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Fieberkrämpfe

Von

Margaret C. McBride

, MD, Northeast Ohio Medical University;


M. Cristina Victorio

, MD, Northeast Ohio Medical University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Fieberkrämpfe werden bei Kindern < 6 Jahren mit einer Körpertemperatur von > 38 °C und keinen vorangegangenen fieberlosen Krämpfen diagnostiziert, wenn keine Ursache identifiziert werden kann und kein zugrunde liegendes Entwicklungs- oder neurologisches Problem vorliegt. Die Diagnose wird klinisch nach dem Ausschluss anderer Ursachen gestellt. Die Behandlung eines Krampfanfalls < 15 min erfolgt symptomatisch. Krampfanfälle, die länger 15 min anhalten, werden mit Lorazepam i.v., rektales Diazepam oder intranasales Midazolam und, wenn persistierend, mit Fosphenytoin i.v., Phenobarbital, Valproate oder Levetiracetam behandelt. Eine dauerhafte medikamentöse Therapie ist normalerweise nicht notwendig.

Die Fieberanfälle kommen bei ungefähr 2–5% der Kinder < 6 Jahre vor, die meisten im Alter von 6–36 Monaten. Fieberkrämpfe können einfach oder komplex sein:

  • Einfache Fieberkrämpfe dauern < 15 min und haben keine fokalen Symptome.

  • Komplexe Fieberkrämpfe dauern ≥ 15 min, entweder kontinuierlich oder mit Pausen, haben fokale Symptome oder rezidivieren innerhalb von 24 Stunden.

In den meisten Fällen handelt es sich um einfache Fieberkrämpfe (> 90%).

Fieberkrämpfe kommen bei bakteriellen oder viralen Krankheiten vor. Sie können auch nach einigen Impfungen wie Masern, Mumps und Röteln auftreten. Es gibt genetische und familiäre Faktoren, die die Anfälligkeit für Fieberkrämpfe zu erhöhen scheinen. Monozygote Zwillinge haben eine deutlich höhere Konkordanzrate als dizygote Zwillinge. Mehrere Gene, die mit Fieberkrämpfen assoziiert werden, sind identifiziert worden.

Symptome und Beschwerden

Oft kommt ein Fieberkrampf in der Initialphase einer schnellen Erhöhung der Körpertemperatur vor und meistens innerhalb von 24 h nach Fieberbeginn. Die Krampfanfälle sind typischerweise generalisiert und meist klonisch; einige zeigen aber auch eine atonische oder tonische Haltung.

Eine Postiktalphase von einigen Minuten ist üblich, kann aber bis zu ein paar Stunden andauern. Wenn die Postiktalphase länger als eine Stunde dauert oder wenn die Kinder während dieser Phase fokale Symptome haben (z. B. verminderte Bewegung auf einer Seite), ist es wichtig, unmittelbar auf eine zugrunde liegende akute Störung des ZNS zu überprüfen.

Fiebriger Status epilepticus sind kontinuierliche oder intermittierende Krämpfe, die ≥ 20 min dauern, ohne dass zwischen ihnen neurologische Erholung auftreten. Eine frühere Definition, die in vielen Studien verwendet wurde, gab ≥ 30 Minuten als Cutoff an, aber viele Ärzte glauben nun, dass die kürzere Zeit die schnellere Aufmerksamkeit auf die fortlaufende Anfallsaktivität ermutigt (1).

Hinweise auf Symptome und Zeichen

Diagnose

  • Ausschluss anderer Ursachen (klinisch oder manchmal durch Testung)

Die Anfälle werden als Fieberanfälle nach Ausschluss anderer Ursachen diagnostiziert. Ein Fieber kann Anfälle bei Kindern triggern, die zuvor afebrile Anfälle hatten. Diese Anfälle werden nicht als Fieberkrämpfe bezeichnet, da diese Kinder bereits eine Neigung zu Krampfanfällen zeigten.

