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Alzheimer-Krankheit

(Alzheimer's Disease)

Von

Juebin Huang

, MD, PhD, Department of Neurology, University of Mississippi Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Apr 2020| Inhalt zuletzt geändert Apr 2020
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Kurzinformationen
Quellen zum Thema

Die Alzheimerkrankheit geht mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Funktionen einher. Typisch sind eine Degeneration von Hirngewebe und ein Verlust von Nervenzellen, die Ansammlung eines abnormen Proteins namens Beta-Amyloid sowie die Entwicklung von Neurofibrillenknäuel.

  • Ein frühes Anzeichen ist ein schlechtes Gedächtnis für gerade vergangene Ereignisse, gefolgt von zunehmender Verwirrtheit, einer Abnahme weiterer geistiger Funktionen und Schwierigkeiten beim Sprachverstehen und -gebrauch sowie beim Ausführen alltäglicher Aufgaben.

  • Die Symptome schreiten fort, bis die Betroffenen unselbstständig werden, was sie von anderen völlig abhängig macht.

  • Der Arzt stellt die Diagnose auf Basis von Symptomen und Ergebnissen einer körperlichen Untersuchung, einer Beurteilung der geistigen Verfassung, Bluttests und bildgebenden Verfahren.

  • Die Behandlungsstrategien zielen darauf ab, die geistigen Funktionen so lange wie möglich zu erhalten, wobei möglicherweise Arzneimittel eingesetzt werden, die den Krankheitsverlauf verlangsamen.

  • Die Lebenserwartung kann nicht vorhergesagt werden, der Tod tritt aber im Durchschnitt sieben Jahre nach der Diagnose ein.

Unter Alzheimer-Krankheit, einer Form der Demenz, versteht man eine allmähliche Abnahme der geistigen Fähigkeiten, wobei Gedächtnis, Denkvermögen, Urteilskraft und Lernfähigkeit beeinträchtigt sind.

Bei 60 bis 80 Prozent der älteren Demenzkranken ist die Alzheimer-Krankheit die Ursache. Sie tritt selten bei Menschen unter 65 auf. Sie wird mit zunehmendem Alter häufiger. In den USA leiden geschätzte 10 Prozent der Personen ab 65 Jahren an der Alzheimer-Krankheit. Der Anteil der Patienten mit Alzheimer-Krankheit steigt mit dem Alter:

  • 65 bis 74 Jahre: 3 %

  • 75 bis 84 Jahre: 17 %

  • Ab 85 Jahre: 32 %

Von der Alzheimer-Krankheit sind mehr Frauen als Männer betroffen, teilweise weil sie eine längere Lebenserwartung haben. Es wird erwartet, dass die Anzahl der Menschen, die an der Alzheimer-Krankheit leiden, stark mit der immer älter werdenden Bevölkerung ansteigt.

Ursachen

Wie Alzheimer-Krankheit entsteht, weiß man nicht, aber offenbar spielen Erbfaktoren eine Rolle: Ca. 5 bis 15 Prozent der Fälle sind familiär bedingt. Dabei kann es sich um einige bestimmte Anomalien des Erbmaterials handeln. Einige dieser Anomalien können vererbt werden, wenn nur ein Elternteil den Gendefekt hat. Das heißt, der Gendefekt ist dominant. Es besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein betroffener Elternteil den Gendefekt an ein Kind weitergibt. Ungefähr die Hälfte dieser Kinder entwickelt die Alzheimer-Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.

Eine Auffälligkeit betrifft das Apolipoprotein E (Apo E) – den Eiweißanteil gewisser Lipoproteine, die Cholesterin im Blut transportieren. Es gibt drei Typen von Apo E:

  • Typ ε 4: Menschen mit dem Typ ε 4 entwickeln häufiger und früher die Alzheimer-Krankheit als ältere Menschen.

  • Typ ε 2: Menschen mit dem Typ ε 2 scheinen hingegen offenbar vor Alzheimer geschützt zu sein.

