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Komplexes regionales Schmerzsyndrom

(sympathische Reflexdystrophie und Kausalgie)

Von

James C. Watson

, MD, Mayo Clinic

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Okt 2018| Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (complex regional pain syndrome, CRPS) wird durch hartnäckige brennende Schmerzen definiert, die mit gewissen Veränderungen im schmerzenden Bereich einhergehen. Zu diesen Veränderungen gehören verstärkte oder verminderte Schweißabsonderungen, Schwellungen, Veränderung der Hautfarbe und/oder Temperatur, Schädigungen der Haut, Haarausfall, rissige oder verdickte Nägel, Muskelschwund und -schwäche sowie Knochenschwund.

Aufgrund der Schmerzen ist die Beweglichkeit der betroffenen Gliedmaße häufig eingeschränkt. Infolgedessen können die Muskeln steif werden und sich verkürzen (Kontraktur), sodass ein Gelenk in seiner normalen Beweglichkeit eingeschränkt werden kann.

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom tritt typischerweise nach einer Verletzung auf. Es gibt zwei Typen:

  • Typ 1, welcher als sympathische Reflexdystrophie bezeichnet wurde, resultiert von Gewebeverletzungen, die nicht mit dem Nervengewebe zusammenhängen, zum Beispiel, wenn Kochen oder Weichgewebe (wie Bänder und Sehnen) bei einem Unfall verletzt werden.

  • Typ 2, welcher üblicherweise als Kausalgie bezeichnet wird, bezieht sich auf Verletzungen der Nerven.

Manchmal kommt es zu einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom, wenn das sympathische Nervensystem überaktiv ist. Das sympathische Nervensystem bereitet den Körper normalerweise auf Stress- oder Notfallsituationen vor, auf Kampf oder Flucht.

Symptome

Die Symptome eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms variieren stark und folgen keinem Muster.

Dumpfe oder brennende Schmerzen treten häufig auf, in der Regel an der verletzten Gliedmaße (Arm, Bein, Hand oder Fuß). Die Schmerzen sind oft schlimmer als bei einer solchen Verletzung zu erwarten wäre. Emotionaler Stress oder Temperaturänderungen können die Schmerzen verschlimmern. Die Haut im betroffenen Bereich reagiert oft sehr empfindlich auf Berührungen (Allodynie). Infolgedessen wird normaler Hautkontakt als sehr schmerzhaft wahrgenommen.

Die Patienten verwenden die betroffene Gliedmaße aufgrund der Schmerzen womöglich nicht, weswegen der Bewegungsumfang reduziert sein kann. Die Muskeln können dauerhaft verkürzt und versteift sein (als Kontrakturen bezeichnet) und es kann sich Narbengewebe bilden.

Die betroffene Gliedmaße kann anschwellen. Es kann zu Haarausfall kommen. Die Nägel können splittern oder dicker werden. Die Knochendichte kann abnehmen. Die Muskeln können sich abbauen und schwach werden.

Die Betroffenen schwitzen möglicherweise mehr oder weniger als gewöhnlich und ihnen ist wärmer oder kälter als sonst. Die Haut im betroffenen Bereich kann rot, fleckig, blass oder glänzend sein.

Die Finger können sich beugen oder der Fuß kann sich in eine abnorme Stellung verdrehen und dort verharren (dies wird als Dystonie bezeichnet). Die betroffene Gliedmaße kann zittern oder zucken.

Viele Patienten mit einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom werden depressiv, ängstlich und/oder wütend, teilweise weil die Ursache nur unzureichend bekannt, die Wirksamkeit der Behandlungen begrenzt und der Ausgang schwer vorherzusagen ist.

Die Symptome können nachlassen oder jahrelang gleich bleiben. Bei einigen Patienten schreitet die Krankheit fort und breitet sich auf andere Körperbereiche aus.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

Die Diagnose eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms stützt sich auf die Symptome.

Wenn die Diagnose unklar ist, kann der Arzt Röntgenaufnahmen machen oder eine Knochenszintigraphie durchführen, um nach Knochenschwund oder Entzündungen zu suchen. Eine Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit und Elektromyographie (EMG) können durchgeführt werden. Mit diesen Tests kann festgestellt werden, ob die Schmerzen durch ein Problem mit den Muskeln oder Nerven verursacht werden.

