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Übersicht über allergische Reaktionen

Von

Peter J. Delves

, PhD, University College London, London, UK

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2019| Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Allergische Reaktionen (Überempfindlichkeitsreaktionen) sind unangemessene Reaktionen des Immunsystems auf eine normalerweise harmlose Substanz.

  • Für gewöhnlich führen Allergien zu tränenden und juckenden Augen, einer laufenden Nase, juckender Haut, Hautausschlag und Niesen.

  • Manche allergischen Reaktionen, sogenannte anaphylaktische Reaktionen, sind lebensbedrohlich.

  • Die Symptome legen die Diagnose nahe; Hauttests können bei der Identifizierung der Substanz, die die Allergie auslöst, helfen.

  • Personen, bei denen bereits schwerwiegende allergische Reaktionen aufgetreten sind, sollten stets eine Adrenalin-Fertigspritze und Antihistaminika in Tablettenform bei sich haben.

  • Am besten ist es, den Auslöser zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, kann das Spritzen von Allergenextrakten manchmal eine Desensibilisierung der Person bewirken – allerdings nur dann, wenn diese Spritzen eine lange Zeit vor dem Kontakt mit dem Allergen verabreicht wurden.

  • Schwerwiegende Reaktionen erfordern eine Notfallbehandlung in einem Krankenhaus.

Normalerweise verteidigt das aus Antikörpern, weißen Blutkörperchen, Mastzellen, Komplementproteinen und anderen Substanzen bestehende Immunsystem den Körper gegen fremde Substanzen (auch Antigene genannt). Das Immunsystem anfälliger Personen kann bei Kontakt mit bestimmten, für die meisten Menschen harmlosen Substanzen (Allergenen) aus der Umgebung oder in Nahrungsmitteln oder Medikamenten übermäßig reagieren. Die Folge ist eine allergische Reaktion. Einige Personen sind nur gegen eine einzige Substanz allergisch. Andere wiederum reagieren auf viele Substanzen allergisch. Etwa ein Viertel aller Bundesbürger leidet an Allergien.

Allergene können bei Kontakt mit der Haut oder den Augen oder wenn sie eingeatmet, gegessen oder gespritzt werden, eine allergische Reaktion auslösen. Eine allergische Reaktion kann in verschiedenen Formen auftreten:

Bei vielen allergischen Reaktionen produziert das Immunsystem beim ersten Kontakt mit einem Allergen einen Antikörpertyp namens Immunglobulin E (IgE). IgE bindet im Blutstrom an eine weiße Blutkörperchenart, sogenannte Basophile, und im Gewebe an eine ähnliche Zellart, die Mastzellen. Der Erstkontakt kann Personen gegenüber dem Allergen empfindlich machen (sensibilisieren), ohne Symptome zu verursachen. Wenn eine nunmehr empfindliche Person danach mit dem Allergen in Kontakt kommt, setzen die basophilen Granulozyten und Mastzellen, die das IgE auf ihrer Oberfläche tragen, Substanzen wie Histamin, Prostaglandine und Leukotriene frei, die eine Schwellung oder Entzündung im umgebenden Gewebe verursachen. Diese Substanzen setzen eine Kaskade von Reaktionen in Gang, die das Gewebe weiter reizen und schädigen. Diese Reaktionen können von leichter bis schwerer Natur sein.

Latexempfindlichkeit

Latex ist eine Flüssigkeit, die aus Gummibäumen gewonnen wird. Es wird zur Herstellung von Gummiprodukten einschließlich Gummihandschuhen, Kondomen und Medizinprodukten (z. B. Katheter, Atemschläuche, Klistierspitzen, Kofferdämme) verwendet.

Latex kann allergische Reaktionen einschließlich Quaddeln, Ausschläge und sogar schwere und potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen (auch anaphylaktische Reaktionen genannt) auslösen. Die trockene und gereizte Haut, die viele Personen nach dem Tragen von Latexhandschuhen bekommen, ist für gewöhnlich die Folge einer Hautreizung und nicht einer allergischen Reaktion auf Latex.

In den 1980er Jahren hat man im Gesundheitswesen Beschäftigte dazu angehalten, während jeder Patientenberührung zur Vorbeugung gegen die Ausbreitung von Infektionen Latexhandschuhe zu tragen. Seit dieser Zeit tritt in dieser Berufsgruppe immer öfter eine Überempfindlichkeit gegenüber Latex auf.

Personen können ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung einer Überempfindlichkeit gegen Latex aufweisen, wenn sie

  • mehrere operative Eingriffe hatten,

  • zur Hilfe beim Wasserlassen einen Katheter tragen müssen,

  • in Produktions- oder Vertriebswerken von Latexprodukten arbeiten.

Aus noch nicht geklärten Gründen sind Personen mit einer Latexempfindlichkeit oft allergisch auf Bananen und manchmal auch auf andere Lebensmittel wie Kiwis, Papayas, Avocados, Kastanien, Kartoffeln, Tomaten und Aprikosen.

Ärzte können eine Latexempfindlichkeit anhand der Symptome und der Beschreibung ihres zeitlichen Auftretens vermuten, besonders wenn die Person einen Gesundheitsberuf ausübt. Zur Bestätigung der Diagnose werden manchmal Blut- oder Hauttests durchgeführt.

Personen mit einer Empfindlichkeit gegenüber Latex sollten dieses meiden. Im Gesundheitswesen Tätige können z. B. auf latexfreie Handschuhe und andere Produkte zurückgreifen. Die meisten Gesundheitseinrichtungen halten solche bereit.

Ursachen

Genetische und Umweltfaktoren spielen zusammen und tragen zur Entwicklung von Allergien bei.

Man geht von der Beteiligung von Genen aus, da bestimmte Mutationen bei Allergikern häufig auftreten und Allergien dazu neigen, in der Familie zu liegen.

Auch zahlreiche Umwelteinflüsse erhöhen das Allergierisiko. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

  • Wiederholter Kontakt mit fremden Substanzen (Allergenen)

  • Ernährung

  • Schadstoffe (wie Tabakrauch und Abgase)

Andererseits kann der Kontakt mit verschiedenen Bakterien und Viren während der Kindheit das Immunsystem stärken und ihm dabei helfen, zu lernen, wie es auf eine nicht schädliche Weise auf Allergene reagiert. Dies kann dabei helfen, eine Entwicklung von Allergien zu verhindern. Ein Umfeld, das den Kontakt eines Kindes mit Bakterien und Viren einschränkt – was landläufig als gut angesehen wird – könnte die Entwicklung von Allergien wahrscheinlicher machen. Der Kontakt mit Mikroorganismen ist in Familien mit weniger Kindern und einem saubereren Umfeld im Haus sowie durch die frühe Anwendung von Antibiotika begrenzt.

Mikroorganismen leben im Verdauungstrakt, in den Atemwegen und auf der Haut. Es unterscheidet sich jedoch von Person zu Person, welche Mikroorganismen vorhanden sind. Dies scheint wiederum zu beeinflussen, ob und zu welchen Allergien es kommt.

Zu den Allergenen, die am häufigsten allergische Reaktion auslösen, gehören:

  • Kot von Hausstaubmilben

  • Tierische Haar- und Hautschuppen

  • Pollen (von Bäumen, Gräsern und Unkräutern)

  • Schimmelpilze

Hausstaubmilben leben im Staub, der sich in Teppichen, der Bettwäsche, weichen Möbeln und weichen Spielzeugen ansammelt.

Symptome

Die meisten allergischen Reaktionen sind leichter Natur und äußern sich in Form von tränenden und juckenden Augen, einer laufenden Nase, juckender Haut sowie Niesen. Hautausschlag (einschließlich Quaddeln) kommt häufig vor und geht oft mit Juckreiz einher.

Die Nesselsucht, auch Urtikaria genannt, äußert sich durch kleine rote, leicht erhabene, geschwollene Bereiche (Quaddeln), die häufig eine blasse Mitte aufweisen. Es kann auch zu einer großflächigen Schwellung im Unterhautgewebe kommen (auch Angioödem genannt). Die Schwellung wird durch aus den Blutgefäßen austretende Flüssigkeiten verursacht. Je nachdem, welcher Körperteil von dem Angioödem betroffen ist, kann dieses von schwerwiegender Natur sein.

Allergien können auch Asthmaanfälle auslösen.

Bestimmte allergische Reaktionen, so genannte anaphylaktische Reaktionen, können lebensbedrohlich sein. Die Atemwege können sich verengen (zusammenschnüren), was zu Keuchatmung führt. Die Rachenschleimhaut und Atemwege können anschwellen und die Atmung beeinträchtigen. Die Blutgefäße können sich erweitern (dilatieren) und einen gefährlichen Blutdruckabfall verursachen.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Mitunter Bluttests

  • Oftmals Hauttests und der allergenspezifische Serum-IgE-Test

Der Arzt stellt als Erstes fest, ob es sich um eine allergische Reaktion handelt. Dabei kann er folgende Fragen stellen:

  • Hat die betroffene Person enge Familienangehörige mit Allergien? Eine Reaktion in solchen Fällen ist nämlich eher allergisch.

  • Wie oft treten die Reaktionen auf und wie lange dauerten sie an?

  • Wie alt war die betroffene Person, als die Reaktionen anfingen?

  • Hat irgendetwas (wie körperliche Betätigung oder der Kontakt mit Pollen, Tieren oder Staub) die Reaktion ausgelöst?

  • Wurden irgendwelche Behandlungen versucht und wie hat die betroffene Person in diesem Fall darauf angesprochen?

In der Regel werden Bluttests zum Nachweis einer bestimmten weißen Blutkörperchenart, der Eosinophilen, durchgeführt. Bei dem Auftreten einer allergischen Reaktion werden Eosinophile, die bei jedem Menschen vorhanden sind, in der Regel in größeren Mengen produziert.

Da jede allergische Reaktion durch ein spezifisches Allergen ausgelöst wird, ist die Identifizierung dieses Allergens das wichtigste diagnostische Ziel. Häufig kann der Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen das Allergen aufgrund des Zeitpunktes des Einsetzens einer Allergie sowie des Zeitpunkts und der Häufigkeit einer Reaktion identifizieren (z. B. während einer bestimmten Jahreszeit oder nach dem Essen bestimmter Nahrungsmittel).

Hauttests und allergenspezifische Serum-IgE-Tests können dem Arzt auch dabei helfen, das konkrete Allergen zu finden. Allerdings können diese Tests nicht alle Allergien nachweisen und manchmal zeigen sie, dass eine Person allergisch ist, obwohl sie es eigentlich nicht ist (falsch-positives Ergebnis).

Hauttest

Hauttests sind bei der Identifizierung spezieller Allergene am hilfreichsten.

Für gewöhnlich wird als Erstes ein Prick-Test durchgeführt. Dafür wird aus Extrakten von Pollen (von Bäumen, Gräsern und Unkräutern), Schimmelpilzen, Hausstaubmilben, tierischen Haut- und Haarschuppen, Insektengift, Nahrungsmitteln und einigen Antibiotika eine verdünnte Lösung hergestellt. Von jeder Lösung wird ein Tropfen auf die Haut des Betroffenen aufgetragen, die dann mit einer Nadel leicht angeritzt wird.

Der Arzt kann auch andere Lösungen anwenden, die ihm helfen, die Reaktion des Patienten auf die Allergene zu interpretieren. Ein Tropfen einer Histaminlösung, die eine allergische Reaktion auslösen sollte, wird verwendet, um festzustellen, ob das Immunsystem des Patienten funktioniert. Zu Vergleichszwecken wird ein Tropfen einer verdünnten Lösung, die keine allergische Reaktion auslösen sollte, verwendet.

Wenn die Person gegen eines oder mehrere der Allergene allergisch ist, kommt es wie folgt zu einer Schubreaktion mit Quaddeln:

  • An der Einstichstelle erscheint innerhalb von 15 bis 20 Minuten eine blasse, leicht erhabene Schwellung (Quaddel).

  • Der Durchmesser der entstandenen Quaddel ist ungefähr 0,3 bis 0,5 Zentimeter größer als der Durchmesser der Quaddel, die durch die verdünnte Lösung hervorgerufen wird.

  • Diese wird von einem klar abgegrenzten, roten Bereich (dem Rötungshof) umschlossen.

Die meisten Allergene können mit Hilfe des Prick-Tests identifiziert werden.

Wenn kein Allergen identifiziert wird, wird ein intradermaler Test durchgeführt. Für diesen Test kann eine kleine Menge jeder Lösung in die Haut des Patienten gespritzt werden. Dieser Typ von Hauttest kann die Reaktion auf ein Allergen mit höherer Wahrscheinlichkeit nachweisen.