  • Typ ε 3: Menschen mit dem Typ ε 3 nehmen eine Mittelstellung ein.

Allerdings ist es nicht möglich, mittels genetischer Tests auf den Apo-E-Typ vorauszusagen, ob jemand die Alzheimer-Krankheit entwickeln wird. Aus diesem Grund werden diese Tests in der Regel nicht empfohlen.

Veränderungen im Gehirn

Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zu einem teilweisen Verfall des Gehirns, wobei Gehirnzellen zerstört werden und die verbliebenen nicht mehr so gut auf die Botenstoffe ansprechen, die die Signale zwischen den Nervenzellen übermitteln (Neurotransmitter). Die Konzentration von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der die Gedächtnisleistung, die Lern- und Konzentrationsfähigkeit erhöht, ist niedrig.

Die Alzheimer-Krankheit verursacht die folgenden Abnormitäten im Hirngewebe:

  • Beta-Amyloid-Ablagerungen: Ansammlung von Beta-Amyloid (ein abnormes, unlösliches Protein), das sich ablagert, da die Zellen es nicht verarbeiten und entfernen können

  • Senile oder neuritische Plaques: Klumpen toter Nervenzellen rund um den Kern des Beta-Amyloid

  • Neurofibrillenknäuel: Gedrehte Stränge unlösbaren Proteins in der Nervenzelle

  • Erhöhte Konzentration des Tau-Proteins: Ein abnormes Protein, das Bestandteil von Neurofibrillenknäuel und Beta-Amyloid ist

Solche Veränderungen entwickeln sich in gewissem Maße bei allen Menschen, wenn sie altern, doch bei Alzheimerkranken sind sie weitaus zahlreicher. Ärzte sind sich nicht sicher, ob die Veränderungen im Hirngewebe für die Alzheimer-Krankheit verantwortlich sind oder ob sie eine andere Ursache haben, die Demenz und Veränderungen im Hirngewebe hervorrufen.

Forscher haben zudem herausgefunden, dass die abnormen Proteine bei Alzheimer-Krankheit (Beta-Amyloid und Tau) den abnormen Proteinen bei Prionenerkrankungen ähneln. Diese sind falsch gefaltet und rufen diese Fehlfaltung auch bei anderen Proteinen hervor, wodurch sich die Erkrankung verschlimmert.

Wussten Sie ...

  • Mit fortschreitendem Alter entwickelt jeder einige Anomalien im Gehirn, die für die Alzheimer-Krankheit typisch sind.

Symptome

Die Alzheimer-Krankheit ist mit vielen ähnlichen Symptomen wie bei anderen Demenzerkrankungen verbunden, wie

  • Probleme mit der Sprache

  • Persönlichkeitsveränderungen

  • Orientierungslosigkeit

  • Probleme, Aufgaben des täglichen Lebens zu bewältigen

  • Aggressives oder unangemessenes Verhalten

Die Alzheimer-Krankheit unterscheidet sich jedoch auch von anderen Demenzerkrankungen. So ist in der Regel eher das Kurzzeitgedächtnis betroffen als andere geistige Fähigkeiten.

Obwohl der Zeitpunkt, an dem die Symptome auftreten, variiert, kann eine Einteilung der Symptome in frühes, fortgeschrittenes und spätes Stadium dabei helfen, Betroffene, Familienangehörige und andere betreuende Personen auf zukünftige Entwicklungen vorzubereiten. Persönlichkeitsveränderungen und aggressives Verhalten (Verhaltensstörungen) können bei der Alzheimer-Krankheit im frühen oder späten Stadium auftreten.

Frühes Stadium der Alzheimer-Krankheit

Die Symptome schreiten allmählich voran, sodass viele Betroffene ihr Leben zunächst weiterhin so führen können, als wären sie gesund.

Die Symptome beginnen meist schleichend. Tritt die Krankheit auf, während die Betroffenen noch im Arbeitsleben stehen, lässt ihre Leistung nach. Bei Rentnern fallen die Veränderungen möglicherweise zunächst nicht auf.

