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Nahrungsmittelallergie

Von

Peter J. Delves

, PhD, University College London, London, UK

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Eine Nahrungsmittelallergie ist eine allergische Reaktion auf ein bestimmtes Nahrungsmittel.

  • Nahrungsmittelallergien werden häufig durch bestimmte Nüsse, Erdnüsse, Schalentiere, Fisch, Milch, Eier, Weizen und Sojabohnen ausgelöst.

  • Je nach Alter können die Symptome, zu denen Hautausschläge, Keuchatmung und eine laufende Nase gehören, variieren; gelegentlich können Erwachsene unter schwereren Symptomen leiden.

  • Bei der Identifizierung des die Allergie auslösenden Lebensmittels können dem Arzt der Prick-Test, Blutuntersuchungen und Eliminationsdiäten helfen.

  • Die einzig wirksame Behandlung liegt im Verzicht auf das Nahrungsmittel bei der täglichen Ernährung.

Viele verschiedene Nahrungsmittel können allergische Reaktionen verursachen. Allergische Reaktionen auf ein Nahrungsmittel können schwerwiegend sein und gelegentlich auch eine anaphylaktische Reaktion miteinschließen.

Nahrungsmittelallergien können im frühen Kindesalter beginnen. Kinder können, wenn sie größer werden, aus einer Allergie „herauswachsen“. Somit sind Lebensmittelallergien bei Erwachsenen seltener anzutreffen als bei Kindern. Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen tendieren allerdings dazu, sie ein Leben lang zu begleiten.

Manchmal werden Lebensmittelallergien für Erkrankungen wie Hyperaktivität bei Kindern, chronisches Müdigkeitssyndrom, Arthritis und Depression oder schlechte sportliche Leistungen verantwortlich gemacht. Ein solcher Zusammenhang konnte jedoch nicht untermauert werden.

Andere Reaktionen auf Nahrungsmittel

Allerdings gibt es auch einige Reaktionen auf Nahrungsmittel, die nicht allergisch bedingt sind.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist im Gegensatz zur Nahrungsmittelallergie das Immunsystem nicht beteiligt. Hierbei handelt es sich vielmehr um eine Reaktion im Magen-Darm-Trakt, die Verdauungsstörungen zur Folge hat. Manchen Personen fehlt etwa ein Enzym, das für die Verdauung von Milchzucker erforderlich ist (auch als Laktoseunverträglichkeit bezeichnet).

Aber auch verunreinigte oder verdorbene Nahrungsmittel können Reaktionen verursachen.

Bei einigen Personen können Lebensmittelzusätze eine Reaktion verursachen, die einer allergischen Reaktion ähnelt, aber keine solche ist. Zum Beispiel können einige Konservierungsstoffe (z. B. Metapyrosulfit) und Farbstoffe (z. B. Tartrazin, ein gelber Farbstoff, der Süßigkeiten, Limonaden und anderen Nahrungsmitteln zugesetzt wird) Symptome wie Asthma und Quaddeln verursachen. In ähnlicher Weise kann bei manchen Personen das Essen bzw. Trinken bestimmter Nahrungsmittel wie Käse, Wein oder Schokolade einen Migräneanfall auslösen.

Ursachen

Fast jedes Nahrungsmittel oder jeder Lebensmittelzusatz kann eine allergische Reaktion verursachen. Die häufigsten Auslöser unterscheiden sich je nach Altersgruppe.

Säuglinge und kleine Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie neigen dazu, auf die häufigsten Allergieauslöser (Allergene), wie denen in folgenden Produkten, zu reagieren.

  • Eier

  • Milch

  • Weizen

  • Erdnüsse

  • Sojabohnen

Zur Vorbeugung gegen die Entwicklung solcher Allergien stehen diese Nahrungsmittel bei vielen Eltern junger Kinder nicht auf dem Speiseplan. Neue Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass es dem Säugling helfen kann, regelmäßig mit erdnusshaltigen Nahrungsmitteln gefüttert zu werden, um keine Erdnussallergie zu entwickeln. Dieser Ansatz muss noch weiter untersucht werden.

