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Schulterverrenkung

Von

Danielle Campagne

, MD, University of California, San Francisco

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jan 2021| Inhalt zuletzt geändert Jan 2021
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Quellen zum Thema

Schulterverrenkungen bzw. -luxationen treten auf, wenn der kugelförmige Kopf des Oberarmknochens (Humerus) aus der Gelenkpfanne des Schulterblatts (Scapula) rutscht.

  • Wenn die Schulter ausgekugelt ist, wurde der Kopf des Oberarmknochens meist durch Krafteinwirkung aus dem Gelenk gedrückt.

  • Die Schulter kann verformt aussehen und tut meist sehr weh.

  • Die Diagnose einer Schulterluxation erfolgt oft bereits bei der Untersuchung durch den Arzt, mitunter werden zur Absicherung auch Röntgenbilder aufgenommen.

  • Das Gelenk kann auch ohne chirurgischen Eingriff wieder eingerenkt werden. Dazu erhalten die Patienten jedoch oft Medikamente, damit sie das Einrenken aushalten können.

Von den großen Gelenken ist die Schulter das Gelenk, in dem am häufigsten Luxationen auftreten. Bei mehr als 95 Prozent aller Schulterluxationen ist der Oberarmknochen nach vorne aus dem Gelenk gedrückt worden (Luxatio anterior). Mitunter ist er aber auch nach hinten oder nach unten gedrückt. Für gewöhnlich entsteht eine Luxation nach hinten (Luxatio posterior), wenn der Betroffene einen Krampfanfall hat oder einen elektrischen Schlag erhält (z. B. durch Blitzeinschlag). Nach unten ausgerenkte Luxationen sind selten und in der Regel gut sichtbar. Die meisten Menschen mit einer nach unten ausgerenkten Luxation halten ihren Arm über dem Kopf, wobei der Unterarm typischerweise auf dem Kopf abgelegt wird.

Der Knochen kann komplett oder nur teilweise aus dem Gelenk herausgedrückt worden sein – sogenannte komplette Luxation oder nur teilweise – sogenannte partielle Luxation bzw. Subluxation.

Eine Schultergelenkluxation kann auftreten, wenn die Schulter durch eine starke Kraft (beispielsweise einen plötzlichen Schlag) nach außen, nach oben oder nach hinten gezogen, gedrückt oder gedreht wird. In den meisten Fällen wurde die Schulter nach außen gezogen und gedreht. Häufige Ursachen sind Sportverletzungen (z. B. Abblocken eines Schusses beim Basketball), Autounfälle und Stürze.

Bei einer Schulterluxation kann es auch zu einer Dehnung oder einem Riss in den Geweben in Gelenknähe kommen, z. B. in Bändern, Sehnen, Blutgefäßen und Nerven. Manchmal liegt auch ein Knochenbruch vor, meist am oberen Ende des Armknochens, insbesondere bei Personen über 45 Jahren.

Bei einer schweren Verletzung oder besonders bei Unter-30-Jährigen, die ihre Schulter mehrmals ausgekugelt haben (was vorkommt, wenn weiter Sport getrieben wird), kann die Schulter instabil werden, sodass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Ausrenkung steigt.

Symptome einer Schultergelenkluxation

Die ausgerenkte Schulter kann sichtbar verschoben bzw. verdreht sein. Der Gelenkbereich kann geschwollen sein oder es kann ein Bluterguss vorliegen. Die Schmerzen sind meist intensiv. Die Betroffenen sind nicht in der Lage bzw. nicht bereit, ihren Arm vom Körper weg zu bewegen. Bei Schultergelenkluxationen kann sich der Schultermuskel (Deltamuskel), der um das Schultergelenk liegt, taub anfühlen.

Das Trauma der Luxation kann zu Krämpfen in der Schultermuskulatur führen, was den Schmerz oftmals noch verstärkt.

Diagnose einer Schultergelenkluxation

  • Körperliche Untersuchung

  • Röntgenaufnahmen

Wenn eine Schulterluxation vermutet wird, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Es sollte nicht versucht werden, die Schulter selbst wieder einzurenken. Dies könnte weitere Verletzungen zur Folge haben. Der Arm sollte bis zur Untersuchung durch den Arzt so ruhig wie möglich gehalten werden, unter Umständen mit einer Schlinge oder Schiene, und sollte mit Eis gekühlt werden. Das Eis kann die Schmerzen lindern und Schwellungen reduzieren.

Der Arzt fragt den/die Betroffene(n) möglicherweise, wie die Verletzung aufgetreten ist, wie stark die Schmerzen sind und ob der Arm bewegt werden kann. Die Diagnose einer Schulterluxation erfolgt oft bereits bei der Untersuchung durch den Arzt. Meist werden aber auch Röntgenaufnahmen Röntgenaufnahmen Ein Arzt kann häufig Erkrankungen des Bewegungsapparats aufgrund der Krankengeschichte und der Ergebnisse der körperlichen Untersuchung diagnostizieren. Manchmal sind Laboruntersuchungen, bildgebende... Erfahren Sie mehr Röntgenaufnahmen gemacht, um die Diagnose zu bestätigen und eine Fraktur auszuschließen. Der Arzt muss wissen, ob Knochen gebrochen sind, bevor er versucht, das Gelenk wieder einzurenken.

