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Einklemmung des Gehirns

Von

Kenneth Maiese

, MD, National Heart, Lung, and Blood Institute

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2020| Inhalt zuletzt geändert Sep 2020
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Quellen zum Thema

Eine Einklemmung des Gehirns oder Hirnhernie tritt auf, wenn der Druck im Inneren des Schädels (intrakranieller Druck) erhöht ist, wodurch das Gehirn durch kleine natürliche Öffnungen in den relativ festen Gewebeschichten, die das Gehirn in Kompartimente teilen, zur Seite und nach unten geschoben wird. Eine Hirnhernie stellt einen medizinischen Notfall dar.

  • Sie kann auftreten, wenn ein Hirntumor, eine Hirnblutung, eine andere Ansammlung oder eine Erkrankung (wie Leber- oder Niereninsuffizienz) den Druck im Schädel stark erhöht.

  • Die Symptome hängen davon ab, welcher Teil des Gehirns zusammengedrückt wird, und können eine auffällige Atmung, auffällige Muskelkontraktionen, Probleme mit den Augen, eine Beeinträchtigung der geistigen Funktion und Koma umfassen.

  • Zur Diagnose einer Hirnhernie wird eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie durchgeführt.

  • Nach Möglichkeit behandeln die Ärzte die Ursachen und ergreifen Maßnahmen zur Unterstützung der Atmung (wie eine künstliche Beatmung) und um den erhöhten Druck im Schädel zu verringern.

Eine große Ansammlung, wie ein Hirntumor, eine Blutansammlung (Hämatom oder Bluterguss) oder Schwellungen, kann das Gehirn gegen die relativ festen Gewebeschichten drücken, die das Gehirn in Kompartimente teilen. Infolgedessen kann das Hirngewebe geschädigt werden. Wenn Druck auf die Gehirnbereiche ausgeübt wird, die das Bewusstsein kontrollieren, kommt es zu Stupor oder Koma. Wenn der Druck hoch genug ist, kann das Gehirn durch kleine Öffnungen in diese Abschnitte gepresst werden. Diese lebensbedrohliche Störung wird Hirnhernie genannt. Eine Hirnhernie kann das Hirngewebe weiter schädigen und die Situation noch verschlimmern.

Es gibt zwei häufige Formen der Herniation oder Einklemmung. Sie werden nach der Struktur benannt, durch die das Gehirn gedrückt wird:

  • Obere Einklemmung: Bei der oberen Einklemmung oder Tentoriumherniation wird der obere Teil des Gehirns (Großhirn) durch den Tentoriumschlitz gepresst, der das Großhirn von den unteren Gehirnteilen (Kleinhirn und Hirnstamm) trennt. Bei Menschen mit dieser Art Einklemmung oder Herniation ist das Bewusstsein getrübt. Möglicherweise ist die Körperhälfte, die dem Tumor gegenüberliegt, gelähmt. Die Pupille an der Seite der Einklemmung oder Herniation kann sich erweitern (dilatieren) und verengt sich womöglich als Reaktion auf helles Licht nicht mehr.

  • Untere Einklemmung: Bei einer unteren Einklemmung oder Tonsillenherniation drückt eine Ansammlung (ein Tumor oder eine Blutung) im unteren Teil des Gehirns den am weitesten unten gelegenen Teil des Kleinhirns (Kleinhirntonsillen) durch die Öffnung an der Schädelbasis (Foramen magnum). Dadurch wird der Hirnstamm, der Atmung, Herzfrequenz und Blutdruck kontrolliert, zusammengepresst und funktioniert nicht mehr richtig.

Einklemmung des Gehirns: das Gehirn unter Druck

Blutungen oder Schwellungen im Gehirn können den Druck im Inneren des Schädels erhöhen. Der Druck kann das Gehirn durch kleine Öffnungen im Schädel seitlich und nach unten in die relativ festen Gewebeschichten pressen, die das Gehirn in Kompartimente unterteilen. Das Ergebnis ist eine Hirnhernie. Diese Unterteilungen sind Verlängerungen der äußeren Gewebeschicht, die das Gehirn umgibt (Dura mater). Bei einer Herniation wird das Gewebe des Gehirns zusammengedrückt und damit verletzt.

Einklemmung des Gehirns: das Gehirn unter Druck

Eine Hirnhernie entsteht durch Störungen, die zu einem erhöhten Druck im Inneren des Schädels führen können. Hierzu gehört Folgendes:

  • Ansammlungen im Gehirn, wie Hirntumoren, Bereiche mit Schwellungen (Ödem), eine Blutansammlung (Hämatom oder Bluterguss) oder eine Eitertasche (Abszess)

  • Ausgedehnte Schwellung infolge eines Leber- oder Nierenversagens

  • Erhöhter Druck in den Venen, die das Blut vom Gehirn wegtransportieren (wie die Drosselvenen)

  • Blockaden der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (die Flüssigkeit, die durch das Gewebe, welches das Gehirn und das Rückenmark umgibt, fließt und die Räume im Gehirn füllt)

Ein erhöhter Druck in den Venen, die Blut vom Gehirn wegtransportieren, kann durch Herzinsuffizienz, Venenverschluss oder Sinusvenenthrombose (ein Blutgerinnsel in den großen Venen, die das Blut aus dem Gehirn abführen) verursacht werden.

