Histoplasmose

VonPaschalis Vergidis, MD, MSc, Mayo Clinic College of Medicine & Science
Reviewed ByChristina A. Muzny, MD, MSPH, Division of Infectious Diseases, University of Alabama at Birmingham
Überprüft/überarbeitet Geändert Nov. 2025
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Histoplasmose ist eine pulmonale und hämatogene Krankheit, die durch Histoplasma capsulatum verursacht wird. Sie verläuft oft chronisch und folgt meist einer asymptomatischen Primärinfektion. Die Symptome sind die einer Pneumonie oder einer unspezifischen chronischen Krankheit. Die Diagnose erfolgt durch Identifizierung des Organismus in Sputum oder Gewebe oder durch die Verwendung spezifischer Serum- und Urin-Antigen-Tests. Die Therapie, wenn notwendig, erfolgt mit Amphotericin B oder einem Azol.

(Siehe auch Übersicht zu Pilznfektionen.)

Histoplasma capsulatum ist ein dimorpher Pilz, der pulmonale und hämatogene Erkrankungen verursacht. Er wächst in der Natur oder in Kultur bei Raumtemperatur als Schimmelpilz, wandelt sich jedoch bei 37° C und während der Invasion von Wirtszellen in eine kleine Hefezelle (1 bis 5 Mikrometer Durchmesser) um. Eine Infektion kommt durch die Inhalation von Konidien (Sporen, die durch mizellare Pilze entstehen) aus Erdreich oder Staub zustande, die durch Exkremente von Vögeln oder Fledermäusen verunreinigt wurden. Das Infektionsrisiko ist am größten, wenn bei der Entfernung von Bäumen oder Gebäuden luftgetragene Sporen entstehen (z. B. auf Baustellen in Gebieten, die von Vögeln oder Fledermäusen bewohnt werden) oder bei der Erforschung von Höhlen.

Die Histoplasmose tritt weltweit auf, einschließlich Teilen von Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien.

In den Vereinigten Staaten beträgt die durchschnittliche jährliche Inzidenz 1 bis 2 Fälle pro 100.000 Einwohner (1). Endemische Gebiete für Histoplasmose umfassen die Ohio- und Mississippi-Flusstäler (einschließlich Staaten im Süden und Südosten), die sich bis in Teile von Nord-Maryland, Süd-Pennsylvania, Zentral-New York und Texas erstrecken.

Mit Fledermaushöhlen assoziierte Ausbrüche sind weltweit sporadisch aufgetreten, unter anderem in Lateinamerika, Afrika und Teilen Asiens; in den USA wurden Fälle in Florida, Texas und Puerto Rico gemeldet.

Risikofaktoren für schwere Histoplasmose sind unter anderem:

  • Schwere, längere Exposition

  • Alter ≥ 55 Jahre

  • Kindesalter

  • Kompromittierte T-Zell-vermittelte Immunität (z. B. bei Patienten, die eine HIV-Infektion oder eine Organtransplantation haben oder Immunsuppressiva wie Glukokortikoide oder Tumornekrosefaktor-Hemmer einnehmen)

Die initiale Infektionsstelle ist typischerweise die Lunge, wo H. capsulatum oft lokalisiert bleibt. Wenn er jedoch nicht durch intakte zellvermittelte Immunreaktionen eingedämmt wird, kann der Erreger hämatogen auf andere Organe disseminieren. Die progredient disseminierte Histoplasmose gehört zu den definierenden opportunistischen Infektionen bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion.

Allgemeiner Hinweis

  1. 1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Facts and Stats About Histoplasmosis. April 24, 2024.

Symptome und Anzeichen von Histoplasmose

Die meisten Histoplasmose-Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild, insbesondere bei immunokompetenten Patienten; daher wird möglicherweise initial keine ärztliche Behandlung in Anspruch genommen.

Histoplasmose hat 3 Hauptformen:

Eine akute primäre Histoplasmose ist ein Syndrom mit Fieber, Husten, Myalgien, Thoraxschmerzen und Krankheitsgefühl mit variablem Schweregrad. Manchmal entwickelt sich eine akute Pneumonie (Hinweise finden sich bei der körperlichen Untersuchung und im Röntgenthorax). Die Symptome treten in der Regel 3 bis 17 Tage nach Inhalation der Sporen auf. Die Symptome verschwinden in der Regel innerhalb von 2 Wochen ohne Behandlung und persistieren nur selten länger als 6 Wochen.