Behandlung

  • Physio- und/oder Ergotherapie

  • Stimulierung der Nerven oder des Rückenmarks

  • Schmerzmittel (Analgetika und adjuvante Analgetika)

  • Psychologische Therapie

  • Spiegeltherapie

In der Regel wird zur Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms eine Kombination der Therapien angewendet.

Physiotherapie kann folgendermaßen helfen:

  • Stellt sicher, dass die Patienten den schmerzenden Körperteil bewegen, um den Abbau von Muskulatur zu vermeiden

  • Hält den Bewegungsumfang aufrecht und/oder erhöht ihn, sodass sich kein Narbengewebe um die unbewegten Gelenke bildet

  • Macht den betroffenen Bereich weniger sensibel (Desensibilisierung)

  • Verbessert die Funktionsfähigkeit der Patienten

Bei manchen Menschen kann eine Sympathikusblockade die Schmerzen lindern, wenn sie durch eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems verursacht werden. In solchen Fällen kann dies erforderlich sein, damit eine Physiotherapie möglich ist. Orale Schmerzmittel (Analgetika), einschließlich nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Opioide und verschiedene adjuvante Analgetika (z. B. Antiepileptika und Antidepressiva), können die Schmerzen ebenfalls ausreichend lindern, um eine Physiotherapie zu ermöglichen.

Die Nerven oder das Rückenmark können durch elektrische Impulse stimuliert werden (sogenannte Neuromodulation), um die Schmerzintensität zu reduzieren.

Bei der Rückenmarkstimulation wird operativ ein Rückenmarkstimulator (Gerät, das elektrische Impulse erzeugt) unter die Haut, in der Regel in das Gesäß oder den Bauch eingesetzt. Dünne Drähte (Ableitungen) vom Gerät werden in den Raum um das Rückenmark (Epiduralraum) herum platziert. Die Impulse verändern die Übertragung der Schmerzsignale zum Gehirn und somit die unangenehme Wahrnehmung der Symptome.

Auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann eingesetzt werden, wobei im Vergleich zur Wirbelsäulenstimulation deutlich weniger Nachweise für die Wirksamkeit vorliegen. Bei der TENS werden Elektroden auf der Haut angebracht. Die Elektroden erzeugen eine Niederspannung, die ein Kribbeln hervorruft, jedoch nicht dazu führt, dass die Muskeln kontrahieren.

Akupunktur kann die Schmerzen lindern.

Eine Desensibilisierung ist ebenfalls hilfreich. Bei diesem Verfahren wird der schmerzende Bereich mit einem Gegenstand berührt, der die Haut normalerweise nicht reizt (zum Beispiel Seide). Mit der Zeit verwenden die Ärzte dann immer stärker reizende Materialien, wie Jeansstoff. Bei der Desensibilisierung kann die betroffene Gliedmaße auch abwechselnd in ein kaltes und ein warmes Wasserbad getaucht werden.

Die Spiegeltherapie kann helfen. Eine medizinische Fachkraft zeigt den Patienten wie die Therapie angewendet wird. Die Betroffenen sitzen mit einem großen Spiegel vor ihrer gesunden Gliedmaße und verstecken ihre betroffene Gliedmaße. Durch die Spiegelung der gesunden Gliedmaße hat der Patient den Eindruck, als hätte er zwei normale Gliedmaßen. Der Patient soll dann die gesunde Gliedmaße bewegen und währenddessen das Spiegelbild anschauen. Dadurch fühlt es sich für den Patienten so an, als würde er zwei normale Gliedmaßen bewegen. Wenn diese Übung über einen Zeitraum von 4 Wochen täglich 30 Minuten durchgeführt wird, können die Schmerzen erheblich reduziert werden. Durch die Therapie werden die Bahnen im Gehirn verändert, die für die Verarbeitung der Schmerzsignale im Körper zuständig sind.

Es kann auch eine psychologische Therapie zum Einsatz kommen, wenn Patienten mit einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom zusätzlich unter Depression und Angst leiden.

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