Msd Manual

Please confirm that you are not located inside the Russian Federation

honeypot link

Aspirin-Vergiftung

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Kurzinformationen
  • Eine Aspirin-Vergiftung kann schnell eintreten, nachdem eine hohe Dosis eingenommen wurde, oder sich nach und nach einstellen, nachdem wiederholt kleinere Dosen eingenommen wurden.

  • Zu den Symptomen können Ohrensausen, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Verwirrtheit und schnelles Atmen zählen.

  • Die Diagnose stützt sich auf Symptome und Bluttests des Betroffenen.

  • Zur Behandlung zählen die Einnahme oder Verabreichung von Aktivkohle über einen Magenschlauch, das Verabreichen von Flüssigkeiten und Bikarbonat intravenös und bei einer schweren Vergiftung eine Hämodialyse.

Akute Aspirin-Vergiftung

Eine Überdosierung von Aspirin und ähnlichen Medikamenten (Salizylaten) kann zu einer schnellen (akuten) Vergiftung führen. Die notwendige Dosis, um eine akute Vergiftung herbeizuführen, ist allerdings ziemlich hoch. Eine Person mit einem Gewicht von 75 kg müsste demnach mehr als dreißig 325-Milligramm-Tabletten schlucken, um sich auch nur leicht zu vergiften. Zu einer akuten Aspirinüberdosis kommt es daher selten aus Versehen. Allerdings können Produkte mit konzentriertem Salizylat, die auf die Haut aufzutragen sind, wie etwa aus der Wintergrünpflanze, eine akute Vergiftung hervorrufen.

Schrittweise Aspirinvergiftung

Eine schrittweise Aspirin-Vergiftung kann unbeabsichtigt eintreten, wenn Aspirin mehrmals in einer sehr niedrigeren Dosierung eingenommen wird. Kinder mit Fieber, denen eine nur etwas höhere Dosis Aspirin als die Vorgeschriebene über einige Tage verabreicht wird, können eine Vergiftung erleiden. Allerdings erhalten Kinder wegen des Risikos, ein Reye-Syndrom zu entwickeln, selten Aspirin zur Behandlung von Fieber. Keine der nicht verschreibungspflichtigen Zubereitungen gegen Husten und Erkältung, die in den Vereinigten Staaten für Kinder verkauft werden, enthält Aspirin; die meisten enthalten entweder Paracetamol oder Ibuprofen.

Erwachsene, oft ältere, können nach einer mehrwöchigen Einnahme eine Vergiftung erleiden. Die für Menschen mit koronaren Herzkrankheiten empfohlene Aspirindosis zur Senkung des Risikos eines Herzanfalls (1 Kinderaspirin, ½ Erwachsenenaspirin oder eine ganze Erwachsenenaspirintablette täglich) ist zu niedrig, um eine schrittweise Vergiftung zu verursachen.

Eine Vergiftung mit anderen Salizylaten als Aspirin

Die giftigste Form von Salizylat ist Wintergrünöl (Methylsalicylat). Methylsalizylat ist Bestandteil von Produkten wie etwa Rheumaeinreibemitteln und Lösungen, die in Inhalationsgeräten verwendet werden. Für ein kleines Kind kann bereits weniger als 1 Teelöffel voll reinen Methylsalizylats tödlich sein. Viel weniger giftig sind nicht verschreibungspflichtige Produkte, die Wismut-Subsalizylat enthalten (das zur Behandlung von Infektionen des Verdauungstrakts verwendet wird) und nach mehreren Dosen eine Vergiftung hervorrufen können.

Wussten Sie ...

  • Ein kleines Kind kann sterben, wenn es weniger als 1 Esslöffel Wintergrünöl zu sich genommen hat, was sich in Franzbranntwein und Lösungen findet, die in Inhalationsgeräten verwendet werden.

Symptome einer Aspirin-Vergiftung

Die ersten Anzeichen einer akuten Aspirinvergiftung sind für gewöhnlich:

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Rasches und tiefes Atmen

  • Klingeln in den Ohren

  • Schwitzen

Später kann eine Person, wenn es sich um eine schwere Vergiftung handelt, Benommenheit, Fieber, Schläfrigkeit, Hyperaktivität, Verwirrtheit, Krämpfe, zerstörtes Muskelgewebe (Rhabdomyolyse), Niereninsuffizienz und Atembeschwerden entwickeln.

Die Symptome einer schrittweisen Aspirinvergiftung entwickeln sich über einen Zeitraum von Tagen oder Wochen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Benommenheit

  • Leichte Verwirrung

  • Halluzinationen

Benommenheit, schnelles Atmen, Atemnot, Dehydratation, niedriger Blutdruck, niedriger Sauerstoffgehalt im Blut (Hypoxie), die Ansammlung von Milchsäure im Blut (Laktatazidose), Lungenflüssigkeit (Lungenödem), Krämpfe und Gehirnschwellung können sich einstellen.

Diagnose einer Aspirin-Vergiftung

  • Bluttests

In einer Blutprobe wird der Aspirinspiegel im Blut bestimmt. Auch Messungen des Blut-pH-Werts (Säureanteil im Blut) und der Kohlendioxid- oder Bikarbonatkonzentration im Blut können dem Arzt helfen, den Schweregrad der Vergiftung bestimmen. Die Messungen werden im Behandlungsverlauf mehrmals wiederholt, um feststellen zu können, ob sich der Zustand des Patienten bessert.

Behandlung einer Aspirin-Vergiftung

  • Aktivkohle

  • Natriumbikarbonat mit Kalium, intravenös verabreicht

  • Manchmal eine Hämodialyse

Es wird so schnell als möglich Aktivkohle verabreicht, die die Aufnahme von Aspirin reduziert. Bei einer mittleren oder schweren Vergiftung werden Flüssigkeiten mit Natriumbikarbonat intravenös verabreicht. Außer im Falle von Nierenschäden wird der Flüssigkeit Kaliumchlorid beigemischt. Die Mischung führt das Aspirin aus dem Blut in den Urin ab. Wenn sich der Zustand des Patienten trotz zusätzlicher Behandlungen weiter verschlechtert, können das Aspirin, andere Salizylate und Säuren durch eine Hämodialyse (bei der eine künstliche Niere [Dialysator] das Gift herausfiltert) aus dem Blut entfernt werden. Wenn notwendig, werden weitere Symptome wie Fieber oder Krämpfe behandelt.

Weitere Informationen

HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für Patienten. ÄRZTE: Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Hier klicken, um zur Ausgabe für medizinische Fachkreise zu gelangen
Erfahren Sie

Testen Sie Ihr Wissen

Höhenkrankheiten
Obgleich die Auswirkungen von großen Höhen zwischen Individuen stark variieren, erhöht sich das Risiko großer Höhen im Allgemeinen durch welche der folgenden Optionen?

Auch von Interesse

NACH OBEN