Eine chronisch kavernöse Histoplasmose ist charakterisiert durch pulmonale Läsionen, die oft atypisch sind und an eine kavernöse Tuberkulose erinnern. Sie manifestiert sich mit einem sich verschlimmernden Husten und Dyspnoe und schreitet letztlich zu einer ausgeprägten respiratorischen Funktionsstörung fort. Eine Dissemination kommt nicht vor.

Eine progressive disseminierte Histoplasmose umfasst charakteristischerweise eine generalisierte Beteiligung des retikuloendothelialen Systems mit Hepatosplenomegalie, Lymphadenopathie, Knochenmarkbeteiligung und gelegentlich oralen oder gastrointestinalen Ulzerationen. Der Verlauf ist meist subakut oder chronisch und geht nur mit unspezifischen, häufig subtilen Symptomen (z. B. Fieber, Fatigue, Gewichtsverlust, Schwäche, Krankheitsgefühl) einher; bei betroffenen Personen mit HIV‑Infektion kann sich der Zustand unerklärlicherweise verschlechtern. Das Zentralnervensystem kann involviert sein, was zu Meningitis oder fokalen Hirnläsionen führen kann. Eine Infektion der Nebennieren ist selten, kann aber zu einem Morbus Addison führen. Eine schwere Pneumonie ist selten, aber bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion kann es zu einer schweren akuten Pneumonie mit Hypoxie sowie Hypotonie, Veränderungen des mentalen Status, Koagulopathie oder Rhabdomyolyse kommen.

Histoplasmose
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Bei immunsupprimierten Patienten kann die Histoplasmose in Haut, Knochenmark, Gehirn, Leber, Milz und Lymphsystem disseminieren. Die orale Läsion in diesem Bild imitiert einen Schanker der primären Syphilis, aber die Untersuchung ergab Histoplasma capsulatum.

CDC/ Susan Lindsley, VD

Andere Manifestationen können auftreten. Eine fibrosierende Mediastinitis ist eine chronische, aber seltene Form, die letztlich zu einem Kreislaufversagen führt. Man geht davon aus, dass die fibröse Mediastinitis auf eine übermäßige Immunreaktion auf das anhaltende Vorhandensein nicht lebensfähiger Pilzantigene zurückzuführen ist, die zu Vernarbung und Obstruktion der mediastinalen Blutgefäße oder Atemwege führt.

Okulare Histoplasmose bezieht sich auf eine Chorioretinopathie, die mit vorheriger Exposition gegenüber H. capsulatum assoziiert ist. Sie kann eine zurückliegende, häufig subklinische Infektion mit H. capsulatum widerspiegeln, die zu fokalen chorioretinalen Narben führt. Die direkte kausale Beziehung bleibt jedoch umstritten, da ähnliche Läsionen auch bei Patienten ohne serologischen Nachweis einer Histoplasmose berichtet wurden. Die vermutete okuläre Histoplasmose kann sich mit Skotomen, verzerrtem Sehen (bei dem gerade Linien wellig erscheinen) und Veränderungen der Farbwahrnehmung präsentieren.

Kutane Läsionen treten häufig bei immungeschwächten Patienten auf (1). Die Hautveränderungen sind sehr unterschiedlich und können sich als Papeln, Knötchen, Plaques, Pusteln, Geschwüre oder als Läsionen äußern, die an Molluscum contagiosum, akneartige Hautausschläge oder Erythema nodosum erinnern; sie können lokal begrenzt oder großflächig auftreten und andere infektiöse oder entzündliche Hauterkrankungen imitieren. Läsionen der Mundschleimhaut sind häufig und können diffus sein.

