Übersicht über Paraphilien und paraphile Störungen

(Paraphilien)

VonGeorge R. Brown, MD, East Tennessee State University
Reviewed ByMark Zimmerman, MD, South County Psychiatry
Überprüft/überarbeitet Geändert Okt. 2025
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Paraphile Störungen sind wiederkehrende, intensive, sexuell erregende Fantasien, Dränge oder Verhaltensweisen, die belastend oder behindernd sind und unbelebte Objekte, Kinder oder nicht einwilligende Erwachsene oder das Leiden oder die Erniedrigung der Person oder eines Partners beinhalten, mit dem Potenzial, Schaden zu verursachen.

Paraphilien beinhalten sexuelle Erregung aufgrund atypischre Objekte, Situationen und/oder Ziele (z. B. Kinder, Leichen, Tieren). Die atypische Natur von Paraphilien ist nicht zwangsläufig ausreichend, um sie als paraphile Störungen einzustufen. Menschen können tatsächlich paraphile Interessen haben und paraphile Praktiken ausüben, ohne die Kriterien für eine paraphile Störung zu erfüllen.

Die unkonventionellen sexuellen Erregungsmuster bei Paraphilien sind nur dann als pathologische Störungen anzusehen, wenn beide der folgenden Merkmale gelten (1):

  • Sie sind intensiv und anhaltend (dauern in der Regel 6 Monate oder länger).

  • Sie verursachen erhebliche Belastungen oder beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Bereichen oder sie schaden anderen oder haben das Potenzial andern zu schaden (z. B. Kindern, nicht einwilligenden Erwachsenen).

Menschen mit einer paraphilien Störung können eine eingeschränkte oder fehlende Fähigkeit zur liebevollen, gegenseitigen emotionalen und sexuellen Beziehung mit einem einwilligenden Partner haben. Auch andere Aspekte der persönlichen und emotionalen Anpassungsfähigkeit können beeinträchtigt sein.

Das gestörte sexuelle Erregungsmuster ist in der Regel schon vor der Pubertät relativ weit entwickelt. Mindestens 3 Prozesse können beteiligt sein:

  • Angst oder ein frühes emotionales Trauma stören die normale psychosexuelle Entwicklung.

  • Das Standard-Erregungsmuster wird durch ein anderes Muster ersetzt, manchmal durch frühe Exposition gegenüber hoch aufgeladenen sexuellen Erfahrungen, die die ungewöhnliche Erfahrung sexueller Lust bei der Person verstärken.

  • Das sexuelle Erregungsmuster erwirbt oft symbolische und konditionierende Elemente (z. B. symbolisiert ein Fetisch das Objekt der Erregung, der Fetisch kann aber ausgewählt worden sein, weil er zufällig mit sexueller Neugier, Lust und Erregung in Zusammenhang gebracht wurde).

Es ist umstritten, ob alle paraphilen Entwicklungen auf diese psychodynamischen Prozesse zurückzuführen sind, und bei einigen Paraphilien (z. B. Pädophilie) gibt es Anzeichen für eine veränderte Gehirnfunktion und funktionelle Anatomie (2, 3).

In den meisten Kulturen sind Paraphilien bei Männern wesentlich häufiger (4). Es mag zwar biologische Gründe für diese ungleiche Verteilung geben, sie sind jedoch bisher nicht ausreichend verstanden.

Dutzende von Paraphilien wurden beschrieben, doch die meisten sind selten oder sehr selten. Sie können kategorisiert werden als Störungen der normalen Paarungsmuster und -verhaltensweisen (z.B. Voyeurismus, Exhibitionismus, Frotteurismus); solche, die Algolagnie umfassen, also das Erlangen sexueller Befriedigung durch das Erleben oder Zufügen von Schmerzen (z.B. Sadismus, Masochismus); und solche, die anomale Zielpräferenzen beinhalten (z.B. Pädophilie, Fetischismus, Transvestitismus) (1).

Nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, Text Revision (DSM-5-TR), sind die Paraphilien, die sich am häufigsten zu paraphilen Störungen entwickeln,

Einige Paraphilien (wie Pädophilie, Frotteurismus, Voyeurismus und einige Formen des Exhibitionismus) können Verhaltensweisen beinhalten, die illegal sind und zu Gefängnisstrafen und lebenslanger Registrierung als Sexualstraftäter führen können. Einige dieser Straftäter weisen auch erhebliche Persönlichkeitsstörungen auf (z.B. antisoziale, narzisstische), die eine Behandlung erschweren (5).

Oft liegt mehr als eine paraphile Störung vor.

Für Kliniker, die Patienten mit paraphilen Störungen behandeln, sind Leitlinien zur Verwendung von Pharmakotherapie verfügbar, die durch Evidenz aus einer systematischen Übersichtsarbeit gestützt werden (6, 7).

Literatur

  1. 1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:779-801.

  2. 2. Mannfolk C, Liberg B, Abé C, Rahm C. Altered Neural and Behavioral Response to Sexually Implicit Stimuli During a Pictorial-Modified Stroop Task in Pedophilic Disorder. Biol Psychiatry Glob Open Sci. 2022;3(2):292-300. Published 2022 Feb 24. doi:10.1016/j.bpsgos.2022.02.004

  3. 3. Abé C, Adebah R, Liberg B, et al. Brain structure and clinical profile point to neurodevelopmental factors involved in pedophilic disorder. Acta Psychiatr Scand. 2021;143(4):363-374. doi:10.1111/acps.13273

  4. 4. Dawson SJ, Bannerman BA, Lalumière ML. Paraphilic Interests: An Examination of Sex Differences in a Nonclinical Sample. Sex Abuse. 2016;28(1):20-45. doi:10.1177/1079063214525645

  5. 5. Yakeley J, Rost F, Wood H, Abid S. Paraphilias, problematic sexual behaviours and personality disorder-To what extent are they linked?. Personal Ment Health. 2025;19(1):e1650. doi:10.1002/pmh.1650

  6. 6. Thibaut F, Cosyns P, Fedoroff JP, et al. The World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) 2020 guidelines for the pharmacological treatment of paraphilic disorders. World J Biol Psychiatry. 21(6):412-490, 2020. doi: 10.1080/15622975.2020.1744723

  7. 7. Culos C, Di Grazia M, Meneguzzo P. Pharmacological Interventions in Paraphilic Disorders: Systematic Review and Insights. J Clin Med. 2024;13(6):1524. Published 2024 Mar 7. doi:10.3390/jcm13061524

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