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Galaktorrhö

Von

Ian M. Chapman

, MBBS, PhD, University of Adelaide, Royal Adelaide Hospital

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2019| Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Quellen zum Thema

Galaktorrhö steht für die Bildung von Milch in der Brust bei Männern oder bei Frauen, die kein Kind stillen.

  • Die häufigste Ursache von Galaktorrhö ist ein Tumor in der Hypophyse.

  • Galaktorrhö kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine unerwartete Milchproduktion sowie Unfruchtbarkeit verursachen.

  • Die Diagnose basiert auf der Messung der Blutspiegel des Hormons Prolaktin.

  • Zur Ursachenforschung können bildgebende Verfahren eingesetzt werden.

  • Wenn Medikamente allein die Prolaktinproduktion nicht stoppen oder den Tumor verkleinern, kann ein chirurgischer Eingriff und manchmal eine Strahlentherapie durchgeführt werden.

Die häufigste Ursache für Galaktorrhö liegt bei beiden Geschlechtern in einem Prolaktin sezernierenden Tumor (Prolaktinom) der Hypophyse. Prolaktin ist ein Hormon, das die Brustdrüsen zur Milchbildung anregt.

Prolaktinome sind bei der ersten Diagnosestellung normalerweise sehr klein. Sie sind bei Männern tendenziell größer als bei Frauen, vermutlich, weil sie später erkannt werden. Tumoren, die sich unmittelbar über der Hypophyse befinden und kein Prolaktin bilden, können die Prolaktinsekretion erhöhen, wenn sie auf den Hypophysenstiel drücken. Durch den Druck auf den Stiel kann es sein, dass das Hormon Dopamin nicht mehr die Hypophyse erreicht, wo es normalerweise die Prolaktinproduktion hemmt.

Eine Überproduktion von Prolaktin und die Entwicklung einer Galaktorrhö kann auch durch Medikamente ausgelöst werden, darunter Phenothiazine, bestimmte Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck (besonders Methyldopa), Opioide und Antibabypillen sowie durch bestimmte Erkrankungen außerhalb der Hypophyse. Solche Erkrankungen sind unter anderem eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), eine chronische Nierenerkrankung, eine Lebererkrankung und bestimmte Arten von Lungenkrebs.

Wussten Sie ...?

  • Galaktorrhö kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten.

Symptome

Zwar kann die unerwartete Produktion von Milch in der Brust das einzige Symptom eines Prolaktinoms sein. Bei vielen Frauen setzt aber auch die Menstruation aus (Amenorrhö) oder tritt seltener ein. Frauen mit Prolaktinomen haben oft niedrige Östrogenspiegel, wodurch es zu einer trockenen Scheide kommt, was beim Geschlechtsverkehr Beschwerden bereiten kann. Einige Frauen (und in seltenen Fällen, Männer) sind unfruchtbar. Etwa zwei Drittel der Männer mit Prolaktinomen verlieren das Interesse an Sex (verminderte Libido) und haben eine Erektionsstörung (erektile Dysfunktion). Einige Frauen leiden ebenfalls an einer verminderten Libido und Hirsutismus (übermäßiges Haarwachstum an Gesicht und Körper). Hohe Prolaktinspiegel können bei Männern und Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.

Ein großes Prolaktinom kann auf die Gehirnnerven, die direkt oberhalb der Hypophyse verlaufen, drücken, was zu Kopfschmerzen oder Blindheit in bestimmten Gesichtsfeldern führen kann.

Diagnose

  • Messung des Prolaktinspiegels im Blut

  • Computertomographie oder Magnetresonanztomographie

Die Diagnose wird normalerweise bei Frauen vermutet, wenn die Menstruation seltener erfolgt oder ausbleibt oder wenn unerwartet Milch in der Brust gebildet wird. Sie wird auch bei Männern mit verringerter Libido und gesenkten Testosteronspiegeln im Blut angenommen, wenn sie Milch in der Brust bilden.

Bestätigt wird die Diagnose durch hohe Prolaktinspiegel im Blut.

Zur Suche nach einem Prolaktinom oder einem Tumor im Bereich der Hypophyse wird eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen. Wenn sich kein Tumor nachweisen lässt und keine offensichtliche Ursache für den hohen Prolaktinspiegel vorliegt (z. B. ein Medikament), ist ein Hypophysentumor weiterhin die wahrscheinlichste Ursache, insbesondere bei Frauen. In diesem Fall ist der Tumor wahrscheinlich zu klein, um im Scan gesehen zu werden.

