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Aspirationspneumonie und chemische Pneumonitis

Von

Sanjay Sethi

, MD, University at Buffalo SUNY

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2019| Inhalt zuletzt geändert Apr 2019
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Eine Aspirationspneumonie ist eine Infektion der Lunge, die durch das Einatmen von Sekreten aus dem Mund und/oder von Mageninhalten verursacht wird. Eine chemische Pneumonitis ist eine Reizung der Lunge, die durch das Einatmen von toxischen Substanzen ausgelöst wird.

  • Zu den Symptomen gehören Husten und Kurzatmigkeit.

  • Die ärztliche Diagnose stützt sich auf die Symptome des Betroffenen und eine Röntgenaufnahme seines Brustkorbs.

  • Behandlung und Prognose unterscheiden sich je nach der eingeatmeten Substanz.

Aspirationspneumonie und chemische Pneumonitis werden meist gemeinsam in Betracht gezogen, da bei beiden die Lungenentzündung durch das Einatmen von Stoffen verursacht wird, die die Lunge reizen. Durch die Entzündung ist die Lunge anfälliger für bakterielle Infektionen. Ertrinken kann auch zu einer Lungenentzündung führen. Dies wird anderer Stelle behandelt.

Aspirationspneumonie

Winzige Partikel aus dem Mund gelangen recht häufig mit etwas Speichel oder durch versehentliches Einatmen in die Atemwege. Normalerweise werden sie durch natürliche Abwehrmechanismen (wie z. B. Husten) wieder abtransportiert, bevor sie tiefer in die Lunge geraten und dort eine Entzündung oder Infektion verursachen können. Werden die Partikel jedoch nicht entsorgt (weil die Abwehrmechanismen beeinträchtigt sind und/oder derart viel Material eingeatmet wurde), kann es zu einer Aspirationspneumonie kommen.

Partikel, die über den Mund und Rachen aufgenommen werden, enthalten wahrscheinlicher Bakterien, die eine infektiöse Lungenentzündung auslösen können. Aus dem Magen aufgenommene Substanzen sind meist stark säurehaltig und können die Lunge bereits vor dem Entstehen einer Infektion stark schädigen.

Das Risiko einer Aspirationspneumonie ist bei Personen besonders hoch, die

  • Fortgeschrittenes Alter

  • Geschwächt sind

  • Probleme beim Schlucken haben (zum Beispiel aufgrund eines Schlaganfalls)

  • Unter Alkohol- oder Medikamenten-/Drogeneinfluss stehen

  • Aufgrund von Anästhetika, sedierenden Medikamenten oder eines anderen Gesundheitszustands bewusstlos sind

  • Erbrechen

  • Sich einer zahnärztlichen Behandlung, Behandlung der Atemwege oder des Verdauungsapparats unterzogen haben

Die Symptome einer Aspirationspneumonie treten erst nach frühestens ein bis zwei Tagen auf. Die häufigsten Symptome sind

  • Husten

Der Husten erfolgt mit Auswurf (fester oder verfärbter Schleim). Der Auswurf ist übelriechend.

Weitere Symptome der Aspirationspneumonie sind

  • Fieber

  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe)

  • Beschwerden in der Brust

Die Diagnose einer Aspirationspneumonie erfolgt meist aufgrund der Anzeichen oder Symptome bei Personen mit den oben genannten Risikofaktoren.

Die Lungenentzündung wird durch Röntgenaufnahmen des Brustkorbs bestätigt. Ist auf der Aufnahme in bestimmten Bereichen der Lungen eine Auffälligkeit zu sehen (hier setzen sich die eingeatmeten Stoffe häufig ab), ist die Aspiration eine wahrscheinlichere Ursache.

Eine Aspirationspneumonie muss mit Antibiotika behandelt werden. Es können viele verschiedene Antibiotika verwendet werden, so u. a. Clindamycin, Amoxicillin/Clavulansäure, Ampicillin/Sulbactam und Imipenem.

