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Dissoziative Amnesie

Von

David Spiegel

, MD, Stanford University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2019| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2019
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Dissoziative Amnesie ist eine Gedächtnisstörung (Gedächtnisverlust), die durch Traumata oder Stress ausgelöst wurde und zur Unfähigkeit führt, sich an wichtige persönliche Informationen erinnern zu können.

  • Die Betroffenen haben Gedächtnislücken, die wenige Minuten bis zu Jahrzehnte umfassen können.

  • Diagnostiziert wird die Störung auf der Basis von Symptomen, nachdem durch Untersuchungen andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden.

  • Methoden zur Wiederherstellung des Gedächtnisses wie Hypnose und medikamentengestützte Befragungen werden eingesetzt, um die Gedächtnislücken zu schließen.

  • Psychotherapie ist notwendig, um Betroffenen zu helfen, mit dem Erlebnis, das die Störung verursacht hat, umzugehen.

Amnesie ist die komplette oder teilweise Unfähigkeit, sich an jüngste Erlebnisse oder Erlebnisse aus der entfernten Vergangenheit zu erinnern. Wenn Amnesie durch psychologische statt physische Störungen hervorgerufen wurde, nennt man sie dissoziative Amnesie.

Bei dissoziativer Amnesie beinhaltet der Gedächtnisverlust normalerweise Informationen, die Teil der laufenden bewussten Wahrnehmung oder des autobiographischen Gedächtnisses sind:

  • Wer man ist

  • Wo man war

  • Mit wem man geredet hat

  • Was man getan, gesagt, gedacht oder gefühlt hat

Oft sind die verlorenen Erinnerungen Informationen über ein traumatisches oder belastendes Ereignis, wie etwa Missbrauch in der Kindheit. Manchmal beeinflussen diese Informationen das Verhalten, obwohl der Betroffene sie vergessen hat. Zum Beispiel vermeidet eine Frau, die in einem Fahrstuhl vergewaltigt wurde, Fahrstühle und weigert sich, sie zu benutzen, obwohl sie sich an keinerlei Details des Übergriffs erinnern kann.

Eine dissoziative Amnesie ist bei Frauen häufiger als bei Männern und betrifft normalerweise Personen, die traumatische Situationen durchgemacht haben oder Zeuge davon wurden, wie beispielsweise körperlicher oder sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Krieg, Völkermord, Unfälle, Naturkatastrophen oder der Tod einer geliebten Person. Diese Art der Amnesie kann auch als Folge von Sorge über schwere finanzielle Probleme oder als Folge eines großen inneren Konflikts (wie Schuldgefühle über bestimmte Impulse oder Handlungen, anscheinend unlösbare zwischenmenschliche Schwierigkeiten oder begangene Verbrechen) auftreten.

Dissoziative Amnesie kann noch für einige Zeit nach dem traumatischen Erlebnis anhalten. Manchmal scheinen Betroffene ihr Gedächtnis spontan wiederzuerlangen.

Wie genau solche zurückgewonnenen Erinnerungen die tatsächlichen vergangenen Ereignisse widerspiegeln, ist eventuell unklar, sofern diese nicht von anderen Personen oder durch Beweise bestätigt werden.

Symptome

Das vorherrschende Symptom der dissoziativen Amnesie ist der Gedächtnisverlust.

Ein Gedächtnisverlust kann Folgendes beinhalten:

  • Ein bestimmtes Ereignis/bestimmte Ereignisse oder einen bestimmten Zeitraum, beispielsweise die Monate oder Jahre, in denen eine Person als Kind missbraucht wurde oder die im Krieg verbracht wurden (lokalisierte Amnesie)

  • Nur bestimmte Aspekte eines Ereignisses oder nur bestimmte Ereignisse in einem Zeitraum (selektive Amnesie)

  • Die persönliche Identität und gesamte Lebensgeschichte, manchmal einschließlich sicher erworbener Fertigkeiten und Informationen über die Welt (generalisierte Amnesie)

  • Informationen einer bestimmten Kategorie, wie zum Beispiel Informationen über eine bestimmte Person oder deren Familie (systematisierte Amnesie)

  • Jedes neu auftretende Ereignis (kontinuierliche Amnesie)

Die generalisierte Amnesie ist selten. Sie tritt häufiger bei Kriegsveteranen, Personen, die Opfer sexueller Übergriffe wurden und Personen, die extremen Belastungen oder Konflikten ausgesetzt waren, auf. In der Regel beginnt sie plötzlich.