Hinweise auf Symptome und Zeichen

  1. 1. Chang P, Rodas C. Skin lesions in histoplasmosis. Clin Dermatol. 2012;30(6):592-598. doi:10.1016/j.clindermatol.2012.01.004

Diagnose der Histoplasmose

  • Histopathologie und Kulturen

  • Bildgebende Untersuchungen (Thoraxröntgen oder -CT)

  • Serologische Tests

  • Antigentests

Der klinische Verdacht für Histoplasmose muss hoch sein, da die Symptome oft unspezifisch sind (1). Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus klinischem Verdacht in Verbindung mit epidemiologischer Exposition sowie auf die Ergebnisse von Laboruntersuchungen, darunter Kultur, histopathologische Untersuchung und Antigennachweis oder Serologie.

Bildgebende Verfahren (Röntgenthorax oder CT) sollten durchgeführt werden und können Folgendes zeigen:

  • Bei einer akuten Infektion: Normal oder diffuse noduläre oder miliare Form

  • Bei der chronischen pulmonalen Histoplasmose: kavernöse Läsionen bei den meisten Patienten

  • Bei fortgeschrittener Erkankung: Hiläre Adenopathie mit diffusen nodulären Infiltraten bei etwa 50% der Patienten

Es kann eine Bronchoalveolärlavage oder Gewebebiopsie notwendig sein, um Histologieproben zu erhalten; serologische Tests werden auch durchgeführt und Kulturen von Urin-, Blut- und Sputumproben angelegt (2). Da die Kultivierung von Histoplasma ein schweres biologisches Risiko für das Laborpersonal darstellen kann, sollte das Labor über die Verdachtsdiagnose informiert werden.

Eine histopathologische mikroskopische Untersuchung kann stark auf die Diagnose hinweisen, insbesondere bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion und ausgedehnten Infektionen. Bei diesen Patienten sind intrazelluläre Hefezellen in Wright- oder Giemsa-gefärbten Proben aus dem peripheren Blut oder Buffy Coat nachweisbar. Ein kultureller Pilznachweis bestätigt die Diagnose der Histoplasmose. Eine Lysezentrifugation oder Kultur des Buffy Coats verbessert die Ausbeute aus Blutproben. DNA-Sonden können den Pilz schnell identifizieren, sobald das Wachstum im Labor stattfindet.

Die CDC empfehlen die Bestätigung durch Enzymimmunoassay (EIA)-Urinantigentests (2), die sensitiv und spezifisch sind. Die Ausbeute steigt, wenn gleichzeitig Serum- und Urinproben getestet werden; das HistoplasmaAntigen liegt bei 80 % der Patienten mit disseminierter Histoplasmose im Serum und bei > 90 % dieser Patienten im Urin vor (1). Eine Kreuzreaktivität mit anderen Pilzen (Coccidioides immitis, Blastomyces dermatitidis, Paracoccidioides brasiliensis, Penicillium marneffei) wurde jedoch beobachtet.

Literatur zur Diagnose

  1. 1. Wheat LJ, Freifeld AG, Kleiman MB, et al. Clinical practice guidelines for the management of patients with histoplasmosis: 2007 update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2007;45(7):807-825. doi:10.1086/521259

  2. 2. CDC. Testalgorithmus für Histoplasmose. May 13, 2024.

Behandlung der Histoplasmose

  • Keine Behandlung erforderlich für asymptomatische Lungenknoten oder milde, akute, selbstlimitierende Infektionen bei immunkompetenten Patienten

  • Bei mittelschwerer Infektion: Azole

  • Bei schwerer Infektion Amphotericin B

(Siehe auch Antimykotische Medikamente.)

Die Serumkonzentration von Itraconazol und die Urin- oder Blutspiegel von Histoplasma-Antigen sollten während der Therapie überwacht werden (1, 2).

Azol-Antimykotika sollten im ersten Trimenon der Schwangerschaft vermieden werden.

Fluconazol und Voriconazol sind möglicherweise weniger wirksam (1). Posaconazol und Isavuconazonium sind aktiv gegen H. capsulatum und können bei der Behandlung von Patienten mit Histoplasmose wirksam sein. Weitere Daten und Erfahrungen sind erforderlich, um festzustellen, welches Medikament am besten für jede klinische Situation geeignet ist.

