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Endokrine Störungen im Überblick

Von

John E. Morley

, MB, BCh, Saint Louis University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Aug 2016
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Endokrine Erkrankungen können die Folge sein von

  • Dysfunktion aufgrund der peripheren endokrinen Drüse selbst (primäre Störung)

  • Unterstimulierung durch die Hypophyse (Begleiterkrankungen)

  • Reizüberflutung durch die Hypophyse (Begleiterkrankungen)

Die Störung kann sich als Hormonüberproduktion (Überfunktion) oder als mangelnde Hormonproduktion (Unterfunktion) manifestieren. Sehr selten findet man endokrine Störungen (i. d. R. Unterfunktionen) aufgrund abnormaler Gewebereaktionen auf Hormone. Klinische Manifestationen von Unterfunktionsstörungen sind oft schleichend und unspezifisch.

Endokrine Überfunktion

Eine Überfunktion endokriner Drüsen kann aufgrund einer hypophysären Überstimulation auftreten. Wesentlich häufiger ist jedoch eine Hyperplasie oder Neoplasie der endokrinen Drüse selbst. In einigen Fällen können auch Entartungen anderer Gewebe Hormone produzieren (ektopische Hormonproduktion). Exzessive Hormonspiegel können auch aus exogener Hormonzufuhr resultieren. In einigen Fällen nehmen Patienten Hormone ein, ohne den behandelnden Arzt zu informieren (z. B. Hyperthyreosis factitia). Eine Überempfindlichkeit eines Gewebes auf Hormone ist ebenfalls möglich. Eine Stimulierung peripherer endokriner Drüsen durch Antikörper kann auftreten. Ein Beispiel hierfür ist der Morbus Basedow. Durch die Störung einer peripheren endokrinen Drüse können schnell große Mengen gespeicherter Hormone freigesetzt werden (z. B. Schilddrüsenhormonfreigabe im Rahmen einer subakuten Thyreoiditis). Enzymdefekte, die bei der Synthese eines peripheren endokrinen Hormons auftreten, können in einer Überproduktion eines Hormons proximal der bestehenden Blockade resultieren. Die Überproduktion eines Hormons kann auch die adäquate Antwort des Organismus auf einen bestimmten Krankheitszustand sein.

Endokrine Unterfunktion

Eine Unterfunktion einer endokrinen Drüse kann auf einer hypophysären Unterstimulation oder einem Versagen der peripheren Drüse beruhen. Eine Unterfunktion, die innerhalb der peripheren Drüse selbst ihren Ursprung hat, kann erblich oder erworben sein (autoimmune Krankheiten, Tumoren, Infektionen, Gefäßveränderungen, Toxine). Genetische Krankheiten, die eine Unterfunktion hervorrufen, haben als Ursache entweder einen Verlust des Gens oder die Produktion eines abnormalen Hormons. Eine Abnahme der Hormonproduktion einer peripheren endokrinen Drüse mit einer daraus resultierenden Zunahme der Produktion des hypophysären Regulationshormons kann zu einer Hyperplasie der peripheren endokrinen Drüse führen. Beispielsweise führt die mangelnde Synthese von Schilddrüsenhormon zu einer exzessiven Ausschüttung von Thyreoidea-stimulierendem Hormon (TSH), und dies kann wiederum zu einer Kropfbildung führen.

Einige Hormone bedürfen einer Konversion in eine aktive Form, nachdem sie aus einer peripheren endokrinen Drüse sezerniert wurden. Einige Krankheiten können diesen Schritt blockieren (z. B. kann eine Nierenkrankheit die Produktion der aktiven Form von Vitamin D inhibieren). Antikörper gegen das zirkulierende Hormon oder gegen seinen Rezeptor können die Fähigkeit des Hormons zur Rezeptorbindung zerstören. Bestimmte Krankheiten oder Medikamente führen zu einem gesteigerten Abbau von Hormonen. Auch können bestimmte Substanzen die Funktion von Hormonen stören. Anomalien des Rezeptors oder anderswo im peripheren endokrinen Gewebe können ebenfalls eine Unterfunktion verursachen.

Labortests auf Endokrine Erkrankungen

Die klinische Manifestation einer Unterfunktion ist oft schleichend und unspezifisch. Daher kann die Dauer bis zur klinischen Diagnose oft Monate oder Jahre betragen. Aus diesem Grunde ist die laborchemische Diagnose durch Bestimmung der Spiegel peripherer Hormone im Blut, hypophysärer Hormone oder beider im Blut oft entscheidend.

