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Rattenbissfieber

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;


Maria T. Perez

, MD, Wellington Regional Medical Center, West Palm Beach

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Rattenbissfieber wird entweder durch Streptobacillus moniliformis oder Spirillum minus. verursacht. Zu den Symptomen der streptobazillären Form gehören Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen. Die spirilläre Form verursacht Rückfallfieber, Exantheme und regionale Lymphadenitis. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch Kultur und manchmal ansteigende Antikörpertiter bestätigt. Zur Behandlung eignen sich Makrolide oder Doxyzyklin.

Erreger des Rattenbissfiebers werden bei bis zu 10% der Rattenbisse auf den Menschen übertragen. Anamnestische Hinweise auf Rattenbisse können jedoch auch fehlen. Rattenbissfieber wird am häufigsten durch Rattenbisse verursacht, kann aber auch durch den Biss von jedem anderen Nagetier oder Fleischfresser, der Nagetiere jagt, verursacht werden. Sowohl die streptobazilläre als auch die spirilläre Form kommen vor allem bei Stadtbewohnern vor, die in beengten Verhältnissen leben, und bei biomedizinischem Laborpersonal. In den USA und Europa ist das Rattenbiss-Fieber meist auf Streptobacillus moniliformis zurückzuführen, in Asien auf den Spirochete Spirillum minus.

Streptobazilläres Rattenbissfieber

Streptobazilläres Rattenbiss-Fieber wird durch das pleomorphe gramnegative Stäbchenbakterium S. moniliformis hervorgerufen, einem Erreger, der im Oropharynx gesunder Ratten vorkommt. Epidemien wurden mit der Einnahme von nichtpasteurisierter, mit S. moniliformis kontaminierter Milch(Haverhill-Fieber) in Verbindung gebracht, die Infektion wird jedoch meist durch den Biss einer wilden Ratte oder Maus verursacht. Andere Nagetiere und Wiesel wurden auch damit in Verbindung gebracht.

Die primäre Wunde heilt meist prompt, aber nach einer Inkubationsphase von 1–22 (meist < 10 Tage) entwickelt sich rasch ein virusähnliches Syndrom und ruft Schüttelfrost, Fieber, Erbrechen sowie Rücken- und Gelenkschmerzen hervor. Die meisten Patienten entwickeln ca. 3 Tage später ein morbilliformes, petechiales oder vesikuläres Exanthem an den Händen und Füßen. Bei vielen Patienten kann sich innerhalb einer Woche eine Polyarthralgie oder Arthritis entwickeln, die meist die großen Gelenke asymmetrisch befällt und ohne Therapie über mehrere Tage oder Monate anhalten kann. Das Fieber kann zurückkehren, indem es über einen Zeitraum von Wochen bis Monaten unregelmäßig auftritt.

Eine bakterielle Endokarditis und Abszesse in Hirn- und anderen Geweben sind selten, aber schwerwiegend. Einige Patienten haben einen infizierten Perikarderguss und infizierte Amnionflüssigkeit.

Haverhill-Fieber (Erythema arthriticum epidemicum) ähnelt perkutan erworbenem Rattenbissfieber, aber mit mehr prominentee Pharyngitis und Erbrechen.

Die Diagnose des streptobazillären Rattenbiss-Fiebers wird durch Kultivierung des Organismus aus Blut oder Gelenkflüssigkeit bestätigt. Messbare Agglutinine entwickeln sich während der 2. oder 3. Woche und sind bei Titeranstieg diagnostisch wertvoll. PCR oder enzymgekoppeltes Immunsorbentassay (ELISA)-Tests können hilfreich sein. Die Leukozytenzahlen liegen zwischen 6000 und 30. 000/μl. Nichttreponemale Syphilis serologische Tests (Venereal Disease Research Laboratory [VDRL] oder schnelles Plasma Reagin [RPR] Tests) können falsch positiv sein. Die streptobazilläre Form kann meist klinisch von der spirillären Form differenziert werden.

Behandlung von streptobazillärem Rattenbiss-Fieber umfasst eines der Folgenden, für 7 bis 10 Tage gegeben:

  • Amoxicillin 1 g p. o. alle 8 h

  • Procain Penicillin G 600.000 Einheiten i. .m. alle 12 h

  • Penicillin V 500 mg p. o.4-mal täglich

Erythromycin 500 mg p.o. 4-mal täglich für 7–10 Tage kann bei Patienten mit Penicillinallergie verwendet werden. Doxyzyklin 100 mg alle 12 h für 14 Tage ist eine Alternative.

Patienten mit S. moniliformis Endokarditis erfordern hoch dosiertes Penicillin G plus Streptomycin oder Gentamicin.

Unbehandelt hat ein Rattenbiss-Fieber eine Letalitätsrate von etwa 10%.

Spirilläres Rattenbissfieber (Sodoku)

Eine S. minus-Infektion mit Spirillum minus wird durch einen Ratten-, gelegentlich auch einen Mäusebiss erworben. Die Ingestion des Organismus verursacht die Krankheit nicht. Die Wunde heilt in der Regel prompt, aber es kommt nach 4–28 (meist > 10) Tagen an dieser Stelle zu einer Entzündung, begleitet von einem Rückfallfieber und regionaler Lymphadenitis. Ein roseolär-urtikarielles Exanthem entwickelt sich manchmal, ist aber weniger auffällig als das streptobazilläre Exanthem. Häufig begleiten systemische Symptome das Fieber, eine Arthritis ist aber selten. Bei nichtbehandelten Patienten kommt es meist zu alle 4–8 Wochen wiederkehrenden 2- bis 4-tägigen Fieberzyklen, febrile Episoden rekurrieren aber nur selten > 1 Jahr.

Die Diagnose des spirillären Rattenbiss-Fiebers erfolgt durch

  • Direkte Visualisierung oder Kultur von Spirillum aus Blutausstrichen oder Gewebe aus Läsionen oder Lymphknoten

  • Giemsa-Färbung oder Dunkelfelduntersuchung von Blut von inokulierten Mäusen

Direkte Visualisierung ist erforderlich, weil S. minus nicht auf synthetischen Medien kultiviert werden kann. Die Leukozytenzahl liegt zwischen 5000 und 30. 000/μl.

Die VDRL-Ergebnisse sind bei der Hälfte der Patienten falsch-positiv. Die Krankheit kann leicht mit Malaria, oder Borrelia recurrentis-Infektionen verwechselt werden, bei beiden kann es jeweils auch zu Rückfallfieber kommen.

Die Therapie des streptobazillären Rattenbiss-Fiebers ist die gleiche wie bei der streptobazillären Form.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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