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Plötzlicher Herztod bei Sportlern

Von

Robert S. McKelvie

, MD, PhD, Western University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2020| Inhalt zuletzt geändert Okt 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Schätzungsweise entwickeln einer bis drei von 100.000 augenscheinlich gesunden, jungen Sportlern eine abrupt auftretende Herzrhythmusstörung und stirbt während des Trainings. Männer sind bis zu 10-mal häufiger betroffen als Frauen. Basketball- und Football-Spieler in den USA und Fußballspieler in Europa könnten das höchste Risiko aufweisen.

Ursachen für plötzlichen Herztod bei Sportlern

In der Regel hat der plötzliche Tod während körperlicher Aktivität bei jungen Sportlern ganz andere Ursachen als bei älteren Sportlern. Asthma, Hitzschlag und die Verwendung leistungssteigernder Substanzen oder Drogenkonsum können bei allen Sportlern zum Tod aufgrund plötzlicher Herzrhythmusstörungen führen.

Junge Sportler

Bei jungen Sportlern ist die häufigste Ursache für einen plötzlichen Herztod:

Andere Herzkrankheiten, die Herzrhythmusstörungen bewirken, z. B. das Long-QT-Syndrom oder das Brugada-Syndrom, und Aortenaneurysmen können auch zum plötzlichen Herztod bei jungen Sportlern führen.

In selteneren Fällen kann eine unentdeckte Vergrößerung des Herzens (dilatative Kardiomyopathie) bei einem jungen Menschen ohne Symptome vorliegen. Während oder nach anstrengender körperlicher Aktivität kann dieser dann plötzlich sterben.

Anomalien der Koronararterien (koronare Herzkrankheiten), insbesondere wenn eine der Arterien nicht den Weg oberhalb des Herzmuskels, sondern einen anderen Weg durch diesen nimmt, können bei Sportlern zu einem plötzlichen Tod führen. Dies geschieht, wenn die Kompression während des Trainings die Durchblutung abschneidet.

In seltenen Fällen können junge, schlanke Sportler plötzliche Herzrhythmusstörungen entwickeln, wenn sie einen starken Schlag direkt über dem Herzen erleiden (Commotio cordis), selbst ohne jegliche Herzerkrankung. Der Schlag geht oft von einem sich schnell bewegenden Flugkörper aus, etwa einem Baseball, Hockeypuck oder Lacrosseball, oder dem Zusammenprall mit einem anderen Spieler.

Ältere Sportler

Bei älteren Sportlern ist die häufigste Ursache eine

Gelegentlich ist eine hypertrophe Kardiomyopathie oder eine Erkrankung der Herzklappen eine Ursache.

Symptome von plötzlichem Herztod bei Sportlern

Manche Sportler haben Warnzeichen wie Ohnmacht oder Kurzatmigkeit. Oft erkennen die Sportler diese Symptome allerdings nicht oder melden sie nicht. Das erste Anzeichen ist dann ein plötzlicher Atemstillstand und Kollaps.

Diagnose von plötzlichem Herztod bei Sportlern

  • Screening vor dem Training

Screening

Vor Beginn eines Trainingsprogramms werden oft Untersuchungen durchgeführt. Dabei werden sowohl Personen untersucht, die medizinische Erkrankungen haben, als auch die, die glauben, dass sie keine medizinischen Erkrankungen haben. Liegt keine bekannte medizinische Erkrankung vor, sollten die Personen in der Regel dennoch untersucht werden. Manche schweren Erkrankungen verursachen erst bei körperlicher Anstrengung Probleme. In den Vereinigten Staaten erfolgt eine erneute Beurteilung alle 2 Jahre (im Jugendalter) oder alle 4 Jahre (ab dem Erwachsenenalter). In Europa wird die Vorsorgeuntersuchung unabhängig vom Alter des Sportlers alle 2 Jahre wiederholt.

Dabei werden immer Fragen gestellt und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Weitere Tests erfolgen nur dann, wenn das Alter der Person und die berichteten Symptome Anlass zur Besorgnis geben. Die Fragen konzentrieren sich auf drei Bereiche:

  • Symptome wie Brustschmerzen oder Beschwerden, Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht (Präsynkope), Erschöpfung und Schwierigkeiten beim Atmen, insbesondere wenn diese Symptome bei anstrengender körperlicher Aktivität auftreten

  • Familiengeschichte, insbesondere bezüglich Familienmitgliedern, die während einer körperlichen Aktivität ohnmächtig wurden oder gestorben sind oder die im Alter unter 50 Jahren plötzlich verstarben

  • Einnahme von Arzneimitteln

Die körperliche Untersuchung konzentriert sich auf das Abhören des Herzens auf Herzgeräusche mit einem Stethoskop, was auf mögliche Herzerkrankungen hindeuten könnte, sowie das Messen des Blutdrucks – einmal im Stehen und einmal im Liegen.

