Die generalisierte Angststörung ist gekennzeichnet durch übermäßig auftretende Ängste und Sorgen hinsichtlich einer Vielzahl von Aktivitäten oder Ereignissen über mindestens ≥ 6 Monate. Die Ursache ist unbekannt, jedoch bestehen häufig Komorbiditäten mit Alkoholkonsumstörung, Major Depression oder Panikstörung. Die Diagnose wird nach klinischen Kriterien gestellt. Die Behandlung umfasst verhaltenstherapeutische Interventionen, Psychotherapie, Pharmakotherapie oder eine Kombination davon.
Die generalisierte Angststörung (GAS) ist häufig und betrifft innerhalb eines Jahres etwa 2 % der Weltbevölkerung und 3 bis 4 % der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten (1, 2). Die Prävalenz ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern (3–5). Die Störung beginnt meist im Erwachsenenalter, kann aber in jedem Alter auftreten. Die GAD nimmt in der Regel einen chronischen Verlauf und ist häufig mit erheblichen funktionellen Einschränkungen und einer verminderten Lebensqualität verbunden.
Allgemeine Literatur
1. Ruscio AM, Hallion LS, Lim CCW, et al. Cross-sectional Comparison of the Epidemiology of DSM-5 Generalized Anxiety Disorder Across the Globe. JAMA Psychiatry. 2017;74(5):465-475. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.0056
2. Kessler RC, Wang PS. The descriptive epidemiology of commonly occurring mental disorders in the United States. Annu Rev Public Health. 2008;29:115-129. doi:10.1146/annurev.publhealth.29.020907.090847
3. Wittchen HU, Zhao S, Kessler RC, et al: DSM-III-R generalized anxiety disorder in the National Comorbidity Survey. Arch Gen Psychiatry 1994 May;51(5):355-64. doi: 10.1001/archpsyc.1994.03950050015002
4. Lieb R, Becker E, Altamura C. The epidemiology of generalized anxiety disorder in Europe. Eur Neuropsychopharmacol. 2005;15(4):445-452. doi:10.1016/j.euroneuro.2005.04.010
5. Yeretzian ST, Sahakyan Y, Kozloff N, Abrahamyan L. Sex differences in the prevalence and factors associated with anxiety disorders in Canada: A population-based study. J Psychiatr Res. 2023;164:125-132. doi:10.1016/j.jpsychires.2023.06.018
Symptome und Beschwerden der generalisierten Angststörung
Menschen mit GAD haben vielfältige Sorgen, die sich oft im Laufe der Zeit verändern. Gängige Sorgen beziehen sich häufig auf Themen wie Arbeit und familiäre Pflichten, Finanzen, Gesundheit, Sicherheit, Autoreparaturen und Hausabreit. Bei GAD liegt der Fokus nicht auf einer einzelnen Sorge (z. B. sich in der Öffentlichkeit zu blamieren oder kontaminiert zu werden).
Der Verlauf ist in der Regel fluktuierend und chronisch. Die meisten Patienten mit einer generalisierten Angststörung haben eine oder mehrere komorbide psychiatrische Erkrankungen, einschließlich einer Major Depression, einer spezifischen Phobie, einer sozialen Angststörung, oder einer Panikstörung (1).
Hinweise auf Symptome und Zeichen
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022.
Diagnose der generalisierten Angststörung
Psychiatrische Beurteilung
Um die Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, Textüberarbeitung (DSM-5-TR) für die generalisierte Angststörung zu erfüllen, müssen die Patienten übermäßige Ängste und Sorgen in Bezug auf eine Reihe von Aktivitäten oder Ereignissen (z. B. Arbeit und schulische Leistungen) haben, die über einen Zeitraum von ≥ 6 Monaten an der Mehrzahl der Tage auftreten (1).
Die Sorgen sind schwer zu kontrollieren und müssen mit ≥ 3 der Folgenden verbunden sein:
Unruhe oder ein Gefühl der Überreiztheit oder Nervosität
Leichte Ermüdbarkeit
Konzentrationsschwierigkeiten
Reizbarkeit
Muskelverspannungen
Schlafstörungen
Die psychiatrischen Symptome müssen erhebliche Belastungen verursachen und/oder die soziale oder berufliche Funktion erheblich beeinträchtigen. Zudem dürfen Angst und Sorgen nicht durch Substanzgebrauch oder eine allgemeine medizinische Erkrankung (z. B. Hyperthyreose) erklärt werden und auch nicht besser durch eine andere psychiatrische Störung oder Substanzgebrauch.
