Nokardiose

(Nocardia)

VonLarry M. Bush, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;
Maria T. Vazquez-Pertejo, MD, FACP, Wellington Regional Medical Center
Reviewed ByBrenda L. Tesini, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry
Überprüft/überarbeitet Geändert Sept. 2025
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Die Nokardiose ist eine akute oder chronische, oft disseminierte, eitrige oder granulomatöse Infektion, die durch verschiedene aerobe Bodensaprophyten der grampositiven Bazillen der Gattung Nocardia verursacht wird. Typischerweise kommt es zu einer Pneumonie, Infektionen der Haut- und des Zentralnervensystems sind aber auch häufig. Die Diagnose beruht auf der Kultur und Spezialfärbungen. Die Therapie besteht in der Regel aus Sulfonamiden.

Nocardia sind obligat aerobe, aktinomycetöse, teilweise säurefeste, perlschnurartige, verzweigte, grampositive Bakterien. Die Gattung Nocardia umfasst viele Arten.

N. asteroides verursacht in der Regel eine pulmonale und disseminierte Infektion.

N. brasiliensis führt meist zu Hautinfektionen, insbesondere in tropischen Klimazonen.

Eine Infektion erfolgt über Inhalation oder durch direkte Inokulation der Haut.

Andere Nocardia-Spezies können manchmal lokalisierte oder gelegentlich auch systemische Infektionen hervorrufen.

Nokardiose tritt weltweit in allen Altersgruppen auf, jedoch ist die Inzidenz bei älteren Erwachsenen und immungeschwächten Patienten erhöht. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch ist nicht bekannt. In den Vereinigten Staaten gibt es jährlich etwa 500 bis 1000 neue Fälle von Nokardiose-Infektionen (1). 

Nocardia kommt im stehenden Wasser, in verrottenden Pflanzen und im Boden vor. Die Infektion erfolgt durch Einatmen von Staub, der die Bakterien enthält, oder durch direkte Beimpfung der Haut, wenn kontaminierter Boden oder Wasser durch einen Schnitt oder Kratzer eindringt.

Risikofaktoren

Prädisponierende Risikofaktoren für die Nokardiose sind unter anderem:

  • Lymphoreticular cancers

  • Organtransplantation

  • Hochdosiertes Glukokortikoid oder andere Immunsuppressionstherapie

  • Zugrundeliegende Lungenerkrankung

  • Diabetes mellitus

  • Alkoholkonsumstörung

Allerdings haben bis zu 40% der Patienten mit Nokardiose keine identifizierte Immunschwäche (1).

Nokardiose ist auch eine opportunistische Infektion bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion.

Allgemeiner Hinweis

  1. 1. Centers for Disease Control and Prevention: Nocardiosis: Clinical Overview of Nocardiosis. January 31, 2025. Accessed July 17, 2025.

Symptome und Anzeichen von Nokardiose

Eine Nokardiose beginnt meist als subakute pulmonale Infektion, die an eine Aktinomykose erinnert, Nocardia disseminiert aber eher lokal oder hämatogen als Actinomyces. Eine Ausbreitung mit Abszessbildung kann generell in jedes Organ stattfinden, betrifft aber meist Gehirn, Haut, Nieren, Knochen oder Muskulatur.

Die häufigsten Symptome einer pulmonalen Beteiligung – Husten, Fieber, Schüttelfrost, Thoraxschmerzen, Schwäche, Anorexie und Gewichtsverlust – sind unspezifisch und können denen einer Tuberkulose oder eitrigen Pneumonie ähneln. Ein Pleuraerguss kann ebenfalls auftreten.

Metastatische Hirnabszesse, die bei etwa 37% der Fälle auftreten, verursachen normalerweise starke Kopfschmerzen und fokale neurologische Abnormalitäten (1). Die Infektion kann akut, subakut oder chronisch verlaufen.

