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Angstlösende und beruhigende Medikamente

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2017| Inhalt zuletzt geändert Aug 2017
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  • Die Verwendung verschreibungspflichtiger Medikamente zur Linderung von Angstzuständen oder als Einschlafhilfe kann in eine Abhängigkeit führen.

  • Bei Überdosierung können Benommenheit, Verwirrung und eine verlangsamte Atmung folgen.

  • Ein Abbruch der Einnahme nach langer Zeit kann Angstzustände, Reizbarkeit und Schlafprobleme auslösen.

  • Arzneimittelabhängige Patienten werden durch eine Reduktion der Dosis schrittweise von dem Medikament entwöhnt.

Verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen (angstlösende Medikamente) und zum besseren Einschlafen (Sedativa bzw. Beruhigungsmittel oder Schlafmittel) können zu einer Abhängigkeit führen. Zu diesen Medikamenten zählen Benzodiazepine wie Diazepam und Lorazepam sowie Barbiturate, Zolpidem, Eszopiclon und andere. Alle wirken unterschiedlich und weisen unterschiedliche Abhängigkeits- und Toleranzpotenziale auf. Wenn beim Absetzen einer Substanz Entzugssymptome auftreten, geht man von einer Abhängigkeit aus. Bei Personen, die eine Substanz weiterhin konsumieren, obwohl sie durch deren Gebrauch Probleme haben, wird eine Störung durch Substanzgebrauch diagnostiziert.

Schwere oder lebensbedrohliche Symptome treten weniger wahrscheinlich unter Benzodiazepinen als unter Barbituraten auf, da für Benzodiazepine eine weite Spanne zwischen verschriebenen und gefährlichen Dosierungen (die Sicherheitsmarge) besteht. Es können relativ große Mengen von Benzodiazepinen angewendet werden, ohne dass sie tödlich wirken.

Fast alle Menschen, die von angstlösenden Mitteln und Sedativa abhängig sind, haben aus medizinischen Gründen mit der Einnahme begonnen. Eine Abhängigkeit kann sich bereits nach zweiwöchiger Dauerbehandlung einstellen.

Symptome

Unmittelbare Auswirkungen

Angstlösende Medikamente und Beruhigungsmittel senken die Aufmerksamkeit, die Folgen können sein:

  • Undeutliche Sprache

  • Schlechte Koordination

  • Verwirrtheit

Diese Wirkungen verstärken sich, wenn Personen Alkohol trinken. Angstlösende und Beruhigungsmittel können einen Menschen abwechselnd depressiv und ängstlich machen.

Bei älteren Menschen kann es zu schwererer Ausprägung der Symptome kommen, darunter Schwindel, Desorientiertheit, Delirium und Gleichgewichtsstörungen. Die Betroffenen fallen leicht hin und ziehen sich Knochenbrüche, insbesondere der Hüfte, zu.

Überdosis

Höhere Dosen verursachen schwerere Symptome, darunter

  • Stupor (die Personen können nur für kurze Zeit und unter Anstrengung erregt werden)

  • Sehr langsame und flache Atmung

  • Letztendlich Tod (hauptsächlich bei Barbituraten)

Langzeitauswirkungen

Bei manchen kommt es zu Gedächtnisstörungen, beeinträchtigtem Urteilsvermögen, Konzentrationsstörungen und beängstigenden Gefühlsschwankungen. Andere sprechen langsam und haben Schwierigkeiten, ihre Gedanken zu ordnen und Gesprächspartner zu verstehen. Unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) können auftreten.

Entzugssymptome

Das Ausmaß der Entzugssymptome ist unterschiedlich und hängt von der Dosis ab. Die Symptome setzen innerhalb von zwölf bis 24 Stunden ein.

Menschen, die länger als ein paar Tage Beruhigungsmittel eingenommen haben, wie Benzodiazepine, meinen, sie könnten ohne das Mittel nicht mehr schlafen. Wenn sie aufhören, die Substanzen einzunehmen, kann es zu leichten Entzugssymptomen kommen, wie:

  • Angstzustände und Nervosität beim Einschlafen

  • Schlechter Schlaf

  • Beunruhigende Träume

  • Reizbarkeit nach dem Aufwachen

Schwerere Symptome eines Benzodiazepin-Entzugs sind unter anderem eine schnelle Herzfrequenz, eine schnelle Atmung, Verwirrtheit und bisweilen Krampfanfälle.