Symptome

Menschen mit einer Hirnhernie können Symptome der Erkrankung haben, die das Problem verursacht. Sie können auch verschiedene Symptome zeigen, je nachdem, welcher Teil des Gehirns zusammengedrückt wird. Zu diesen Symptomen gehören:

  • Ein auffälliges Atemmuster

  • Unbeabsichtigte (unwillkürliche) Muskelkontraktionen: Der Kopf könnte zum Beispiel nach hinten gelehnt und die Arme und Beine ausgestreckt sein – eine Position, die man Enthirnungsstarre nennt. Die Arme können gebeugt und beide Beine gestreckt sein – eine Position, die man Dekortikationsstarre nennt. Oder der gesamte Körper könnte schlaff sein.

  • Augenprobleme: Eine oder beide Pupillen können erweitert (dilatiert) sein und sich als Reaktion auf Lichteinfall eventuell nicht verengen (zusammenziehen). Die Pupillen können auch winzig sein. Die Augen bewegen sich möglicherweise gar nicht oder abnormal.

  • Bewusstseinsstörung, einschließlich Stupor und Koma

Weitere Symptome sind unter anderem Übelkeit, Erbrechen, ein steifer Nacken, Kopfschmerzen und zunehmende Schläfrigkeit.

Wenn die Hernie nicht sofort diagnostiziert und behandelt wird, kann sie katastrophale Folgen haben, darunter Lähmung, Herzrhythmusstörungen und Atembeschwerden. Die Atmung kann aussetzen (respiratorische Insuffizienz), das Herz kann aufhören zu schlagen (Herzstillstand), was zum Tod führt.

Diagnose

  • Bildgebende Verfahren

Eine Hirnhernie stellt einen Notfall dar. Um eine lebensrettende Behandlung zu ermöglichen, ist eine schnelle Diagnose entscheidend.

Die Ärzte können in der Regel aufgrund von Beobachtungen und einer körperlichen Untersuchung mit Fokus auf das Nervensystem (neurologische Untersuchung) feststellen, ob das Bewusstsein beeinträchtigt ist. Die Befunde können darauf hinweisen, dass der Druck im Schädel (intrakranieller Druck) erhöht ist, bevor eine Hernie entsteht. Wenn der Arzt einen erhöhten Druck vermutet, führt er sofort eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durch, um mögliche Ursachen zu prüfen, darunter Schwellungen, Blutungen, strukturelle Auffälligkeiten oder eine Raumforderung im Gehirn (z. B. Tumor, Blutansammlung oder Abszess). Wenn die Testergebnisse auf einen erhöhten Druck hindeuten, kann der Arzt ein kleines Loch in den Schädel bohren und ein Gerät in eine der mit Flüssigkeit gefüllten Kammern (Ventrikel) im Gehirn einführen. Dieses Gerät wird verwendet, um den Druck zu verringern und ihn während der Behandlung zu überwachen.

Auch eine CT oder MRT kann eine Hirnhernie zeigen und die Diagnose bestätigen.

Behandlung

  • Maßnahmen zur Unterstützung der Atmung

  • Behandlung der Ursache

  • Maßnahmen zur Druckverringerung im Schädel

Eine sofortige Behandlung der Hirnhernie ist entscheidend. Wenn ein Patient rapide immer weniger ansprechbar und schwerer zu wecken wird, ist eine sofortige Behandlung erforderlich, oft sogar bevor die Ursache feststeht.

Die Behandlung ist ähnlich der Behandlung eines Komas. Die Ursache einer Hirnhernie wird nach Möglichkeit behandelt.

Sofortige Behandlung

Die ersten Behandlungsschritte, die manchmal vom Rettungspersonal eingeleitet werden, bestehen darin, die folgenden Punkte abzuklären und gegebenenfalls zu behandeln:

  • ob die Atemwege frei sind

  • ob die Atmung angemessen ist

  • ob Puls, Blutdruck und Herzfrequenz normal sind (um sicherzustellen, dass Blut ins Gehirn gelangt)

Die Patienten werden zuerst in einer Notaufnahme behandelt und dann in die Intensivstation eines Krankenhauses eingewiesen. An beiden Orten können Herzfrequenz, Blutdruck, Körpertemperatur und der Sauerstoffgehalt im Blut überwacht werden. Alle Auffälligkeiten in diesen Messungen werden sofort korrigiert, um eine weitere Schädigung des Gehirns zu vermeiden. Häufig wird sofort Sauerstoff gegeben und ein Schlauch in eine Vene eingeführt (intravenöser Zugang), sodass schnell Arzneimittel oder Zucker (Glukose) gegeben werden können.

