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Vergiftungen durch Pflanzen und Sträucher

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2020| Inhalt zuletzt geändert Jul 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Einige verbreitete Zierpflanzen sind giftig. Im Allgemeinen ist eine Vergiftung unwahrscheinlich, es sei denn, es werden große Mengen gegessen (z. B., wenn die Blätter oder andere Bestandteile in einer Paste konzentriert oder als Tee gebraut werden) oder wenn die Pflanze sehr giftig ist. Zu den hoch toxischen und potenziell tödlichen Pflanzen zählen Rizinussamen, Paternostererbsen, giftiger Schierling und Wasserfenchel, wie auch Oleander und Fingerhut, der Digitalisglykoside enthält. Ein paar Vergiftungen können durch ein spezielles Gegengift geheilt werden. (Siehe auch Übersicht über Vergiftungen.)

Viele andere Pflanzen verursachen weniger schwere toxische Wirkungen (siehe Tabelle Moderat giftige Pflanzen).

Rizinussamen und Paternostererbsen

Rizinussamen enthalten Rizin, ein extrem konzentriertes Gift. Rizin wurde für Ermordungen und als Massenvernichtungswaffe eingesetzt. Rizinussamen haben eine sehr harte Schale, sodass der Samen gekaut werden muss, um das Gift freizusetzen.

Paternostererbsen enthalten Abrin, ein ähnliches und stärkeres Toxin als Rizin. Nach dem Verzehr führen sie zum Tod. Kinder können schon sterben, wenn sie nur eine Erbse zu sich genommen haben.

Vergiftungen mit Rizinussamen können verzögert zu schwerem Erbrechen und Durchfall (oft blutig) führen. Später fallen die Betroffenen ins Delirium und haben Krämpfe. Sie können ins Koma fallen und sterben. Manchmal versuchen die Ärzte, die Samen aus dem Magen und dem Darm zu spülen, bevor sie absorbiert werden.

Schierling

Eine Vergiftung mit Schierling kann innerhalb von 15 Minuten Symptome hervorrufen. Die Betroffenen haben einen trockenen Mund und später einen beschleunigten Herzschlag, Zittern, Schwitzen, Krämpfe und Muskelschwäche. Schierlings-Wasserfenchel kann zu Erbrechen und Durchfall, Delirium, Krämpfen und zum Koma führen.

Oleander, Fingerhut und Maiglöckchen

Oleander, Fingerhut und das ähnliche, aber weniger giftige Maiglöckchen können Erbrechen und Durchfall, Verwirrung, unregelmäßigen Herzschlag und hohe Kaliumchloridanteile in den Blutbahnen verursachen. Diese Pflanzen enthalten eine Substanz, die dem Herzmedikament Digoxin sehr ähnlich ist. Manchmal behandeln Ärzte Patienten, die mit diesen Pflanzen vergiftet sind, mit einem Medikament, das normalerweise für die Behandlung einer Digoxin-Überdosis verwendet wird.

Tabelle
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Moderat giftige Pflanzen

Pflanze

Symptome

Behandlung

Aloe und ähnliche Pflanzen

Gastroenteritis, Nierenentzündung und Hautreizung

Unterstützende Versorgung*, wenn die Pflanze verzehrt wurde, und Spülung (Irrigation) mit Seife und Wasser, wenn die Haut entzündet ist

Kerne von Aprikosen, Wildkirschen und Pfirsichen und Apfelkerne und andere Samenkerne (Prunus- und Malus-Arten), für gewöhnlich nur, wenn viele Kerne gekaut und herunter geschluckt wurden

Symptome eines Sauerstoffmangels, wie etwa Übelkeit, Benommenheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Erbrechen, Schläfrigkeit und Gleichgewichtsstörungen (ähnlich wie bei einer Kohlenmonoxidvergiftung)

Bei einer schweren Vergiftung wird intravenös Hydroxocobalamin verabreicht oder ein Gegenmittel mit Zyanid verwendet (einschließlich Amylnitrat, das eingeatmet wird, und Natriumnitrit und Natriumthiosulfat, intravenös verabreicht)

Aristolochia (auch gewöhnliche Osterluzei oder Pfeifenwinde genannt)

Bildung von Narbengewebe in den Nieren

Unterstützende Versorgung*

Azalee

Cholinerge† Symptome

Unterstützende Versorgung* und Atropin

Kaladien (auch Elefantenohr oder Engelsflügel genannt) und ähnliche Pflanzen

Reizung des Mundes durch Kristalle von Kalziumoxalat in den Blättern

Unterstützende Versorgung* und Verwendung von Milch oder Eiskrem, um die entzündungsauslösende Substanz zu lösen

Capsicum und ähnliche Pflanzen (Pfeffer)

Reizung der Haut und der Schleimhäute

Unterstützende Versorgung* und Spülen des entsprechenden Bereichs mit Wasser, um die Substanz abzuwaschen (Irrigation)

Colchicin (Herbstkrokus, Herbstzeitlose oder Gloriosa superba)

Verzögert auftretende Gastroenteritis und Funktionsstörung (Ausfall) vieler Organsysteme

