älteren mit Vorsicht angewendet werden. Der Kaliumspiegel muss sorgfältig überwacht werden, insbesondere wenn Diuretika zusammen mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorenblockern oder Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion gegeben werden.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN