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Hakenwurminfektion

(Ancylostomiasis)

Von

Richard D. Pearson

, MD, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Eine Ancylostomiasis ist eine Infektion mit dem Hakenwurm Ancylostoma duodenale oder Necator americanus. Die Beschwerden bestehen aus einem Exanthem an der Stelle des Larveneintritts und gelegentlich abdominellen Schmerzen oder anderen gastrointestinalen Symptomen während der frühen Infektion. Später kann sich Eisenmangel aufgrund des chronischen Blutverlustes entwickeln. Hakenwürmer sind eine wichtige Ursache für eine Eisenmangelanämie in Endemiegebieten. Die Diagnose wird durch den Nachweis von Eiern im Stuhl gestellt. Die Therapie erfolgt mit Albendazol oder Mebendazol.

Die geschätzte Anzahl von Hakenwurminfektionen beträgt ca. 576 bis 740 Mil. meist in Entwicklungsländern. Sowohl A. duodenale als auch N. americanus treten in Afrika, Asien und dem amerikanischen Kontinent auf. Nur A. duodenale tritt im mittleren Osten, Nordafrika und Südeuropa auf. N. americanusN. americanus überwiegt in Amerika und Australien. Es war einst in den südlichen USA weit verbreitet und ist immer noch auf den Inseln der Karibik und in Mittel- und Südamerika endemisch.

Pathophysiologie

Beide Hakenwurmarten weisen einen ähnlichen Lebenszyklus auf. Die mit dem Stuhl ausgeschiedenen Eier schlüpfen innerhalb von 1–2 Tagen (wenn sie an eine warme, feuchte Stelle auf lockerem Erdreich deponiert werden) und setzen rhabditiforme Larven frei, die sich einmal häuten, um sich dann innerhalb von 5–10 Tagen zu schlanken, fadenförmigen Larven zu entwickeln. Die Larven können 3–4 Wochen überleben, wenn die Umweltbedingungen günstig sind. Filariforme Larven dringen in die menschliche Haut ein, wenn Menschen barfuß gehen oder auf andere Weise in direkten Kontakt mit dem befallenen Boden kommen.

Die Larven erreichen über die Blutgefäße die Lungen, penetrieren in die pulmonalen Alveolen, steigen den Bronchialbaum bis zur Epiglottis hoch und werden verschluckt. Die Larven entwickeln sich im Dünndarm zu adulten Würmern, dort heften sie sich an die Wand an und ernähren sich von Blut. Adulte Würmer können 2 Jahre leben.

Ein chronischer Blutverlust führt zu einer Eisenmangelanämie. Die Entwicklung der Anämie hängt von der Wurmlast und der Menge resorbierbaren Nahrungseisens ab.

Zoonotische (tierische) Hakenwurminfektionen

Zoonotische Hakenwurminfektionen schließen ein

A. braziliense- und A. caninum- Hakenwürmer haben Katzen und Hunde als primäre Wirte. Diese Hakenwürmer können ihren Lebenszyklus im Menschen nicht abschließen. Wenn ihre Larven die menschliche Haut durchdringen, wandern sie in der Regel in die Haut, was kutane Larva migrans hervorruft, und migrieren nicht in den Darm.

Selten migrieren A. caninum-Larven in den Darm, wo sie eine eosinophile Enterokolitis verursachen können. Allerdings verursachen sie weder signifikanten Blutverlust noch Anämie, und weil sie nicht zum vollen Erwachsenenalter reifen, legen sie keine Eier (was die Diagnose erschwert). Solch eine intestinale Infektion kann asymptomatisch verlaufen oder zu akuten Bauchschmerzen und Eosinophilie führen.

Symptome und Beschwerden

Eine Hakenwurminfektion verläuft oft asymptomatisch. Es kann sich jedoch auch an der Stelle der Larvenpenetration ein juckendes papulovesikuläres Exanthem (engl.: "ground itch") entwickeln, meistens an den Füßen. Die Wanderung einer großen Anzahl von Larven durch die Lunge führt gelegentlich zu einem Löffler-Syndrom mit Husten, Keuchen, Eosinophilie und gelegentlich Hämoptysen. Während der akuten Phase können adulte Würmer im Intestinum zu kolikartigen epigastrischen Schmerzen, Anorexie, Flatulenzen, Diarrhoe und Gewichtsverlust führen.