Vor den Hauttests werden die Betroffenen gebeten, Antihistaminika und bestimmte Antidepressiva, sogenannte trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) sowie Monoaminoxidase-Hemmer (z. B. Selegilin), abzusetzen. Diese Medikamente könnten eine Reaktion auf die Tests unterdrücken. Einige Ärzte führen solche Hauttests auch nicht durch, wenn die Betroffenen Betablocker einnehmen, da bei einer allergischen Reaktion infolge des Tests dieses Personenkreises die Folgen mit größerer Wahrscheinlichkeit schwerwiegend sind. Hinzu kommt, dass Betablocker mit den Medikamenten, die zur Behandlung einer schweren allergischen Reaktion verabreicht werden, in Wechselwirkung treten können.

Allergenspezifischer Serum-IgE-Test

Der allergenspezifische Serum-IgE-Test ist ein Bluttest, der verwendet wird, wenn die Durchführung von Hauttests nicht möglich ist – beispielsweise bei einem großflächigen Hautausschlag. Bei diesem Test wird untersucht, ob IgE im Blut des Betroffenen an das bestimmte, bei dem Test verwendete Allergen, bindet. Wenn ja, ist die Person auf das betreffende Allergen allergisch.

Provokationstest

Für einen Provokationstest kommen die Betroffenen direkt mit dem Allergen in Kontakt. Dieser Test wird in der Regel durchgeführt, wenn die allergische Reaktion dokumentiert werden muss, z. B. Antrag auf Behindertenstatus oder -leistungen. Manchmal wird dieser Test für die Diagnose einer Lebensmittelallergie verwendet. Wird eine belastungsinduzierte Allergie vermutet, kann der Betroffene gebeten werden, sich körperlich anzustrengen.

Vorbeugung

Umweltbezogene Maßnahmen

Die beste Maßnahme ist die Vermeidung oder Beseitigung des Allergens, wenn das möglich ist. Hierzu gehört unter anderem:

  • Absetzen eines Medikaments

  • Halten eines Haustiers draußen oder nur in bestimmten Zimmern

  • Verwendung hocheffizienter HEPA-Filter (Schwebstofffilter) und damit ausgestatteter Staubsauger

  • Nicht essen bestimmter Nahrungsmittel

  • Personen mit schwerer saisonaler Allergie: Möglicher Umzug in eine Region, in der es das Allergen nicht gibt

  • Entfernung oder Umstellung von Dingen, auf denen sich Staub ansammeln kann, wie z. B. Polstermöbeln, Teppichen oder Krimskrams

  • Überziehen von Matratzen und Kissen mit speziellen Bezügen, die für Hausstaubmilben und Allergenpartikel undurchlässig sind

  • Verwendung von Kissen aus Kunstfaser

  • Häufiges Waschen der Bettbezüge, Kissenbezüge und Decken mit heißem Wasser

  • Häufiges Putzen des Hauses/der Wohnung, einschließlich Staubwischen, Staubsaugen und feuchtes Aufwischen

  • Verwendung einer Klimaanlage und eines Entfeuchters im Keller und anderen feuchten Räumen

  • Behandlung des Haus/der Wohnung mit Heißdampf

  • Ausrottung von Küchenschaben

Allergiker sollten den Kontakt mit bestimmten anderen Reizstoffen, die die Allergiesymptome verschlimmern oder Atemprobleme verursachen können, vermeiden oder verringern. Zu diesen Reizstoffen zählen folgende:

  • Zigarettenrauch

  • Starke Gerüche

  • Reizende Dämpfe

  • Luftverschmutzung

  • Kühle Temperaturen

  • Hohe Luftfeuchtigkeit

Allergen-Immuntherapie (Desensibilisierung)

Betroffene können mit einer Allergen-Immuntherapie, normalerweise mit Allergiespritzen (Injektionen), behandelt werden, um sie gegen das jeweilige Allergen zu desensibilisieren (unempfindlicher zu machen), wenn sich einige Allergene, v. a. luftgetragene Allergene, nicht vermeiden lassen und die Medikamente zur Behandlung der allergischen Reaktion nicht wirken.

Mit der Allergen-Immuntherapie kann allergischen Reaktionen vorgebeugt oder deren Häufigkeit und/oder Schweregrad verringert werden. Allerdings ist eine Allergen-Immuntherapie nicht immer wirksam. Einige Personen und manche Allergien sprechen auf die Immuntherapie besser an als andere.

Eine Immuntherapie wird am häufigsten bei Allergien auf Folgendes angewendet:

  • Pollen

  • Hausstaubmilben

  • Schimmelpilze

  • Gift stechender Insekten

Wenn Personen allergisch auf nicht vermeidbare Allergene sind, wie z. B. auf das Gift von Insekten, kann die Immuntherapie bei der Vorbeugung einer anaphylaktischen Reaktion helfen. Manchmal wird sie auch bei Allergien gegen Haut- und Haarschuppen von Tieren verwendet, allerdings ist eine erfolgreiche Behandlung eher unwahrscheinlich. Die Immuntherapie gegen Nahrungsmittelallergien wird derzeit untersucht.