Unter Barbituraten treten schwere Entzugssymptome auf. Wenn hohe Dosen eingenommen wurden, kann ein plötzliches Absetzen der Substanzen eine schwere und potenziell lebensbedrohliche Reaktion auslösen, die dem Alkoholentzug sehr ähnlich ist. Unter Umständen treten Austrocknung, Delirium, Schlaflosigkeit, Verwirrung und Angst auslösende, optische und akustische Halluzinationen, also das Sehen und Hören von Dingen, die nicht vorhanden sind, auf. Um mögliche schwere Reaktionen auffangen zu können, erfolgt der Entzug gewöhnlich im Krankenhaus.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Die Diagnose stützt sich in der Regel auf die Aussagen der Betroffenen oder deren Freunden. Falls nicht klar ist, weshalb eine Person schläfrig oder verwirrt ist, führen Ärzte vielleicht Untersuchungen durch, um weitere mögliche Ursachen der Symptome auszuschließen, darunter zum Beispiel niedriger Blutzucker oder eine Kopfverletzung. Auch wenn sich Benzodiazepine und Barbiturate durch bestimmte Screening-Tests bestimmen lassen, bedeutet deren Vorhandensein nicht, dass sie die Ursache der Symptome sind. Die meisten Krankenhauslabore können den Blutspiegel der meisten Beruhigungsmittel nicht messen.

Behandlung

  • Unterstützung der Atmung bei einer schweren Überdosis

  • Bisweilen ein Gegenmittel gegen Benzodiazepine

  • Entzug und Rehabilitation

Notfallbehandlung

Personen, die eine Überdosis von Barbituraten oder Benzodiazepinen eingenommen haben, müssen sofort medizinisch versorgt werden. Dabei ist eine Überdosis von Barbituraten genauso gefährlich wie überdosierte Benzodiazepine. Wenn nach einer gefährlich überdosierten Einnahme von angstlösenden Medikamenten oder Beruhigungsmitteln schwerwiegende Atmungs-, Herz- oder Blutdruckanomalien auftreten, ist eine Einlieferung auf eine Intensivstation oder eine andere Überwachungsstation erforderlich.

Unterstützend kommen gegebenenfalls intravenös verabreichte Flüssigkeit, Medikamente zum Abfangen eines Blutdruckabfalls und künstliche Beatmung zum Einsatz, wenn die Atmung schwach ist.

Für Benzodiazepine gibt es ein Antidot, Flumazenil, das einer schweren Überdosierung entgegenwirken kann. Flumazenil kann jedoch Benzodiazepine-Entzugserscheinungen auslösen und bei Personen, die Benzodiazepine über einen längeren Zeitraum angewendet haben, zu Krampfanfällen führen. Daher wird Flumazenil bei einer Überdosis nicht routinemäßig verabreicht.

Werden Barbiturate überdosiert, kann Natriumbikarbonat intravenös verabreicht werden, damit die Barbiturate über den Urin ausgeschieden werden können.

Entzug und Rehabilitation

Leichte Entzugssymptome erfordern eine soziale und psychologische Unterstützung, um dem starken Drang der Abhängigen entgegenzuwirken, das Suchtmittel zur Bewältigung von Angstgefühlen wieder zu verwenden.

Patienten mit schweren Entzugssymptomen müssen im Krankenhaus, dort manchmal auf der Intensivstation, behandelt und engmaschig überwacht werden. Sie erhalten dann die Substanz intravenös und niedrig dosiert. Die Dosis wird dann über Tage oder Wochen schrittweise auf Null reduziert (ausgeschlichen). Manchmal wird anstelle des ursprünglichen Präparats ein ähnliches eingesetzt, das sich besser ausschleichen lässt. Selbst bei optimaler Behandlung kann es einen Monat dauern, bis sich die Betroffenen wieder normal fühlen.

Weitere Informationen

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