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Taubheitsgefühl

Von

Michael C. Levin

, MD, College of Medicine, University of Saskatchewan

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2021| Inhalt zuletzt geändert Aug 2021
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Menschen, die an einem Taubheitsgefühl leiden, sind unter Umständen nicht in der Lage, eine leichte Berührung, Schmerz, Temperatur oder Vibration zu spüren bzw. zu wissen, wo sich ihre Körperteile befinden (Lagewahrnehmung). Menschen, die nicht wissen, wo sich ihre Körperteile befinden, haben Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und der Koordination.

Viele Menschen verwenden den Begriff Taubheit fälschlicherweise, wenn sie Missempfindungen wie Kitzeln, Kribbeln oder Stechen haben oder wenn eine Gliedmaße sich schwach anfühlt oder gelähmt ist – vielleicht, weil Menschen mit Taubheit oft ebenfalls solche Missempfindungen und Symptome haben. Das Vorhandensein anderer Symptome hängt davon ab, was das Taubheitsgefühl verursacht.

Wenn das Taubheitsgefühl, insbesondere in den Füßen, lange Zeit vorhanden ist, kann es zu anderen Problemen führen. Betroffene können Schwierigkeiten beim Gehen und Autofahren haben und leichter stürzen. Sie können Infektionen, Fußgeschwüre (Ulzera) und Verletzungen übersehen, da sie Schmerz nicht so gut spüren können. In solchen Fällen kann es zu einem verzögerten Einsetzen der Behandlung kommen.

Die Empfindungsbahn

Damit eine Person normal empfinden kann, müssen sensorische Rezeptoren (spezialisierte Endigungen von sensorischen Nervenfasern in der Haut) Informationen in und um den Körper herum erkennen. Diese Rezeptoren müssen anschließend ein Signal entlang folgender Bahn verschicken:

Für einige Körperteile schließt diese Bahn einen Plexus oder die Cauda equina mit ein.

Plexus Plexusschäden Die Plexus (Netzwerke miteinander verwobener Nervenfasern der verschiedenen Spinalnerven) können durch Verletzung, Tumoren, Bluttaschen (Hämatome) oder Autoimmunreaktionen geschä... Erfahren Sie mehr sind Netzwerke von sensorischen und motorischen Nervenfasern (die Signale von Hirn und Rückenmark zu den Muskeln und zu anderen Körperteilen übertragen). In Plexus werden diese Nervenfasern kombiniert und sortiert, um einem bestimmten Körperbereich zu dienen. Die Fasern verzweigen sich anschließend außerhalb des Plexus und bilden danach periphere Nerven. Es gibt vier Plexus im Oberkörper.

Die Cauda equina Cauda-Syndrom Das Cauda-Syndrom tritt auf, wenn das Nervenbündel, das sich vom unteren Rückenmark ausstreckt, zusammengedrückt oder beschädigt ist. Die häufigste Ursache des Cauda-Syndroms... Erfahren Sie mehr ist ein Bündel von Fasern der Spinalnervenwurzeln am unteren Ende des Rückenmarks. Diese Struktur ähnelt einem Pferdeschwanz, was ihr Name auf lateinisch auch bedeutet. Sie liefert Empfindungen an die Oberschenkel, das Gesäß, die Genitalien und den Bereich zwischen ihnen, der Reithosenbereich genannt wird, da es sich um den Körperbereich handelt, der einen Sattel berühren würde.

Ursachen des Taubheitsgefühls

Ein Taubheitsgefühl entsteht, wenn ein Teil der Empfindungsbahn nicht richtig funktioniert, normalerweise aufgrund einer Störung oder eines Medikaments.

Das Taubheitsgefühl kann durch mehrere Erkrankungen verschiedener Art verursacht werden. Diese Erkrankungen können zum Beispiel Folgendes verursachen:

Beurteilung des Taubheitsgefühls

Da es so viele Störungen gibt, die zum Taubheitsgefühl führen können, stellen die Ärzte systematisch eine Reihe von Fragen und konzentrieren sich dabei auf die gängigsten Ursachen.

Warnsignale

Die folgenden Symptome bei Menschen mit Taubheitsgefühl sind bedenklich:

  • Taubheitsgefühl, das plötzlich beginnt (innerhalb von Minuten oder Stunden)

  • Schwäche, die plötzlich oder schnell beginnt (innerhalb von Stunden oder Tagen)

  • Taubheitsgefühl oder Schwäche, die sich schnell zum oberen oder unteren Teil des Körpers ausbreiten und zunehmend mehrere Teile des Körpers befallen

  • Atembeschwerden

  • Taubheitsgefühl an den Oberschenkeln, dem Gesäß, den Genitalien und dem Bereich zwischen ihnen (Reithosenbereich) und Verlust der Blasen- und Darmkontrolle (Inkontinenz)

  • Taubheitsgefühl an beiden Seiten unterhalb einer bestimmten Körperebene (wie z. B. unterhalb der Brustmitte)

  • Taubheitsgefühl am ganzen Bein oder Arm

  • Empfindungsverlust am Gesicht und am Oberkörper

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Menschen, bei denen Warnsignale vorhanden sind, sollten umgehend ein Krankenhaus aufsuchen. Menschen, bei denen derartige alarmierende Merkmale nicht auftreten, sollten ihren Arzt anrufen. Der Arzt kann aufgrund der Symptome entscheiden, wie schnell sie untersucht werden sollen.

