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Pocken

(Variola)

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2019| Inhalt zuletzt geändert Okt 2019
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Quellen zum Thema

Pocken bezeichnet eine hoch ansteckende, tödliche Krankheit, die vom Pockenvirus verursacht wird. Die Krankheit gilt heute als eliminiert.

  • Seit 1977 sind keine neuen Fälle der Pocken aufgetreten.

  • Menschen können sich infizieren, indem sie die Luft atmen, die von einer angesteckten Person ausgeatmet oder ausgehustet wurde.

  • Die Symptome sind Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen, Ausschlag, manchmal mit schweren Magenschmerzen, und Betroffene fühlen sich sehr krank.

  • Die Diagnose wird bestätigt, wenn das Virus anhand einer Probe des Ausschlags identifiziert wird.

  • Eine Impfung innerhalb der ersten Tage nach der Exposition gegenüber dem Virus kann eine Erkrankung verhindern oder zumindest ihre Intensität reduzieren.

  • Die Behandlung erfordert Flüssigkeitszufuhr, Linderung der Symptome und Behandlungen zur Stabilisierung des Blutdrucks und der Atmung.

Das Pockenvirus kann nur in Menschen und nicht in Tieren leben.

Es gibt zwei Hauptformen:

  • Die häufigste und wichtigste Form mit dem schwersten Verlauf sind die Echten Pocken (Variola major).

  • Die andere Form (Weiße Pocken bzw. Variola minor) kommt seltener vor und ist auch weniger schwerwiegend.

Im Laufe der Geschichte sind Millionen von Menschen durch Pocken ums Leben gekommen. Vor mehr als 200 Jahren wurde ein Impfstoff gegen Pocken entwickelt; es war der erste Impfstoff überhaupt. Dieser Impfstoff erwies sich als sehr wirksam und wurde weltweit verwendet. Der letzte Fall von Pocken wurde im Jahre 1977 gemeldet. 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Krankheit für ausgerottet und empfahl die Einstellung der Impfung.

In zwei Hochsicherheitslaboratorien (eines in den USA und das andere in Russland) werden Proben des Virus aufbewahrt.

Da die Schutzwirkung des Impfstoffes mit der Zeit nachlässt, könnten sich inzwischen wahrscheinlich fast alle Menschen wieder mit Pocken infizieren – auch diejenigen, die dagegen geimpft worden sind. Dieser mangelnde Schutz ist nur deshalb ein Grund zur Besorgnis, weil Proben des Virus aufbewahrt wurden und manche Menschen befürchten, dass sie terroristischen Gruppen in die Hände fallen könnten, die das Virus in der Bevölkerung freisetzen. Die dadurch entstehende Epidemie wäre verheerend.

Das Pockenvirus verbreitet sich direkt von Person zu Person und ist durch das Einatmen von mit Feuchtigkeitströpfchen verseuchter Luft, die von einer infizierten Person ausgeatmet oder ausgehustet wird, übertragbar. Kontakt mit der Kleidung oder Bettwäsche, die von einer angesteckten Person benutzt wurde, kann die Krankheit auch verbreiten. Mit Pocken werden normalerweise Menschen infiziert, die in engem Kontakt mit der angesteckten Person sind. In seltenen Fällen verbreiten sich Pocken über die Luft in geschlossenen Umgebungen wie z. B. Gebäuden, in denen jemand an Pocken erkrankt ist. Mit einem großen Ausbruch an einer Schule oder einem Arbeitsplatz wäre eher nicht zu rechnen.

Das Virus überlebt nicht länger als 2 Tage in der Umwelt; wenn Temperatur und Luftfeuchte hoch sind, sogar noch kürzer.

Wussten Sie ...

  • Fast jeder – auch Menschen, die früher geimpft wurden – könnte sich wieder mit Pocken infizieren.

Symptome

Echte Pocken (Variola major)

Etwa 7 bis 17 Tage nach der Infektion treten die ersten Symptome der Echten Pocken auf. Infizierte Menschen haben Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen und fühlen sich sehr krank. Sie können schwere Magenschmerzen haben und in ein Delirium fallen.

Nach 2 bis 3 Tagen entwickelt sich ein Ausschlag mit flachen roten Flecken im Mund und im Gesicht. Kurz darauf breitet sich der Ausschlag auf Rumpf und Beine und danach auf Hände und Füße aus. Menschen sind erst nach Ausbruch des Ausschlags ansteckend, vor allem in den ersten 7 bis 10 Tagen nach Erscheinen des Ausschlags. Nach 1 oder 2 Tagen verwandeln sich die Flecken in Blasen, die sich mit Eiter füllen (es bilden sich Pusteln). Nach 8 bis 9 Tagen verkrusten die Pusteln.

Lunge, Gehirn und/oder Knochen können infiziert werden.

Ungefähr 30 Prozent der Menschen mit Pocken sterben gewöhnlich in der zweiten Woche der Krankheit. Bei manchen Überlebenden bleiben große, entstellende Narben zurück.

