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Akute myeloische Leukämie (AML)

(akute myeloische Leukämie, akute Myeloblastenleukämie, akute myelomonozytäre Leukämie, akute myelozytische Leukämie)

Von

Ashkan Emadi

, MD, PhD, University of Maryland;


Jennie York Law

, MD, University of Maryland

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2018| Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Kurzinformationen
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Bei der lebensbedrohlichen akuten myeloischen Leukämie verändern sich die Zellen, die normalerweise zu Neutrophilen, Basophilen, Eosinophilen und Monozyten heranwachsen, bösartig und ersetzen rasch die gesunden Zellen im Knochenmark.

  • Patienten können müde oder blass sein, leicht Infektionen und Fieber oder auch blaue Flecken bekommen oder leicht bluten.

  • Für die Diagnose sind Blut- und Knochenmarkuntersuchungen notwendig.

  • Die Behandlung umfasst Chemotherapie, um eine Remission zu erreichen, sowie zusätzliche Chemotherapie, um einen Rückfall zu vermeiden, und manchmal eine Stammzelltransplantation.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die häufigste Form einer Leukämie bei Erwachsenen. Sie betrifft jedoch Menschen jeder Altersstufe. AML wird manchmal von Chemotherapie oder Strahlenbehandlungen verursacht, mit denen andere Krebsarten behandelt werden.

Die unreifen Leukämiezellen sammeln sich bei AML rasch im Knochenmark, wo sie jene Zellen zerstören und ersetzen, die gesunde Blutzellen produzieren. Vom Knochenmark werden die Leukämiezellen in die Blutbahn freigesetzt und zu anderen Organen transportiert, wo sie weiter wachsen und sich teilen.

Es gibt mehrere Unterarten von AML, die anhand der Eigenschaften der leukämischen Zellen bestimmt werden.

Die akute Promyelozytenleukämie ist eine wichtige Form der akuten myeloischen Leukämie. Bei dieser Unterart ermöglichen chromosomale Veränderungen in den Promyelozyten – den Zellen, die sich in einem frühen Stadium in der Entwicklung zu reifen Neutrophilen befinden – die Ansammlung dieser unreifen Zellen.

Symptome

Die ersten Symptome von AML gleichen denjenigen der akuten lymphatischen Leukämie. Die Patienten können Fieber und übermäßiges Schwitzen aufweisen, was auf eine Infektion hindeutet. Das hohe Infektionsrisiko ist auf die zu geringe Anzahl normaler weißer Blutkörperchen zurückzuführen. Allgemeine Schwäche, Erschöpfung und Blässe können auf eine Anämie hindeuten, die durch zu wenige rote Blutkörperchen verursacht wird. Häufige Blutergüsse und Blutungen, manchmal in der Form von Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Blutungen im Gehirn oder Bauch, sind das Ergebnis zu weniger Blutplättchen.

Leukämiezellen können in andere Organe eindringen. Leukämiezellen im Knochenmark können Knochen- und Gelenkschmerzen verursachen. Ein Völlegefühl und manchmal Bauchschmerzen können das Ergebnis sein, wenn Leukämiezellen zu einer Vergrößerung der Leber und Milz führen. Leukämiezellen können kleine Geschwülste am ganzen Körper, einschließlich in oder unmittelbar unter der Haut (sogenannte Leukaemia cutis), dem Zahnfleisch oder in den Augen bilden.

Die AML-Zellen können sich im Gehirn auf die Hirnhaut und das Rückenmark (die Meningen) ausbreiten. Dies führt zu Kopfschmerzen, Erbrechen, Schlaganfall und Störungen der Sehkraft, des Hörvermögens sowie der Gesichtsmuskeln (leukämische Meningitis). Die leukämische Meningitis tritt bei der akuten lymphatischen Leukämie häufiger auf. Bei der akuten Promyelozytenleukämie sind dagegen Blutungen oder Blutgerinnungsstörungen häufig.

Diagnose

  • Bluttests

  • Knochenmarkuntersuchung

Eine AML wird auf ähnliche Weise diagnostiziert wie eine akute lymphatische Leukämie. Ein großes Blutbild, einschließlich der Zahl aller Arten weißer Blutkörperchen, wird erstellt. Eine Knochenmarkuntersuchung wird fast immer gemacht, um die Diagnose zu erhärten und die AML von anderen Leukämiearten zu unterscheiden. Die unreifen weißen Blutkörperchen (Blasten) werden auf Chromosomenanomalien untersucht. Dadurch können die genaue Leukämieart bestimmt und die zur Behandlung bestimmten Medikamente festgelegt werden.

Bluttests, einschließlich auf Tumormarker und Auffälligkeiten im Elektrolythaushalt, werden auch durchgeführt bzw. Urinproben abgegeben, um andere Auffälligkeiten im Zusammenhang mit AML festzustellen.

Auch Tests mit bildgebenden Verfahren sind eventuell notwendig. Eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) wird erstellt, wenn der Patient Symptome hat, die auf eine Leukämie im Gehirn hindeuten. Eine CT des Brustkorbs wird durchgeführt, um den Bereich um die Lunge auf Leukämiezellen zu überprüfen. Eine CT, MRT oder Ultraschalluntersuchung des Bauchs kann durchgeführt werden, um festzustellen, ob innere Organe vergrößert sind. Eine Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) kann vor Beginn der Chemotherapie durchgeführt werden, da Chemotherapeutika manchmal das Herz beeinträchtigen.