Eine Routinetestung, abgesehen von der Suche nach der Ursache des Fiebers, ist für einfache Fieberkrämpfe nicht erforderlich, aber wenn die Kinder komplexe Anfälle, neurologische Defizite oder Anzeichen auf eine schwere Grunderkrankung (z. B. Meningitis, Stoffwechselstörungen) haben, sollten Tests durchgeführt werden.

Tests, um andere Störungen auszuschließen, werden klinisch ermittelt:

  • Liquoranalyse, um Meningitis und Enzephalitisauszuschließen, wenn Kinder < 6 Monate alt sind und meningeale Zeichen aufweisen oder Anzeichen einer ZNS-Depression oder Krampfanfälle nach mehreren Tagen einer fieberhaften Erkrankung haben; eventuell Liquoranalyse, wenn die Kinder nicht vollständig immunisiert sind oder Antibiotika einnehmen

  • Serum-Glukose, -Natrium, -Kalzium, -Magnesium, -Phosphat und Leber- und Nierenwerte, um metabolische Störungen auszuschließen, wenn in der Anamnese Erbrechen, Diarrhö oder eine beeinträchtige Flüssigkeitszufuhr vorkommen, Anzeichen einer Dehydratation oder Ödeme zu finden sind oder wenn komplexe Fieberkrämpfe vorliegen.

  • MRT des Schädels, wenn die neurologische Untersuchung fokale Anomalien findet oder wenn fokale Symptome während des Anfalls oder der Postiktalphase auftreten

  • EEG, wenn die Fieberkrämpfe fokale Symptome haben oder rezidivieren

  • Eine diagnostische Evaluation basierend auf der zugrunde liegenden Erkrankung, wenn die Kinder eine bereits identifizierte Entwicklungs- oder neurologische Störung haben (in der Regel wird der Begriff Fieberkrampf in solchen Fällen nicht verwendet)

Das EEG zeigt in der Regel weder spezifischen Anomalien noch hilft es dabei, Krampfanfälle vorauszusagen. Bei Kindern mit einer normalen neurologischen Untersuchung wird es nicht gleich nach dem ersten Fieberanfall empfohlen.

Prognose

Wiederauftreten und spätere Epilepsie

Die allgemeine Wiederholungsrate von Fieberkrämpfen liegt bei 35%. Das Rezidivrisiko steigt an, wenn die Kinder beim Auftreten des ersten Fieberkrampfes < 1 Jahr alt sind oder wenn sie Verwandte ersten Grades mit Fieberkrämpfen haben. Das Risiko, nach ≥ 1 einfachen Fieberkrämpfen ein afebriles Krampfleiden zu entwickeln, liegt bei etwa 2 bis 5%, was etwas höher ist als das Baseline-Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie (etwa 2%).

Die meisten der erhöhten Risiken treten bei Kindern auf, die zusätzliche Risikofaktoren (z. B. komplexe Fieberkrämpfe, Familienangehörige mit Krampfanfällen, Entwicklungsverzögerung) haben. Bei diesen Kinderns ist das Risiko auf bis zu 10% erhöht. Es ist nicht klar, ob das Auftreten eines Fieberkrampfes selbst die Krampfschwelle dauerhaft senken kann oder ob einige zugrunde liegenden Faktoren Kinder sowohl zu febrilen als auch afebrilen Anfällen prädisponieren.

Neurologische Folgeerscheinungen

Es wird nicht angenommen, dass einfache Fieberkrämpfe selbst neurologische Anomalien verursachen. Bei einigen Kindern mit einer unerkannten neurologischen Störung kann ein Fieberkrampf jedoch eventuell die erste Manifestation sein; Anzeichen der Störung können eventuell nachträglich identifiziert werden oder erst später auftreten. In beiden Fällen wird nicht davon ausgegangen, dass der Fieberkrampf kausal ist.

Anhaltender fiebriger Status epilepticus, kann mit Schäden in empfindlichen Teilen des Gehirns, wie dem Hippocampus, verbunden sein.

