Das Myzetom ist eine chronische, progressive Lokalinfektion, die durch Pilze oder Bakterien hervorgerufen wird und die Füße, oberen Extremitäten oder den Rücken betrifft. Es kann auch zu einer Anschwellung und Bildung von Sinusgängen kommen. Die Diagnose wird klinisch gestellt und durch mikroskopische Untersuchung von Exsudaten und Kultur bestätigt. Die Therapie umfasst Antiinfektiva, chirurgisches Débridement und manchmal Amputation.
(Siehe auch Übersicht zu Pilznfektionen.)
Myzetome sind lokale Infektionen, die durch Pilze oder Bakterien verursacht werden (1). Sie werden klassischerweise in Aktinomyzetome (bakteriell, meist verursacht durch Nocardia, Streptomyces und Actinomadura) und Eumyzetome (pilzbedingt, meist verursacht durch Arten von Madurella, Pseudallescheria, Scedosporium und Fusarium) eingeteilt (2).
Myzetome treten hauptsächlich in tropischen oder subtropischen Gebieten auf, auch im Süden der Vereinigten Staaten. Sie tritt in äquatorialen Regionen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens auf, die als "Myzetom-Gürtel" bekannt sind. Eumyzetome sind die häufigste Form in Afrika. Aktinomyzetome verursachen die meisten Fälle in Süd- und Mittelamerika und in einigen asiatischen Ländern.
Ein Myzetom wird erworben, wenn Organismen durch Stellen eindringender lokaler Traumata auf der nackten Haut der Füße oder an den Extremitäten oder Rücken von Arbeitern, die kontaminierte Vegetation oder andere Objekte tragen, eindringen. Am häufigsten sind Männer zwischen 20 und 40 Jahren betroffen, vermutlich da das Trauma bei einem Aufenthalt im Freien auftrat.
Die Infektion breitet sich über benachbarte Gebiete aus und führt zur Anschwellung und Bildung von multiplen drainierenden Sinus, die charakteristische Körner („grains“) klumpenförmiger Erreger exsudieren. Mikroskopische Gewebereaktionen können primär eitrig oder granulomatös sein, je nach dem spezifischen ursächlichen Erreger. Wenn die Infektion fortschreitet, können sich bakterielle Superinfektionen entwickeln.
Allgemeine Literatur
1. van de Sande WWJ, Fahal AH. An updated list of eumycetoma causative agents and their differences in grain formation and treatment response. Clin Microbiol Rev. 2024;37(2):e0003423. doi:10.1128/cmr.00034-23
2. Verma P, Jha A. Mycetoma: reviewing a neglected disease. Clin Exp Dermatol. 2019;44(2):123-129. doi:10.1111/ced.13642
Symptome und Anzeichen von Myzetom
Die initiale Läsion eines Myzetoms kann variabel eine Papel sein, ein fixierter subkutaner Knoten, eine Blase mit einer indurierten Basis oder ein subkutaner Abszess, der unter Ausbildung einer Fistel auf der Hautoberfläche rupturiert. Es kommt häufig in und um die Läsionen herum zu einer Fibrosierung. Die Schmerzhaftigkeit ist minimal oder nicht vorhanden, sei denn, es liegt eine akute eitrige bakterielle Superinfektion vor.
Die Infektion schreitet langsam über Monate oder Jahre fort, dehnt sich graduell und mit Zerstörung einhergehend zu angrenzender Muskulatur, Sehnen, Faszien und Knochen aus. Die Krankheit bleibt auf die betroffene Extremität beschränkt und breitet sich nicht aus. Letztlich führen Muskelabbau, Deformitäten und Gewebedestruktion dazu, dass die betroffene Gliedmaße nicht mehr verwendet werden kann.
Bei fortgeschrittenen Infektionen erscheinen die beteiligten Extremitäten deutlich ödematös und bilden eine keulenförmige Masse zystischer Areale. Die multiplen drainierten und miteinander kommunizierenden Sinusgänge und Fisteln in diesen Bereichen bilden ein dickes oder serösblutiges Exsudat, das charakteristische Körner enthält, die weiß oder schwarz sein können.
Dieses Bild zeigt multiple, infiltrierte Knötchen am Fuß eines Patienten mit Myketom.
Dieses Bild zeigt multiple, infiltrierte Knötchen am Fuß eines Patienten mit Myketom.
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Diese dorsale Ansicht des linken Sprunggelenks zeigt ein Eumyzetom, auch als Madura-Fuß bezeichnet.
Diese dorsale Ansicht des linken Sprunggelenks zeigt ein Eumyzetom, auch als Madura-Fuß bezeichnet.
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Dieses Bild zeigt mehrere subkutane Knötchen und einen Riss bis zur Hautoberfläche.
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Dieses Foto zeigt chronische, nicht heilende Wunden mit wiederkehrenden Episoden von Drainage und Ulzeration (oben) und fortschreitender Zerstörung der gesamten knöchernen Architektur des Fußes (unten).
Dieses Foto zeigt chronische, nicht heilende Wunden mit wiederkehrenden Episoden von Drainage und Ulzeration (oben) und
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Diagnose von Myzetom
Untersuchung und Kultur der Exsudate
Die verursachenden Mikroorganismen können vorläufig durch makroskopische und mikroskopische Untersuchung der Körnchen aus läsionalen Exsudaten identifiziert werden, die pathognomonische, irregulär geformte, variabel gefärbte und 0,5–2-mm große Granulate enthalten. Die Körnchen sollten für einen definitiven Nachweis des Erregers zerquetscht und kultiviert werden. Aus den Exsudatproben können viele Bakterien und Pilze angezüchtet werden, von denen manche mögliche Ursachen einer Superinfektion darstellen.
Behandlung von Myzetom
Antibiotika oder Antimykotika (je nach Ätiologie)
Operation in refraktären Fällen
(Siehe auch Antimykotische Medikamente.)
Die Behandlung richtet sich nach dem verursachenden Mikroorganismus und dem Ausmaß der Erkrankung. Der Kliniker muss zwischen Aktinomyzetom und Eumyzetom unterscheiden.
Bei Infektionen, die durch ein Aktinomyzetom verursacht werden, einschließlich solcher durch Nocardia, werden Sulfonamide und bestimmte andere antibakterielle Wirkstoffe, manchmal in Kombination, eingesetzt.
Bei einem Eumyzetom ist die Behandlung der Wahl eine Langzeittherapie mit Antimykotika, meist mit oralem Itraconazol, gegebenenfalls in Kombination mit einem chirurgischen Débridement oder einer Exzision der Läsion. Die Heilungsraten bleiben suboptimal. Triazole (z. B. Voriconazol, Posaconazol) können bei refraktären Fällen in Betracht gezogen werden, jedoch ist die Evidenz begrenzt. Die antimykotische Behandlung sollte mindestens 12 Monate lang fortgesetzt werden.
Ein chirurgisches Débridement ist gelegentlich notwendig. Ein wiederholtes Débridement des erkrankten Gewebes, einschließlich des Knochens, kann erforderlich sein. In fortgeschrittenen Fällen kann eine Amputation von Gliedmaßen erforderlich sein, um potenziell tödliche schwere bakterielle Sekundärinfektionen zu verhindern.
Weitere Informationen
Die folgenden englischsprachigen Quellen können nützlich sein. Bitte beachten Sie, dass das MSD-Manual nicht für den Inhalt dieser Quelle verantwortlich ist.
Mycetoma Research Center (World Health Organization Collaborating Center on Mycetoma): Mycetoma Management Guidelines



