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Übersicht über chronische Hepatitis

Von

Sonal Kumar

, MD, MPH, Weill Cornell Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Kurzinformationen

Chronische Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die mindestens 6 Monate andauert.

  • Häufige Ursachen sind Virusinfektionen mit Hepatitis B und C sowie bestimmte Arzneimittel und Drogen.

  • Während die meisten Patienten keine Symptome haben, weisen andere Symptome wie ein unbestimmtes Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit und Müdigkeit auf.

  • Die chronische Hepatitis kann zu einer Zirrhose und schließlich zu Leberkrebs und/oder Leberversagen fortschreiten.

  • Manchmal wird zur Bestätigung der Diagnose eine Biopsie durchgeführt. Eine chronische Hepatitis wird jedoch gewöhnlich anhand von Bluttests diagnostiziert.

  • Arzneimittel wie z. B. Virostatika oder Kortikosteroide können verabreicht werden, und bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann eine Lebertransplantation angezeigt sein.

Die chronische Hepatitis tritt viel seltener auf als eine akute Virushepatitis, kann aber Jahre und sogar Jahrzehnte andauern. Bei vielen Patienten verläuft sie ziemlich mild und ruft keine nennenswerten Leberschäden hervor. Bei manchen Betroffenen schädigt die ständige Entzündung aber langsam die Leber und führt schließlich zu einer Zirrhose (einer schweren Vernarbung der Leber), Leberversagen und manchmal auch zu Leberkrebs.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen der chronischen Hepatitis sind

Das Hepatitis-C-Virus verursacht ca. 60 bis 70 Prozent aller Fälle, und mindestens 75 Prozent der Fälle von akuter Hepatitis C werden chronisch.

Etwa 5 bis 10 Prozent der Hepatitis-B-Fälle bei Erwachsenen, manchmal mit einer Hepatitis-D-Begleitinfektion, werden chronisch. (Hepatitis D tritt nicht alleine auf, sondern nur als Begleitinfektion von Hepatitis B). Bei bis zu 90 Prozent der infizierten Neugeborenen sowie 25 bis 50 Prozent der jüngeren Kinder wird eine akute Hepatitis B chronisch.

In seltenen Fällen führt das Hepatitis-E-Virus zu einer chronischen Hepatitis bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel bei Einnahme von Immunsuppressiva nach einer Organtransplantation oder von Medikamenten zur Krebsbehandlung oder auch bei HIV-Infektionen.

Hepatitis-A-Viren lösen keine chronische Hepatitis aus.

Die nichtalkoholische Steatohepatitis tritt in der Regel bei Personen mit Übergewicht (Adipositas), Diabetes und/oder auffälligen Blutwerten für Cholesterin oder andere Fette (Lipide) auf. All diese Komponenten sorgen dafür, dass der Körper entweder mehr Fett synthetisiert oder das Fett langsamer verarbeitet (verstoffwechselt) und ausscheidet. In der Folge bildet sich überschüssiges Fett, das dann in den Leberzellen eingelagert wird (dies wird als Fettleber bezeichnet). Eine Fettleber kann zu einer chronischen Entzündung und einer Zirrhose führen.

Nach der Aufnahme über den Verdauungstrakt wird der Hauptteil des Alkohols für gewöhnlich in der Leber abgebaut. Beim Alkoholabbau werden Substanzen freigesetzt, welche die Leber schädigen können. Eine alkoholbedingte Lebererkrankung tritt in der Regel bei Personen auf, die über Monate oder Jahre viel Alkohol trinken. Sie zeichnet sich durch eine Fettleber und eine umfassende Entzündung der Leber aus, was zum Absterben von Leberzellen führen kann. Wenn die Betroffenen weiter trinken, bildet sich Narbengewebe in der Leber, das letztendlich große Teile des normalen Lebergewebes ersetzen kann, was zu einer Zirrhose führt.

Bei der Autoimmunhepatitis ähnelt die chronische Entzündung jener, die entsteht, wenn körpereigenes Gewebe angegriffen wird (eine Autoimmunreaktion). Die Autoimmunhepatitis kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern.