Behandlung

  • Fiebersenkende Therapie

  • Unterstützende Therapie, wenn Anfälle < 15 min andauern

  • Antiepileptika und manchmal Intubation, wenn Anfälle 15 min andauern

Alle Kinder benötigen eine fiebersenkende Therapie ; das Senken der Temperatur kann dabei helfen, einen weiteren Fieberkrampf während der unmittelbaren Krankheit zu verhindern und macht es leichter, febrilen Status epilepticus zu stoppen.

Die Behandlung ist symptomatisch, wenn die Anfälle < 15 min andauern.

Bei Anfällen, die 15 min andauern, müssen eventuell Medikamente gegeben werden, um sie zu unterbrechen. Kreislauf und Atmung sollten dabei beobachtet werden. Eine Intubation wird notwendig, wenn das Kind nicht reagiert und die Anfälle weiter andauern.

Die Medikamente werden normalerweise i.v. verabreicht. Man verwendet kurzwirksame Benzodiazepine (z. B. Lorazepam 0,05–0,1 mg/kg i.v. alle 5 bis 10 min bis zu 3-mal). Fosphenytoin 15–20 mg PE (Phenytoin-Äquivalent)/kg IV kann über 15 bis 30 min gegeben werden, wenn ein Anfall andauert. Diazepam Rektiole 0,5 mg kann bei Kindern bis zum Alter von 5 Jahren einmal gegeben und nach 4 bis 12 hwiederholt werden, wenn Lorazepam nicht i.v. verabreicht werden kann. Phenobarbital, Valproat oder Levetiracetam kann auch verwendet werden, um eine anhaltende Anfall zu behandeln.

Vorbeugung

Die Eltern eines Kindes, das einen Fieberkrampf gehabt hat, sollten angewiesen werden, die Temperatur ihres Kindes während Krankheiten sorgfältig zu überwachen und Antipyretika zu verabreichen, wenn die Temperatur erhöht ist (auch wenn kontrollierte Studien nicht gezeigt haben, dass ddiese Behandlung das Wiederauftreten von Fieberkrämpfen verhindert).

Eine Erhaltungsmedikation mit Antikonvulsiva zur Vorbeugung gegen Fieberkrämpfe oder die Entwicklung von afebrilen Anfällen ist nicht indiziert, außer es liegen multiple und lang andauernde Episoden vor. Einige Ärzte verschreiben bei einem längeren Fieberkrampf zu Hause rektales Diazepam, das von den Eltern gegeben wird.

Wichtige Punkte

  • Fieberkrämpfe sind Anfälle, die bei neurologisch normalen Kindern < 6 Jahren mit einer Körpertemperatur von > 38 °C und ohne vorangegangene afebrile Anfälle auftreten, und die keine identifizierbare Ursache haben.

  • Einfache Fieberkrämpfe dauern < 15 min und haben keine fokalen Symptome.

  • Komplexe Fieberkrämpfe dauern > 15 min, entweder kontinuierlich oder mit Pausen, haben fokale Symptome oder rezidivieren innerhalb von 24 Stunden.

  • Eine Routinetestung ist nicht erforderlich, aber wenn die Kinder komplexe Krampfanfälle, neurologische Defizite oder Anzeichen einer schweren Grunderkrankung (z. B. Meningitis, Stoffwechselstörungen) haben, sollten Tests durchgeführt werden.

  • Anfälle, die 15 min andauern, erfordern eine medikamentöse Behandlung (z. B. Lorazepam 0,05 bis 0,1 mg/kg i.v. über 2 bis 5 min wiederholt alle 5 bis 10 min für bis zu 3 Dosen).

  • Das Risiko, nach einem einfachen Fieberkrampf ein afebriles Krampfleiden zu entwickeln, liegt bei etwa 2 bis 5%.

  • Die Gabe eines Antipyreticums zu Beginn einer fiebrigen Erkrankung hat sich nicht als erfolgreich gezeigt, um einen Fieberkrampf zu verhindern.

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