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Anisokorie

(ungleiche Pupillengröße)

Von

Christopher J. Brady

, MD, Wilmer Eye Institute, Retina Division, Johns Hopkins University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Die Anisokorie bezeichnet ungleiche Pupillengrößen. Die Anisokorie selbst ist symptomlos.

Ätiologie

In den meisten Fällen ist die Anisokorie iatrogen bedingt.

  • Physiologisch (bei etwa 20% der Menschen vorhanden): Der Unterschied zwischen den Pupillengrößen bei physiologischen Anisokorien beträgt typischerweise ≤ 1 mm.

Siehe Häufige Ursachen der Anisokorie für andere Ursachen der Anisokorie.

Tabelle
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Häufige Ursachen der Anisokorie

Ursache

Typische Befunde

Adie-Syndrom (idiopathische Akkomodationslähmung)

Pupillen reagieren mehr auf Akkomodation als auf Licht; verzögerte Dilatation nach der Verengung

Argyll-Robertson-Phänomen (bei Syphilis)

Pupillen reagieren mehr auf Akkomodation als auf Licht; möglicherweise weitere Befunde im Hinblick auf eine Syphilis

Angeborene Irisdefekte

Assoziierte Augenanomalien, Chromosomenstörung, nonokulare angeborene Defekte, Chronifizierung

Medikamente (z. B. Scopolamin-Pflaster, Kokain, Pilocarpin, tierische Flohhalsbänder oder -sprays, vernebelte Organophosphate oder Ipratropium bei Augenkontakt; Zykloplegika, Mydriatika, Clonidin- oder Apraclonidin-Augentropfen)

Anamnestische Angaben zur Einnahme bzw. Aufnahme

Horner-Syndrom (z. B. angeboren, traumatisch, postoperativ, im Rahmen von Migräne oder Lungentumoren)

Ptosis, Anhidrose, verzögerte Dilatation nach Verengung, Merkmale der ursächlichen Erkrankung

Postoperative Irisdysfunktion oder andere okulare Störungen

Anamnese

Physiologische Anisokorie

Anhaltend, Fehlen von Symptomen oder assoziierten Befunden, Differenz der Pupillengröße < 1 mm (meist < 0,4 mm), normale Lichtreaktion

Lähmung des N. III (N. oculomotorius; z. B. durch Aneurysmen oder Tumor)

Eingeschränkte Augenmotilität, Ptosis

Traumatische Mydriasis

Anamnestisches oder offensichtliches Trauma

Viele Erkrankungen gehen aufgrund einer Dysfunktion der Iris oder einer neurologischen Störung mit einer Anisokorie einher, manifestieren sich dann aber durch andere Beschwerden (z. B. Uveitis, Schlaganfall, Subarachnoidalblutung, akutes Engwinkelglaukom).

Abklärung

Das Ziel der Untersuchung ist die Aufklärung der pathophysiologischen Mechanismen der Anisokorie. Durch die Identifizierung bestimmter Mechanismen (z. B. Horner-Syndrom, Okulomotoriuslähmung) lassen sich die gelegentlichen schwereren Ursachen der Anisokorie aufdecken (z. B. Tumor, Aneurysma).

Anamnese

Die jetzige Anamnese bezieht sich auf die aktuelle Symptomatik, ihr Art und ihre Dauer. Es werden sämtliche Kopf- oder Augenverletzungen aus der Vorgeschichte vermerkt.

Bei der Überprüfung der Organsysteme werden weitere Symptome gesucht, die eine Eingrenzung der möglichen Ursachen erlauben: Geburtsschäden oder Chromosomenstörungen (angeborene Defekte), hängendes Lid, Husten, Brustschmerzen oder Atemnot (Horner-Syndrom), Läsionen im Genitalbereich, Lymphadenopathie, Hautausschläge, Fieber (Syphilis) und Kopfschmerzen oder andere neurologische Symptome (Horner-Syndrom oder Okulomotoriuslähmung).

Die Eigenanamnese umfasst bekannte Augenerkrankungen und Operationen sowie die Medikamentenanamnese.

Körperliche Untersuchung

Die Pupillengrößen und die Lichtreaktionen sollten in hellen und dunklen Räumen untersucht werden. Auch die Akkomodation und die extraokularen Bewegungen werden geprüft. Die okularen Strukturen werden mithilfe einer Spaltlampe oder anderen Vergrößerungsgeräten inspiziert, um strukturelle Anomalien und eine Ptosis zu identifizieren. Wenn klinisch indiziert werden weitere Augensymptome evaluiert. Mithilfe einer alten Fotografie lässt sich prüfen (ggf. mit einer Lupe), ob die Anisokorie schon früher vorhanden war.

Warnzeichen

Folgende Befunde sind von besonderer klinischer Relevanz:

  • Ptosis

  • Anhidrose

  • Pupillen, die stärker auf Akkomodation als auf Licht reagieren

  • Eingeschränkte extraokuläre Bewegungen.

Interpretation der Befunde

Wenn die Größendifferenz im Dunkeln stärker ausfällt, ist die kleinere Pupille abnormal. Häufige Ursachen sind das Horner-Syndrom und eine physiologische Anisokorie. Die Differenzierung kann über die Instillation eines Mydriatikums erfolgen (z. B. Kokain 10 %), auf das die kleine Pupille des Horner-Syndroms nicht anspricht. Bei physiologischer Anisokorie kann die Differenz in der Pupillengröße auch im Hellen und Dunklen gleich sein.

Wenn die Größendifferenz im Hellen stärker ausfällt, ist die größere Pupille abnormal. Sind die extraokularen Bewegungen beeinträchtigt, besonders bei gleichzeitiger Ptosis, ist eine Okulomotoriuslähmung (N. III) wahrscheinlich. Sind die extraokularen Bewegungen unauffällig, kann eine weitere Differenzierung durch Instillation eines Myotikums erfolgen (z. B. Pilocarpin 0,1 %). Bei einer Verengung der großen Pupille, ist die Ursache wahrscheinlich ein Adie-Syndrom; wenn die große Pupille sich nicht verengt, handelt es sich wahrscheinlich um eine medikamentöse oder drogenbedingte Ursache oder um strukturelle Schäden an der Iris (z. B. traumatisch oder chirurgisch).

Tests

Die Prüfung ist in der Regel unnötig und bleibt klinisch suspekten Störungen vorbehalten. Bei Patienten mit einem Horner-Syndrom oder einer Okulomotoriuslähmung ist in der Regel ein kraniales MRT oder CT erforderlich und -bei Horner-Syndrom- Röntgenthorax.

Therapie

Oft ist keine Behandlung der Anisokorie selbst nötig. Grunderkrankungen (z. B, Horner-Syndrom) sollten wie angegeben bewertet und behandelt werden.

Wichtige Punkte

  • Die physiologische Anisokorie ist weit verbreitet (Pupillengrößendifferenz von < 1 mm).

  • Die Untersuchung der Pupillen im Hellen und Dunklen und die Heranziehung älterer Aufnahmen des Patienten (z. B. Führerscheinfoto) liefern wichtige diagnostische Informationen.

  • Eine schwere Erkrankung steht bei Patienten mit Horner-Syndrom oder einer Okulomotoriuslähmung im Raum.

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