Bei jüngeren Menschen werden normalerweise keine Tests durchgeführt, außer es wird etwas Auffälliges in der Krankengeschichte oder bei der körperlichen Untersuchung festgestellt. Routinemäßige Elektrokardiographie(EKG)-Untersuchungen junger Sportler werden in den Vereinigten Staaten als nicht zweckmäßig angesehen. Deuten Befunde aber auf ein Herzproblem hin, lässt der Arzt normalerweise ein EKG, eine Echokardiographie oder beides machen.

Auch bei über 35-Jährigen können EKG und Belastungstests durchgeführt werden, bevor einem anstrengenden Training zugestimmt wird.

Wenn eine Herzkrankheit festgestellt wird, darf der Betroffene möglicherweise keinen Leistungssport mehr betreiben und muss sich weiteren Tests unterziehen. Manche Patienten mit einer schweren Herzerkrankung, wie einer hypertrophen Kardiomyopathie, sollten keinen Leistungssport betreiben. Die meisten Personen mit Herzerkrankungen können allerdings Freizeitsport betreiben. Eine erhöhte Aktivität hängt direkt mit einem besseren Gesundheitszustand zusammen, zum Beispiel einer Senkung des „schlechten“ Cholesterins (Low-Density-Lipoproteine), der Vorbeugung von Bluthochdruck und der Reduzierung von Körperfett. Bei den meisten Herzerkrankungen ist ein regelmäßiges Training Teil des Versorgungsplans (kardiale Rehabilitation).

Wussten Sie ...

  • Auch Personen mit Herzerkrankungen können normalerweise in einem gewissen Maß körperlichen Aktivitäten nachgehen.

Behandlung von plötzlichem Herztod bei Sportlern

  • Wiederbelebung

Bei Atemstillstand und Kollaps sollten die folgenden Behandlungen sofort eingeleitet werden:

Die Wiederbelebung wird in der Notaufnahme fortgesetzt. Falls die Person überlebt, behandeln die Ärzte die Ursache, die die Rhythmusstörung verursachte. Manchmal wird ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator eingesetzt, der den Herzrhythmus ständig überwacht und bei Bedarf einen Stromstoß abgibt, um den Rhythmus zu normalisieren.

Automatischer externer Defibrillator: Fremdstarten des Herzens

Der automatische externe Defibrillator (AED) ist ein Gerät, das die Herztätigkeit automatisch analysiert und eine spezielle Form der lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung, das sogenannte Kammerflimmern, erkennt und korrigiert. Ein Kammerflimmern verursacht einen Herzstillstand.

Beim Herzstillstand sollte der AED, sofern verfügbar, sofort eingesetzt werden. Der AED wird eingesetzt, bevor der Notruf getätigt oder mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) begonnen wird, da die Überlebenschancen dann am größten sind. Stellt der AED Kammerflimmern fest, löst er einen Stromschlag aus (Defibrillation), mit der sich der normale Herzrhythmus und der Herzschlag wieder herstellen lassen. Es sollte eine ärztliche Notversorgung vorgenommen werden, auch wenn das Herz wieder zu schlagen begonnen hat. Falls der Herzstillstand nach dem Einsatz eines AED immer noch fortbesteht, sollte eine HLW gemacht werden.

AEDs sind einfach zu bedienen. Das Deutsche Rote Kreuz und andere Organisationen bieten Schulungskurse zum Einsatz von AEDs an. Die meisten Schulungskurse dauern nur ein paar Stunden. Die Gebrauchsanweisungen der unterschiedlichen AEDs können gewisse Unterschiede aufweisen. Die Anweisungen, die auf dem AED aufgedruckt sind, sollten sorgfältig befolgt werden.

AEDs sind mittlerweile in vielen öffentlichen Einrichtungen, wie Stadien und Konzerthallen, verfügbar. Betroffenen, denen vom Arzt mitgeteilt wird, dass sie wahrscheinlich Kammerflimmern haben, aber keinen implantierten Herzschrittmacher haben, möchten vielleicht einen AED für zu Hause kaufen, der von den Mitgliedern der Familie verwendet werden kann.

Automatischer externer Defibrillator: Fremdstarten des Herzens

Weitere Informationen

Bei dem Folgenden handelt es sich um ein englischsprachiges Hilfsmittel, das nützlich sein kann. Bitte beachten Sie, dass das MANUAL nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.

  • Nick of Time Foundation: Diese Organisation versucht, die Überlebenschancen bei einem plötzlichen Herzstillstand zu erhöhen, indem Sie darauf aufmerksam macht, Kurse anbietet, die sich nur um die manuelle HLW drehen, sich dafür einsetzen, dass alle öffentlichen Plätze mit Defibrillatoren ausgestattet sind, und indem Sie jungen Sportlern den Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen ermöglicht.

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