Da die meisten Hormone einem zirkadianen Rhythmus unterliegen, sollte die Bestimmung zu einer festgesetzten Zeit erfolgen. Hormone, die über kurze Zeiträume variieren (z. B. luteinisierendes Hormon) machen es erforderlich, drei oder vier Werte über 1 oder 2 h zu ermitteln oder eine gepoolte Blutprobe zu verwenden. Hormone mit einer Abweichung von Woche zu Woche (z. B. Testosteron) machen es erforderlich, separate Werte im Abstand von einer Woche zu ermitteln.

Messsungen der Hormone im Blut

Man nimmt an, dass freies oder bioverfügbares Hormon (z. B. Hormon, das nicht an ein spezifisches Bindungsprotein gekoppelt ist) die aktive Form darstellt. Freies oder bioverfügbares Hormon wird mithilfe der Äquilibrierungsdialyse, Ultrafiltration oder der Flüssigkeitsextraktionsmethode bestimmt. Hierbei wird freies und albumingebundenes Hormon vom Bindungsglobulin getrennt. Diese Methoden sind teuer und zeitaufwändig. Analoge und konkurrierende freie Hormonassays sind heute mit guter Sensitivität und Spezifität verfügbar.

Bluthormonschätzungen

Die Werte des freien Hormons lassen sich indirekt bestimmen, indem die Werte des Bindungsproteins festgestellt und diese zur Adjustierung des Gesamtserumhormonspiegels verwendet werden. Allerdings sind die indirekten Verfahren ungenau, wenn die Bindungskapazität des Hormon-bindenden Proteins verändert wurde (z. B. durch eine Störung).

In einigen Fällen werden andere indirekte Schätzungen verwendet. Weil Wachstumshormon (GH) beispielsweise eine kurze Halbwertszeit im Serum aufweist und im Serum schwierig zu detektieren ist, wird Insulin-like growth factor 1 (IGF-1), das in Reaktion auf GH erzeugt wird, häufig als Index für die GH-Aktivität gemessen. Ob die Messung von zirkulierenden Hormonmetaboliten als Indikator für die Menge an bioverfügbarem Hormon verwendet werden kann, ist zurzeit Gegenstand der Forschung.

Gelegentlich werden, anstatt von Blutspiegeln, auch Hormonspiegel im Urin (z. B. freies Kortisol bei der Diagnostik für einen Morbus Cushing) oder im Speichel bestimmt.

Dynamische Tests

Zur sicheren Beurteilung hypophysärer Funktionsstörungen sind dynamische Tests notwendig. Im Falle einer Unterfunktion wird ein Stimulationstest (z. B. ACTH-Stimulation) verwendet. Wird eine Überfunktion vermutet, ist ein Suppressionstest (z. B.Dexamethason-Suppression) zu verwenden.

Therapie

  • Ersetzen des defizienten Hormons

  • Unterdrückung übermäßiger Schilddrüsenhormonproduktion.

Eine Unterfunktion wird normalerweise durch Substitution des peripheren endokrinen Hormons behandelt, unabhängig davon, ob es sich um einen primären oder sekundären Defekt handelt (Ausnahmen ist die GH (ein Schilddrüsenhormon)-Substitution bei hypophysärem Kleinwuchs. Liegt eine Resistenz gegen ein Hormon vor, können Medikamente, die die Resistenz herabsetzen, verabreicht werden (z. B. Metformin oder Thiazolidindione beim Diabetes mellitus vom Typ 2). Gelegentlich wird auch ein hormonstimulierendes Medikament verwendet.

Bestrahlung, operative Verfahren und Medikamente, die die Hormonproduktion unterdrücken, werden verwendet, um eine Überfunktion zu therapieren. In einigen Fällen wird auch ein Rezeptorantagonist gegeben.

Altern und Endokrinologie

Hormone verändern sich mit dem Alter eines Individuums.

  • Die meisten Hormonspiegel fallen ab.

  • Einige Hormonspiegel verbleiben im Normbereich, wie z. B. TSH, ACTH (basal), Thyroxin, Kortisol (basal), 1,25-Dihydroxycholecalciferol, Insulin (steigt gelegentlich an) und Estradiol (bei Männern).

