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Überblick über die Thrombozytopenie

Von

David J. Kuter

, MD, DPhil, Harvard Medical School

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Unter einer Thrombopenie bzw. Thrombozytopenie versteht man eine verminderte Anzahl von Blutplättchen (Thrombozyten) im Blut, wodurch das Blutungsrisiko steigt.

  • Die Thrombozytopenie tritt auf, wenn das Knochenmark zu wenige Blutplättchen bildet oder wenn zu viele Blutplättchen zerstört werden bzw. sich in der vergrößerten Milz anreichern.

  • Dabei kann es zu Blutungen in der Haut und zu Blutergüssen kommen.

  • Für die Stellung der Diagnose und die Bestimmung der Ursache werden Blutuntersuchungen vorgenommen.

  • Manchmal ist eine Behandlung (z. B. Thrombozytentransfusion, Prednison und Medikamente zur Steigerung der Blutplättchenbildung oder Entfernung der Milz) erforderlich.

Blutplättchen sind Zellen, die in der Blutbahn zirkulieren und die Blutgerinnung unterstützen. Im Normalfall enthält das Blut ungefähr 140.000 bis 440.000 Blutplättchen pro Mikroliter (140 × 109 bis 440 × 109 pro Liter). Blutungen können selbst nach geringfügigen Verletzungen auftreten, wenn die Anzahl unter ungefähr 50.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut (50 × 109 pro Liter) fällt. Am höchsten ist das Blutungsrisiko, wenn die Zahl der Blutplättchen unter 10.000 bis 20.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut (10 × 109 bis 20 × 109 pro Liter) abfällt. Bei diesen Werten können Blutungen auch ohne bekannte Verletzungen auftreten.

Ursachen

Viele Erkrankungen können eine Thrombozytopenie verursachen.

Thrombozytopenie kann auftreten, wenn das Knochenmark nicht genügend Blutplättchen bildet, wie bei Leukämie oder anderen Erkrankungen des Knochenmarks.

Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus, dem humanen Immunschwächevirus (HIV, das Virus, das das erworbene Immundefektsyndrom [AIDS] verursacht), dem Epstein-Barr-Virus (häufig die Ursache von Pfeifferschem Drüsenfieber) und vielen anderen Viren können zu Thrombozytopenie führen.

Blutplättchen können sich in einer vergrößerten Milz einlagern, wie es bei der Leberzirrhose, der Myelofibrose und der Gaucher-Krankheit vorkommt, sodass die Anzahl der Blutplättchen in der Blutbahn reduziert wird.

Massive Transfusionen roter Blutkörperchen können die Konzentration der Blutplättchen im Blut verdünnen.

Und schließlich kann der Körper zu viele Blutplättchen verwenden oder zerstören, wie es bei vielen Erkrankungen vorkommt, wobei die Immun-Thrombozytopenie,thrombotisch-thrombozytopenische Purpura und das hämolytisch-urämische Syndrom die drei wichtigsten sind.

Manche Medikamente wie Heparin, bestimmte Antibiotika, Ethanol, Krebsmedikamente und Chinin können ebenfalls eine Thrombozytopenie verursachen. Eine durch Medikamente verursachte Zytopenie kann folgende Ursachen haben:

  • Verminderte Produktion von Blutplättchen durch das Knochenmark (verursacht durch eine Knochenmarktoxizität)

  • Erhöhte Blutplättchenzerstörung (immunvermittelte Thrombozytopenie)

Tabelle
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Causes of Thrombocytopenia

Mechanismus

Beispiele

Das Knochenmark bildet nicht genügend Blutplättchen.

Schwerer Alkoholkonsum

Anämie durch Vitaminmangel, einschließlich Anämien durch Vitamin-B12- oder Folsäuremangel.

Einige Erkrankungen des Knochenmarks

Einige Chemotherapeutika

In einer vergrößerten Milz festgehaltene Blutplättchen

Leberzirrhose, die aufgrund eines außergewöhnlich hohen Blutdrucks in der großen Vene, die das Blut aus dem Darm zur Leber bringt, eine vergrößerte Milz verursacht.

