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Reisediarrhö

(Tourista)

Von

Thomas G. Boyce

, MD, MPH, University of North Carolina School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mai 2017
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Unter einer Reisediarrhö versteht man eine Gastroenteritis, die im Allgemeinen durch endemisch im lokalen Trinkwasser vorkommende Bakterien verursacht wird. Symptome sind Erbrechen und Diarrhö. Die Diagnose wird im Wesentlichen klinisch gestellt. Die Behandlung besteht aus Ciprofloxacin oder Azithromycin, Loperamid und Flüssigkeitsersatz.

(Siehe auch Übersicht zur Gastroenteritis und Center for Disease Control and Prevention's health information for travelers’ diarrhea.)

Ätiologie

Die Reisediarrhö wird durch eine Reihe von Bakterien, Viren oder, weniger häufig, Parasiten hervorgerufen.

Diehäufigste Ursache von Reisedurchfall ist

  • Enterotoxigene Escherichia coli (E. coli)

E. coliE. coli findet man am häufigsten im Versorgungswasser in Regionen, in denen keine adäquate Wasseraufbereitung stattfindet. Sie treten häufig bei Personen, die in Entwicklungsländer reisen, auf.

Norovirusinfektionen sind ein besonderes Problem auf einigen Kreuzfahrtschiffen.

Sowohl das Essen als auch das Wasser können die Infektionsquelle sein. Reisende, die lokales Trinkwasser meiden, können dennoch infiziert werden, z. B. durch Zähneputzen mit unzureichend gespülten Zahnbürsten, Genuss von Flaschengetränken mit Eis aus lokalem Trinkwasser oder Verzehr von Nahrung, die unsachgemäß zubereitet oder mit lokalem Trinkwasser gewaschen wurde. Für Personen, die Medikamente zur Verringerung der Magensäure (Antazida, H2-Blocker und Protonenpumpenhemmer) einnehmen, besteht das Risiko einer schweren Erkrankung.

Symptome und Beschwerden

Übelkeit, Erbrechen, auffällige Darmgeräusche, Bauchkrämpfe und Diarrhö beginnen 12–72 h nach Aufnahme von kontaminierten Speisen oder Wasser. Der Schweregrad der Symptome schwankt. Manche Menschen entwickeln Fieber und Myalgien. Die meisten Fälle verlaufen allerdings mild und selbstlimitierend, wenngleich v. a. im warmen Klima eine Dehydratation auftreten kann.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

Spezifische diagnostische Verfahren sind im Wesentlichen nicht notwendig. Fieber, schwere Bauchschmerzen und blutige Diarrhöen weisen auf eine schwerere Erkrankung hin und erfordern eine sofortige Abklärung.

Therapie

  • Flüssigkeitsersatz

  • Gelegentlich motilitätshemmende Medikamente

  • Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin, Azithromycin) bei moderater bis schwerer Diarrhö

Die Hauptstütze der Behandlung von Reisediarrhoe ist Flüssigkeitsersatz und ein Antimotilitätsmedikament wie Loperamid. Für Erwachsene und Kinder ≥ 12 Jahre, Loperamid-Dosierung ist 4 mg p. o. zunächst, gefolgt von 2 mg p. o. für jede weitere Episode von Durchfall (maximal 6 Dosen/Tag oder 16 mg/Tag). Eine Alternative für Erwachsene ist Diphenoxylat 2,5 bis 5 mg p. o. 3-mal täglich oder 4-mal täglich in Tabletten- oder flüssiger Form. Die Dosis von Loperamid für Kinder von 13 bis 21 kg beträgt 1 mg nach dem ersten weichen Stuhl und 1 mg nach jedem nachfolgenden weichen Stuhl (Höchstdosis 3 mg/Tag); für Kinder von 21 bis 28 kg, 2 mg nach dem ersten weichen Stuhl und 1 mg nach jedem nachfolgenden weichen Stuhl (Höchstdosis 4 mg/Tag); und für Kinder von 27 bis 43 kg, bis zum Alter von 12, 2 mg nach dem ersten weichen Stuhl gefolgt von 1 mg nach jedem nachfolgenden weichen Stuhl (maximale Dosis beträgt 6 mg/Tag). Antimotilitätsmedikamente sind bei Patienten mit Fieber oder blutigen Stuhl und bei Kindern < 2 Jahren kontraindiziert. Jodochlorhydroxyquin, das in einigen Entwicklungsländern erhältlich ist, sollte man nicht verwenden, weil es neurologische Schäden verursacht.

Allgemein sind Antibiotika bei leichten Durchfällen nicht notwendig, dagegen werden sie bei Patienten mit mäßigen bis schweren Durchfällen ( 3 dünne Stühle über 8 h) gegeben, v. a. wenn Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber oder blutige Stühle bestehen. Für Erwachsene wird Ciprofloxacin 500 mg p.o. 2-mal täglich für 3 Tage oder Levofloxacin 500 mg p.o. einmal täglich für 3 Tage empfohlen, obwohl die Resistenz in einigen Bereichen, insbesondere gegen Campylobacter, anscheinend zunimmt. Azithromycin 500 mg p.o. einmal täglich für 3 Tage oder Rifaximin 200 mg p.o. 3-mal täglich für 3 Tage können ebenfalls verwendet werden. Bei Kindern wird Azithromycin 5–10 mg/kg p.o. einmal täglich für 3 Tage bevorzugt.

Prävention

Reisende sollten in Restaurants essen, die für ihre Sicherheit bekannt sind und Speisen und Getränke von Straßenhändlern meiden. Sie sollten nur gekochte, beim Verzehr noch heiße Speisen zu sich nehmen, schälbare Früchte und kohlensäurehaltige Getränke, serviert ohne Eis und in Flaschen (Flaschen mit nichtkohlensäurehaltigen Getränken können Leitungswasser, das von skrupellosen Verkäufern eingefüllt wurde, enthalten). Ungekochtes Gemüse (inkl. einer auf dem Tisch stehen gelassenen Sauce) sollte vermieden werden. Buffets und Fast-Food-Restaurants erhöhen ebenfalls das Risiko.

Prophylaktische Antibiotika sind bei der Verhinderung einer Diarrhö wirkungsvoll, sollten aber unter Berücksichtigung möglicher Nebenwirkungen und der Entwicklung von Resistenzen hauptsächlich für immunkomprimittierte Patienten reserviert bleiben.

Weitere Informationen

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