  • Manche Hormonspiegel steigen an.

Hormone, die ansteigen, wie ACTH (als Antwort auf Corticotropin-releasing-Hormon), Follikel-stimulierendes Hormon, sexualhormonbindendes Globulin, Activin (bei Männern), Gonadotropin (bei Frauen), Adrenalin (bei sehr alten Menschen), Parathormon, Noradrenalin, Cholezystokinin, vasoaktives intestinales Peptid, Vasopressin (auch Verlust der zirkadianen Rhythmik) und atrialer natriuretischer Faktor, sind assoziiert entweder mit Rezeptor- oder Postrezeptordefekten, die in einer Unterfunktion resultieren können.

Viele altersbedingte Veränderungen sind ähnlich den Veränderungen bei Hormonmangel. Dies führt zu der Hypothese des „hormonalen Jungbrunnens“, d. h. zu der Spekulation, dass einige altersbedingte Veränderungen durch die Substitution eines oder mehrerer Hormone rückgängig gemacht werden können. Es gibt Evidenz für die These, dass der Ersatz bestimmter Hormone zur Verbesserung der Funktionalität einzelner Gewebe (z. B. Muskelkraft, Knochendichte) führt, jedoch besteht nur eine geringe Evidenz hinsichtlich der Mortalität. In einigen Fällen kann eine Hormonersatztherapie auch schädlich sein, wie die Östrogensubstitution bei älteren Frauen.

Eine konkurrierende Theorie besagt, dass der im Alter auftretende Abfall der Hormonspiegel eine protektive Verlangsamung des zellulären Metabolismus darstellt. Dieses Konzept basiert auf der sog. Rate-of-Living-Theorie des Alterns, d. h., je höher die metabolische Rate eines Organismus ist, desto schneller stirbt er. Dieses Konzept wird offensichtlich gestützt durch Studien über die Effekte einer eingeschränkten Nahrungsaufnahme. Die Einschränkung der Nahrungsaufnahme führt zum Absinken von Hormonen, die den Stoffwechsel stimulieren. Dadurch wird die metabolische Rate herabgesetzt; diese Einschränkung führt bei Nagetieren auch zu einer Lebensverlängerung.

Spezifisches altersbedingtes Hormon sinkt

Die Spiegel von Dehydroepiandrosteron (DHEA) und seiner Sulfate nehmen mit dem Alter dramatisch ab. Trotz des großen Optimismus bezüglich der Rolle der DHEA-Substitution bei älteren Menschen konnten die meisten klinischen Studien keinen wesentlichen Vorteil zeigen.

Pregnenolon ist der Vorläufer aller bekannten Steroidhormone. Wie auch die Spiegel von DHEA sinken die Hormonspiegel von Pregnenolon mit dem Alter ab. Studien aus den 1940er-Jahren zeigten die Wirksamkeit dieses Hormons in der Behandlung von Patienten mit Arthritis. Ein Effekt auf Muskelkraft und Erinnerungsvermögen konnte auch in zusätzlichen Studien nicht gezeigt werden.

Die Spiegel von GH und seines peripheren endokrinen Hormons (IGF-1) sinken mit dem Alter ab. Gelegentlich zeigen ältere Menschen, bei denen GH substituiert wird, eine Zunahme der Muskelmasse, jedoch nicht der Muskelkraft. Nebenwirkungen (z. B. Karpaltunnelsyndrom, Arthralgien, Wassereinlagerungen) treten sehr häufig auf. GH kann eine Rolle bei der kurzfristigen Behandlung von unterernährten älteren Patienten spielen, bei schwerkranken unterernährten Patienten jedoch erhöht GH die Mortalität. Substanzen, die die GH-Produktion in einem physiologischeren Muster stimulieren, könnten die Wirksamkeit verbessern und das Risiko reduzieren.

Die Spiegel für Melatonin, ein Hormon, das in der Zirbeldrüse produziert wird, nehmen mit dem Alter ebenfalls ab. Diese Abnahme könnte eine wichtige Rolle beim Verlust der zirkadianen Rhythmik mit fortschreitendem Alter spielen.

Die Östrogensubstitution bei älteren Frauen wird in Menopause : Hormontherapie. und die Testosteronsubstitution bei älteren Männern wird in besprochen Männlicher Hypogonadismus : Testosteronersatztherapie (TRT)..

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