Die Krankheit kann sich zuerst bemerkbar machen durch

  • Ein schlechtes Gedächtnis für gerade vergangene Ereignisse, da das Speichern neuer Erinnerungen schwierig ist

  • Manchmal Persönlichkeitsveränderungen (Betroffene können gefühlsflach, depressiv oder ungewöhnlich ängstlich und nervös werden)

In den Frühstadien sind möglicherweise Urteilsvermögen und abstraktes Denken gestört. Das Sprachmuster kann sich leicht verändern. Vielleicht benutzt der Betroffene einfachere Wörter, verwendet ein allgemeineres Wort für einen bestimmten Ausdruck oder verwendet Wörter falsch. Betroffene finden unter Umständen das passende Wort nicht.

Alzheimerkranke können Schwierigkeiten bei der Interpretation optischer und akustischer Reize haben. Sie werden möglicherweise verwirrt und verlieren die Orientierung. Solch eine Orientierungslosigkeit kann das Autofahren erschweren. Wenn sie das Haus verlassen, finden sie oft nicht mehr zurück. Alzheimerkranke können am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, benehmen sich aber ungewöhnlich. Beispielsweise vergessen sie den Namen eines Gastes, oder ihre Gefühle schwanken rasch und auf unvorhersehbare Weise.

Viele Alzheimerkranke leiden oft an Schlaflosigkeit. Sie haben Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Einige Betroffene wissen nicht, ob es Tag oder Nacht ist.

Bei vielen Alzheimerkranken kommt es irgendwann zu Psychosen (Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Paranoia).

Späteres Stadium der Alzheimer-Krankheit

Mit Fortschreiten der Krankheit fällt es den Betroffenen schwer, sich an Ereignisse aus der Vergangenheit zu erinnern. Sie fangen an, die Namen von Freunden und Verwandten zu vergessen. Möglicherweise brauchen sie Hilfe beim Essen, Anziehen, Baden und beim Toilettengang. Zeit- und Ortssinn gehen verloren: Manche Betroffenen finden nicht einmal mehr den Weg zur eigenen Toilette. Ihre zunehmende Verwirrtheit erhöht das Risiko, dass sie herumirren oder stürzen.

Verhaltensprobleme wie Umherwandern, Aufgebrachtheit, Reizbarkeit, Feindseligkeit und physische Gewalt sind häufig.

Schließlich können Alzheimerkranke nicht mehr laufen oder sich um sich selbst kümmern. Sie werden oft inkontinent und können nicht mehr schlucken, essen oder sprechen. Das erhöht das Risiko von Unterernährung, Lungenentzündung und Druckgeschwüren (Wundliegen). Das Gedächtnis geht ganz verloren.

Die Kranken sterben oft infolge einer Infektion, die zu Koma und Tod führt.

Verhaltensstörungen bei der Alzheimer-Krankheit

Da Betroffene nicht mehr in der Lage sind, ihr Verhalten zu kontrollieren, können sie sich manchmal unangemessen oder aggressiv verhalten (zum Beispiel durch Schreien, Werfen, Schlagen oder Umherwandern). Dies wird als Verhaltensstörung bezeichnet.

Folgende Faktoren der Alzheimer-Krankheit tragen zu diesem Verhalten bei:

  • Da Betroffene vergessen haben, wie man sich normal verhält, können sie unangemessene Verhaltensweisen an den Tag legen. Wenn ihnen heiß ist, ziehen sie sich in der Öffentlichkeit möglicherweise aus. Wenn sie sexuelle Impulse verspüren, können sie in der Öffentlichkeit masturbieren, obszöne und unangebrachte Sprache verwenden oder sexuelle Handlungen fordern.

