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Verlust des Geruchssinns

(Anosmie)

Von

Marvin P. Fried

, MD, Montefiore Medical Center, The University Hospital of Albert Einstein College of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Quellen zum Thema

Anosmie bezeichnet den vollständigen Verlust des Geruchssinns. Hyposmie ist der teilweise Verlust des Geruchssinns. Die meisten Patienten mit Anosmie können salzige, süße, saure und bittere Substanzen am Geschmack erkennen, jedoch keine bestimmten Aromen unterscheiden. Zur Unterscheidung von Aromen werden die Geruchsrezeptoren auf der Zunge benötigt, nicht die Geschmacksrezeptoren. Patienten mit Anosmie klagen daher oft über den Verlust des Geschmackssinns und die verlorene Freude am Essen und Trinken.

Ein Verlust der Geruchsrezeptoren aufgrund des Älterwerdens führt bei älteren Menschen zu einem verminderten Riechvermögen. Normalerweise stellen Menschen ab einem Alter von 60 Jahren solche Veränderungen bei sich fest. Ab 70 Jahren werden die Veränderungen erheblich.

Ursachen

Anosmie, die nicht auf das Älterwerden zurückzuführen ist, tritt auf, wenn eine Schwellung oder eine andere Blockade der Nasengänge verhindert, dass Gerüche in die olfaktorische Region gelangen, oder wenn die olfaktorische Region oder deren Verbindungen zum Gehirn zerstört sind (siehe Tabelle mit Ursachen und Merkmalen von Anosmie). Die olfaktorische Region zur Erkennung von Gerüchen befindet sich oben in der Nase (siehe Wie man Aromen wahrnimmt).

Häufige Ursachen

Die häufigsten Ursachen umfassen

Die häufigste Ursache für einen bleibenden Verlust des Geruchssinns sind jedoch Kopfverletzungen, oft durch Verkehrsunfälle. Kopfverletzungen können Fasern der Geruchsnerven dort beschädigen oder zerstören, wo sie das Dach der Nasenhöhle passieren. Dabei handelt es sich um das Paar der Hirnnerven, die Geruchsrezeptoren mit dem Gehirn verbinden. Manchmal umfasst die Verletzung eine Fraktur des Knochens (Siebbeinplatte), die das Gehirn von der Nasenhöhle trennt. Schäden an den Geruchsnerven können auch auf Infektionen (z. B. Abszessen) oder Tumoren in der Nähe der Siebbeinplatte beruhen.

Eine weitere häufige Ursache ist eine Infektion der oberen Atemwege, insbesondere Influenza (Grippe). Grippe kann die Ursache bei bis zu einem Viertel der Patienten mit Hyposmie oder Anosmie sein. Alzheimer-Demenz und einige andere degenerative Gehirnerkrankungen (z. B. multiple Sklerose) können die Geruchsnerven schädigen, wobei häufig der Geruchssinn verloren geht.

Seltenere Ursachen

Bei anfälligen Patienten können Arzneimittel zu Anosmie beitragen. Polypen, Tumoren, andere Infektionen in der Nase und saisonale Allergien (allergischer Schnupfen) können das Geruchsempfinden beeinträchtigen. Gelegentlich verursachen schwere Infektionen der Nasennebenhöhlen oder eine Strahlentherapie bei Krebs den Verlust von Geruch oder Geschmack, der über Monate andauern oder bleibend sein kann. Diese Erkrankungen können Geruchsrezeptoren beschädigen oder zerstören. Die Rolle von Tabak ist ungewiss. Nur sehr selten kommen Patienten ohne Geruchssinn zur Welt.

Beurteilung

Die folgenden Informationen können helfen, zu klären, ob man zum Arzt gehen sollte und was im Rahmen dieser Untersuchung zu erwarten ist.

Warnsignale

Die folgenden Befunde sind von besonderer Bedeutung:

  • Kürzlich erlittene Kopfverletzung

  • Symptome einer Funktionsstörung des Nervensystems, wie etwa Schwäche, Probleme mit dem Gleichgewicht oder Schwierigkeiten beim Sehen, Sprechen oder Schlucken

  • Plötzliches Einsetzen von Symptomen

Wann ein Arzt zu konsultieren ist:

Personen mit Warnzeichen sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Andere Personen sollten einen Arzt aufsuchen, sobald es ihnen möglich ist.

Was der Arzt unternimmt:

Ärzte stellen zunächst immer Fragen zu den Symptomen und zur Krankengeschichte des Patienten, bevor sie eine körperliche Untersuchung vornehmen. Die Befunde in der Krankengeschichte und bei der körperlichen Untersuchung deuten häufig auf eine Ursache und die eventuell erforderlichen Untersuchungen hin (siehe Tabelle mit Ursachen und Merkmalen von Anosmie).

Der Arzt fragt nach Beginn und Dauer der Anosmie sowie nach einem möglichen Zusammenhang mit einer Erkältung, Grippe oder Kopfverletzung. Er achtet auf sonstige Symptome, wie eine laufende oder verstopfte Nase, und ob das austretende Nasensekret wässrig, blutig, dickflüssig oder übel riechend ist. Außerdem relevant sind neurologische Symptome, vor allem diejenigen, die eine Veränderung des mentalen Status (zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis) oder der Hirnnerven (z. B. Doppelbilder oder Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken) umfassen. Fragen zur Krankengeschichte betreffen Nebenhöhlenerkrankungen, Kopfverletzungen oder Operationen, Allergien, Arzneimittel und die Belastung durch Chemikalien oder Dämpfe.