Die häufigsten Auslöser bei älteren Kindern und Erwachsenen sind Allergene in

  • Nüsse

  • Meeresfrüchte

Der Kontakt mit anderen Allergenen, die denen in Nahrungsmitteln ähnlich sind (wie z. B. Pollen), kann die Produktion von Antikörpern auf Substanzen in Nahrungsmitteln bewirken und so zu einer Nahrungsmittelallergie führen. Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierung. So können Kinder mit einer Erdnussallergie beispielsweise gegenüber Erdnüssen sensibilisiert worden sein, wenn erdnussölhaltige, äußerlich angewendete (topische) Cremes zur Behandlung von Ausschlägen verwendet wurden. Viele Menschen mit einer Latex-Allergie sind auch allergisch gegen Bananen, Kiwis, Avocados oder eine Kombination davon. Latex und diese Obstsorten enthalten ähnliche Allergene.

Nahrungsmittelallergien treten häufiger bei Kindern auf, deren Eltern eine Nahrungsmittelallergie, allergischen Schnupfen oder allergisches Asthma haben.

Symptome

Die Symptome von Nahrungsmittelallergien hängen davon ab, welche Nahrungsmittel die Allergie verursacht hat und wie alt die Person ist.

Bei Säuglingen ist das erste Symptom einer Nahrungsmittelallergie häufig ein ekzemartiger (atopische Dermatitis) oder ein den Quaddeln ähnlicher Ausschlag. Der Hautausschlag kann mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einhergehen. Mit ungefähr 1 Jahr kommt es tendenziell weniger häufig zu einem Hautausschlag, das Kind fängt jedoch ggf. an, auf die eingeatmeten Allergene (z. B. Pollen) zu regieren, und an Asthma-Symptomen zu leiden. Es keucht möglicherweise, ist kurzatmig oder hat eine laufende Nase, wenn es Nahrung zu sich nimmt, die seine Allergie auslöst. Mit ungefähr 10 Jahren leidet das Kind nur noch selten an Asthma-Symptomen nach dem Essen.

Wenn Lebensmittelallergien bei älteren Kindern und Erwachsenen andauern, sind die Reaktionen häufig schwerer. Bei Erwachsenen verursachen Nahrungsmittelallergien Juckreiz im Mund, Quaddeln, Ekzeme, Schwellungen (Angioödeme) und gelegentlich eine laufende Nase und Asthma. Nahrungsmittelallergien verursachen manchmal Symptome wie Benommenheit oder Ohnmacht.

Bei einigen Erwachsenen mit einer Nahrungsmittelallergie können bereits kleinste Mengen eines Nahrungsmittels eine plötzliche und schwere Reaktion hervorrufen. Es kann zu einer lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktion kommen, die sich durch einen den ganzen Körper bedeckenden Hautausschlag, einen angeschwollenen Hals, verengte Atemwege und Atemproblemen äußern kann.

Bei einigen Menschen treten allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (insbesondere Weizen oder Shrimps) nur auf, wenn sie unmittelbar nach deren Verzehr Sport treiben (das nennt man eine belastungsinduzierte allergische Reaktion).

Einige allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel brauchen Stunden, um sich zu entwickeln, und verursachen Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Magenkrämpfe und Durchfall.

Diagnose

  • Prick-Tests oder ein allergenspezifischer Immunglobulin-Test

  • Eine Eliminationsdiät

Die Krankengeschichte des Patienten gibt dem Arzt Hinweise auf eine Nahrungsmittelallergie. Bei Erwachsenen ist eine Allergie für gewöhnlich unschwer erkennbar. Dagegen kann es bei Kindern schwierig sein, eine Nahrungsmittelallergie zu diagnostizieren. Einige Nahrungsmittelallergien lassen sich schwer von anderen Verdauungsproblemen unterscheiden, wie z. B. vom Reizdarmsyndrom.