  • Da Alzheimerkranke oft Schwierigkeiten haben, zu verstehen, was sie sehen und hören, können sie ein Angebot der Hilfe mit einer Bedrohung verwechseln und sich vielleicht wehren. Wenn ihnen jemand beispielsweise beim Ausziehen helfen möchte, könnten sie das als Angriff interpretieren und versuchen, sich zu schützen, manchmal durch Schlagen.

  • Da ihr Kurzzeitgedächtnis gestört ist, können sie sich nicht erinnern, was sie gesagt oder getan haben. Sie wiederholen ständig Fragen und Gespräche, fordern ständig Aufmerksamkeit oder fragen nach bestimmten Dingen (wie Mahlzeiten), die sie bereits erhalten haben. Sie können aufgeregt und aufgebracht werden, wenn sie nicht das bekommen, wonach sie gefragt haben.

  • Weil sie ihre Bedürfnisse nicht klar oder überhaupt nicht artikulieren können, schreien sie vielleicht, wenn sie Schmerzen haben, oder wandern herum, wenn sie sich einsam oder ängstlich fühlen. Auch wenn sie nicht schlafen können, wandern sie möglicherweise herum, schreien oder rufen umher.

Ob ein bestimmtes Verhalten als unangemessen eingestuft wird, hängt von vielen Faktoren ab, einschließlich der Toleranz der betreuenden Person und wie die Lebenssituation des Alzheimerkranken aussieht.

Fortschreitende Alzheimer-Krankheit

Wie die Krankheit fortschreitet, lässt sich nicht vorhersagen. Betroffene leben im Durchschnitt noch sieben Jahre nach der Diagnose. Die meisten Alzheimerkranken, die nicht mehr gehen können, leben nicht länger als sechs Monate. Die Lebenserwartung ist allerdings sehr unterschiedlich.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Untersuchung der geistigen Verfassung

  • Normalerweise Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren, um Ursachen auszuschließen

Die Diagnose der Alzheimer-Krankheit wird ähnlich gestellt wie die anderer Demenzformen.

Der Arzt stellt fest, ob der Patient Demenz hat und, falls ja, ob es sich hierbei um die Alzheimer-Krankheit handelt.

Der Arzt kann die Alzheimer-Krankheit durch Folgendes diagnostizieren:

  • Symptome, zu deren Feststellung dem Betroffenen und Familienangehörigen oder anderen Betreuungspersonen Fragen gestellt werden

  • Ergebnisse einer körperlichen Untersuchung

  • Ergebnisse zusätzlicher Untersuchungen wie Bluttests, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)

Diagnose von Demenz

Anhand einer Untersuchung der geistigen Verfassung, die aus einfachen Fragen und Aufgaben besteht, kann der Arzt feststellen, ob der Patient Demenz hat.

Manchmal ist ein detaillierterer Test (neuropsychologischer Test) nötig. Diese Tests decken alle wichtigen geistigen Funktionen einschließlich Stimmung ab und dauern gewöhnlich ein bis drei Stunden. Sie helfen dem Arzt dabei, Demenz von anderen Erkrankungen zu unterscheiden, die ähnliche Symptome verursachen, wie Altersvergesslichkeit, einer leichten kognitiven Störung und Depressionen.

Anhand der oben genannten Informationen kann der Arzt in der Regel ein Delirium als Ursache für die Symptome ausschließen (siehe Tabelle zum Vergleich zwischen Delirium und Demenz). Dies ist sehr wichtig, da ein Delirium, im Gegensatz zur Demenz, bei schneller Behandlung rückgängig gemacht werden kann. Die Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen sind folgende:

  • Demenz beeinträchtigt hauptsächlich das Gedächtnis und ein Delirium die Aufmerksamkeit.

  • Demenz entwickelt sich in der Regel allmählich, ohne bestimmbaren Zeitpunkt. Delirium beginnt plötzlich und oftmals zu einem bestimmbaren Zeitpunkt.

Diagnose der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist zu erwarten, wenn Folgendes vorliegt:

  • Die Diagnose der Demenz ist bestätigt.