Bei sehr hoher oder sehr niedriger Körpertemperatur werden Maßnahmen zum Kühlen (Behandlung gegen Hitzschlag) oder Erwärmen (Behandlung gegen Hypothermie) getroffen. Alle anderen Erkrankungen (wie Herz- oder Lungenerkrankungen), falls vorhanden, werden behandelt.

Behandlung zur Atemkontrolle

Wenn der Arzt vermutet, dass der Druck innerhalb des Schädels erhöht ist, wird ein Beatmungsschlauch durch den Mund eingeführt, damit eine künstliche Beatmung erfolgen kann. Damit soll sichergestellt werden, dass genügend Kohlendioxid ausgeatmet wird und um den Sauerstoffgehalt im Blut stabil zu halten. Die meisten Menschen mit Hirnhernie benötigen ein mechanisches Beatmungsgerät, das für sie atmet. Eine mechanische Beatmung wird auch eingesetzt, um den erhöhten Druck innerhalb des Schädels schnell zu senken.

Der Beatmungsschlauch wird durch die Nase oder den Mund in die Luftröhre (Trachea) eingeführt, was als endotracheale Intubation bezeichnet wird. Sie verhindert, dass die Betroffenen nach dem Erbrechen Mageninhalt einatmen. Der Schlauch wird dann an ein Beatmungsgerät angeschlossen.

Eine mechanische Beatmung kann zu Unruhe führen, die mit einem Beruhigungsmittel behandelt werden kann.

Behandlung eines erhöhten Drucks im Schädel

Bei einem erhöhten Druck im Inneren des Schädels (intrakranieller Druck) könnten die folgenden Senkungsmaßnahmen ergriffen werden:

  • Der Kopf des Bettes könnte erhöht werden.

  • Mit der mechanischen Beatmung wird die Atmung beschleunigt (Hyperventilation). Dadurch wird das Kohlendioxid schneller aus der Lunge entfernt, wodurch sein Spiegel im Blut sinkt. Infolgedessen verengen sich die Blutgefäße im unbeschädigten Teil des Gehirns und es gelangt weniger Blut ins Gehirn. Mithilfe dieser Methode wird der Druck im Inneren des Schädels schnell, aber vorübergehend gesenkt, sodass die Hernie zeitweise unterbrochen wird. Die positive Wirkung einer Hyperventilation hält etwa 30 Minuten an. Diese Zeit wird verwendet, um mit zeitintensiveren Behandlungen zu beginnen, mit denen die Hernie unterbunden werden kann, wie z. B. Arzneimittel und chirurgische Eingriffe.

  • Diuretika oder andere Arzneimittel könnten verwendet werden, um die Flüssigkeit im Gehirn und im restlichen Körper zu reduzieren. Diuretika tragen dazu bei, mehr Flüssigkeit auszuschwemmen, indem sie die Nieren veranlassen, mehr Natrium und Wasser im Urin auszuscheiden.

  • Ein Beruhigungsmittel kann verabreicht werden, um übermäßige unwillkürliche Muskelkontraktionen oder Unruhe durch die mechanische Beatmung unter Kontrolle zu halten. Diese Probleme können den Druck im Schädel erhöhen.

  • Manchmal wird der Blutdruck gesenkt, insbesondere, wenn er ohnehin hoch war.

  • Manchmal führen Ärzte einen Abfluss (Shunt) in die Kammern (Ventrikel) des Gehirns ein, um die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit abzuleiten. Das Ableiten überschüssiger Flüssigkeit kann helfen, den Druck im Schädel zu senken.

Wenn die Ursache des Drucks ein Hirntumor oder Abszess ist, könnten Kortikosteroide wie Dexamethason helfen, den Druck zu reduzieren. Kortikosteroide werden jedoch nicht verwendet, wenn die Druckerhöhung durch bestimmte Erkrankungen verursacht wird, wie eine Blutung im Gehirn oder einen Schlaganfall, da sie diese Erkrankungen verschlimmern könnten.

Wenn andere Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann Folgendes versucht werden:

  • Wenn der Druck im Schädel nach einer Kopfverletzung oder einem Herzstillstand erhöht ist, sind Maßnahmen zur Senkung der Körpertemperatur einen Versuch wert. Diese Maßnahmen können manchen Menschen mit Herzstillstand helfen.

  • Pentobarbital (ein Barbiturat) kann verwendet werden, um die Durchblutung des Gehirns und die Gehirnaktivität zu verringern. Möglicherweise kann diese Behandlung die Prognose für manche Betroffenen verbessern, allerdings ist sie nicht bei allen von Nutzen. Es können zudem Nebenwirkungen auftreten, wie ein niedriger Blutdruck und Herzrhythmusstörungen.

  • Der Schädel könnte operativ geöffnet werden (Kraniektomie), um mehr Raum für das geschwollene Gehirn zu schaffen und somit den Druck auf das Gehirn zu reduzieren. Dadurch lässt sich das Leben des Patienten womöglich retten, diese Behandlung führt jedoch nicht unbedingt zur Wiedererlangung der Funktionsfähigkeit.

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