Bei einer vermuteten Lebensmittelallergie können Prick-Tests mit Extrakten von verschiedenen Lebensmitteln durchgeführt werden. Der Testperson wird ein Tropfen von jedem Extrakt auf die Haut aufgetragen, die im Anschluss daran mit einer Nadel leicht angeritzt wird. Eine Hautreaktion auf ein getestetes Lebensmittel bedeutet nicht unweigerlich, dass die Person gegen dieses allergisch ist. Bei Ausbleiben einer Hautreaktion ist die Wahrscheinlichkeit einer Allergie jedoch gering.

Alternativ kann ein allergenspezifischer Immunglobulin(IgE)-Test durchgeführt werden. Als Reaktion auf jedes Allergen produziert das Immunsystem verschiedene Arten von IgE. Das IgE, das nach dem Einatmen von Pollen gebildet wird, unterscheidet sich zum Beispiel von dem nach dem Verzehr von Nüssen gebildeten IgE. Für den Test entnimmt der Arzt eine Blutprobe und untersucht, ob IgE im Blut der Person an ein bestimmtes, bei dem Test verwendetes Allergen bindet, wie z. B. eines für Erdnüsse. Wenn ja, ist die Person auf das betreffende Allergen allergisch.

Wenn in beiden Tests ein bestimmtes Nahrungsmittel identifiziert wird, wird dieses aus der Ernährung ausgeschlossen. Wenn der Ausschluss die Symptome lindert, wird das Nahrungsmittel wieder in die Ernährung der betroffenen Person eingeführt, um herauszufinden, ob es nach dem Essen zu Symptomen kommt. Dieser Schritt wird, wenn möglich, als Teil des oralen Provokationstests durchgeführt. Dieser wird zur Bestätigung der Diagnose durchgeführt.

Bei einem oralen Provokationstest erhält die Person ein weiteres Lebensmittel (z. B. Milch oder Apfelmus) in zwei Portionen: eine mit dem verdächtigten Lebensmittel und eine ohne das verdächtigte Lebensmittel. Der Arzt beobachtet die Testperson beim Verzehr:

  • Entwickeln sich nach dem Verzehr des verdächtigten Nahrungsmittels keine Symptome, ist der Patient nicht gegen das Nahrungsmittel allergisch.

  • Kommt es nach dem Verzehr des verdächtigten Nahrungsmittels, nicht jedoch nach Verzehr des anderen Nahrungsmittels zu Symptomen, dann ist Person wahrscheinlich dagegen allergisch.

Zu den anderen Möglichkeiten, eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen, gehört eine Eliminationsdiät (auch Ausschlussdiät genannt):

  • Eine Ernährungsweise, die nur das die Allergie verursachende Nahrungsmittel ausschließt oder solche, bei denen vermutet wird, dass sie eine Allergie auslösen.

  • Eine Ernährungsweise, die nur aus den Nahrungsmitteln besteht, die wahrscheinlich keine allergische Reaktion verursachen.

Manchmal wird nur diese Ausschlussdiät eingesetzt, um eine Nahrungsmittelallergie zu diagnostizieren, oder sie wird nach einem Prick-Test oder einem allergenspezifischen Serum-IgE-Test verwendet.

Bei der ersten Art der Ausschlussdiät verzichtet der Patient etwa 1 Woche lang auf alle Nahrungsmittel, die möglicherweise die Symptome verursachen.

Die zweite Art der Ausschlussdiät, die aus den Nahrungsmitteln besteht, die am wahrscheinlichsten keine allergischen Reaktionen verursachen, kann anstelle der ersten Ernährungsweise ausprobiert werden. Die zweite Art der Ausschlussdiät umfasst Folgendes:

  • Befolgen einer vom Arzt verschriebenen Ernährungsweise

  • Es werden ausschließlich Nahrungsmittel gegessen und Flüssigkeiten getrunken, die in der Diät angegeben werden, und es werden nur reine Produkte (was viele kommerziell zubereitete Nahrungsmittel ausschließt) verwendet.