Bei vermeidbaren Allergenen wie Penicillin oder anderen Medikamenten wird die Immuntherapie nicht angewandt. Wenn allerdings Betroffene ein Medikament einnehmen müssen, gegen das sie allergisch sind, kann eine von einem Arzt sorgfältig überwachte Immuntherapie durchgeführt werden, um die Betroffenen zu desensibilisieren.

Bei einer Immuntherapie werden winzige Mengen des Allergens unter die Haut gespritzt. Die Dosis wird schrittweise gesteigert, bis ein Spiegel erreicht ist, bei dem die Symptome noch erträglich sind (Erhaltungsdosis). Ein schrittweiser Anstieg ist notwendig, da ein zu schneller Kontakt mit einer hohen Dosis des Allergens eine allergische Reaktion hervorrufen kann. In der Regel werden wöchentlich ein bis zwei Injektionen bis zum Erreichen der Erhaltungsdosis verabreicht. Danach werden die Injektionen normalerweise alle 2 bis 4 Wochen verabreicht. Das Verfahren ist am wirksamsten, wenn die Erhaltungsinjektionen über das ganze Jahr fortgeführt werden; das gilt auch für saisonale Allergien.

Alternativ können auch hohe Dosen des Allergens unter die Zunge (sublingual) platziert und dort vor dem Herunterschlucken für einige Minuten belassen werden. Wie bei den Injektionen werden auch hier die Dosen schrittweise erhöht. Das sublinguale Verfahren ist relativ neu. Daher ist die Häufigkeit der zu verabreichenden Dosen noch nicht genau festgelegt. Sie reicht von einmal täglich bis dreimal wöchentlich. Extrakte aus Gräserpollen oder Hausstaubmilben, die unter die Zunge verabreicht werden, können bei der Vorbeugung eines allergischen Schnupfens helfen.

Eine Immuntherapie mit einem Allergen kann bis zu ihrem Abschluss 3 bis 4 Jahre dauern.

Da die Injektionen im Rahmen einer Immuntherapie gelegentlich gefährliche allergische Reaktionen verursachen, müssen die Betroffenen im Anschluss noch für mindestens 30 Minuten unter ärztliche Aufsicht bleiben. Bei leichten Reaktionen auf die Immuntherapie (z. B. Niesen, Husten, Erröten, Kribbeln, Juckreiz, Engegefühl in der Brust, Keuchatmung, Quaddeln) kann für gewöhnlich ein Antihistaminikum wie Diphenhydramin oder Loratadin helfen. Bei schwerwiegenderen Reaktionen muss Adrenalin injiziert werden.

Behandlung

  • Vermeidung der Allergene

  • Antihistaminika

  • Mastzellstabilisatoren

  • Kortikosteroide

  • Allergen-Immuntherapie

  • Bei schweren allergischen Reaktionen Notfallbehandlung

Das Vermeiden des Allergens ist der beste Weg, Allergien zu behandeln bzw. ihnen vorzubeugen.

Wenn nur leichte Symptome auftreten, ist die Anwendung von Antihistaminika häufig ausreichend. Wenn diese nicht wirksam sind, können andere Medikamente wie Mastzellstabilisatoren und Kortikosteroide helfen. Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sind nur als Augentropfen zur Behandlung einer Bindehautentzündung nützlich.

Schwerwiegende Symptome, z. B. mit Beteiligung der Atemwege (einschließlich anaphylaktischer Reaktionen), erfordern eine Notfallbehandlung.

Antihistaminika

Antihistaminika sind die Medikamente, die am häufigsten zur Linderung allergischer Symptome verwendet werden. Antihistaminika blockieren die Wirkung von Histamin (das die Symptome auslöst); sie hindern den Körper nicht dran, Histamin zu produzieren.

Die Einnahme von Antihistaminika lindert den Fließschnupfen, tränende Augen und den Juckreiz und verringert die durch Quaddeln oder ein leichtes Angioödem verursachten Schwellungen. Bei einer Verengung der Atemwege können Antihistaminika das Atmen jedoch nicht erleichtern. Einige Antihistaminika (wie z. B. Azelastin) sind auch Mastzellstabilisatoren.