Bei manchen Infizierten mit der schweren Form entwickeln sich die Anfangssymptome rascher und sind intensiver. Eine seltene Form, die als hämorrhagische Pocken bezeichnet wird, verursacht Blutungen. Nach ein paar Tagen kommt es zu Blutungen der Haut, der Schleimhäute und des Magen-Darm-Trakts. Fast alle von hämorrhagischen Pocken Betroffenen sterben innerhalb von 5 bis 6 Tagen.

Weiße Pocken (Variola minor)

Bei der Form mit milderem Verlauf sind die Symptome ähnlich, aber nicht ganz so stark ausgeprägt. Der Ausschlag ist nicht so umfangreich, und die Sterberate liegt bei unter 1 Prozent.

Diagnose

  • Untersuchung einer Flüssigkeitsprobe aus den Blasen auf Pocken-DNS

Ein Arzt vermutet Pocken, wenn Menschen die krankheitsspezifischen Flecken haben – insbesondere bei einem Ausbruch der Krankheit.

Die Pockendiagnose kann bestätigt werden, wenn das Pockenvirus in einer Probe aus den Blasen oder Pusteln auf das entsprechende Erbgut (DNS) getestet und identifiziert wird.

Proben können unter dem Mikroskop untersucht oder an ein Labor geschickt werden, wo eine Kultur des Virus angelegt und analysiert wird.

Vorbeugung

Vorbeugung ist die beste Maßnahme gegen Pocken. Dazu gehört Folgendes:

  • Impfungen

  • Isolierung

Die Pockenimpfung wird nicht aus dem Pockenvirus hergestellt. Stattdessen enthält der Impfstoff lebende Vacciniaviren, die mit den Viren verwandt sind, die Affenpocken und Pocken hervorrufen. Die Impfung mit Vacciniaviren verursacht eine leichte Infektion und schützt geimpfte Personen vor Pocken.

Eine Impfung wirkt am besten, wenn sie vor dem Kontakt mit dem Virus erfolgt. Aber auch nach der Exposition kann die Impfung als vorbeugende Maßnahme gegen die Krankheit dienen oder deren Schwere mildern. Die Impfung ist bis zu 4 Tage nach Erregerkontakt nützlich. Grundsätzlich ist sie aber umso wirksamer, je früher sie verabreicht wird.

Die Impfung gilt als erfolgreich, wenn sich etwa 7 Tage später an der Impfstelle eine kleine Blase bildet. Bildet sich keine Blase, wird die Impfung wiederholt. Der Bereich um die Blase herum kann gerötet sein. Viele Geimpfte entwickeln in der Woche nach der Impfung Fieber und Muskelschmerzen und fühlen sich nicht wohl.

Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem (wie z. B. AIDS-Patienten oder Patienten, die Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken) ist die Impfung riskant. Sogar manche gesunden Menschen entwickeln in seltenen Fällen Gegenreaktionen auf eine Pockenimpfung. Nebenwirkungen erscheinen seltener bei Personen, die in der Vergangenheit geimpft wurden, als bei Personen, die noch nie eine Impfung bekommen haben:

  • Bei etwa 1 von 10.000 zuvor nicht geimpften gesunden Personen kommt es zu schweren Komplikationen, die in 1 von 1 Million Fällen zum Tod führen.

  • Etwa 1 von 4 Millionen zuvor geimpften gesunden Personen stirbt infolge der Impfstoffgabe.

Neuere Präparate, zum Beispiel Vaccinia-Immunglobulin und ein antivirales Arzneimittel, Cidofovir, können gegen die Nebenwirkungen helfen und das Sterberisiko verringern. Aufgrund der Risiken wird eine Schutzimpfung nur für Menschen empfohlen, bei denen ein hohes Ansteckungsrisiko besteht, vor allem für bestimmtes Militär- und Laborpersonal sowie für medizinisches Fachpersonal, das den Impfstoff und damit in Verbindung stehendes Material handhabt.

Menschen, die pockenverdächtig sind, müssen sofort isoliert werden, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Personen, die mit infizierten Menschen in Kontakt geraten sind, müssen nicht isoliert werden, weil sie die Infektion erst dann weitergeben können, wenn sie krank werden und den typischen Ausschlag entwickeln. Jedoch werden diese Personen genau beobachtet und beim ersten Zeichen der Infektion isoliert.

Behandlung

  • Unterstützende Versorgung

  • Möglicherweise antivirale Arzneimittel

Die Behandlung von Pocken erfolgt unterstützend. Sie besteht aus der Zufuhr von Flüssigkeit, der Linderung von Symptomen, Atmungsunterstützung (z. B. Zufuhr von Sauerstoff mit einer Sauerstoffmaske) und einer Stabilisierung des Blutdrucks.

Antivirale Arzneimittel sind bei Pocken nicht getestet worden, weil es sie in der Zeit, in der diese Krankheit vorkam, noch nicht gab. Cidofovir und mehrere derzeit noch in der Prüfung befindliche Präparate könnten aber bei einem erneuten Auftreten der Pocken wirksam sein.

Weitere Informationen

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