Wenn sich ein Prolaktinom in der Bildgebung groß darstellt, untersucht ein Augenarzt die Gesichtsfelder der Person auf mögliche Auswirkungen auf das Sehen.

Behandlung

  • Medikamente zur Hemmung der Prolaktinproduktion

  • Gelegentlich Operation oder Strahlentherapie

Medikamente können verabreicht werden, um die Wirkung von Dopamin anzuregen, jener Chemikalie, die im Gehirn die Prolaktinproduktion hemmt. Dazu gehören Bromocriptin und Cabergolin. Diese Medikamente werden oral verabreicht und wirken nur so lange, wie sie angewendet werden. Selten führen sie zur Heilung des Tumors.

Bei den meisten Menschen senken sie die Prolaktinspiegel ausreichend, um die Menstruation wiederherzustellen, die Galaktorrhö zu beenden (bei Männern und Frauen) und die Östrogenspiegel bei Frauen und die Testosteronspiegel bei Männern zu erhöhen. Häufig können die Medikamente auch die Fruchtbarkeit wiederherstellen. Sie lassen den Tumor außerdem häufig schrumpfen und verbessern Sehstörungen.

Ein chirurgischer Eingriff ist bei der Behandlung kleiner Prolaktinome ebenfalls effektiv, wird aber normalerweise nicht zu Beginn durchgeführt, da die medikamentöse Behandlung sicher, wirksam und einfach anwendbar ist.

Wenn die Prolaktinspiegel einer Person nicht außergewöhnlich hoch sind und eine CT oder MRT nur ein kleines oder überhaupt kein Prolaktinom zeigt, wird vom Arzt womöglich dazu geraten, keine Therapie durchzuführen. Das ist vermutlich bei Frauen richtig, die trotz des hohen Prolaktinspiegels keine Probleme haben, schwanger zu werden, deren Menstruation regelmäßig bleibt und denen die Galaktorrhö nichts ausmacht, und bei Männern, deren Testosteronspiegel nicht gesenkt ist. Niedrige Östrogenspiegel treten häufig zusammen mit Amenorrhö auf und erhöhen bei Frauen das Risiko für eine Osteoporose. Niedrige Testosteronspiegel erhöhen bei Männern das Risiko für Osteoporose.

Um die Wirkungen der durch ein Prolaktinom verursachten niedrigen Östrogenspiegel zu überwinden, können Frauen mit kleinen Prolaktinomen, die nicht schwanger werden wollen, Östrogen oder orale Kontrazeptiva verabreicht werden. Zwar konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Behandlung mit Östrogen das Wachstum von kleinen Prolaktinomen stimuliert, die meisten Experten empfehlen jedoch eine jährliche CT oder MRT für mindestens 2 Jahre, um sicherzustellen, dass der Tumor nicht deutlich größer wird.

Ärzte behandeln Menschen mit größeren Tumoren im Allgemeinen entweder mit Medikamenten, die Dopamin ähneln ( Dopaminagonisten), z. B. Bromocriptin oder Cabergolin, oder operativ. Wenn Medikamente die Prolaktinspiegel senken und die Symptome verschwinden, ist eventuell kein chirurgischer Eingriff erforderlich. Diese Medikamente sind generell sicher, jedoch wurde vor kurzem über eine Bildung von übermäßigem Bindegewebe (Fibrose) und Undichtigkeit von Herzklappen berichtet, wenn sie zur Behandlung der Parkinson-Krankheit in viel höheren Dosen angewendet wurden, als sie zur Behandlung von erhöhten Prolaktinspiegeln zum Einsatz kommen. Vor dem chirurgischen Eingriff kann versucht werden, den Tumor mit Dopaminagonisten zu verkleinern. Sie werden oft nach dem chirurgischen Eingriff verabreicht, da ein großer Prolaktin freisetzender Tumor wahrscheinlich nicht durch eine Operation geheilt wird. Gelegentlich verschwinden die Prolaktinome und bilden weniger Prolaktin, so dass die Dopaminagonisten abgesetzt werden können, ohne dass der Prolaktinspiegel wieder ansteigt. Die Dopaminagonisten können häufiger bei Patienten mit kleinen Tumoren und Frauen nach der Schwangerschaft abgesetzt werden.

Wie bei anderen Hypophysentumoren ist manchmal eine Bestrahlungstherapie erforderlich, wenn der Tumor nicht auf die medikamentöse oder operative Behandlung anspricht.

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