Antihistaminika sind in folgender Form verfügbar:

  • Tabletten, Kapseln oder flüssige Lösungen zur Einnahme über den Mund

  • Nasensprays

  • Augentropfen

  • Lotionen oder Cremes

Welche gewählte Darreichungsform hängt von der Art der allergischen Reaktion ab. Einige Antihistaminika sind rezeptfrei erhältlich, andere müssen per Rezept verordnet werden. Einige Antihistaminika, für die man früher ein Rezept brauchte, sind heute rezeptfrei erhältlich.

Präparate, die ein Antihistaminikum und ein abschwellendes Mittel (Dekongestivum) enthalten (z. B. Pseudoephedrin), sind ebenfalls rezeptfrei erhältlich. Sie können von Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren angewendet werden. Diese Produkte sind besonders dann hilfreich, wenn sowohl ein Antihistaminikum als auch ein abschwellendes Mittel für die Nase benötigt werden. Manche Personen, beispielsweise solche, die bereits Monoaminoxidase-Hemmer (eine Art Antidepressiva) nehmen, können solche Präparate jedoch nicht anwenden. Auch Personen mit Bluthochdruck sollten nur dann ein Dekongestivum anwenden, wenn ihr Arzt dies empfiehlt und die Anwendung überwacht.

Das Antihistaminikum Diphenhydramin ist zur Linderung des Juckreizes rezeptfrei als Lotion, Creme, Gel oder auf die Haut anzuwendendes Spray erhältlich, sollte aber nicht angewandt werden. Seine Wirksamkeit ist nicht erwiesen und es kann allergische Reaktionen (z. B. Hautausschlag) auslösen. Zudem kann es bei Kindern, die auch ein orales Antihistaminikum einnehmen, starke Schläfrigkeit verursachen.

Wussten Sie ...

  • Rezeptfrei erhältliche Hautprodukte mit Diphenhydramin (einem Antihistaminikum) sollten nicht verwendet werden, da ihre Wirksamkeit nicht erwiesen ist und es zu allergischen Reaktionen sowie anderen Nebenwirkungen kommen kann.

Zu den Nebenwirkungen von Antihistaminika gehören anticholinerge Wirkungen wie Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, verschwommene Sicht, Verstopfung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Verwirrung (v. a. direkt nach dem Aufstehen) und Benommenheit. Häufig verfügen verschreibungspflichtige Antihistaminika über weniger dieser Nebenwirkungen.

Einige Antihistaminika verursachen mit höherer Wahrscheinlichkeit Benommenheit (Sedierung) als andere. Benommenheit verursachende Antihistaminika sind vielfach rezeptfrei erhältlich. Man sollte diese Antihistaminika nicht verwenden, wenn man vorhat, ein Fahrzeug zu führen, ein schweres Gerät zu bedienen oder sonstige Tätigkeiten auszuüben, für die man aufmerksam sein muss. Antihistaminika, die Schläfrigkeit verursachen, sollten bei Kindern unter 2 Jahren nicht angewendet werden, da sie schwerwiegende oder lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben können. Diese Antihistaminika stellen aufgrund ihrer anticholinergen Wirkungen auch insbesondere für ältere Menschen, Menschen mit einem Glaukom (grünem Star), einer benignen Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung), Verstopfung oder Demenz ein spezielles Problem dar. Im Allgemeinen werden Antihistaminika bei Personen mit Herzkreislauferkrankungen nur mit Vorsicht vom Arzt verordnet.

Nicht jeder reagiert auf Antihistaminika gleich. Beispielsweise scheinen Asiaten weniger empfänglich für die beruhigenden Wirkungen von Diphenhydramin zu sein als Personen westeuropäischer Abstammung. Zudem bewirken Antihistaminika bei manchen Personen eine gegenteilige (paradoxe) Reaktion, sodass sie sich nervös, unruhig und aufgeregt fühlen.