Besteht ein erhöhtes Aspirationsrisiko aufgrund von Erkrankungen, kann die Dosis der Sedativa (Beruhigungsmittel) abgesetzt oder gesenkt werden. Leichtes Anheben des Kopfendes am Bett, um Nahrung, Flüssigkeit oder Säure im Magen daran zu hindern, dass sie vom Magen in den Rachen hoch und dann in die Lunge fließt, und der Verzehr von Nahrungsmitteln in bestimmter Form oder nur in Flüssigform, verringern ebenfalls das Risiko einer Aspiration. Ein Sprachtherapeut kann dem Patienten bestimmte Schlucktechniken beibringen (zum Beispiel Schlucken, während das Kinn Richtung Brust gezogen wird), um das Aspirationsrisiko weiter zu senken.

Chemische Pneumonitis

Zu einer chemischen Pneumonitis kommt es, wenn jemand Stoffe einatmet, die für die Lunge schädlich sind. Dabei ist das eigentliche Problem eine Reizung und keine Infektion. Ein häufiger Schadstoff ist Magensäure, die durch das Einatmen von Erbrochenem in die Lunge gelangt und eine chemische Pneumonitis verursachen kann. Dies kann geschehen, wenn die betroffene Person während des Erbrechens nicht bei vollem Bewusstsein ist, wie etwa nach einem epileptischen Anfall, einer Überdosis Medikamente, Drogen oder Alkohol oder wenn die Person nach einer Narkose aufwacht.

Eine chemische Pneumonitis kann auch durch das Einatmen von abführenden Ölen (wie z. B. Mineralölen, Rizinusöl und Paraffin) und Kohlenwasserstoffen (wie z. B. Benzin, Kerosin und Petrolprodukten) ausgelöst werden.

Zu den Symptomen einer chemischen Pneumonitis zählen Atemnot und Husten, die sich innerhalb von Minuten oder Stunden entwickeln. Zu den weiteren möglichen Symptomen gehören Fieber und rosafarbener, schaumiger Auswurf. In weniger schweren Fällen treten ein bis zwei Tage nach dem Einatmen des Schadstoffs die Symptome einer Aspirationspneumonie auf.

Die Diagnose einer chemischen Pneumonitis liegt aufgrund der Ereignisse, falls bekannt, für den Arzt meist auf der Hand. Hilfreich können Röntgenaufnahmen des Brustkorbs und eine Messung des Sauerstoffgehalts im Blut sein.

Die Behandlung einer chemischen Pneumonie besteht aus Sauerstofftherapie und bei Bedarf einer vorübergehenden Unterstützung mit einem Beatmungsgerät durch einen Schlauch im Hals. Die Luftröhre (Trachea) kann abgesaugt werden, um Sekrete und inhalierte Lebensmittelpartikel aus den Atemwegen zu entfernen. Zu diesem Zweck kann Bronchoskopie (Eine visuelle Untersuchung der Atemwege durch einen biegsamen Betrachtungsschlauch) eingesetzt werden.

Auch wenn Antibiotika bei dieser Erkrankung normalerweise nicht wirksam sind, werden sie häufig gegeben, weil es schwierig ist, eine chemische Pneumonitis von einer bakteriellen Aspirationspneumonie zu unterscheiden. Außerdem kann sich eine bakterielle Lungenentzündung (Pneumonie) als Komplikation aus einer chemischen Pneumonitis entwickeln.

Bei bestehendem Risiko können verschiedene Strategien zur Verhinderung einer chemischen Pneumonitis empfohlen werden. Dazu zählt das Absetzen oder die Senkung der Dosis der Beruhigungsmittel (Sedativa). Es kann auch empfohlen werden, das Kopfteil des Bettes leicht anzuheben, sodass Nahrung, Flüssigkeit oder Säure nicht aus dem Magen in den Rachen und dadurch in die Lunge gelangen kann. Die Betroffenen dürfen eventuell Nahrung nur in bestimmter Form oder nur in Flüssigform trinken, um das Aspirationsrisiko zu senken. Ein Sprachtherapeut kann den Patienten bestimmte Schlucktechniken beibringen (zum Beispiel Schlucken, während das Kinn Richtung Brust gezogen wird), um das Risiko von Nahrung und Flüssigkeit in der Lunge zu vermeiden.

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