Prognose

Ohne Behandlung sterben die meisten Patienten mit AML innerhalb weniger Wochen oder Monate nach der Diagnose. Mit Behandlung überleben zwischen 20 Prozent und 40 Prozent der Patienten mindestens 5 Jahre, ohne Rückfall. Mit einer intensiven Behandlung können 40 bis 50 Prozent der jüngeren Menschen mindestens 5 Jahre lang überleben. Wenn ein Rückfall auftritt, geschieht das meist innerhalb der ersten 5 Jahre. Die meisten Leute, die 5 Jahre lang keinen Rückfall haben, gelten daher als geheilt.

Der stärkste Prognosefaktor für das Überleben ist die Art der genetischen Anomalie in den Leukämiezellen. Die schlechteste Prognose haben über 60-Jährige, Patienten mit bestimmten Blutuntersuchungsergebnissen, wie z. B. einer großen Anzahl weißer Blutkörperchen, Patienten, bei denen es nach einer Chemo- oder Strahlentherapie zur Behandlung anderer Krebsarten zu AML kommt, und Patienten, die zuvor am myelodysplastischem Syndrom gelitten haben.

Früher wurde die akute Promyelozytenleukämie als die bösartigste Form der Leukämie angesehen. Heute ist sie eine der heilbarsten Formen von AML. Mehr als 70 Prozent der Patienten mit akuter Promyelozytenleukämie können geheilt werden. Eine schnelle Diagnose ist äußerst wichtig.

Behandlung

  • Chemotherapie

  • Stammzelltransplantation

Die Behandlung der AML zielt auf eine schnelle Remission ab – die Zerstörung der überwiegenden Mehrheit der Leukämiezellen. Patienten werden jedoch häufig während der Behandlung noch kranker, bevor es ihnen besser geht.

Die Behandlung unterdrückt die Aktivität des Knochenmarks, was zu sehr wenigen weißen Blutkörperchen führt, vor allem Neutrophilen. Bei zu wenigen Neutrophilen werden Infektionen wahrscheinlich. Die Behandlung beschädigt auch die Schleimhäute (z. B. im Mund), sodass Bakterien leichter in den Körper eindringen können. Deshalb muss der Patient sehr sorgfältig vor Infektionen geschützt werden und sofort behandelt werden, wenn doch Infektionen auftreten. Transfusionen von roten Blutkörperchen und Blutplättchen sind ebenfalls nötig.

Die Induktionschemotherapie ist die erste Phase der AML‑Behandlung. Zu den Chemotherapeutika gehören im Allgemeinen Cytarabin, das 7 Tage lang als kontinuierliche Infusion oder als eine einzige größere Dosis gegeben wird, und Daunorubicin (oder Idarubicin oder Mitoxantron), das 3 Tage lang intravenös gegeben wird. Andere Medikamente, die verabreicht werden können, sind u. a. Decitabin oder Azacitidin (insbesondere bei älteren Patienten oder Patienten, die an einer bestimmten AML‑Unterart erkrankt sind).

Die Konsolidierungschemotherapie wird gegeben, nachdem die AML in Remission ist. Patienten erhalten ein paar Wochen nach der Anfangsbehandlung gewöhnlich eine Konsolidierungsbehandlung, um zu gewährleisten, dass so viele Leukämiezellen wie möglich zerstört werden.

Eine allogene Stammzelltransplantation wird bei einigen Patienten mit einem Rückfallrisiko nach der Induktion und Konsolidierung durchgeführt. „Allogen“ bedeutet, dass die Stammzellen von einer anderen Person stammen. Eine Transplantation kann jedoch nur durchgeführt werden, wenn Stammzellen von einer Person erhalten werden können, die einen kompatiblen Gewebetyp hat (kompatibel in Bezug auf das humane Leukozytenantigen [HLA]). Normalerweise ist der Spender ein Bruder ohne eine Schwester. Manchmal werden auch Zellen von passenden, nicht verwandten Spendern (gelegentlich auch teilweise passende Zellen von Familienmitgliedern, von nicht verwandten Spendern oder Nabelschnurstammzellen) verwendet.

Im Gegensatz zur akuten lymphatischen Leukämie ist eine vorbeugende Behandlung des Gehirns bei Erwachsenen im Allgemeinen nicht nötig, und eine länger dauernde niedrig dosierte medikamentöse Behandlung (wie bei akuter lymphatischer Leukämie) erhöht die Überlebenschancen nicht.

Patienten mit akuter Promyelozytenleukämie können mit einer Art von Vitamin A behandelt werden (All-trans-Retinsäure oder Tretinoin). Chemotherapie wird häufig mit All-trans-Retinsäure kombiniert, vor allem bei Patienten mit einer sehr hohen Anzahl weißer Blutkörperchen zum Zeitpunkt der Diagnose oder wenn die Zahl der weißen Blutkörperchen plötzlich ansteigt. Arsentrioxid ist bei dieser Art von AML ebenfalls besonders wirksam.

Rückfall

Wenn Patienten nicht auf die Behandlung ansprechen und wenn jüngere Menschen zwar eine Besserung erreicht haben, aber wegen bestimmter Chromosomenänderungen die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls groß ist, können sie eine hochdosierte Chemotherapie mit anschließender Stammzellentransplantation erhalten.

Bei einem Rückfall ist eine zusätzliche Chemotherapie für Patienten, die keine Stammzellentransplantation bekommen können, weniger wirksam und oft schlechter verträglich. Eine weitere Chemotherapie ist bei jüngeren Menschen und bei Patienten, bei denen die erste Besserung über 1 Jahr dauerte, am wirksamsten. Wenn es um die Zweckmäßigkeit einer zusätzlichen, intensiven Chemotherapie nach einem Rückfall geht, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden.

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