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Rh-Unverträglichkeit

(Erythroblastosis fötalis)

Von

Antonette T. Dulay

, MD, Main Line Health System

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2019| Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Kurzinformationen

Wenn eine schwangere Frau Rh-negativ, das Kind jedoch Rh-positiv ist, besteht eine Rhesus-Inkompatibilität.

  • Eine Rhesus-Inkompatibilität kann zu einem Abbau der roten Blutkörperchen des Kindes führen und unter Umständen eine schwere Anämie auslösen.

  • Der Fötus wird in regelmäßigen Abständen untersucht, um zu prüfen, ob eine Anämie besteht.

  • Besteht der Verdacht auf eine Anämie, werden dem Kind Bluttransfusionen gegeben.

  • Um Komplikationen beim Fötus zu verhindern, werden Frauen mit Rh-negativem Blut nach etwa 28 Schwangerschaftswochen, nach einer signifikanten Blutung, nach der Entbindung und nach gewissen Eingriffen Injektionen mit Rh-Antikörpern verabreicht.

Unter Schwangerschaftskomplikationen wie Rh-Unverträglichkeit werden Probleme verstanden, die nur während der Schwangerschaft auftreten. Diese können Auswirkungen auf die Frau und/oder den Fötus haben und können zu verschiedenen Zeitpunkten während der Schwangerschaft auftreten. Die meisten Schwangerschaftskomplikationen können jedoch erfolgreich behandelt werden.

Eine Frau mit Rh-negativem Blut kann einen Fötus mit Rh-positivem Blut tragen, sofern der Vater Rh-positives Blut hat. Der Prozentsatz an Menschen mit Rh-negativem Blut ist gering, schwankt aber je nach Ethnizität:

  • Weiße Nordamerikaner und Europäer: Etwa 15 %

  • Afroamerikaner: Etwa 8 %

  • Menschen chinesischer Abstammung: Etwa 0,3 %

  • Menschen indischer Abstammung: Etwa 5 %

Wussten Sie ...

  • Eine Rhesus-Inkompatibilität verursacht bei der ersten Schwangerschaft keine Probleme.

Der Rhesusfaktor ist ein Molekül, das bei manchen Menschen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen zu finden ist. Ist dieser Faktor vorhanden, gilt das Blut dieses Menschen als Rh-positiv; fehlt er, ist das Blut Rh-negativ. Wenn das Rh-positive Blut des Fötus in den Blutkreislauf der Rh-negativen Mutter gelangt können Komplikationen auftreten. In diesem Fall kann das Immunsystem der Frau die roten Blutkörperchen des Fötus als Fremdkörper ansehen und Rhesus-Antikörper bilden, welche die Rh-positiven Blutkörperchen des Kindes zerstören. Diese Antikörperproduktion nennt sich Rh-Sensibilisierung. (Antikörper sind Proteine, die von den Immunzellen gebildet werden, um den Körper gegen fremde Substanzen zu verteidigen.)

Bei Frauen mit Rh-negativem Blut kann es jederzeit während der Schwangerschaft zu einer solchen Sensibilisierung kommen. Der Zeitpunkt mit der höchsten Wahrscheinlichkeit ist die Geburt. In der Schwangerschaft, in deren Rahmen die Sensibilisierung stattfindet, dürfte der Fötus bzw. das Neugeborene kaum beeinträchtigt werden. Sobald Frauen sensibilisiert sind, wird es mit jeder darauf folgenden Schwangerschaft wahrscheinlicher, dass Komplikationen auftreten, wenn das Blut des Fötus Rh-positiv ist. Nach der Sensibilisierung produzieren Frauen mit jeder Schwangerschaft Rh-Antikörper in größeren Mengen und zu einem früheren Zeitpunkt.

Wenn die Rh-Antikörper durch die Plazenta zum Fötus gelangen, können sie einen Teil seiner roten Blutkörperchen zerstören. Wenn die roten Blutkörperchen schneller zerstört werden, als der Fötus neue produzieren kann, kann sich beim Fötus eine Anämie entwickeln. Ein solcher Abbau wird hämolytische Krankheit beim Fötus (Erythroblastosis fötalis) oder beim Neugeborenen (Erythroblastosis neonatorum) genannt.

Wenn die roten Blutkörperchen abgebaut werden, wird der gelbe Farbkörper Bilirubin produziert. Wird eine große Anzahl roter Blutkörperchen zerstört, kann sich das Bilirubin in der Haut und in anderem Gewebe anhäufen. Infolgedessen erscheint die Haut und das Augenweiß des Neugeborenen gelb (sogenannte Gelbsucht). In schweren Fällen kann es zu Schäden des Gehirns kommen (sogenannter Kernikterus) und eine schwere Anämie kann zum Tod des Fötus führen. Eine Fehlgeburt kann erfolgen.