Eine chronische schwere Infektion kann zu einer Eisenmangelanämie führen, die mit Blässe, Dyspnoe, Schwächegefühl, Tachykardie, Müdigkeit und peripheren Ödemen einhergeht. Oft ist eine diskrete Eosinophilie vorhanden. Chronischer Blutverlust bei Kindern kann zu einer schweren Anämie, Herzinsuffizienz und Anasarka führen und bei schwangeren Frauen, zu Wachstumsstörungen des Fetus.

Kutane Larva migrans kann auftreten, wenn Hakenwürmer Menschen infizieren. Sie wird durch die Larven verursacht, die durch die Haut wandern und sich durch juckende, erythematöse, serpiginöse Hautläsionen auszeichnen.

Diagnose

  • Die mikroskopische Untersuchung des Stuhls

A. duodenale und N. americanus produzieren dünnwandige ovale Eier, die in frischem Stuhl leicht entdeckt werden können. Konzentrationsverfahren sind erforderlich, um leichte Infektionen zu diagnostizieren. Wenn der Stuhl nicht gekühlt und nicht innerhalb weniger Stunden untersucht wird, können aus den Eiern Larven schlüpfen, die mit denen von Strongyloides stercoralis verwechselt werden können.

Der Patient sollte hinsichtlich des Ernährungsstatus, einer Anämie und des Eisenstatus untersucht werden.

Die Diagnose der kutanen Larva migrans basiert auf den klinischen Manifestationen. Ova sind nicht im Stuhl vorhanden.

Therapie

  • Albendazol, Mebendazol oder Pyrantel pamoate

Eines der Folgenden Medikamente kann angewendet werden:

  • Albendazol 400 mg p. o. als Einzeldosis

  • Mebendazol 100 mg p.o. 2-mal täglich über 3 Tage oder 500 mg als einmalige Dosis.

  • Pyrantel pamotiert 11 mg/kg (maximale Dosis von 1 g) p. o. einmal/Tag für 3 Tage

Diese Medikamente sollten nur dann während der Schwangerschaft verwendet werden, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt. Ivermectin ist nicht wirksam.

Allgemein supportive Maßnahmen und eine Substitutionstherapie einer Eisenmangelanämie können bei schweren Infektionen notwendig sein.

Die kutane Larva migrans ist eine selbstlimitierende Infektion, aber die Symptome können 5 bis 6 Wochen dauern. Die Behandlung mit Albendazol 400 mg einmal täglich p. o. für 3 oder 7 Tage oder Ivermectin 200 mcg/kg als Einzeldosis ist kurativ.

Prävention

Wirksame Präventionsmaßnahmen bestehen in verbesserten sanitären Bedingungen und der Vermeidung von direktem Hautkontakt mit möglicherweise kontaminiertem Erdreich (z. B. Schuhe tragen, Unterlagen beim Sitzen auf dem Boden verwenden), was in vielen Endemiegebieten aber schwierig umzusetzen ist. In Hochrisikogebieten wurde eine periodische Massenbehandlung in 3- bis 4-monatigen Intervallen durchgeführt.

Das Risiko, eine kutane Larven migrans zu entwickeln, kann durch Folgendes verringert werden:

  • Direkten Hautkontakt mit potenziell befallenem Strandsand oder anderen Böden vermeiden

  • Behandeln von Katzen und Hunden gegen Hakenwürmer

Wichtige Punkte

  • Hakenwurm-Larven dringen in die Haut ein, wenn Menschen barfuß gehen oder auf andere Weise in direkten Kontakt mit dem befallenen Boden kommen.

  • Beim Menschen wandern die Larven der Hakenwürmer Ancylostoma duodenale oder Necator americanus durch die Blutbahn in die Lunge, durchdringen die Alveolen, steigen in die Kehldeckel auf, werden geschluckt und reifen dann im Darm.

  • Die Infektion kann asymptomatisch sein, aber ein juckender Hautausschlag kann an der Stelle der Larvenpenetration erscheinen und die Lungenbeteiligung kann Husten und Keuchen verursachen.

  • Die Beteiligung des Darms kann zu Eisenmangelanämie führen.

  • Die Diagnose wird durch eine mikroskopische Untersuchung des Stuhls gestellt.

  • Behandlung mit Albendazol, Mebendazol oder Pyrantel Pamoat.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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