Verdünnte Blutplättchen

Massive Transfusionen roter Blutkörperchen und Austauschtransfusionen; gelagerte rote Blutkörperchen enthalten nicht sonderlich viele Blutplättchen

Erhöhter Verbrauch oder Zerstörung von Blutplättchen

Medikamente wie Heparin, Chinin, viele Antibiotika (wie Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Rifampin und Vancomycin) und einige oral einzunehmende Medikamente gegen Diabetes

Umstände, die zu einer disseminierten intravasalen Gerinnung innerhalb der Blutgefäße führen, wie Komplikationen bei einer Geburt, Krebs, Blutvergiftung (Sepsis) durch gramnegative Bakterien und traumatische Gehirnverletzungen

Symptome

Blutungen in der Haut können ein erstes Anzeichen für einen Thrombozytenmangel sein. Dabei erscheinen viele rote Pünktchen (Petechien) auf den unteren Beinpartien, und harmlose Verletzungen verursachen Blutergüsse (Ekchymosen oder Purpura). Das Zahnfleisch kann bluten, vielleicht ist auch Blut im Stuhl oder Urin zu sehen. Die Monatsblutungen können ungewöhnlich heftig ausfallen. Blutungen sind schwer zu stillen.

Die Blutungen verschlimmern sich, wenn die Menge der Blutplättchen weiter absinkt. Menschen mit sehr wenig Blutplättchen können viel Blut im Verdauungstrakt verlieren oder sie erleiden eine lebensbedrohliche Blutung im Gehirn, selbst wenn sie sich gar nicht verletzt haben.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Symptome entwickeln, hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Thrombozytopenie ab.

Einblutung in die Haut

Diagnose

  • Blutuntersuchungen zur Bestimmung der Blutplättchenzahl und Gerinnung

  • Andere Tests auf Erkrankungen, die eine niedrige Blutplättchenzahl verursachen können

Ärzte vermuten eine Thrombozytopenie bei Kranken, die ungewöhnlich starke Blutungen und eine verstärkte Neigung zu Blutergüssen aufweisen. Routinemäßig wird die Anzahl der Blutplättchen im Blut kontrolliert, wenn jemand an Störungen leidet, die eine Thrombozytopenie verursachen könnten. Manchmal entdecken die Ärzte eine Thrombozytopenie, wenn sie eine Blutuntersuchung aus anderen Gründen veranlasst haben, bei denen keine Blutergüsse oder Blutungen vorliegen.

Bei Diagnose der Thrombozytopenie ist entscheidend für die Behandlung der Erkrankung. Gewisse Symptome können bei der Bestimmung der Ursache helfen. Zum Beispiel haben Patienten häufig Fieber, wenn eine Infektion die Ursache der Thrombozytopenie ist. Währenddessen leiden sie in der Regel nicht an Fieber, wenn es sich bei der Ursache um eine Immun-Thrombozytopenie, thrombotisch-thrombozytopenische Purpura oder das hämolytisch-urämische Syndrom handelt.

Eine vergrößerte Milz, die der Arzt bei einer körperlichen Untersuchung tasten kann, lässt vermuten, dass die Blutplättchen in der Milz eingelagert werden und dass die Thrombozytopenie aus einer Krankheit entstanden ist, die eine Milzvergrößerung zur Folge hat.

Die Bestimmung der Blutplättchen mit einem elektronischen Zählapparat kann Rückschlüsse auf die Schwere der Thrombozytopenie geben, die mikroskopische Untersuchung der Blutprobe einen Fingerzeig auf die Ursachen. Eine Knochenmarkprobe (Knochenmarkbiopsie und -aspiration) können bisweilen erforderlich sein, um Informationen darüber zu erhalten, ob im Knochenmark eine ausreichend große Zahl an Blutplättchen gebildet und freigesetzt wird.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache der Thrombozytopenie

  • Vermeidung von Verletzungen und Medikamenten, die die Blutplättchen beeinflussen

  • Manchmal Blutplättchentransfusionen

Mit der Ursache der Erkrankung wird häufig auch gleich die Thrombozytopenie behandelt. Wenn die Thrombozytopenie von einem Medikament verursacht wird, kann sie meist behoben werden, wenn das Medikament abgesetzt wird. Eine Thrombozytopenie, die durch eine durch das eigene Immunsystem verursachte Zerstörung der Blutplättchen (wie bei der Immunthrombozytopenie) verursacht wird, wird mit Prednison behandelt, um so die Zerstörung der Blutplättchen zu verringern, mit Medikamenten, um die Produktion von Blutplättchen im Knochenmark zu steigern, und manchmal durch die Entfernung der Milz (Splenektomie).

Patienten mit einer geringen Blutplättchenzahl und auffälligen Blutungen sollten in der Regel keine Medikamente anwenden, die sich auf die Funktionsfähigkeit der Blutplättchen auswirken (wie Aspirin oder nichtsteroidale Antirheumatika).

Patienten mit sehr wenig Blutplättchen werden oft im Krankenhaus behandelt. Bei starken Blutungen können Blutplättchen transfundiert werden. Allerdings können auch diese manchmal von der zugrunde liegenden Erkrankung zerstört werden.

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