Die primäre kutane Nokardiose tritt gewöhnlich bei immunkompetenten Patienten 1 bis 3 Wochen nach der Infektion auf, manchmal als primäre lokale Inokulation. Haut- oder subkutane Abszesse kommen häufig vor. Sie können auftreten als:

  • solide Zellulitis

  • Lymphocutaneous syndrome

  • Ein Aktinomyzetom

Die kutane Nokardiose kann sich als erythematöser, druckschmerzhafter, warmer, geschwollener Bereich ähnlich einer Zellulitis äußern, aber auch feste Knötchen oder Abszesse umfassen, insbesondere um eine Verletzungsstelle herum, an der die Bakterien in die Haut eingedrungen sind (2).

Das lymphokutane Syndrom besteht aus einer primären eitrigen Hautläsion und Lymphknotenveränderungen, die an Sporotrichose erinnern.

Ein Aktinomyzetom aufgrund einer Nokardiose beginnt als Knoten, eitert, breitet sich entlang der Faszien aus und entleert sich durch chronische Fisteln.

Aktinomyzetom
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Das Aktinomyzetom aufgrund einer Nokardiose ist eine langsam fortschreitende, zerstörerische Infektion des Haut- und Unterhautgewebes, der Faszien und, wie hier zu sehen, der Knochen. Aktinomyzetom beginnt als Knoten, eitert, breitet sich entlang von Faszienschichten aus und wird durch chronische Fisteln drainiert.

Image courtesy of Dr. Libero Ajello via the Public Health Image Library of the Centers for Disease Control and Prevention.

Literatur zu Symptomen und Beschwerden

  1. 1. Averbuch D, De Greef J, Duréault A, et al. Nocardia Infections in Hematopoietic Cell Transplant Recipients: A Multicenter International Retrospective Study of the Infectious Diseases Working Party of the European Society for Blood and Marrow Transplantation [published correction appears in Clin Infect Dis. 2025 Feb 5;80(1):239. doi: 10.1093/cid/ciae606.]. Clin Infect Dis. 2022;75(1):88-97. doi:10.1093/cid/ciab866

  2. 2. Tariq EF, Anwar MM, Khan UA. Primary Cutaneous Nocardiosis: A Rare Presentation of Nocardiosis. Cureus. 2019;11(10):e5860. doi:10.7759/cureus.5860

Diagnose von Nokardiose

  • Mikroskopische Untersuchung oder Kultur

  • Säurefeste Färbung

  • Manchmal molekulare Nukleinsäuretests (Multilocus-Sequenzanalyse)

Die Diagnose der Nokardiose erfolgt durch den Nachweis von Nocardia-Spezies im Gewebe oder in der Kultur von Proben aus lokalisierten Läsionen, die durch körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen oder andere bildgebende Untersuchungen identifiziert wurden. Klumpen von perlschnurartig angeordneten, rechtwinklig verzweigten Filamenten grampositiver Bakterien (die mit der modifizierten Kinyoun-Technik schwach säurefest sein können) sind häufig zu beobachten. Sowohl Blut- als auch Gewebekulturen können bis zu 2 Wochen benötigen, um zu wachsen. Es können molekulare Nukleinsäuretests wie die Multilocus-Sequenzanalyse verwendet werden (1). In seltenen Fällen kann die matrixunterstützte Laser-Desorptions-/Ionisations-Flugzeitmassenspektrometrie (MALDI-TOF MS) bei der genauen Identifizierung von Nocardia-Arten nützlich sein (2).

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Xiao M, Pang L, Chen SC, et al. Accurate Identification of Common Pathogenic Nocardia Species: Evaluation of a Multilocus Sequence Analysis Platform and Matrix-Assisted Laser Desorption Ionization-Time of Flight Mass Spectrometry. PLoS One. 2016;11(1):e0147487. Published 2016 Jan 25. doi:10.1371/journal.pone.0147487

  2. 2. Liu Y, Wu SY, Deng J, et al. Application of MALDI-TOF mass spectrometry for identification of Nocardia species. BMC Microbiol. 2024;24(1):358. Published 2024 Sep 20. doi:10.1186/s12866-024-03483-2