Während der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt auf Schwellungen, Entzündungen, Sekret und Polypen in den Nasengängen. Der Arzt führt außerdem eine vollständige neurologische Untersuchung durch, die sich insbesondere auf den psychischen Status und die Hirnnerven konzentriert.

Tabelle
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Ursachen und Merkmale von Anosmie

Ursache

Häufige Merkmale*

Untersuchungen

Verstopfungen in der Nase

Bei Patienten mit chronischen Allergiesymptomen (z. B. verstopfte Nase und klares Nasensekret)

Keine Schmerzen

Symptome, die oft zu bestimmten Jahreszeiten oder nach der Exposition gegenüber bestimmten Substanzen auftreten

Ärztliche Untersuchung

Polypen, die während der Untersuchung erkannt werden können

Ärztliche Untersuchung

Zerstörung von Geruchsrezeptoren

Dickflüssiges, übel riechendes Nasensekret, das meistens oder immer austritt

Frühere Nebenhöhleninfektionen

Ärztliche Untersuchung

In der Regel eine Computertomographie (CT)

Einige virale Infektionen der oberen Atemwege (z. B. Grippe)

Verlust des Geruchssinns nach einer Infektion

Ärztliche Untersuchung

Tumoren (eine seltene Ursache)

Möglicherweise Sehstörungen oder nur Verlust des Geruchssinns

CT

Magnetresonanztomographie (MRT)

Arzneimittel (wie Amphetamine, Enalapril, Östrogen, Naphazolin, Phenothiazine und Reserpin oder lang andauernde Verwendung abschwellender Mittel)

Normalerweise bei Patienten, die solche Arzneimittel nehmen

Ärztliche Untersuchung

Gifte (z. B. Cadmium und Mangan)

Normalerweise bei Patienten, die mit solchen Giftstoffen regelmäßig in Kontakt kommen

Ärztliche Untersuchung

Zerstörung der olfaktorischen Bahnen im Gehirn

Fortschreitende Verwirrtheit und Verlust des Kurzzeitgedächtnisses

MRT

Sequenzielle Gedächtnistests

Patienten, die eine Kopfverletzung hatten

CT oder MRT

Degenerative neurologische Erkrankungen (z. B. multiple Sklerose)

Intermittierende Episoden weiterer Symptome einer Funktionsstörung des Nervensystems, wie Schwäche, Taubheitsgefühl oder Schwierigkeiten beim Sprechen, Sehen, oder Schlucken

MRT

Manchmal Spinalpunktion

Gehirnoperation oder -infektion

Bei Patienten, die eine Gehirnoperation oder eine Gehirninfektion hatten

CT oder MRT

Manchmal Kopfschmerzen und/oder Symptome einer Funktionsstörung des Nervensystems

CT oder MRT

*Zu den Merkmalen zählen Symptome und Befunde der ärztlichen Untersuchung. Die genannten Merkmale sind typisch, treten aber nicht immer auf.

Tests

Der Arzt kann den Geruchssinn mithilfe von bekannten Duftstoffen testen (z. B. mit Seife, einer Vanilleschote, Kaffee und Gewürznelken). Dabei wird jedes Nasenloch einzeln getestet. Die Person wird dann aufgefordert, den Geruch zu benennen. Der Geruch kann auch formeller mit standardisierten Sets getestet werden. Bei einem Set beispielsweise muss der Betroffene verschiedene Felder mit Geruchsproben aufkratzen und zu identifizieren versuchen. Ein anderes Set enthält verdünnte Proben einer stark riechenden Chemikalie. Der Arzt beobachtet dann, ab welcher Verdünnung die Chemikalie nicht mehr gerochen werden kann.

Wenn sich keine klare Ursache für die Anosmie finden lässt, wird eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes (einschließlich der Nebenhöhlen) durchgeführt, um nach strukturellen Anomalien zu suchen (wie z. B. Tumor, Abszess oder Bruch).

Behandlung

Der Arzt behandelt die Ursache der Anosmie. So werden Nebenhöhlenentzündungen und -reizungen mit Dampfinhalationen, Nasensprays und Antibiotika behandelt. Manchmal ist auch eine Operation nötig. Allerdings kehrt der Geruchssinn auch nach einer erfolgreichen Behandlung der Nebenhöhlenentzündung nicht immer zurück. Tumoren werden operativ entfernt oder bestrahlt. Allerdings stellt diese Behandlung den Geruchssinn gewöhnlich nicht wieder her. Polypen in der Nase werden entfernt, manchmal kehrt dann der Geruchssinn zurück. Raucher sollten das Rauchen aufgeben.

Für die Anosmie selbst gibt es keine speziellen Behandlungsmethoden. Patienten, denen ein Rest des Geruchssinns geblieben ist, können die Freude am Essen mithilfe von konzentrierten Aromastoffen teilweise zurückgewinnen. Rauchwarnmelder, die grundsätzlich in keinem Haus fehlen sollten, sind für Patienten mit Anosmie extrem wichtig, weil sie den Brandrauch nicht riechen können. Ärzte raten zur besonderen Vorsicht, wenn Patienten mit Anosmie länger gelagertes Essen zubereiten oder mit Gas kochen. Möglicherweise werden verdorbene Nahrungsmittel oder Gaslecks nicht erkannt.

Wichtigste Punkte

  • Ein Verlust des Geruchssinns kann Teil des normalen Alterungsprozesses sein.

  • Häufige Ursachen sind Infektionen der oberen Atemwege, Nebenhöhlenentzündung und Kopfverletzungen.

  • Sofern die Ursache für den Arzt nicht eindeutig ist, sind bildgebende Untersuchungen wie CT oder MRT erforderlich.

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