Behandlung einer Schultergelenkluxation

  • Manöver zum Einrenken des Gelenks

  • Schlinge und Bandage zur Immobilisierung des Gelenks

Die Behandlung einer Schultergelenkluxation besteht darin, das Gelenk wieder einzurenken (Reposition). Davor erhalten die Patienten oft ein beruhigendes starkes Schmerzmittel und/oder eine Betäubungsmittelspritze in das Gelenk, sie bleiben während des Eingriffs jedoch bei Bewusstsein. Viele Methoden, wie etwa die Methode nach Davos oder Hennepin, können ohne Beruhigungsmittel durchgeführt werden. Aber die betroffenen Muskeln benötigen etwas Zeit (mehrere Minuten), um sich soweit zu entspannen, dass die Schulter eingerenkt werden kann.

Es gibt mehrere Möglichkeiten zum Einrenken der Schulter. Hierzu gehören

  • Traktion-Gegentraktion: Der Patient hält still, während eine andere Person den betroffenen Arm nach unten und außen zieht.

Einrenken einer Schulter: Traktion-Gegentraktion

Die Person liegt auf einer stabilen Fläche. Eine Person zieht an einem gefalteten Tuch, das um den Brustkorb des Patienten geschlungen ist, um diesen festzuhalten, während eine andere Person den betroffenen Arm nach unten und außen zieht. Die Technik wird als Traktion-Gegentraktion bezeichnet.

Einrenken einer Schulter: Traktion-Gegentraktion
  • Außendrehung: Ein Beispiel ist die Hennepin-Technik. Der Arzt beugt den Arm am Ellenbogen und dreht ihn dann langsam vom Körper weg.

Einrenken einer Schulter: Hennepin-Technik

Der Arzt beugt den Arm und dreht ihn dann langsam vom Körper weg.

Einrenken einer Schulter: Hennepin-Technik
  • Einrenkung des Schulterblatts (Scapula): Dieses Manöver kann mit dem Verletzten aufrecht sitzend oder liegend durchgeführt werden. Der Arzt bewegt die untere Spitze des Schulterblatts in Richtung Wirbelsäule. Ein Helfer zieht, dreht und drückt eventuell den Arm ganz sanft.

  • Cunningham (Massage-)Technik: Die Person, die das Einrenken durchführt, sitzt dem Patienten gegenüber und legt die Hand des Patienten auf ihre Schulter. Anschließend werden die Muskeln im Oberarm und in der Schulter massiert und der Patient wird angewiesen, sich zu entspannen und die Schultern zu lockern, damit die Schulterblätter einander berühren. Eine Massage hilft, den Muskel zu entspannen, damit sich die Schulter des Betroffenen wieder einrenken kann.

  • Methode nach Davos (Autoreposition): Der Betroffene sitzt auf einem Bett, beugt das Knie auf der Seite der verletzten Schulter und stellt den Fuß auf das Bett. Der Betroffene nimmt die Hände vor dem Knie mit den Ellbogen dicht an der Hüfte zusammen und hat ein Gummiband um die Hände gebunden, damit diese zusammengebunden sind und das Knie die Hände fixiert. Der Arzt setzt sich nun auf den Fuß des Betroffenen und weist ihn an, seinen Kopf zurückzulehnen. Durch das Zurücklehnen des Kopfes übt der Betroffene Druck auf die ausgerenkte Schulter aus, was ihr dabei hilft, sich wieder einzurenken.

  • Methode nach Stimson (Baumelgewichte): Der Betroffene liegt auf dem Bett auf dem Bauch, wobei der Arm mit der ausgerenkten Schulter an der Seite des Bettes herunter hängt. An das Handgelenk des Betroffenen werden Gewichte befestigt. Nach etwa 30 Minuten haben sich die Muskeln der Schulter soweit entspannt, dass die Schulter wieder an ihren Platz zurückkehrt.

  • FARES-Methode (schnelle und zuverlässige Methode): Die Person liegt auf dem Rücken mit ausgestrecktem Ellbogen und Arm am Körper auf dem Bett. Der Arzt hält den Arm des Betroffenen an der Hand oder am Handgelenk und bewegt den Arm langsam vom Körper des Betroffenen weg. Gleichzeitig bewegt der Arzt den Arm nach oben und unten in kleinen, langsamen und nach oben und unten hin- und hergehenden Bewegungen. Die Bewegung hilft dem Muskel, sich zu entspannen.

Nach der Reposition wird das Gelenk sofort mit einer Schlinge und Bandage ruhiggestellt. Bei Menschen über 40 Jahren wird die Schlinge und die Bandage über einen kürzeren Zeitraum als bei jüngeren Menschen verwendet, damit diese öfter bewegt wird und um Komplikationen zu verhindern (z. B. eine steife Schulter).

Schlinge und Bandage

Schlinge und Bandage
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