Akute primäre Histoplasmose

Die akute primäre Histoplasmose erfordert keine antimykotische Therapie, es sei denn, es tritt nach einem Monat keine spontane Besserung ein oder der Patient ist immunsupprimiert (1, 3). In diesem Fall erfolgt die Behandlung mit oralem Itraconazol dreimal täglich über 3 Tage, anschließend zweimal täglich über 6 bis 12 Wochen. Super-bioverfügbares (SUBA) Itraconazol kann verwendet werden.

Fluconazol ist weniger wirksam und andere Azole sind nicht gut untersucht worden, wurden aber erfolgreich angewandt.

Eine schwere Pneumonie erfordert eine aggressivere Therapie mit Amphotericin B.

Chronische kavernöse Histoplasmose

Bei chronischer kavernöser Histoplasmose wird orales Itraconazol für 12 bis 24 Monate verabreicht.

Andere Azole oderAmphotericin B werden verwendet, wenn Patienten schwerkrank sind oder nicht auf Itraconazol ansprechen oder dieses nicht tolerieren.

Schwere disseminierte Histoplasmose

Bei einer schweren disseminierten Histoplasmose ist die Therapie der Wahl intravenöses liposomales Amphotericin B 1-mal täglich für 2 Wochen oder bis der Patient klinisch stabil ist. Patienten können dann, nachdem sie entfiebert sind und keine respiratorische Unterstützung oder blutdruckstützende Maßnahmen benötigen, auf Itraconazol oral 3-mal täglich für 3 Tage und dann 2-mal täglich für 12 Monate umgestellt werden.

Bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion wird Itraconazol fortgesetzt, bis die CD4-Zellzahl unter antiretroviraler Therapie (ART) > 150 Zellen/mcL beträgt (4).

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Pappas P, Lentz RJ, Stover KR, et al. 2025 Clinical Practice Guideline Update by the Infectious Diseases Society of America on Histoplasmosis: Treatment of Mild or Moderate Acute Pulmonary Histoplasmosis in Adults, Children, and Pregnant People. Clin Infect Dis. Published online July 10, 2025. doi:10.1093/cid/ciaf258

  2. 2. Baddley JW, Wolf J, Ardura MI, et al. 2025 Clinical Practice Guideline Update by the Infectious Diseases Society of America on Histoplasmosis: Treatment of Asymptomatic Histoplasma Pulmonary Nodules (Histoplasmomas) in Adults, Children, and Pregnant People. Clin Infect Dis. Published online July 8, 2025. doi:10.1093/cid/ciaf257

  3. 3. Wheat LJ, Freifeld AG, Kleiman MB, et al. Clinical practice guidelines for the management of patients with histoplasmosis: 2007 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis. 2007;45(7):807-825. doi:10.1086/521259

  4. 4. ClinicalInfo.gov. Guidelines for the Prevention and Treatment of Opportunistic Infections in Adults and Adolescents with HIV: Histoplasmosis. Accessed July 22, 2025.

Prognose bei Histoplasmose

Die akute primäre Form der Histoplasmose ist fast immer selbstlimitierend; jedoch kann sehr selten der Tod nach einer massiven Infektion auftreten.

Eine chronische kavernöse Histoplasmose kann aufgrund einer schweren Ateminsuffizienz zum Tode führen.

Eine unbehandelte progredient disseminierte Histoplasmose ist mit einer hohen Mortalität assoziiert.

Wichtige Punkte

  • Histoplasmose ist eine häufige Pilzinfektion in endemischen Gebieten und wird durch das Einatmen von Sporen erworben.

  • Sie ist in den Flusstälern des Ohio und Mississippi endemisch, die sich in Teile des nördlichen Maryland, südlichen Pennsylvania, zentralen New York und Texas erstrecken.

  • Sie kann eine akute primäre pulmonale Infektion, eine chronische kavernöse pulmonale Infektion oder eine progressive disseminierte Infektion auslösen.

  • Die Diagnose basiert auf Histopathologie, Kulturen und/oder Antigen-Tests.

  • Bei leichter bis mittlschwerer Erkrankung wird Itraconazol verwendet.

  • Bei schwerer Erkrankung wird Liposomal-Amphotericin B verwendet, gefolgt von Itraconazol.

  • Eine akute primäre Infektion ist beinahe immer selbstlimitierend.

  • Eine unbehandelte progredient disseminierte Histoplasmose weist eine hohe Mortalität auf.

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