In manchen Fällen sind andere Moleküle auf den roten Blutkörperchen der Frau mit denen des Fötus inkompatibel. Eine solche Inkompatibilität kann Komplikationen hervorrufen, die den Problemen der Rhesus-Unverträglichkeit ähnlich sind.

Diagnose

  • Bluttests

  • Doppler-Sonographie, falls das Blut der Schwangeren Rh-Antikörper enthält

Schon beim ersten Arztbesuch während der Schwangerschaft wird die Mutter untersucht, um den Rhesusfaktor (Rh-positiv oder Rh-negativ) in ihrem Blut zu bestimmen. Hat die Mutter Rh-negatives Blut, wird ihr Blut auf Rh-Antikörper untersucht.

Der Arzt geht bei der Beurteilung des Risikos einer Sensibilisierung der Mutter auf den Rhesusfaktor in der Regel wie folgt vor:

  • Wenn der Vater bekannt ist und sich für einen Test zur Verfügung stellt, wird seine Blutgruppe festgestellt.

  • Wenn der Vater für den Test nicht zur Verfügung steht oder bereits getestet wurde und Rh-positives Blut hat, kann im Rahmen eines Bluttests die zellfreie fötale DNS analysiert werden, um zu bestimmen, ob der Fötus Rh-positives Blut hat. Dafür werden kleine Fragmente der DNS des Fötus untersucht, die in sehr geringen Mengen im Blut der Schwangeren zu finden sind (in der Regel nach 10 bis 11 Wochen).

Nachdem das Risiko einer Rh-Sensibilisierung festgestellt wurde, kann die Menge an Rh-Antikörpern im Blut der Mutter gemessen werden. Ab einem bestimmten Punkt ist das Risiko einer Anämie beim Fötus erhöht. In solchen Fällen kann in regelmäßigen Abständen eine Doppler-Sonographie durchgeführt werden, um den Blutfluss im Gehirn des Fötus festzustellen. Liegt dieser nicht im Normbereich, leidet der Fötus unter Umständen unter einer Anämie.

Vorbeugung

Zur Vorsorge wird Frauen mit Rh-negativem Blut zu jedem der folgenden Zeitpunkte eine Injektion mit Rh-Antikörpern verabreicht:

  • In der 28. Schwangerschaftswoche

  • Innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt eines Babys mit Rh-positivem Blut, auch nach einer Fehlgeburt oder Abtreibung

  • Nach jeder Scheidenblutung während der Schwangerschaft

  • Nach einer Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie

Diese Antikörper werden Rh0-(D)-Immunglobulin genannt. Mit dieser Behandlung wird erreicht, dass das Immunsystem der Frau den Rh-Faktor auf den roten Blutkörperchen des Kindes, die in den Blutkreislauf der Mutter gelangt sind, weniger gut erkennen kann. Folglich bildet das Immunsystem der Mutter keine Antikörper zum Rh-Faktor. Eine solche Behandlung reduziert das Risiko, dass in späteren Schwangerschaften die roten Blutkörperchen des Fötus abgebaut werden, von ungefähr 12 bis 13 Prozent (ohne Behandlung) auf 0,1 Prozent.

Behandlung

  • Bluttransfusionen für Anämie beim Fötus

  • Bisweilen eine Entbindung schon nach 32–35 Wochen

Wenn der Fötus Rh-negatives Blut hat oder wenn Testergebnisse darauf hinweisen, dass beim Fötus keine Anämie vorliegt, kann die Schwangerschaft ohne Behandlung bis zum Geburtstermin weitergeführt werden.

Wird eine Anämie beim Fötus festgestellt, kann ihm vor der Geburt von einem Spezialisten in einem Zentrum, das auf Risikoschwangerschaften spezialisiert ist, eine Bluttransfusion gegeben werden. In den meisten Fällen wird diese über eine Nadel verabreicht, die in eine Vene der Nabelschnur eingeführt wird. Weitere Transfusionen werden in der Regel bis zur 32. bis 35. Schwangerschaftswoche vorgenommen, wonach der Arzt die Entbindung des Babys empfehlen kann. Der genaue Zeitpunkt der Transfusionen hängt vom Schweregrad der Anämie und vom Alter des Fötus ab.

Vor der ersten Transfusion werden den Schwangeren oft Kortikosteroide verabreicht, wenn die Schwangerschaft bereits mindestens in der 23. oder 24. Woche ist. Kortikosteroide tragen zur Ausbildung der Lunge des Fötus bei und beugen so den häufigsten Komplikationen bei einer Frügeburt vor.

Nach der Geburt braucht das Neugeborene gegebenenfalls weitere Bluttransfusionen. Mitunter reicht es aus, wenn die erste Transfusion nach der Geburt stattfindet.

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