Die Amnesie tritt möglicherweise nicht sofort nach dem traumatischen oder belastenden Ereignis auf. Dies kann nach Stunden, Tagen oder sogar noch später passieren.

Kurz nach dem Gedächtnisverlust erscheinen manche Betroffene verwirrt. Einige sind sehr verzweifelt. Andere merkwürdig gleichgültig.

Die meisten Personen mit dissoziativer Amnesie haben eine oder mehrere Gedächtnislücken. Diese Lücken umfassen in der Regel wenige Minuten bis zu ein paar Stunden oder Tage, können aber auch Jahre, Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Leben umfassen. Die meisten Personen sind sich nicht bewusst oder nur teilweise bewusst, dass sie Gedächtnislücken haben. Dies wird ihnen erst später klar, wenn Erinnerungen zurückkehren oder wenn sie mit Dingen, die sie getan haben, direkt konfrontiert werden, sich aber nicht daran erinnern können.

Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Einige Personen haben Flashbacks, wie sie bei posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) auftreten. Das bedeutet, sie durchleben Ereignisse erneut, als würden sie tatsächlich passieren und haben kein Bewusstsein über die anschließende persönliche Vergangenheit, zum Beispiel, dass sie das Trauma überlebt haben. Flashbacks können sich mit Amnesie in Bezug darauf abwechseln, was während des Flashbacks geschah. Einige Personen mit dissoziativer Amnesie entwickeln später eine PTBS, vor allem, wenn sie sich des Traumas oder der belastenden Situation, die die Amnesie hervorgerufen hatte, bewusst werden.

Die Personen haben auch vage Symptome wie Müdigkeit, Schwächegefühl oder Schlafprobleme. Depressionen und Selbstmord- bzw. sonstiges selbstzerstörerisches Verhalten (beispielsweise Substanzmissbrauch und waghalsiges Sexualverhalten) sind häufig. Das Risiko für Selbstmordverhalten kann sich erhöhen, wenn die Amnesie plötzlich überwunden ist und die Betroffenen von den traumatischen Erinnerungen überwältigt werden.

In seltenen Fällen gehen Personen mit einer extremen Form der dissoziativen Amnesie plötzlich für eine Weile von zu Hause weg. Während dieser Zeit erinnern sie sich nicht an Teile ihres Lebens oder an ihr gesamtes Leben, einschließlich daran, wer sie sind (ihre Identität). Diese Episoden werden als dissoziative Fugue bezeichnet.

Diagnose

  • Untersuchung durch den Arzt

  • Manchmal Untersuchungen zum Ausschluss anderer Ursachen

Ärzte diagnostizieren eine dissoziative Amnesie auf der Basis der Symptome des Betroffenen:

  • Sie können sich nicht an wichtige persönliche Informationen (für gewöhnlich im Zusammenhang mit dem Trauma oder der Belastung) erinnern, die sie normalerweise nicht vergessen würden.

  • Die Symptome belasten sie sehr oder beeinträchtigen die Lebensweise der Betroffenen in sozialen Situationen oder am Arbeitsplatz.

Es wird auch eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um neurologische Ursachen der Amnesie wie etwa Demenz auszuschließen.

Manchmal sind weitere Untersuchungen erforderlich, um andere Ursachen der Amnesie auszuschließen. Die Tests umfassen:

  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) zum Ausschluss eines Hirntumors oder von strukturellen Hirnerkrankungen

  • Elektroenzephalographie (EEG) zum Ausschluss einer Anfallkrankheit

  • Blut- oder Urintests auf Toxine und Drogen, um beispielsweise den Konsum von Freizeit- oder illegalen Drogen auszuschließen.

Es wird auch eine psychologische Untersuchung durchgeführt. Spezielle psychologische Tests helfen Ärzten oft, die dissoziativen Erfahrungen einer Person besser zu charakterisieren und zu verstehen und dadurch einen Behandlungsplan zu entwickeln.