Behandlung von Nokardiose

  • Trimethoprim/Sulfamethoxazol

  • Manchmal Amikacin, Imipenem oder Meropenem

Sulfamethoxazol/Trimethoprim oral alle 6 bis 12 Stunden (abhängig vom Ausmaß der Erkrankung) ist die Behandlung der Wahl (1). Die Behandlungsdauer hängt von der Art der Infektion und den prädisponierenden Risikofaktoren des infizierten Patienten ab. Bei immunschwachen Patienten und Patienten mit disseminierter Erkrankung sollte Trimethoprim/Sulfamethoxazol zusammen mit Amikacin, Imipenem oder Meropenem genommen werden bis die Testergebnisse bzgl. Artbestimmung und Empfindlichkeit vorliegen.

Bei Sulfonamidüberempfindlichkeit, Sulfamethoxazol/Trimethoprim-Resistenz oder therapieresistenter Infektion kann Amikacin, ein Tetrazyklin (insbesondere Minozyklin), Imipenem/Cilastatin, Meropenem, Ceftriaxon, Cefotaxim, Fluorchinole mit erweitertem Spektrum (z. B. Moxifloxacin) oder Dapson angewendet werden. Tigezyklin kann eine wirksame Alternativen sein. Linezolid in Kombination mit einem anderen Wirkstoff kann in bestimmten Fällen angebracht sein (z. B. bei Verwendung von Amikacin und Bedenken hinsichtlich einer Nephrotoxizität). In-vitro-Empfindlichkeitsdaten sollten die Wahl alternativer Antibiotika leiten.

Kutane Infektionen sollten ebenfalls initial mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol behandelt werden (2). Bei Patienten mit schweren Hautläsionen oder Immunschwäche sollte eine Kombinationstherapie mit anderen Wirkstoffen wie bei refraktären Infektionen in Betracht gezogen werden. Lokalisierte Abszesse erfordern in der Regel Inzision, Drainage und chirurgisches Débridement.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Yang J, Ren HT, Wang J, et al. Clinical characteristics, susceptibility profiles, and treatment of nocardiosis: a multicenter retrospective study in 2015-2021. Int J Infect Dis. 2023;130:136-143. doi:10.1016/j.ijid.2023.02.023

  2. 2. Stevens DL, Bisno AL, Chambers HF, et al. Practice guidelines for the diagnosis and management of skin and soft tissue infections: 2014 update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2014;59(2):147-159. doi:10.1093/cid/ciu296

Prognose bei Nokardiose

Ohne Therapie können pulmonale Nokardiosen und disseminierte Nokardiosen tödlich sein.

Bei den Patienten, die mit adäquaten Antibiotika behandelt werden, ist die Mortalitätsrate bei immungeschwächten Patienten mit disseminierten Infektionen am höchsten und bei immunkompetenten Patienten mit auf die Lunge beschränkten Läsionen niedriger (1).

Nokardielle Hautinfektionen erfordern in der Regel eine Langzeittherapie, die je nach Schweregrad und Ausmaß der Infektion oft zwischen 6 und 24 Monaten dauert (2).

Literatur zur Prognose

  1. 1. Steinbrink J, Leavens J, Kauffman CA, Miceli MH. Manifestations and outcomes of nocardia infections: Comparison of immunocompromised and nonimmunocompromised adult patients. Medicine (Baltimore). 2018;97(40):e12436. doi:10.1097/MD.0000000000012436

  2. 2. Stevens DL, Bisno AL, Chambers HF, et al. Practice guidelines for the diagnosis and management of skin and soft tissue infections: 2014 update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2014;59(2):147-159. doi:10.1093/cid/ciu296

Wichtige Punkte

  • Immunsuppression und chronische Lungenerkrankungen sind prädisponierende Faktoren, aber bis zu 40% der Patienten haben keine Vorerkrankungen.

  • Lungenentzündung ist typisch, aber Infektionen der Haut und des Zentralnervensystems sind auch häufig; die hämatogene Ausbreitung kann fast jedes Organ betreffen.

  • Mit Trimethoprim/Sulfamethoxazol (oder einer der zahlreichen Alternativen) über einen längeren Zeitraum behandeln.

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