Es gibt mehrere mögliche Ausschlussdiäten, die sich hinsichtlich der Nahrungsmittel unterscheiden, die ausgeschlossen werden bzw. die erlaubt sind. Zum Beispiel werden in einer Ausschlussdiät Rind und Lamm ausgeschlossen, aber Hähnchenfleisch ist erlaubt, und in einer anderen werden aber Lamm und Geflügel ausgeschlossen und Rind ist erlaubt.

Eine solche Ausschlussdiät einzuhalten, ist nicht einfach, da viele Nahrungsmittel Bestandteile enthalten, die man nicht vermuten und erwarten würde. Beispielsweise enthalten viele Roggenbrote auch Weizenmehl. Da der Arzt und Patient die Bestandteile jeder Mahlzeit kennen müssen, sollte während dieser Zeit auf Restaurantbesuche verzichtet werden.

Wenn die Symptome nach 1 Woche nicht abklingen, kann der Arzt eine andere Ausschlussdiät empfehlen.

Treten keine Symptome auf, werden die Nahrungsmittel einzeln wieder in den Ernährungsplan aufgenommen. Jedes wieder hinzugefügte Nahrungsmittel wird für mehr als 24 Stunden zugegeben oder solange, bis Symptome auftreten, wodurch ein Allergen identifiziert wird. Alternativ kann der Arzt den Patienten bitten, eine kleine Menge eines Nahrungsmittels in der Praxis zu verzehren. Der Arzt beobachtet dann die Reaktionen der Person auf das Nahrungsmittel.

Wussten Sie ...

  • Personen mit schweren Lebensmittelallergien sollten stets Antihistaminika und eine Adrenalin-Spritze für den Fall bei sich haben, dass sie eine schwere allergische Reaktion erleiden.

Vorbeugung

Um Nahrungsmittelallergien zu verhindern, haben Ärzte viele Jahre lang davon abgeraten, Säuglinge mit Nahrungsmitteln zu füttern, die in der Regel eine allergische Reaktion auslösen (wie z. B. Erdnüsse). Neue Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass es dem Säugling helfen kann, regelmäßig mit erdnusshaltigen Nahrungsmitteln gefüttert zu werden, um keine Erdnussallergie zu entwickeln. Dieser Ansatz muss noch weiter untersucht werden.

Eltern sollten mit ihrem Kinderarzt über die beste Herangehensweise sprechen, um einer Erdnussallergie bei ihrem Kind vorzubeugen.

Behandlung

  • Eine Eliminationsdiät

  • Medikamente zur Linderung der Symptome

Personen mit einer Nahrungsmittelallergie müssen die allergieauslösenden Nahrungsmittel aus ihrer Ernährung streichen.

Eine Desensibilisierung, für die zuerst das Nahrungsmittel gestrichen und dann in kleinen Mengen gegessen oder Tropfen von Nahrungsmittelextrakten unter die Zunge platziert werden, wird derzeit untersucht. Zum Beispiel gibt es ein neues Erdnusspräparat, das dabei hilft, Erdnussallergiker gegenüber Erdnüssen weniger empfindlich zu machen. Dieses Präparat wird noch getestet.

Antihistaminika helfen nur für die Linderung von Quaddeln und Schwellungen. Ebenso kann Cromoglicinsäure die Symptome abschwächen. Diese Art der Cromoglicinsäure ist nur auf Rezept erhältlich.

Personen mit schweren Lebensmittelallergien sollten ein Antihistaminikum als Bedarfsmedikation für den Fall einer allergischen Reaktion bei sich tragen. Ebenso sollten sie eine Adrenalin-Fertigspritze für den Fall schwerer allergischer Reaktionen mit sich tragen.

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