Diagnosehinweis
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed,Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022.
Behandlung der generalisierten Angststörung
Antidepressiva (z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
Anxiolytische Medikamente (z. B. Benzodiazepine, Buspiron)
Psychotherapie
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Escitalopram) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Venlafaxin) sind die bevorzugten Medikamente für die Behandlung von GAD; ihre Verwendung führt in der Regel nach 3 bis 6 Wochen zu einer Verbesserung der Symptome (1). Kleine bis mäßige Dosen von Benzodiazepinen können Angstzustände sofort reduzieren, obwohl eine dauerhafte Einnahme zu körperlicher Abhängigkeit sowie zu einer Vielzahl von unerwünschten Wirkungen, einschließlich Sedierung, Vergesslichkeit und Ungeschicklichkeit, führen kann. Eine Strategie zur Behandlung von GAD besteht darin, sowohl mit einem Benzodiazepin als auch mit einem Antidepressivum zu beginnen, sowie mit einer angstfokussierten Psychotherapie (siehe Tabelle ). Wenn die GAD-Symptome dann beherrschbar geworden sind, kann das Benzodiazepin reduziert und in einer niedrigeren Dosis fortgesetzt oder abgesetzt werden.
Buspiron kann ebenfalls wirksam sein (2), obwohl die Symptome in der Regel erst dann abnehmen, wenn die Dosis allmählich auf den oberen empfohlenen Bereich erhöht wird.
Pflanzliche Produkte wie Kava können möglicherweise angstlösend wirken, allerdings müssen ihre Wirksamkeit und Sicherheit bei der Behandlung von Angststörungen wie der generalisierten Angststörung noch weiter untersucht werden (3, 4).
Eine Psychotherapie, in der Regel eine kognitive Verhaltenstherapie, kann sowohl stützend als auch problemorientiert sein (5). Entspannungstechniken, Hypnose, Bewegung, besserer Schlaf und achtsamkeitsbasierter Stressabbau sind ebenfalls oft hilfreich. Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich als die wirksamste psychotherapeutische Methode bei der generalisierten Angststörung erwiesen (6, 7).
Literatur zur Behandlung
1. Kong W, Deng H, Wan J, et al. Comparative Remission Rates and Tolerability of Drugs for Generalised Anxiety Disorder: A Systematic Review and Network Meta-analysis of Double-Blind Randomized Controlled Trials. Front Pharmacol. 2020;11:580858. Published 2020 Nov 11. doi:10.3389/fphar.2020.580858
2. Szuhany KL, Simon NM. Anxiety Disorders: A Review. JAMA. 2022;328(24):2431-2445. doi:10.1001/jama.2022.22744
3. Zhang W, Yan Y, Wu Y, et al. Medicinal herbs for the treatment of anxiety: A systematic review and network meta-analysis. Pharmacol Res. 2022;179:106204. doi:10.1016/j.phrs.2022.106204
4. Ooi SL, Henderson P, Pak SC. Kava for Generalized Anxiety Disorder: A Review of Current Evidence. J Altern Complement Med. 2018;24(8):770-780. doi:10.1089/acm.2018.0001
5. DeMartini J, Patel G, Fancher TL. Generalized anxiety disorder. Ann Intern Med. 170(7):ITC49-ITC64, 2019. doi: 10.7326/AITC201904020
6. Zech JM, Patel TA, Cougle JR. Correlates of treatment-seeking in DSM-5 generalized anxiety disorder: Findings from the National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions. J Anxiety Disorders. 106:102909-102909, 2024
7. Papola D, Miguel C, Mazzaglia M, et al. Psychotherapies for Generalized Anxiety Disorder in Adults: A Systematic Review and Network Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials [published correction appears in JAMA Psychiatry. 2024 Mar 1;81(3):320. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2023.5480.]. JAMA Psychiatry. 2024;81(3):250-259. doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.3971