Tabelle
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Einige Antihistaminika

Medikament

Ausmaß der anticholinergen Wirkungen*

Ausmaß der Benommenheit†

Rezeptfrei

Brompheniramin

Mittel

Leicht

Cetirizin

Wenige bis keine

Kaum bis keine bei den meisten und mäßig bei einigen Personen

Chlorpheniramin

Mittel

Leicht

Clemastin

Stark

Mittel

Desloratadin

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Diphenhydramin

Stark

Extrem

Fexofenadin

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Loratadin

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Rezeptpflichtig

Acrivastin‡

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Azelastin

Wenige bis keine

Leicht

Cyproheptadin

Mittel

Leicht

Dexchlorpheniramin

Mittel

Leicht

Hydroxyzin

Mittel

Extrem

Levocetirizin

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Mizolastin

Wenige bis keine

Kaum bis keine

Promethazin

Stark

Extrem

* Zu den anticholinergen Wirkungen zählen Mundtrockenheit, verschwommene Sicht, Verstopfung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Verwirrung und Benommenheit (vor allem direkt nach dem Aufstehen). Ältere Menschen sind für diese Wirkungen besonders anfällig.

† Das Ausmaß der Benommenheit hängt von der Dosis, anderen Wirkstoffen der Formulierung (z. B. Formulierungen mit abschwellendem Mittel plus Antihistaminikum) und der Person ab.

‡ Acrivastin ist ausschließlich in Kombination mit Pseudoephedrin (einem Dekongestivum [abschwellenden Mittel]) erhältlich. Die Kombination wird über den Mund (oral) eingenommen.

Mastzellstabilisatoren

Mastzellstabilisatoren blockieren die Mastzellen bei der Freisetzung von Histaminen und anderen Substanzen, die Schwellungen und Entzündungen verursachen.

Mastzellstabilisatoren kommen zum Einsatz, wenn Antihistaminika oder andere Medikamente nicht wirksam sind oder unangenehme Nebenwirkungen haben. Diese Medikamente können die Kontrolle von allergischen Symptomen unterstützen.

Hierzu gehören unter anderem Azelastin, Cromoglicinsäure, Lodoxamid, Ketotifen, Nedocromil, Olopatadin und Pemirolast. Azelastin, Ketotifen, Olopatadin und Pemirolast sind auch Antihistaminika.

Cromoglicinsäure ist als Rezept wie folgt erhältlich:

  • Zur Anwendung mit einem Inhalator oder Vernebler (die das gasförmige Medikament in die Lungen befördern)

  • Als Augentropfen

  • In Formen, die über den Mund einzunehmen sind

Cromoglicinsäure ist als Nasenspray rezeptfrei zur Behandlung von allergischem Schnupfen erhältlich. Cromoglicinsäure wirkt in der Regel nur dort, wo es angewandt wird, wie etwa an der hinteren Rachenwand, in der Lunge, den Augen oder der Nase. Über den Mund (oral) eingenommene Cromoglicinsäure kann die Verdauungssymptome einer Mastozytose lindern. Es gelangt aber nicht in den Blutstrom und hat somit auch keine Wirkung auf andere Symptome der Allergie.

Tabelle
icon

Einige Medikamente zur Behandlung von Allergien: Verfügbare Formulierungen

Formulierung

Antihistaminika

Mastzellstabilisatoren

Kortikosteroide

Inhalator oder Vernebler

Cromoglicinsäure*

Verschiedene Medikamente zur Behandlung von Asthma wie

  • Beclometason

  • Budesonid

  • Fluticason

  • Triamcinolon

Nasenspray

Azelastin

Olopatadin

Azelastin

Cromoglicinsäure

Olopatadin

Beclometason

Budesonid

Flunisolid

Fluticason

Mometason

Triamcinolon

Augentropfen

Azelastin

Emedastin

Ketotifen

Levocabastin

Olopatadin

Pemirolast

Azelastin

Cromoglicinsäure*

Ketotifen

Lodoxamid

Nedocromil*

Olopatadin

Pemirolast

Dexamethason

Fluorometholon

Loteprednoletabonat

Medryson

Prednisolon

Rimexolon

Lotionen, Salben oder Cremes

Verschiedene Präparate zur Behandlung von Hauterkrankungen (z. B. atopischer Dermatitis) einschließlich

  • Betamethason

  • Clobetasol

  • Fluocinonid

  • Flurandrenolid

  • Hydrocortison

  • Triamcinolon

Tabletten, Kapseln oder flüssige Lösungen zur Einnahme über den Mund (oral)

Acrivastin plus Pseudoephedrin (ein abschwellendes Mittel)

Azatadin*

Brompheniramin

Cetirizin

Chlorpheniramin

Clemastin

Cyproheptadin*

Desloratadin

Dexchlorpheniramin*

Diphenhydramin

Fexofenadin

Hydroxyzin*

Levocetirizin*

Loratadin

Promethazin*

Cromoglicinsäure*

Budesonid

Dexamethason

Methylprednisolon

Prednisolon

Prednison

* Rezeptpflichtig.