  • Das auffälligste Symptom, vor allem im Frühstadium, ist das Vergessen kürzlich vergangener Ereignisse oder Schwierigkeiten beim Einprägen neuer Erinnerungen.

  • Das Gedächtnis und andere geistige Funktionen haben allmählich nachgelassen und lassen weiter nach.

  • Die Demenz setzte mit mindestens 40 und normalerweise ab 65 ein.

  • Ärzte haben andere Hirnstörungen (wie einen Hirntumor oder Schlaganfall), welche die Probleme verursachen könnten, ausgeschlossen.

Anhand einiger Symptome kann der Arzt die Alzheimer-Krankheit von anderen Demenzerkrankungen unterscheiden. Visuelle Halluzinationen (Sehen von Dingen oder Menschen, die nicht da sind) treten bei der Lewy-Körperchen-Demenz häufiger und früher auf als bei der Alzheimer-Krankheit. Alzheimerkranke sind oft besser gepflegt und ordentlicher als Menschen mit anderen Demenzerkrankungen.

Informationen aus zusätzlichen Tests helfen dem Arzt dabei, die Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren und andere Arten und Ursachen von Demenz auszuschließen.

Eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, die bei einer Spinalpunktion gewonnen wird, und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) werden zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit angewendet. Wenn die Analyse der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit eine niedrige Konzentration an Beta-Amyloid ergibt und die PET Amyloid-Ablagerungen im Gehirn zeigt, ist eine Alzheimer-Krankheit sehr wahrscheinlich. Allerdings sind solche Tests nicht routinemäßig verfügbar.

Letztlich lässt sich die Alzheimer-Krankheit erst durch eine Hirngewebeprobe bestätigen (nach dem Tod, während einer Autopsie), die unter einem Mikroskop untersucht wird. Hier werden der typische Verlust der Nervenzellen, die neurofibrilläre Knäuel und senile Plaques mit Beta-Amyloid im ganzen Hirn sichtbar, vor allem am Temporallappen, der am Einprägen neuer Erinnerungen beteiligt ist.

Vorbeugung

Die Ergebnisse einiger Studien deuten darauf hin, dass folgende Maßnahmen der Alzheimer-Krankheit eventuell vorbeugen können:

  • Kontrolle des Cholesterinspiegels: Es gibt einige Hinweise darauf, dass ein hoher Cholesterinspiegel möglicherweise mit der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit zusammenhängt. Man sollte also wenig gesättigte Fettsäuren zu sich nehmen und, falls notwendig, von Arzneimitteln (wie Statinen) Gebrauch machen, um Cholesterin und andere Fette (Lipide) zu senken.

  • Kontrolle von hohem Blutdruck: Hoher Blutdruck kann Blutgefäße, die Blut ins Hirn befördern, beschädigen und somit die Sauerstoffzufuhr im Hirn reduzieren, was die Verbindungen zwischen den Nervenzellen unterbrechen kann.

  • Bewegung: Bewegung verbessert die Herzfunktion und kann unter Umständen die Hirnfunktion steigern.

  • Geistig aktiv bleiben: Betroffene sollten weiterhin ihren Geist mit Aktivitäten wie dem Erlernen neuer Fähigkeiten, Kreuzworträtseln und Zeitunglesen fit halten. Dies kann das Wachstum neuer Verbindungen (Synapsen) zwischen Nervenzellen begünstigen und dadurch eine Demenz verzögern.

  • Alkohol in geringen Mengen: In geringen Mengen (nicht mehr als drei Getränke pro Tag) kann Alkohol bei der Senkung von Cholesterin helfen und den Blutkreislauf anregen. Alkohol kann sogar Denk- und Gedächtnisleistungen fördern, indem er die Acetylcholinproduktion anregt und Veränderungen in den Nervenzellen des Gehirns hervorruft. Es gibt allerdings keine sicheren Hinweise darauf, dass Menschen, die keinen Alkohol trinken, mit dem Trinken anfangen sollten, um einer Alzheimer-Erkrankung vorzubeugen. Sobald sich Demenz entwickelt hat, ist Alkoholabstinenz empfehlenswert, da Alkohol die Symptome einer Demenz verschlimmern kann.

