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Kokain

(Crack)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2020| Inhalt zuletzt geändert Jun 2020
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Kokain ist ein abhängig machender stimulierender Wirkstoff, der aus den Blättern der Kokapflanze hergestellt wird.

  • Kokain ist ein Stimulans, das die Aufmerksamkeit steigert, Euphorien und ein Gefühl der Stärke auslöst.

  • Hohe Dosen können zu schwerwiegenden, lebensbedrohlichen Vorfällen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

  • Die Diagnose kann mit Urintests bestätigt werden.

  • Sedativa wie Lorazepam, die intravenös verabreicht werden, können viele der Symptome lindern.

  • Bei der Kokainentwöhnung muss eine sorgfältige Überwachung erfolgen, da Abhängige möglicherweise selbstmordgefährdet sind und viel Unterstützung benötigen, um nicht rückfällig zu werden.

Die Wirkung von Kokain ist derjenigen von Amphetaminen ähnlich. Kokain kann geschnupft, direkt in eine Vene gespritzt oder erhitzt und inhaliert werden. Wenn Kokain zusammen mit Natriumbikarbonat erhitzt wird, entsteht eine freie Base, die „Crack“ genannt wird. Das Erhitzen von Crack setzt Kokaindämpfe frei, die inhaliert werden können. Das Einatmen der Dämpfe wird generell als „Rauchen“ bezeichnet, doch wird Crack nicht wirklich verbrannt. Crack wirkt fast so schnell wie intravenös gespritztes Kokain.

Die größte Wahrscheinlichkeit, eine Kokainabhängigkeit zu entwickeln, besteht bei regelmäßiger, hoch dosierter Anwendung, bei intravenöser Anwendung oder beim Rauchen. Gelegenheitsanwender leichter Dosen und Personen, die die Droge über die Nase oder den Mund anwenden, werden mit geringerer Wahrscheinlichkeit abhängig.

Symptome

Die Anwendung von Kokain verursacht sowohl unmittelbare als auch langfristige Symptome.

Unmittelbare Auswirkungen

In Venen gespritztes oder inhaliertes Kokain erzeugt ein Gefühl äußerster Wachheit, Euphorie und Macht. Dieses Gefühl ist weniger ausgeprägt, wenn Kokain geschnupft wird. Da die Wirkung von Kokain nur kurzfristig anhält, kann es vorkommen, dass Anwender es alle 15 bis 30 Minuten spritzen, rauchen oder schnupfen. Größere Dosen, die oft über mehrere Tage genommen werden, führen zu Erschöpfung und Schlafbedürfnis.

Überdosis

Hoch dosiert schränkt es das Urteilsvermögen ein und löst Zittern, extreme Nervosität, Krampfanfälle, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, paranoide Wahnvorstellungen, Delirium und aggressives Verhalten aus. Es kommt zu Schweißausbrüchen und einer Erweiterung der Pupillen. Sehr hohe Dosen führen zu einer lebensbedrohlich erhöhten Körpertemperatur (Hyperthermie).

Eine Kokainüberdosis kann tödlich sein. Kokain erhöht den Blutdruck und die Herzfrequenz und der Herzrhythmus kann gestört sein (als Arrhythmie bezeichnet). Kokain verengt die Blutgefäße. Sind die Blutgefäße im Herzen verengt, kann dies zu Schmerzen in der Brust, einem Herzinfarkt (sogar bei gesunden, jungen Sportlern) oder zu einem plötzlichen Tod führen. Auch Niereninsuffizienz, ein Schlaganfall und Lungenprobleme (u. a. Atemprobleme und Bluthusten, die sogenannte „Crack-Lunge“) können die Folge eines Kokainkonsums sein.

Langzeitauswirkungen

Bei langfristiger Anwendung von Kokain entwickelt sich eine Toleranz, sodass immer mehr von der Droge genommen werden muss, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Bei Langzeitkonsumenten kommt es unter Umständen zu geschwürigen Veränderungen der Nasenscheidewand (Ulzera am Nasenseptum), die einen operativen Eingriff erfordern können. Ein schwerer Missbrauch kann die geistige Funktion, auch die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis, beeinträchtigen. Eine chronische Anwendung kann zudem das Herz schädigen, zu einer Vernarbung oder Verdickung des Herzmuskels und letztendlich zu Herzinsuffizienz führen. Kokain kann viele Füllstoffe, Verfälschungsmittel und Schmutzstoffe enthalten, die bei Injektion zu Komplikationen, z. B. Infektionen führen können.

Wird Kokain während der Schwangerschaft verwendet, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Schäden am Fötus, die zu einer Fehlgeburt führen.

Entzugssymptome

Zu den Entzugserscheinungen zählen u. a. extreme Erschöpfung, Schläfrigkeit und Niedergeschlagenheit – das Gegenteil der Kokainwirkungen. Der Appetit ist gesteigert, es bestehen Konzentrationsschwierigkeiten. Nach Absetzen der Droge können Selbstmordgedanken entstehen.

Did You Know...

  • Kokain kann zu einem plötzlichen Tod führen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Urintests

Die Diagnose der Abhängigkeit stützt sich normalerweise auf Symptome bei Patienten, bei denen der Konsum von Kokain bekannt ist. Urintests können die Droge nachweisen.

Behandlung

  • Beruhigungsmittel für die Unruhe, den Bluthochdruck oder Krampfanfälle

  • Psychotherapie (bei Abhängigkeit)

Notfallbehandlung

Es wirkt nur sehr kurzzeitig, sodass unerwünschte Reaktionen meist nicht behandelt werden müssen. Bei extremer Unruhe oder Delirium mit Krampfanfällen oder Bluthochdruck werden Benzodiazepine (Sedativa) wie Lorazepam intravenös verabreicht. Wenn der Blutdruck durch die Beruhigungsmittel nicht kontrolliert werden kann, können Nitrate oder andere blutdrucksenkende Mittel intravenös verabreicht werden. Sogenannte Betablocker werden allerdings vermieden, da sie die Wirkung von Kokain auf den Blutdruck noch verstärken können. Auch die Hyperthermie sollte mit Kühlmethoden behandelt werden, zum Beispiel indem der Körper befeuchtet und dann Luft über ihn geblasen wird oder auch unter Verwendung von speziellen Kühldecken.

Entzug und Rehabilitation

Nach langem Kokainmissbrauch muss der Entzug sorgfältig überwacht werden, da die Gefahr von Depression und Selbstmord besteht. Ein Aufenthalt in einer Klinik oder einem Drogentherapiezentrum kann erforderlich sein. Eine Psychotherapie hat sich bei Kokainabhängigkeit als wirksamste Behandlungsmethode herausgestellt. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Kokain-Hotlines, die Süchtigen helfen, ohne die Droge zu leben.

Die unter Kokainsüchtigen häufigen psychischen Gesundheitsstörungen wie Depressionen werden mit den für diese Fälle geeigneten Medikamenten behandelt.

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