Kortikosteroide

Wenn die Allergiesymptome nicht durch Antihistaminika und Mastzellstabilisatoren kontrolliert werden können, helfen möglicherweise Kortikosteroide.

Kortikosteroide können als Nasenspray zur Behandlung nasaler Symptome oder mittels eines Inhalators, meistens zur Behandlung von Asthma, angewandt werden.

Ärzte verschreiben ein orales Kortikosteroid wie Prednison nur bei sehr schweren oder umfassenden Symptomen und wenn alle anderen Behandlungen unwirksam sind. Die langfristige Einnahme von hoch dosierten oralen Kortikosteroiden (z. B. über mehr als 3 bis 4 Wochen) kann zu zahlreichen, manchmal schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Aus diesem Grund erfolgt die Anwendung von oralen Kortikosteroiden nur so kurz wie möglich.

Kortikosteroidhaltige Salben und Cremes können den mit allergischen Ausschlägen verbundenen Juckreiz lindern. Hydrocortison ist das einzig rezeptfrei erhältliche Kortikosteroid.

Andere Medikamente

Leukotrien-Modifikatoren, wie Montelukast, sind entzündungshemmende Medikamente, die zur Behandlung von Folgendem angewendet werden:

  • Leichtem, anhaltendem Asthma

  • Saisonalem allergischem Schnupfen (Saisonaler allergischer Rhinitis)

Sie hemmen die Leukotriene, die von einigen weißen Blutkörperchen und Mastzellen bei Kontakt mit einem Allergen freigesetzt werden. Leukotriene tragen zu Entzündungen bei und verursachen ein Zusammenschnüren der Atemwege.

Omalizumab ist ein monoklonaler Antikörper (ein hergestellter [künstlicher] Antikörper, der so konstruiert wurde, dass er mit einer speziellen Substanz in Wechselwirkung tritt). Omalizumab bindet an Immunglobulin E (IgE), einen Antikörper, der während einer allergischen Reaktion in großen Mengen produziert wird, und verhindert deren Anbindung an Mastzellen und basophile Granulozyten und die Auslösung einer allergischen Reaktion. Omalizumab kann für die Behandlung bei anhaltendem oder schwerem Asthma eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen unwirksam sind. Dieser Wirkstoff kann auch helfen, wenn häufig Quaddeln auftreten und andere Behandlungen nicht anschlagen. Wird Omalizumab verwendet, kann die Kortikosteroid-Dosis verringert werden. Es wird unter die Haut (subkutan) gespritzt.

Notfallbehandlung

Schwere allergische Reaktionen wie ein anaphylaktischer Schock erfordern eine sofortige Notfallbehandlung.

Personen mit schweren allergischen Reaktionen sollten immer eine Adrenalin-Spritze zur Selbstinjektion bei sich haben. Diese sollte im Fall einer schweren Reaktion so schnell wie möglich angewendet werden. Antihistaminika-Tabletten können auch helfen; allerdings sollte vor der Einnahme dieser Tabletten Adrenalin als Spritze verabreicht werden. Für gewöhnlich stoppt Adrenalin die Reaktion zumindest vorübergehend. Dennoch sollten Personen, die eine schwere allergische Reaktion hatten, die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen, wo man sie genau überwachen und die Behandlung bei Bedarf wiederholen oder anpassen kann.

Behandlung von Allergien in der Schwangerschaft und Stillzeit

Wann immer möglich sollten schwangere Frauen mit Allergien zur Kontrolle ihrer Symptome die entsprechenden Allergene vermeiden. Wenn die Symptome schwerwiegend sind, sollten schwangere Frauen ein Antihistaminikum-Nasenspray verwenden. Nur wenn Antihistaminika in Nasensprayform keine Erleichterung bringen, sollten sie orale Antihistaminika einnehmen.

Stillende Frauen sollten ebenfalls versuchen, Antihistaminika zu vermeiden. Sollten diese jedoch notwendig sein, ziehen Ärzte die Anwendung von Antihistaminika vor, die mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit zu Schläfrigkeit führen. Außerdem werden Antihistamin-Nasensprays gegenüber über den Mund einzunehmenden Antihistaminika bevorzugt. Wenn für die Symptomkontrolle orale Antihistaminika unerlässlich sind, sollten sie umgehend nach dem Stillen des Kindes genommen werden.

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