Skin Picking Disorder (Exkoriationsstörung)

VonKatharine Anne Phillips, MD, Weill Cornell Medical College;
Dan J. Stein, MD, PhD, University of Cape Town
Überprüft/überarbeitet Juli 2023
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Bei der Skin Picking Disorder zupfen die Betroffenen wiederholt an ihrer Haut herum und verletzen sie damit.

  • Das Skin Picking geht aber möglicherweise ein Gefühl der Anspannung oder Angst voraus, und das Hautzupfen kann dieses Gefühl lindern.

  • Ärzte diagnostizieren diese Störung, wenn Menschen so sehr an ihrer Haut herumzupfen oder nagen, dass sie sich verletzen; wenn sie versuchen, ihr Verhalten zu unterdrücken oder zu beenden und dies aber nicht schaffen, und wenn sie ihr eigenes Verhalten deutlich belastet oder ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.

  • Eine kognitive Verhaltenstherapie (Habit-Reversal-Training), die speziell auf die Skin Picking Disorder ausgerichtet ist und bestimmte Antidepressiva oder N-Acetylcystein oder Memantin können helfen, die Symptome zu lindern.

Personen mit dieser Störung zupfen oder kratzen wiederholt an ihrer Haut herum. Sie tun dies nicht, um einen unschönen oder kranken Pickel oder Schorf loszuwerden (was bei Personen mit körperdysmorpher Störung der Fall ist). Einige Betroffene kratzen an gesunder Haut. Andere kratzen an Schwielen, Pickeln oder Krusten.

Das Skin Picking beginnt oft im Jugendalter, kann jedoch auch in einem anderen Alter anfangen. Ungefähr 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung sind aktuell davon betroffen. 75 Prozent davon sind Frauen.

Symptome der Skin Picking Disorder

Die Methoden und Stellen, an denen die Betroffenen kratzen, variieren von Person zu Person. Manche Betroffene weisen viele wunde und vernarbte Stellen auf. Andere haben nur wenige Narben oder wunde Stellen. Die Stellen, an denen gekratzt wird, können sich mit der Zeit ändern.

Einige Personen kratzen mehr oder weniger automatisch an ihrer Haut, ohne darüber nachzudenken. Andere sind sich der Handlung bewusst.

Die Betroffenen zupfen nicht an ihrer Haut herum, weil sie wegen ihres Äußeren besorgt sind (was ein Symptom der körperdysmorphen Störung sein könnte). Dem Skin Picking geht aber möglicherweise ein Gefühl der Spannung oder Angst voraus, und das Kratzen kann dieses Gefühl lindern. Anschließend überkommt sie häufig ein Gefühl der Befriedigung.

Viele Handlungen (Rituale) können das Skin Picking begleiten. Die Betroffenen können akribisch nach einer Kruste einer bestimmten Art suchen, um daran zu kratzen. Sie reißen die Kruste vielleicht auf eine bestimmte Art ab, zum Beispiel mit den Fingern oder einem Hilfsmittel, wie einer Pinzette. Eventuell beißen sie auf der Kruste herum oder schlucken sie, nachdem sie diese abgerissen haben.

Viele Personen mit Skin Picking Disorder rupfen sich auch wiederholt die Haare aus, kauen ihre Nägel oder ihre Wange oder führen andere körperbezogene repetitive Handlungen aus. Einige Betroffene kratzen die Haut anderer Personen.

Den Betroffenen ist ihr Aussehen möglicherweise peinlich oder sie schämen sich dafür oder ihre Unfähigkeit ihr Verhalten zu kontrollieren. Infolgedessen vermeiden sie möglicherweise Situationen, in denen andere die Hautschäden sehen können. Normalerweise kratzen sie sich nicht vor anderen, abgesehen von Familienmitgliedern. Viele Betroffene versuchen, die Hautschäden mit Kleidung oder Make-up zu kaschieren. Die Personen sind möglicherweise wegen ihres Kontrollverlusts verzweifelt und versuchen wiederholt, das Zupfen an ihrer Haut zu unterbinden, schaffen es aber nicht.

Bei übermäßigem Skin Picking kann dies zu Narbenbildung, Infektionen, starken Blutungen und sogar zu einer schweren Infektion des Blutkreislaufs führen (Septikämie).

Viele Menschen mit Skin Picking Disorder leiden auch an anderen psychischen Gesundheitsstörungen, wie einer Zwangsstörung, Trichotillomanie und Depression.

Die Symptome variieren hinsichtlich der Intensität, können sich aber ein Leben lang fortsetzen.

Diagnose der Skin Picking Disorder

  • Ärztliche Beurteilung auf der Basis spezifischer psychiatrischer Diagnosekriterien

Ärzte stützen die Skin-Picking-Diagnose auf folgende Symptome:

  • Starkes Hautkratzen, sodass die Haut geschädigt wird

  • Wiederholter Versuch, das Zupfen zu unterdrücken

  • Gefühl tiefer Verzweiflung oder beeinträchtigte Arbeits- und Lebensweise aufgrund der Skin Picking Disorder

Behandlung der Skin Picking Disorder

  • Kognitive Verhaltenstherapie (insbesondere Habit-Reversal-Training)

  • Arzneimittel

Eine kognitive Verhaltenstherapie – vor allem das Habit-Reversal-Training, das speziell auf die Skin Picking Disorder ausgerichtet ist – kann auch zur Verringerung der Symptome beitragen. Beim Habit-Reversal-Training lernen die Patienten das Folgende:

  • Sich ihres Hautzupfens mehr bewusst zu werden

  • Situationen zu erkennen, die dieses Verhalten auslösen

  • Strategien einsetzen, die ihnen helfen, sich selbst am Skin Picking zu hindern, z. B., indem sie diese durch eine andere Handlung ersetzen (etwa ihre Faust ballen, Stricken oder auf ihren Händen sitzen)

N-Acetylcystein (NAC) und Memantin wirken sowohl auf das glutamaterge System als auch auf das Hautzupfen. Eine Behandlung mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (eine Art Antidepressivum) oder Clomipramin kann ebenfalls hilfreich sein und die Symptome einer gleichzeitig bestehenden Depression oder Angststörungen verbessern.