Gewisse Arzneimittel können chronische Hepatitis auslösen, besonders wenn sie über lange Zeit eingenommen wurden. Dazu gehören Isoniazid, Methyldopa und Nitrofurantoin.

Weitaus seltener ist die chronische Hepatitis Folge von

Niemand weiß genau, warum bestimmte Viren und Arzneimittel bei manchen Menschen chronische Hepatitis auslösen und bei anderen nicht und warum der Schweregrad unterschiedlich ist.

Wussten Sie ...

  • Eine chronische Hepatitis kann unbemerkt bleiben, bis sich eine Zirrhose entwickelt.

Symptome

Bei rund zwei Dritteln der Patienten entwickelt sich die chronische Hepatitis allmählich und verursacht oft keine Symptome einer Lebererkrankung, bis es zu einer Zirrhose kommt. Bei dem anderen Drittel entwickelt sie sich nach einem Anfall einer hartnäckigen oder wiederkehrenden (oft mehrere Wochen später) akuten Virushepatitis.

Symptome einer chronischen Hepatitis umfassen oft ein unbestimmtes Krankheitsgefühl (Unwohlsein), Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Betroffene Personen haben manchmal leichtes Fieber und Beschwerden im Oberbauch. Eine Gelbsucht (eine Gelbfärbung der Haut und des Augenweißes, welche durch Ablagerungen überschüssigen Bilirubins verursacht wird) ist selten, es sei denn, es kommt zu Leberversagen.

Oft treten die ersten spezifischen Symptome auf, wenn die Lebererkrankung fortgeschritten ist und es Hinweise auf eine Zirrhose gibt. Hierzu zählen folgende Symptome

  • Vergrößerte Milz

  • Kleine, spinnenartige Blutgefäße auf der Haut (als Spinnennävi bezeichnet)

  • Rötung der Handflächen

  • Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites)

  • Blutungsneigung (Koagulopathie)

  • Verschlechterung der Gehirnfunktion (hepatische Enzephalopathie)

Die Gehirnfunktion verschlechtert sich, weil die stark geschädigte Leber giftige Substanzen nicht wie gewohnt aus dem Blut entfernen kann. Diese Substanzen sammeln sich dann im Blut an und gelangen ins Gehirn. Normalerweise entfernt die Leber diese aus dem Blut, spaltet sie auf und scheidet sie als harmlose Nebenprodukte in die Galle (die grünlich-gelbe Flüssigkeit, welche die Verdauung unterstützt) oder das Blut aus (siehe Funktionen der Leber). Die Behandlung der hepatischen Enzephalopathie kann verhindern, dass die Verschlechterung der Gehirnfunktion dauerhaft wird.

Das Blut kann nicht mehr normal gerinnen, da die geschädigte Leber nicht mehr genug Proteine synthetisieren kann, die der Blutgerinnung dienen.

Manche Personen haben Gelbsucht, Juckreiz und hellen Stuhl. Gelbsucht und Juckreiz entstehen, da die geschädigte Leber das Bilirubin nicht wie sonst aus dem Blut entfernen kann. Das Bilirubin sammelt sich dann im Blut an und wird in der Haut abgelagert. Bilirubin ist ein gelbes Farbpigment, das während des normalen Zerfalls von roten Blutkörperchen als Abfallprodukt entsteht. Der Stuhl ist hell, da der Gallenfluss aus der Leber blockiert ist und weniger Bilirubin in den Stuhl abgegeben wird. Das Bilirubin sorgt für die typische braune Farbe des Stuhls.

Die Autoimmunhepatitis kann weitere Symptome hervorrufen, die andere Körpersysteme betreffen, wie zum Beispiel Ausbleiben der Menstruation, Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Es kann auch zu anderen Autoimmunerkrankungen kommen, wie Typ-1-Diabetes, Colitis ulcerosa, Zöliakie oder Autoimmunerkrankungen, die zu einer Blutarmut (Anämie) oder Entzündung der Schilddrüse oder der Nieren führen.