Blockieren der Fähigkeit des Knochenmarks, Blutzellen und Thrombozyten zu bilden, was möglicherweise zu einer Anämie, einer Infektion und/oder einer Blutung führt

Unterstützende Versorgung*

Tollkirsche

Anticholinerge‡ Symptome, eine hohe Körpertemperatur, Krämpfe und Halluzinationen

Unterstützende Versorgung*

Bei einer sehr hohen Körpertemperatur oder bei Krämpfen möglicherweise Physostigmin

Dumbcane (Dieffenbachia)

Schädigung des Mundraums durch Kalziumoxalatkristallen in den Blättern

Unterstützende Versorgung* und Verwendung von Milch oder Eiskrem, um die Kristalle aufzulösen

Ackerbohnen

Bei Menschen mit G6PD-Enzymmangel (ein Enzym, das rote Blutzellen schützt), Gastroenteritis, Fieber, Kopfschmerzen und hämolytische Anämie

Unterstützende Versorgung*

Bei einer schweren Anämie und Vergiftung schrittweise Entnahme und Austauschen von Blut durch dieselbe Menge frischen Spenderbluts (Austausch-Transfusion) in Betracht zu ziehen

Grüne Kartoffeln und Kartoffelsprossen

Gastroenteritis, Halluzinationen und Delirium

Unterstützende Versorgung*

Stechpalmen

Unterstützende Versorgung*

Gemeiner Stechapfel

Anticholinerge‡ Symptome, eine hohe Körpertemperatur, Krämpfe und Halluzinationen

Unterstützende Versorgung*

Bei einer sehr hohen Körpertemperatur oder bei Krämpfen möglicherweise Physostigmin

Süßholz (rohe Pflanze)

Zu wenig Kaliumchlorid im Blut, Bluthochdruck und Schwellungen wegen Rückhalten von Flüssigkeiten (Ödeme)

Unterstützende Versorgung*

Maiglöckchen

Zu viel Kaliumchlorid im Blut und Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Unterstützende Versorgung* und Antikörper gegen Digitalis

Mistel

Unterstützende Versorgung*

Eisenhut

Ein niedriger Puls, Herzrhythmusstörungen, Taubheit und Kribbeln und Schwäche

Unterstützende Versorgung*

Manchmal intravenös verabreichtes Natriumbikarbonat

Brennnessel

Stechen und Brennen der Haut

Unterstützende Versorgung*

Nachtschatten, gemeiner oder bittersüß

Gastroenteritis, Halluzinationen und Delirium

Unterstützende Versorgung*

Nachtschatten, tödlich

Anticholinerge‡ Symptome, eine hohe Körpertemperatur, Krämpfe und Halluzinationen

Unterstützende Versorgung*

Bei einer sehr hohen Körpertemperatur oder bei Krämpfen möglicherweise Physostigmin

Frauenminze

Leberschädigungen (wenn sie schwer sind, verursachen sie Gelbsucht, Verwirrtheit und Blutungsneigung)

Acetylcystein

Philodendron und verwandte Pflanzen

Schädigung des Mundraums durch Kalziumoxalatkristallen in den Blättern

Unterstützende Versorgung* und Verwendung von Milch oder Eiskrem, um die Kristalle aufzulösen

Poinsettia (Weihnachtsstern)

Leichte Reizung bei Kontakt mit den Schleimhäuten im Mund, der Nasenregion, der Vagina und der Harnröhre

Nicht notwendig

Giftefeu

Entzündung der Haut (Dermatitis) oder Schleimhäute

Bekannte Reizstoffe vermeiden; Behandlung der jeweiligen Symptome

Kermesbeere

Reizung bei Kontakt mit den Schleimhäuten des Mundes, der Nasenwege, der Vagina oder der Harnröhre

Unterstützende Versorgung*

Efeutute

Schädigung des Mundraums durch Kalziumoxalatkristallen in den Blättern

Unterstützende Versorgung* und Verwendung von Milch oder Eiskrem, um die Kristalle aufzulösen

Eibe

Selten Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und Koma

Unterstützende Versorgung*

* Die unterstützende Versorgung kann die Flüssigkeitsverabreichung in eine Vene (intravenös), Behandlungen, die die Körperfunktionen aufrechterhalten (z. B. fiebersenkende Medikamente) und Blutdruck erhöhende Medikamente, falls dieser abfällt und ein Atemgerät beinhalten.

† Cholinerge Symptome sind unter anderem eine langsame Herzfrequenz, geschwächte Herzfunktionen, ein gefährlich niedriger Blutdruck, Atembeschwerden (weil die Atemwege verengt sind), Erröten, Magenkrämpfe, Durchfall, vermehrtes Urinieren und vermehrter Speichelfluss, wässrige Augen, vermehrtes Schwitzen und Muskelkrämpfe.

† Anticholinerge Symptome sind unter anderem Verwirrung, Sehstörungen, Verstopfung, ein trockener Mund, Benommenheit, Probleme beim Urinieren (Harnverhalt oder Inkontinenz), und Verlust der Kontrolle des Blasenschließmuskels.

G6PD = Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase.

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