Prognose

Manchmal kehren die Erinnerungen schnell zurück, zum Beispiel, wenn die Betroffenen aus der traumatischen oder belastenden Situation (wie etwa Krieg) befreit werden. In anderen Fällen hält die Amnesie lange Zeit an, vor allem bei Personen mit dissoziativer Fugue. Die Symptome können mit dem Alter abnehmen.

Die meisten Menschen gewinnen, was ihre verlorenen Erinnerungen zu sein scheinen, wieder zurück und lösen die Konflikte, die die Amnesie verursacht haben. Manche Menschen überwinden jedoch nie die Barrieren, die sie davon abhalten, sich an ihre Vergangenheit zu erinnern.

Behandlung

  • Ein unterstützendes Umfeld

  • Manchmal Techniken zum Abruf der Erinnerung (beispielsweise Hypnose)

  • Psychotherapie

Unterstützendes Umfeld

Im ersten Schritt der Behandlung helfen die Ärzte den Betroffenen, ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen, zum Beispiel, indem sie ihnen helfen, weitere Traumata zu vermeiden. Falls die Betroffenen keinen zwingenden Grund haben, die Erinnerung an ein schmerzliches Ereignis wiederzuerlangen, ist diese unterstützende Behandlung möglicherweise bereits ausreichend. Die Betroffenen können die verlorenen Erinnerungen nach und nach zurückgewinnen.

Techniken zum Abruf der Erinnerung

Wenn sich die Gedächtnislücken nicht von selbst wieder schließen oder wenn es dringend erforderlich ist, diese Erinnerungen wiederzuerlangen, sind Gedächtnisabruf-Techniken oft erfolgreich. Hierzu gehören

  • Hypnose

  • Medikamentengestützte Gespräche (Befragungen, die durchgeführt werden, nachdem ein Sedativum wie etwa ein Barbiturat oder Benzodiazepin intravenös verabreicht wurde)

Ärzte führen eine Hypnose und medikamentengestützte Befragung durch, um die Angst vor der Erinnerung an die Zeit zu nehmen, die Gedächtnislücken aufweist, oder um die Abwehrmethoden zu überwinden oder zu umgehen, die die Betroffenen entwickelt haben, um sich vor der Erinnerung an schmerzhafte Erfahrungen oder Konflikte zu schützen.

Ärzte achten jedoch darauf, nicht nahezulegen, an was man sich erinnern soll (und dadurch falsche Erinnerungen zu generieren), oder extreme Angst auszulösen. Sich an die traumatischen Umstände zu erinnern, die den Gedächtnisverlust angeregt haben, ist oft sehr beunruhigend.

Außerdem müssen Erinnerungen, die durch solche Techniken zurückgerufen wurden, nicht unbedingt korrekt sein und können die Bestätigung durch eine andere Person oder Quelle benötigen. Darum informieren Ärzte Betroffene vor der Hypnose oder einer medikamentengestützten Befragung darüber, dass Erinnerungen, die mit diesen Techniken zurückgerufen werden, nicht korrekt sein müssen, und bitten um die Einwilligung zur Durchführung.

Die Ärzte versuchen auch, den Patienten mit dissoziativer Amnesie zu versichern, dass sie ihnen helfen wollen. Personen, die missbraucht wurden, insbesondere während der Kindheit, sind Therapeuten gegenüber manchmal misstrauisch und erwarten vielleicht, dass diese sie ausnutzen oder missbrauchen und ihnen unangenehme Erinnerungen aufdrängen, anstatt ihnen zu helfen, die echten Erinnerungen wiederzuerlangen.

Gedächtnislücken weitestgehend zu schließen hilft, die Kontinuität der persönlichen Identität und das Selbstgefühl wiederherzustellen.

Psychotherapie

Nachdem die Amnesie überwunden wurde, hilft eine dauerhafte Psychotherapie den Betroffenen bei Folgendem:

  • Das Trauma oder den Konflikt, das/der die Störung hervorgerufen hat, zu verstehen

  • Lösungswege zu finden

  • Zukünftige Traumatisierung nach Möglichkeit zu vermeiden

  • Das Leben weiterzuleben

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