Behandlung

  • Sicherheitsmaßnahmen und unterstützende Maßnahmen

  • Arzneimittel, die die geistigen Funktionen verbessern können

Die Behandlung der Alzheimer-Krankheit umfasst allgemeine Maßnahmen zur Sicherung und Unterstützung des Betroffenen, ebenso wie bei allen anderen Demenzformen. Auch manche Arzneimittel können zeitweise helfen. Der Alzheimerkranke, Familienangehörige, andere betreuende Personen sowie die zuständigen medizinischen Fachkräfte sollten sich gemeinsam auf die beste Strategie für den Betroffenen einigen.

Schmerzen und andere Erkrankungen oder gesundheitliche Probleme (wie eine Harnwegsinfektion oder Konstipation) werden behandelt. Dies kann Betroffenen helfen, die geistigen Funktionen aufrechtzuerhalten.

Sicherheitsmaßnahmen und unterstützende Maßnahmen

Eine sichere und unterstützende Umgebung kann sehr hilfreich sein.

Im Allgemeinen sollte die Umgebung hell, fröhlich, sicher und stabil sein und die Orientierung erleichtern. Etwas Stimulation, wie Radio oder Fernsehen, ist ebenfalls hilfreich. Eine Reizüberflutung ist jedoch zu vermeiden.

Ein strukturierter Tag mit Routineabläufen hilft Alzheimerkranken, die Orientierung nicht zu verlieren und gibt ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Stabilität. Änderungen der Umgebung, von Abläufen oder der Betreuer sollten Betroffenen klar und einfach erklärt werden.

Routine im Alltag, wie beim Baden, Essen und Schlafen, hilft Alzheimerkranken, sich an Abläufe zu erinnern. Ein routinemäßiger Ablauf zur Schlafenszeit, kann ihnen beim Schlafen helfen.

Regelmäßig geplante Aktivitäten können Betroffenen dabei helfen, sich selbstständig und gebraucht zu fühlen, indem ihre Aufmerksamkeit auf angenehme und nützliche Aufgaben gelenkt wird. Diese Aktivitäten sollten körperliche und geistige Aktivitäten umfassen. Bei Fortschreiten der Demenz sollten Aktivitäten in kleinere Abschnitte eingeteilt oder vereinfacht werden.

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Eine unterstützende Umgebung für Demenzkranke

Menschen mit Demenz können von einer Umgebung profitieren, die:

  • Sicher ist: Gewöhnlich bedarf es zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen. Beispielsweise kann man große Tafeln aufstellen (wie: „Den Herd ausstellen!“) oder Herd und elektrische Geräte werden mit Zeitschaltuhren ausgestattet. Das Wegschließen von Autoschlüsseln kann Unfälle verhindern und Bewegungsmelder an den Türen können Umherwandern vorbeugen. Wenn der Betroffene häufig herumirrt, können ein Armband oder eine Halskette mit Name und Adresse sinnvoll sein.

  • Vertraut ist: Eine vertraute Umgebung hilft den Demenzkranken, sich zurechtzufinden. Ein Umzug in eine neue Wohnung oder Stadt, das Umstellen von Möbeln oder auch nur eine neue Tapete können die Betroffenen aus dem Gleichgewicht bringen.

  • Stabil ist: Ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Baden, Schlafen und andere Verrichtungen gibt den Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit. Regelmäßiger Kontakt zu bekannten Gesichtern ist hilfreich.

  • die Orientierung erleichtert: Ein großer Tageskalender, eine Uhr mit großen Ziffern, ein Nachtlicht, ein Radio und gut beleuchtete Räume helfen einem Demenzkranken, sich zu orientieren. Pflegepersonal oder pflegende Angehörige sollten möglichst häufig erklären, wo sich der Betroffene befindet und was gerade passiert.