Bei vielen Menschen schreitet chronische Hepatitis jahrelang nicht fort. Bei anderen wird die Krankheit allmählich schlimmer. Die Prognose hängt zum Teil davon ab, welches Virus dahintersteckt:

  • Bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten führt eine unbehandelte chronische Hepatitis C zu einer Zirrhose. Dies kann allerdings jahrzehntelang dauern. Das Risiko für Leberkrebs ist in der Regel nur dann erhöht, wenn eine Zirrhose vorliegt.

  • Chronische Hepatitis B verschlechtert sich manchmal recht schnell, manchmal aber auch über Jahrzehnte und führt schließlich zu einer Zirrhose. Mit chronischer Hepatitis B erhöht sich auch das Risiko für Leberkrebs und das unabhängig von einer Zirrhose. (Bei Lebererkrankungen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, stellt Leberkrebs in der Regel nur dann ein Risiko dar, wenn sich eine Zirrhose entwickelt.) In seltenen Fällen heilt eine chronische Hepatitis B von selbst ab, ohne dass eine Behandlung erfolgt.

  • Eine chronische Doppelinfektion mit Hepatitis B und D führt unbehandelt in bis zu 70 Prozent der Fälle zu einer Zirrhose.

  • Autoimmunhepatitis kann bei den meisten Patienten wirksam behandelt werden, doch manche entwickeln ebenfalls eine Zirrhose.

  • Chronische Hepatitis aufgrund eines Arzneimittels kann durch Absetzen des Medikaments komplett zum Rückgang gebracht werden.

Diagnose

  • Bluttests

  • Eine Biopsie

Der Verdacht auf eine chronische Hepatitis besteht, wenn

  • die Betroffenen typische Symptome aufweisen.

  • (aus anderen Gründen durchgeführte) Bluttests erhöhte Leberenzymwerte ergeben.

  • zuvor eine akute Hepatitis bestand.

Außerdem sollten alle Personen mit Jahrgang 1945–1965 auf Hepatitis C getestet werden. Dieser Test wird empfohlen, da Hepatitis C bei dieser Altersgruppe verbreitet und oft unerkannt ist.

Die Untersuchung auf eine chronische Hepatitis beginnt in der Regel mit Bluttests zur Bestimmung der Konzentration von Leberenzymen und anderen von der Leber produzierten Substanzen (Lebertests). Diese Tests können dabei helfen, die Diagnose „Hepatitis“ zu stützen oder auszuschließen, die Ursache zu bestimmen und den Schweregrad des Leberschadens zu beurteilen.

Mithilfe von Bluttests kann der Arzt zudem beurteilen, ob ein Hepatitisvirus die Infektion verursacht. Wird kein Virus festgestellt, sind weitere Bluttests erforderlich, um andere Ursachen, wie die Autoimmunhepatitis, zu bestimmen.

Manchmal wird zur Bestätigung der Diagnose eine Leberbiopsie durchgeführt. Durch die Leberbiopsie kann der Arzt zudem

  • den Schweregrad der Entzündung bestimmen,

  • feststellen, ob sich eine Vernarbung (Fibrose) oder eine Zirrhose entwickelt hat,

  • möglicherweise die eigentliche Ursache der Hepatitis aufdecken.

Weitere Untersuchungen können durchgeführt werden, um die Schwere der Leberschädigung zu bestimmen und nach anderen Leberproblemen zu suchen. Tests können Folgendes umfassen

  • Spezielle bildgebende Verfahren, wie Ultraschallelastographie und Magnetresonanz-Elastographie

  • Bluttests zur Messung von Substanzen (sogenannten Markern), die anzeigen, ob eine Fibrose vorliegt und wie ausgeprägt diese ist

Screening auf Leberkrebs

Bei Patienten mit chronischer Hepatitis B (oder Zirrhose infolge einer Lebererkrankung) erfolgt alle 6 Monate ein Screening auf Leberkrebs. Dabei kommen zwei Tests zum Einsatz:

  • Ultraschall

  • Manchmal Messung des Alphafetoproteinspiegels im Blut

Die Alphafetoproteinwerte (ein Protein, das normalerweise von unreifen Leberzellen im Fötus produziert wird) können erhöht sein, wenn sich Leberkrebs bildet.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache (wie Virostatika bei Hepatitis B oder C)

  • Behandlung von Komplikationen

Die Therapie der chronischen Hepatitis konzentriert sich auf die Behandlung der Ursache und die Kontrolle von Komplikationen, wie Aszites und hepatische Enzephalopathie bei Zirrhosepatienten.