Was der Arzt unternimmt:

Die Ärzte fragen zunächst nach den betroffenen Körperteilen. Das Muster der von Taubheitsgefühl ergriffenen Körperteile liefert oft einen Hinweis auf den Teil der funktionsgestörten Nervenbahn:

Der Betroffene wird gebeten, das Taubheitsgefühl zu beschreiben. Dann kann der Arzt bestimmte Fragen stellen:

  • Wann das Taubheitsgefühl anfing

  • Wie schnell es anfing

  • Ob der Betroffene auch weitere Symptome aufweist, so wie Empfindungsstörungen, Schwäche oder Lähmung, Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle, Harnverhalt, Sichtprobleme, Schluckschwierigkeiten oder Beeinträchtigung der geistigen Funktionsfähigkeit

  • Ob irgendein Ereignis, so wie Druckausübung auf ein Bein, eine Verletzung, Schlafen in einer unbequemen Stellung oder eine Infektion, die Symptome ausgelöst hat

Ärzte können die Art der Störung besser ermitteln, wenn sie wissen, wie schnell das Taubheitsgefühl entstanden ist und welche weiteren Symptome vorhanden sind.

Der Betroffene wird nach Symptomen gefragt, die auf eine Ursache hinweisen können. Rücken- oder Nackenschmerzen weisen zum Beispiel auf Osteoarthrose, Bandscheibenvorfall oder eine andere Störung hin, die Druck auf das Rückenmark ausübt.

Es wird auch nach Erkrankungen gefragt, die ein Taubheitsgefühl verursachen könnten, insbesondere nach Diabetes, chronischen Nierenerkrankungen, Infektionen (z. B. HIV-Infektion oder Lyme-Borreliose), einem Schlaganfall oder Arthritis. Es wird danach gefragt, ob Familienmitglieder ähnliche Symptome hatten oder an einer Erbkrankheit leiden, die das Nervensystem beeinflusst. Gefragt wird auch nach dem Arzneimittelkonsum, einschließlich Aufbaupräparaten, und nach einer möglichen Belastung durch Giftstoffe.

Die körperliche Untersuchung umfasst eine vollständige Auswertung des Nervensystems (neurologische Untersuchung Neurologische Untersuchung Bei Verdacht auf eine neurologische Störung begutachtet der Arzt in der Regel während einer körperlichen Untersuchung sämtliche Organsysteme, konzentriert sich dabei jedoch auf das Nervensystem... Erfahren Sie mehr ) mit schwerpunktmäßigem Testen sowohl des Empfindungsvermögens (ob der Betroffene Reize normal spüren kann, so wie eine Berührung oder Temperatur) als auch der Reflexe und der Muskelfunktion.

Tabelle
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Tests

Tests werden nicht benötigt, wenn die Diagnose eindeutig ist, und die Behandlung umfasst allgemeine Maßnahmen (wie Ruhigstellung oder eine Schiene), zum Beispiel bei einigen Fällen des Karpaltunnelsyndroms.

In anderen Fällen werden Tests durchgeführt, je nach Einschätzung des Arztes, wo das Problem liegt:

  • Für sensorische Nerven, Plexus oder Spinalnervenwurzeln: Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit und Elektromyographie

  • Für Plexus: Messungen der Nervenleitungsgeschwindigkeit und Elektromyographie sowie manchmal Magnetresonanztomographie (MRT), nachdem ein Kontrastmittel in eine Vene injiziert wird

  • Für Gehirn oder Rückenmark: MRT oder, wenn kein MRT verfügbar ist, eine Computertomographie (CT)

Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit Elektromyographie und Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit Wenn aufgrund der Vorgeschichte und der neurologischen Untersuchung der Verdacht auf eine Krankheit besteht, können weitere Untersuchungen die Diagnose absichern. Die Elektroenzephalographie... Erfahren Sie mehr Elektromyographie und Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit und Elektromyographie werden häufig gleichzeitig durchgeführt. Die Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit erfolgt durch Elektroden oder kleine Nadeln, die einen Nerv stimulieren sollen. Anschließend wird gemessen, wie schnell der Nerv Signale überträgt. Bei der Elektromyographie wird eine kleine Nadel in einen Muskel eingeführt, um die elektrische Aktivität des Muskels in Ruhe und bei Anspannung aufzuzeichnen.

Es werden danach weitere Tests durchgeführt, um die spezifische Störung festzustellen. Wenn zum Beispiel die Ergebnisse auf eine Polyneuropathie hinweisen, führen die Ärzte Blutanalysen durch, um mögliche Ursachen zu überprüfen (wie Diabetes oder Nierenerkrankungen oder Vitaminmangel).

Behandlung des Taubheitsgefühls

Die Ursache des Taubheitsgefühls wird – falls möglich – beseitigt oder behandelt.

Allgemeine Maßnahmen können helfen, die Symptome zu lindern und weitere Probleme zu vermeiden. Vorkehrungen, um Verletzungen vorzubeugen, werden deswegen benötigt, weil Menschen mit Taubheitsgefühl keinen Schmerz spüren. Falls ihre Füße taub sind, insbesondere wenn die Blutzirkulation beeinträchtigt ist, sollten sie Socken und Schuhe tragen, die gut passen, und ihre Schuhe vor dem Anziehen nach Steinen oder anderen Fremdkörpern durchsuchen. Betroffene sollten ihre Füße regelmäßig auf Wunden und Anzeichen von Infektionen, wie Rötungen, untersuchen. Wenn die Hände oder die Finger taub sind, sollten die Betroffenen vorsichtig mit heißen oder scharfen Gegenständen umgehen.

Betroffene sollten darauf achten, ob sie Schwierigkeiten beim Fahren haben und, wenn ja, mit ihrem Arzt darüber sprechen.

Wichtigste Punkte

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