Medikamente

Die Cholinesterase-Hemmer Donepezil, Galantamin und Rivastigmin erhöhen die Konzentration von Acetylcholin im Gehirn. (Acetylcholin ist ein Neurotransmitter, der die Gedächtnisleistung sowie die Lern- und Konzentrationsfähigkeit erhöht.) Diese Konzentration ist bei Alzheimerkranken möglicherweise niedrig. Diese Arzneimittel können die geistige Funktion, einschließlich der Gedächtnisleistung, vorübergehend steigern, sie verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung jedoch nicht. Nicht alle Alzheimerkranken profitieren von diesen Arzneimitteln. Für andere wiederum können sie die Uhr sechs bis neun Monate zurückdrehen. Diese Arzneimittel wirken am besten bei Betroffenen mit einer leichten bis mittelschweren Erkrankung. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen oder -krämpfe.

Memantin scheint den Verlauf der Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen. Memantin kann zusammen mit einem Cholinesterase-Hemmer angewendet werden.

Forscher untersuchen weiterhin Stoffe, die das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verhindern oder verlangsamen können – zum Beispiel Substanzen, die Amyloid-Ablagerungen verringern. Östrogentherapie für Frauen, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen) und Ginkgo biloba wurden untersucht. Jedoch hat davon bisher nichts durchwegs Wirksamkeit gezeigt. Darüber hinaus scheint Östrogen mehr Schaden zu verursachen als Nutzen zu bringen.

Vitamin E ist ein Antioxidans, das theoretisch Nervenzellen vor Schäden schützen oder deren Funktion verbessern kann. Ob Vitamin E nützlich ist, ist unklar.

Vor der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels sollten Betroffene die Risiken und Vorteile mit ihrem Arzt besprechen.

Hilfe für die Pflegenden

Menschen mit Alzheimer-Krankheit zu pflegen, ist belastend und anspruchsvoll und wenn die Pflegenden ihre eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse vernachlässigen, können sie in einen Erschöpfungszustand geraten und regelrechte Depressionen entwickeln. Folgende Maßnahmen können den Pflegenden helfen:

  • Lernen, wie sie die Bedürfnisse von Alzheimerkranken erfüllen können und was sie von ihnen erwarten dürfen: Pflegende können diese Informationen von Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Organisationen erhalten und in Informationsmaterialien oder im Internet nachlesen.

  • Hilfe suchen, wenn es nötig ist: Pflegende können mit Sozialarbeitern über die Hilfsangebote sprechen (einschließlich Sozialarbeiter im örtlichen Krankenhaus), wie Tagespflegeeinrichtungen, häusliche Pflege, Teilzeit- oder Vollzeithilfen im Haushalt und Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause. Eine psychologische Beratung und Selbsthilfegruppen können ebenfalls helfen.

  • Sich um sich selbst kümmern: Pflegende müssen sich um sich selbst kümmern. Freunde, Hobbys und Aktivitäten sollten nicht aufgegeben werden.

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Hilfe für die Pflegenden

Demenzkranke zu pflegen ist belastend und anspruchsvoll, und wenn die Pflegenden ihre eigenen physischen und psychischen Bedürfnisse vernachlässigen, können sie in einen Erschöpfungszustand geraten und regelrechte Depressionen entwickeln. Folgende Maßnahmen können den Pflegenden helfen:

  • Lernen, wie sie die Bedürfnisse von Demenzkranken erfüllen können und was sie von ihnen erwarten dürfen: Beispielsweise sollten Pflegende wissen, dass es nicht sinnvoll ist, einen Demenzkranken auszuschimpfen, wenn er einen Fehler gemacht hat, weil dies die Situation nur verschlimmern kann. Solches Wissen hilft, unnötigen Stress zu vermeiden. Pflegende können ebenfalls lernen, wie man am besten auf Verhaltensprobleme reagiert und somit den Betroffenen schneller beruhigt und manchmal ein Problemverhalten vermeidet.