Wenn ein Arzneimittel die Ursache ist, wird es abgesetzt. Wenn eine andere Erkrankung die Ursache ist, wird diese behandelt.

Hepatitis B und C

Wenn sich die chronische Hepatitis B verschlechtert oder die Leberenzymwerte zu hoch sind, werden den Patienten in der Regel Virostatika verabreicht.

Bei manchen Patienten tritt die Hepatitis B erneut auf, wenn die Arzneimittelbehandlung abgesetzt wird, und kann sogar stärker werden. Diese Patienten müssen möglicherweise auf unbestimmte Zeit Virostatika einnehmen.

Bei einer chronischen Hepatitis C wird allen Patienten die Behandlung mit Virostatika empfohlen, es sei denn, deren Lebenserwartung ist sehr kurz. Die Behandlung kann zwischen acht und 24 Wochen dauern. Bei der Behandlung von Hepatitis C kann das Virus aus dem Körper entfernt werden. Dadurch können die Entzündung gestoppt und die Vernarbungen und das Fortschreiten zu einer Zirrhose verhindert werden.

Nichtalkoholische Steatohepatitis

Bei der nichtalkoholischen Steatohepatitis konzentriert man sich auf die Kontrolle der Umstände, die dazu beitragen. Die Behandlung kann zum Beispiel Folgendes beinhalten:

  • Gewichtsabnahme

  • Gesunde Ernährung (wodurch sich Körpergewicht, Diabetes und möglicherweise die Lipidspiegel kontrollieren lassen)

  • Verzicht auf Medikamente, die die Erkrankung begünstigen (z. B. Tamoxifen, Kortikosteroide und synthetisches Östrogen)

  • Vermeidung von Giftstoffen, wie z. B. Pestiziden

Autoimmunhepatitis

Normalerweise werden Kortikosteroide (wie z. B. Prednison oder Budesonid) zur Behandlung einer Autoimmunhepatitis zusammen mit Azathioprin eingesetzt, einem Arzneimittel zur Unterdrückung der Immunabwehr. Diese Arzneimittel unterdrücken die Entzündung, lindern die Symptome und verbessern das langfristige Überleben. Trotzdem kann die Vernarbung der Leber langsam fortschreiten.

Da das Absetzen dieser Arzneimittel meistens zu einem Wiederaufflammen der Entzündung führt, müssen die meisten Patienten die Arzneimittel auf unbestimmte Zeit einnehmen. Die Anwendung von Kortikosteroiden über einen langen Zeitraum kann jedoch zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Daher wird deren Dosis in der Regel schrittweise reduziert, bis die Kortikosteroide ganz abgesetzt werden können. Anschließend nehmen die Patienten auf unbegrenzte Dauer Azathioprin oder Mycophenolat (andere Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems).

Behandlung von Komplikationen

Ungeachtet der Ursache und Art der chronischen Hepatitis müssen eine Zirrhose, ein Leberversagen sowie alle Komplikationen behandelt werden.

Die Behandlung von Aszites umfasst eine Einschränkung der Salzaufnahme sowie die Einnahme eines Arzneimittels, das den Nieren beim Ausscheiden größerer Mengen an Natrium und Wasser im Urin hilft (ein sogenanntes Diuretikum).

Die Behandlung der hepatischen Enzephalopathie umfasst Medikamente, damit der Körper giftige Substanzen ausscheiden kann, die zu einer Verschlechterung der Gehirnfunktion führen können.

Lebertransplantation

Eine Lebertransplantation kann bei Patienten mit schwerem Leberversagen in Betracht gezogen werden.

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