    Informationen über das Verhalten im Alltag sind vom Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Organisationen erhältlich und können in Informationsmaterialien oder im Internet nachgelesen werden.

  • Hilfe suchen, wenn es nötig ist: Eine Entlastung von der Rund-um-die-Uhr-Betreuung von Demenzkranken lässt sich meist organisieren; je nach dem Verhalten und den Fähigkeiten des Betroffenen sowie den örtlichen und familiären Gegebenheiten. Kranken- und Pflegekassen einschließlich Sozialarbeiter im örtlichen Krankenhaus oder Gesundheitsamt können über die Hilfsangebote informieren.

    Dazu gehören Tagespflegeeinrichtungen, häusliche Pflege und Teilzeit- oder Vollzeithilfen im Haushalt und Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause. Oft können Fahr- und Essensdienste in Anspruch genommen werden. Vollzeitpflege kann sehr teuer sein, viele Krankenkassen übernehmen jedoch einen Teil der Kosten.

    Pflegende können von psychologischer Beratung und Selbsthilfegruppen profitieren.

  • Sich um sich selbst kümmern: Pflegende müssen sich um sich selbst kümmern. So kann körperliche Betätigung die Stimmung wie auch die Gesundheit verbessern. Freunde, Hobbys und Aktivitäten sollten nicht aufgegeben werden.

Langfristige Versorgung

Da die Alzheimerkrankheit eine fortschreitende Erkrankung ist, ist es sehr wichtig, für die Zukunft zu planen. Familienangehörige sollten den Umzug in eine neue Umgebung, die dem Alzheimerkranken mehr Unterstützung und Struktur bietet, schon lange im Voraus geplant haben und sich der Möglichkeiten für eine Langzeitpflege bewusst sein. Solche Pläne werden meist gemeinsam mit dem Arzt, einem Sozialarbeiter, Krankenschwestern und einem Anwalt gemacht, die hauptsächliche Verantwortung liegt allerdings bei den Familienangehörigen.

Entscheidungen darüber, ob ein Alzheimerkranker in eine angemessenere Umgebung umziehen sollte, müssen einerseits die Sicherheit des Betroffenen berücksichtigen sowie darauf abzielen, dem Betroffenen so lange wie möglich das Gefühl zu geben, selbstständig zu sein.

Einige Langzeit-Pflegeeinrichtungen sind auf die Pflege von Alzheimerkranken spezialisiert. Das Personal ist dazu ausgebildet, das Denken und Handeln von Alzheimerkranken zu verstehen und richtig darauf zu reagieren. In diesen Einrichtungen erfolgen routinemäßige Abläufe, die den Bewohnern Sicherheit geben und es werden Aktivitäten angeboten, bei denen sie sich produktiv und ins Leben eingebunden fühlen. Die meisten Einrichtungen verfügen über angemessene Sicherheitsmaßnahmen. Es ist wichtig, eine Einrichtung zu finden, die über angemessene Sicherheitsmaßnahmen verfügt.

Entscheidungen zum Lebensende

Entscheidungen über medizinische Versorgung sowie finanzielle und rechtliche Angelegenheiten sollten getroffen werden, wenn der Alzheimerkranke noch einigermaßen selbstständig ist. Dies wird als Vorausverfügung bezeichnet. Betroffene sollten eine Person ernennen, die berechtigt ist, in ihrem Namen Entscheidungen bezüglich der Behandlung zu treffen (Vorsorgevollmacht). Sie sollten mit dieser Person und dem Arzt besprechen, welche Wünsche sie bezüglich ihrer Pflege haben (siehe rechtliche und ethische Fragen). Solche Angelegenheiten sollten mit allen Betroffenen lange vor der Notwendigkeit solcher Entscheidungen besprochen werden.

Bei fortschreitender Alzheimer-Krankheit konzentriert sich die Behandlung auf das Wohlbefinden des Betroffenen und nicht so sehr auf lebensverlängernde Maßnahmen.

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